Ebo von Reims (auch Ebbo; * wohl 778; † 20. März 851 in Hildesheim) war von 816 bis 835 und von 840 bis 841 Erzbischof von Reims und von 845 bis 851 Bischof von Hildesheim.
Ebo war nach dem Inhalt einer Schmähschrift der einzige Sohn eines auf einem Krongut arbeitenden sächsischen leibeigenen Bauern und Milchbruder des späteren Kaisers Ludwig des Frommen. Seine Mutter hieß Himiltrudis. Ebo erhielt von Karl dem Großen seine Freiheit und wurde an der kaiserlichen Hofschule an der Aachener Königspfalz als Mitschüler Ludwigs des Frommen für eine kirchliche Laufbahn erzogen. Da er zwar zum Freien („liber“), aber nicht zum Edlen („nobilis“) erhoben worden war, verspottete ihn später der Biograph Ludwigs des Frommen, Chorbischof Thegan von Trier, indem er ihn als niederen Bauern und Sklaven bezeichnete, dessen Vorfahren Ziegenhirten gewesen seien.
Ebo war begabt, ehrgeizig und tatkräftig und stieg rasch auf. Schon 814 soll er Abt gewesen sein. Er wurde zu Ludwig dem Frommen nach Aquitanien entsandt, um diesem bei der Verwaltung seines Teilkönigreichs zu assistieren. Ludwig machte ihn zu seinem Bibliothekar. Schon im Herbst 816 ernannte ihn der nunmehrige Kaiser Ludwig der Fromme zum Erzbischof von Reims, als Nachfolger Wulfars. Damit war er bis zur Jahrtausendwende der einzige nichtadelige Bischof beidseits des Rheins.
In Reims wahrte und erweiterte Ebo zielstrebig Besitz, Rechte und Privilegien seines Sprengels, wobei ihm das Vertrauen und die Freundschaft des Kaisers dienlich waren. Eine Reihe von Kirchen und Gütern im Umkreis von Reims, die dem Stift zuvor entfremdet worden waren, kamen auf kaiserliche Anweisung wieder in den Besitz des Erzbistums. Zum Wiederaufbau der verfallenden Kathedrale, einem Vorgängerbau der berühmten Kathedrale von Reims, wurden Ebo die Stadtmauern und Tore von Reims überlassen und die üblichen Arbeitsleistungen seiner Kirche für die Pfalz in Aachen erlassen.
827 gestaltete Ebo die Abtei Montier-en-Der im Sinne der von Benedikt von Aniane begonnenen Reform aus einem Stift von Kanonikern wieder zu einem Benediktinerkloster um. Um Missbräuchen zu wehren, verfasste er eine Zusammenstellung der Amtspflichten von Pröpsten, Archidiakonen, Chorbischöfen und Bischöfen, in der er deren Stellung, Rechte und Pflichten präzisierte und scharf umgrenzte. Nach der Pariser Synode von 829, die sich gegen den Wirrwarr der verschiedenen im Gebrauch befindlichen Bußbücher ausgesprochen hatte, beauftragte er seinen Suffraganbischof Halitgar von Cambrai, ein neues Bußbuch zu erarbeiten, um der herrschenden Verwirrung ein Ende zu bereiten. 832 stellte er im Auftrage Ludwigs die Ordnung im Kloster St. Denis her.
Ebo war eitel und geltungssüchtig, und als mächtigem Kirchen- und Reichsfürsten mangelte es ihm nicht an echten und falschen Anhängern und Verehrern. Die Huldigungen des Erzbischofs Agobard von Lyon, der ihm einen theologischen Traktat widmete, und die Verse des Walahfrid Strabo schmeichelten ihm, ebenso wie das Lobgedicht im Evangeliar aus dem Kloster Hautvillers bei Épernay, dem so genannten „Ebo-Evangeliar“.
Ebo und Erzbischof Agobard von Lyon gehörten zu den führenden Köpfen der religiös aufgeladenen Reichseinheitspartei (ein Gott, eine Kirche, ein Reich) und zu denen, die Ludwig den Frommen dazu brachten, die christliche Mission nördlich der Reichsgrenzen wieder zu beleben. Die Zeit schien günstig. Der dänische Wikingerkönig Gudfred, ein mächtiger Gegner Karls des Großen, war 810 ermordet worden, sein Neffe und Nachfolger Hemming war bereits 812 gestorben, und um seine Nachfolge wurden erbitterte Erbfolgekriege geführt. Die Bekehrung der Dänen zum Christentum war für das Frankenreich von Interesse, da man mit einer Taufe des seit 812 mit den Söhnen Gudfreds um die Vorherrschaft in Dänemark kämpfenden Harald Klak diesem die Herrschaft dort zu sichern und sein Vasallenverhältnis zu Ludwig zu stärken hoffte. Um die Unterstützung Kaiser Ludwigs zu erhalten, war Harald Klak schon 814 dessen Lehnsmann in Friesland geworden. Ebos Einsatz für die nordische Mission war somit weniger auf Glaubenseifer als auf Ehrgeiz und vollem Einverständnis mit Ludwigs Reichspolitik begründet.
