Eddy Merckx (* 17. Juni 1945 in Meensel-Kiezegem; bürgerlich Édouard Louis Joseph Baron Merckx) ist ein ehemaliger belgischer Radsportler. Er gilt als der erfolgreichste Fahrer der Radsportgeschichte und gewann in den 1960er und 1970er Jahren alle drei Grand Tours, alle fünf Monumente und drei Weltmeistertitel der Berufssportler. Seine simultane Dominanz in verschiedensten Disziplinen, die ihm den Spitznamen Der Kannibale einbrachte, zeigt sich auch in sieben Siegen in der Super-Prestige-Pernod-Wertung, die er zwischen 1969 und 1975 jährlich für sich entschied.
Mit jeweils fünf Gesamtsiegen ist er Rekordhalter bei der Tour de France und dem Giro d’Italia. Im Jahr 1973 gewann er auch die Vuelta a España. Weiters ist er mit sieben bzw. fünf Siegen alleiniger Rekordhalter bei Mailand–Sanremo und Lüttich–Bastogne–Lüttich. Neben drei Siegen bei Paris–Roubaix war er auch zweimal bei der Flandern-Rundfahrt und Lombardei-Rundfahrt erfolgreich. Im Jahr 1974 schaffte er als erster Fahrer die Triple-Crown (Giro, Tour und WM) innerhalb einer Saison. Insgesamt werden Eddy Merckx 525 Siege zugeschrieben, wobei er 34 Etappenerfolge bei der Tour de France feierte.
Auf der Bahn stellte Eddy Merckx im Jahr 1972 einen neuen Stundenweltrekord auf. Zudem wurde er Europameister im Madison (1970, 1977) und Omnium (1975). Zudem gewann er 17 Sechstagerennen.
Eddy Merckx begann bereits in jungen Jahren mit dem Radsport, ehe er im Alter von 16 Jahren als Amateur seine ersten Rennen bestritt. Im Jahr 1964 wurde er mit nur 19 Jahren Weltmeister der Amateure. Mit dem Jahr 1965 wurde Merckx Berufssportler bei Solo–Superia, ehe er im Jahr darauf für die Peugeot-BP-Michelin-Mannschaft den Klassiker Mailand–Sanremo gewann. Im Jahr 1967 bestritt er mit dem Giro d’Italia seine erste Grand Tour, ehe er seinen ersten Weltmeistertitel der Berufsradfahrer holte.
Mit der Saison 1968 begann die Merckx-Ära, in der er jeweils fünf Siege bei der Tour de France und dem Giro d’Italia feierte. Zudem war er auch bei seinem einzigen Vuelta-a-España-Antritt erfolgreich. Weiter gewann er zahlreiche große Eintagesrennen und zwei weitere Weltmeistertitel. Die Merckx-Ära endete im Jahr 1975, als er sich dem Franzosen Bernard Thévenet bei der Tour de France geschlagen geben musste. Dabei brach der Kannibale bei der Bergankunft von Pra-Loup ein und sollte danach nie wieder im Führungstrikot einer großen Landesrundfahrt fahren. Sein letzter großer Sieg gelang Eddy Merckx im Jahr 1976 bei Mailand–Sanremo, ehe er seine Karriere im Alter von 32 Jahren während der Saison 1978 beendete.
Édouard Louis Joseph Baron Merckx kam am 17. Juni 1945 in der kleinen belgischen Gemeinde Meensel-Kiezegem (heute Tielt-Winge) zur Welt. Wenige Monate nach seiner Geburt zogen seine Eltern Jules Merckx und Jenny Pittomvils nach Brüssel, wo sie ein Lebensmittelgeschäft betrieben. Eddy Merckx wuchs gemeinsam mit seinen jüngeren Geschwistern Michel und Micheline im Stadtteil Sint-Pieters-Woluwe auf, wo er in jungen Jahren viel Zeit im Goudvinkenplein verbrachte. Dieser wurde später zu seinen Ehren in Eddy Merckx Square umbenannt. Da Merckx aus armen Verhältnissen kam, teilte er sich mit seinen Eltern und Geschwistern ein Schlafzimmer.
Bereits in jungen Jahren war Eddy Merckx sportlich aktiv. Er spielte Tennis, Basketball und Fußball. Mit vier Jahren beschloss er jedoch, Radsportler zu werden, da ihn die Radioberichterstattung der Tour de France faszinierte. Als seine früheste Kindheitserinnerung nannte Merckx später einen Sturz, der sich im Alter von vier Jahren ereignete. Laut eigenen Angaben hatte er damals so schnell getreten, dass seine Füße den Pedalen nicht hatten folgen können. Sein Idol war damals der Belgier Stan Ockers, der jedoch im Jahr 1956 bei den Sechstagerennen von Antwerpen tödlich verunglückte. Eddy Merckx war damals erst 13 Jahre alt.
Im Jahr 1961 löste Eddy Merckx im Alter von 16 Jahren seine erste Lizenz. Sein erstes Rennen in Laken beendete er auf dem sechsten Platz, ehe er im Oktober seinen ersten Sieg in Petit-Enghien feierte. Neben der Unterstützung durch seine Eltern begann Eddy Merckx nun auch unter der Aufsicht des ehemaligen Radsportlers Félicien Vervaecke zu trainieren, der in derselben Straße wie Merckx wohnte und ein Radgeschäft betrieb. In seiner ersten Saison als Amateur bestritt Eddy Merckx zwölf Rennen. Im Jahr darauf ging Merckx bereits an 55 Rennen an den Start, von denen er 23 gewann. Darunter war auch der belgische Meistertitel der Amateure. Mit seinen zunehmenden Erfolgen im Radsport gingen jedoch schlechte Schulnoten einher. Um sich ganz auf den Radsport zu fokussieren, brach Eddy Merckx die Schule bereits in jungen Jahren ab. Obwohl sein Vater mit dieser Entscheidung nicht einverstanden war, unterstütze er die Karriere seines Sohnes auch weiterhin.
Nachdem er auch im Jahr 1963 zahlreiche Rennen gewonnen hatte, krönte sich Eddy Merckx im Jahr 1964 zum bis dahin jüngsten Amateur-Weltmeister der Geschichte. Mit nur 19 Jahren setzte er sich dabei auf einem anspruchsvollen Parcours von Sallanches vor seinem Landsmann Willy Planckaert durch. Wenige Wochen später ging er als Mitfavorit bei den Olympischen Spielen von Tokio an den Start, verpasste als Zwölfter jedoch eine Medaille.
1965: Profi-Vertrag bei Solo-Superia
Nachdem er als Amateur bereits 80 Rennen gewonnen hatte, erhielt Eddy Merckx am 29. April 1965 im Alter von 19 Jahren seinen ersten Profi-Vertrag. Er fuhr nun für das belgische Solo–Superia-Team, das von dem zweifachen Weltmeister Rik Van Looy angeführt wurde. Am 11. Mai feierte Merckx beim Grand Prix Stad Vilvoorde seinen ersten Sieg als Profi. Es folgten acht weiter Siege bei belgischen Eintagesrennen. Zudem musste er sich bei der belgischen Meisterschaft nur dem zwei Jahre älteren Walter Godefroot geschlagen geben, der im Jahr zuvor die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen geholt hatte. Am Ende der Saison ging Eddy Merckx erstmals bei den Straßenradsport-Weltmeisterschaften der Berufsradsportler an den Start und belegte als jüngster Starter den 21. Rang. Im November gewann er mit seinem Teamkollegen Patrick Sercu die Sechstage von Gent. Obwohl Merckx die Solo–Superia-Mannschaft nach nur einem Jahr verließ, sollte das Duo in den nachfolgenden Jahren noch zahlreiche weitere Siege feiern.
1966: Durchbruch bei Peugeot-BP-Michelin
Nach nur einer Saison wechselte Eddy Merckx zur Peugeot-BP-Michelin-Mannschaft, für die internationale Radsportgrößen wie Tom Simpson und Roger Pingeon fuhren. Anlass für den Wechsel war die Stimmung im Solo–Superia-Team, wo sich Eddy Merckx von Rik Van Looy und dessen Helfern nicht respektiert fühlte. Insbesondere der amtierende Weltmeister Tom Simpson nahm nun eine Mentor-Rolle für den 20-jährigen Merckx ein. Bereits bei seinem ersten Saisonrennen, dem Omloop Het Volk, zeigte Eddy Merckx mit Platz drei auf, ehe er bei Paris–Nizza den vierten Gesamtrang belegte. Er musste sich dabei nur dem fünffachen Tour-de-France-Sieger Jacques Anquetil sowie Raymond Poulidor und Vittorio Adorni geschlagen geben. Nur vier Tage nachdem er das Ziel in Nizza erreicht hatte, gewann Eddy Merckx den italienischen Klassiker Mailand–Sanremo im Sprint aus einer kleinen Gruppe. Er war dabei der zweitjüngste Sieger in der Geschichte des Rennens. Im Anschluss folgten Starts bei der Flandern-Rundfahrt und Paris–Roubaix, wo er jedoch eine Top-Platzierung verpasste. Dafür fuhr er als Achter in die Top-10 von Lüttich–Bastogne–Lüttich. Nachdem er mit dem Circuit du Morbihan erstmals die Gesamtwertung einer Rundfahrt für sich entschieden hatte, wurde er Zwölfter der Straßenradsport-Weltmeisterschaften vom Nürburgring, ehe er am Ende der Saison hinter Felice Gimondi Zweiter der Lombardei-Rundfahrt wurde. Insgesamt feierte Merckx in seiner zweiten Profi-Saison 20 Siege, wobei er vorrangig bei Eintagesrennen erfolgreich war.
Zu Beginn der Saison 1967 gewann Eddy Merckx zwei Etappen des Giro di Sardegna. Im Anschluss ging er bei Paris–Nizza an den Start, wo er mit einem Etappensieg auf dem zweiten Abschnitt die Gesamtführung übernahm. Trotz eines weiteren Tagessiegs musste er sich seinem Teamkollegen Tom Simpson unterordnen, der die Fernfahrt schließlich mit einem Vorsprung von mehr als zwei Minuten gewann. Wenige Tage später wiederholte Merckx seinen Sieg bei Mailand–Sanremo, wo er sich im Sprint einer kleinen Gruppe vor den Italienern Gianni Motta, Franco Bitossi und Felice Gimondi durchsetzte. Weiters gewann der den Flèche Wallonne und musste sich bei Lüttich-Bastogne-Lüttich nur seinem Landsmann Walter Godefroot geschlagen geben. Im Mai folgte sein Grand-Tour-Debüt beim Giro d’Italia, wo er die Bergankunft am Blockhaus und den Massensprint in Lido degli Estensi gewann. Im Gesamtklassement lag bis kurz vor dem Ende der Rundfahrt auf Podiumskurs, ehe er auf der 21. Etappe viel Zeit einbüßte und letztlich Gesamtneunter wurde. Auf den siegreichen Felice Gimondi fehlten ihm letztlich rund 12 Minuten. Dennoch bestätigte Merckx seine Fähigkeiten bei anspruchsvollen Bergetappen, nachdem er zunächst als Sprinter und Klassiker-Spezialist gegolten hatte. So titelte die Gazzetta dello Sport nach seinem Sieg auf dem Blockhaus: „Belgischer Sprinter siegt in den Bergen“.