Nach Erhalt des Missionsauftrags des Kaisers und der Zustimmung des Reichstages zu Attigny 822, auf dem Ludwig seinen öffentlichen Bußakt ausgeführt hatte, reiste Ebo nach Rom, wo er 822 oder 823 mit einer Papstbulle von Papst Paschalis I. den Missionsauftrag für den Norden erhielt, ohne dass das Missionsgebiet dabei näher umschrieben wurde. Damit wurde Ebo Missionsvikar und Missionslegat des Papstes nach dem Vorbild des Bonifatius. Der Papst schärfte Ebo auch ein, in allen Zweifelsfragen bei ihm rückzufragen, wie es schon für Bonifatius gegolten hatte.
Im Sommer 823 unternahm Ebo seine erste Missionsreise nach Dänemark, begleitet von den Bischöfen Halitgar von Cambrai und Willerich von Bremen. Als Stützpunkt und geistliche Bildungsstätte für die dänische Mission gründete er im heutigen Münsterdorf in Holstein am Ufer der Stör im Schutz der Wallburg Esseveldoburg (in oder bei dem späteren Itzehoe) ein kleines Bethaus, die „Cella Welana“ (oder Cella Wellana, auch Cella Welanao).
Im Verlauf der nächsten drei Jahre, allerdings mit langen Unterbrechungen (bezeugt ist z. B. seine Anwesenheit auf dem Reichstag zu Compiègne im November 823), widmete sich Ebo, dessen Bestellung zum Legaten von Papst Eugen II. (824–827) erneuert worden war, bei langen Sommeraufenthalten der Missionsarbeit in Dänemark. Er gewann aber weder Harald Klak noch andere der dänischen Großen für das Christentum, und der erbitterte Erbkrieg zwischen Harald Klak und den Söhnen Gudfreds zwang ihn schließlich, seine missionarische Arbeit aufzugeben.
Die Position Harald Klaks, der seit 821 in einer unsicheren Ko-Regentschaft mit Gudreds Sohn Horik I. in Dänemark geherrscht hatte, war zunehmend schwächer geworden. Zwar hatte Ebo noch 825 ein neues Abkommen zwischen Harald und Horik vermittelt, aber dies war angesichts der tiefsitzenden Feindschaft der Antagonisten nur von kurzer Dauer. Die offensichtliche Parteinahme der Franken für Harald war nicht angetan, den Argwohn Horiks und der dem Christentum zumeist ablehnend gegenüberstehenden Bevölkerung zu besänftigen. 826 reiste Harald auf Einladung Kaiser Ludwigs nach Ingelheim, wo er auf einer Reichsversammlung mit großem Gepränge in der dortigen Kaiserpfalz empfangen wurde. Am 24. Juni ließ er sich mit seiner Frau und seinem Sohn Gottfried in ihrem Gefolge im Stift St. Alban bei Mainz taufen. Ludwig selbst wurde Haralds Pate und belehnte ihn mit der Grafschaft Rüstringen im Nordosten Frieslands. Auf seiner Rückreise 827 begleitete Harald der bisherige Vorsteher der Klosterschule von Corvey, Ansgar, der die nordische Mission dort fortsetzen sollte. Harald wurde aber schon im gleichen Jahr endgültig aus Dänemark vertrieben; tatsächlich ist nicht einmal gesichert, ob er überhaupt dänischen Boden noch einmal betrat. Seine Taufe hatte weder die Ausbreitung des Christentums gesichert noch der Mission selbst genützt. Er musste sich mit den Hoheitsrechten in Friesland begnügen, wo er sich durch Raubzüge im Nordseebereich einen Namen machte.
Die dänische Mission wurde erst nach 831 durch Ansgar wieder aufgenommen. Vermutlich im November 831 war Ebo bei der Weihe Ansgars zum Erzbischof von Hamburg anwesend. Ansgar wurde der neue Legat Roms für die nordische Mission. Papst Gregor IV. hatte, als er Ansgar das Pallium überreichte, bestimmt, dass die Schwedenmission in Ebos Händen bleiben solle. Demgemäß verständigten sich Ebo und Ansgar darauf, dass Ebos Neffe Gauzbert unter Ebos Aufsicht die Missionstätigkeit in Schweden leiten sollte, während Ansgar die Dänenmission übernahm.
Die Jahre 831–833 brachten eine entscheidende Wende im Leben Ebos: aus dem Freund und Vertrauten Kaiser Ludwigs wurde ein erbitterter Feind, der bei der Entmachtung des Kaisers durch seine Söhne eine zentrale und unwürdige Rolle spielte.
Ludwig hatte schon 817 mit der Ordinatio imperii die Erbfolge unter seinen drei Söhnen geordnet. Um die Einheit des Reiches zu wahren, sollte zwar jeder ein Teilkönigreich erhalten, aber doch innerhalb eines einzigen Großreiches unter dem zukünftigen Kaiser Lothar, dem ältesten der Söhne. Diese von den Großen des Reiches nahezu einhellig mitgetragene Regelung stieß er aber 829 zugunsten seines 823 aus seiner zweiten Ehe geborenen Sohnes Karls des Kahlen um. Kaiserin Judith hatte schon bald nach der Geburt ihres Sohns Karl (am 13. Juni 823) einen Ring an Ebo in Dänemark übersandt und ihn gebeten, den jüngsten Kaisersohn niemals im Gebet zu vergessen. Ebos Position und Einfluss und sein entschiedenes Eintreten für die Reichseinheit ließen sie befürchten, dass er gegen ihre Pläne einer territorialen Ausstattung Karls und somit einer Änderung der Ordinatio imperii von 817 eintreten würde.