Eberhard Friedrich Walcker (* 3. Juli 1794 in Cannstatt; † 2. Oktober 1872 in Ludwigsburg) war ein deutscher Orgelbauer und wie noch sein Enkel Oscar Walcker (1869–1948, Unternehmensinhaber ab 1916) „Walcker Hof-Orgelbaumeister unter König Wilhelm II. von Württemberg und Lieferanten des Vatikans“. Das auf ihn zurückzuführende Orgelbauunternehmen in Ludwigsburg gehörte zeitweilig zu den größten und renommiertesten weltweit.
Eberhard Friedrich war Sohn des Orgelbauers Johann Eberhard Walcker, der im Jahr 1780 in Cannstatt eine Werkstatt gegründet hatte. 1820 verlegte er die Firma nach Ludwigsburg, dem langjährigen Firmensitz. Eberhard Friedrich Walcker gilt als der bedeutendste deutsche Orgelbauer des 19. Jahrhunderts. Er erlangte Bedeutung durch verschiedene technische und klangliche Verbesserungen. Ausgebildet wurde er in der Orgelbauwerkstatt seines Vaters; er gründete 1821 in Ludwigsburg eine eigene Werkstatt (ab 1854 unter dem Namen E. F. Walcker & Cie.). Sein erstes bedeutendes Werk war die 1833 fertiggestellte Orgel in der Frankfurter Paulskirche (Opus 9), die international Beachtung fand.
Zu Walckers wegweisenden Innovationen im Orgelbau gehören die Perfektionierung und Verbreitung der Kegellade, ein für die deutsche Orgelromantik prägendes Windladensystem sowie die von Abbé Vogler inspirierte konsequente Ausnutzung der Teiltöne. Walcker gelang der Bau eines klanglich überzeugenden offenen 32'-Labial-Registers. Auch die Einführung des Jalousieschwellers in Deutschland ist ihm zu verdanken; einer Vorrichtung, die er – vermittelt durch Vogler – aus England und Frankreich übernahm.
Eberhard Friedrich Walcker hatte mehrere Söhne, von denen fünf in seiner Firma mitgearbeitet haben. Aus seiner ersten Ehe 1821 mit Luise Beate Weigle (* 3. August 1793 in Ludwigsburg; † 18. August 1843 ebenda), Schwester des Orgelbauers Carl Gottlieb Weigle, stammten:
Heinrich (* 10. Oktober 1828 in Ludwigsburg; † 24. November 1903 ebenda),
Friedrich (* 17. September 1829 in Ludwigsburg; † 6. Dezember 1895 ebenda)
und aus seiner zweiten Ehe 1844 mit Marie Stumpp (* 21. Oktober 1817 in Kirchheim unter Teck; † 29. Mai 1887 in Ludwigsburg) (von der er insgesamt 11 Kinder bekam):
Carl (* 6. März 1845 in Ludwigsburg; † 19. Mai 1908 ebenda)
Eberhard (* 8. April 1850 in Ludwigsburg; † 17. Dezember 1926 ebenda)
Heinrich Walcker arbeitete vorwiegend als Intonateur im Werk, während Friedrich Walcker vor Ort die Installationen leitete, intonierte und Abnahmen vornahm. Letzterer galt als herausragender Intonateur, insbesondere für Zungenpfeifen. 1857 wurden sie beide Teilhaber der Firma.
Nach dem Tod von Eberhard Friedrich Walcker im Oktober 1872 übernahm Carl Walcker die kaufmännische Leitung des Betriebs.
Als sich Heinrich Spaich (* 21. Juni 1810; † 1908), der zuerst Gehilfe, dann Geschäftsführer und ab 1842 Teilhaber des Betriebs war, 1887 zur Ruhe setzte, wurden statt ihm Paul und Eberhard Walcker Mitglieder der Geschäftsleitung. Eberhard Walcker war Teilhaber, bis er 1915 einen Schlaganfall erlitt und aus der Unternehmensleitung ausschied.
Von 1916 bis 1948 war Oscar Walcker der Alleininhaber der Firma, die er zu einer der weltweit renommiertesten machte.
Werner Walcker-Mayer: 1948–1999
Nach 1948 führte Werner Walcker-Mayer den Betrieb. Unter seiner Leitung entstanden mehr als 3000 Orgeln, später auch diverse Klein- und Serienorgeln.
Das Unternehmen hatte seinen Sitz bis 1974 in Ludwigsburg. Im Jahr 1957 wurde eine Zweigniederlassung in Wien gegründet, die 1961 nach Guntramsdorf übersiedelte. Nach einer Zwischenstation in Murrhardt wechselte die Hauptfirma nach Bliesransbach (Ortsteil von Kleinblittersdorf) im Saarland. Nach einer Insolvenz im Jahr 1999 werden beide Firmen ab dem Jahr 2000 durch die Söhne Werner Walcker-Mayers gesellschaftsrechtlich selbstständig geführt als Orgelbau M. Walcker-Mayer in Guntramsdorf und als Orgelbau Gerhard Walcker-Mayer in Bliesransbach. Beide Firmen fertigen weiter Walcker-Orgeln und sehen sich in der Orgelbautradition der Firma Walcker.
Carl Gottlieb Weigle begann im Jahr 1826 eine Lehre als Orgelbauer bei seinem Schwager Eberhard Friedrich Walcker. Später wurde er der erste Gehilfe bei fast allen großen Orgelbauten der Firma, insbesondere dem Umbau der Stuttgarter Stiftskirchenorgel von 1837 bis 1845. Im Jahr 1845 machte er sich mit einer eigenen Werkstatt in Stuttgart selbstständig, die als Firma Orgelbau Friedrich Weigle weitergeführt wurde.
Im Jahr 1864 gründete der zuvor bei Walcker angestellte Orgelbauer Johann Nepomuk Kuhn mit einem weiteren Mitarbeiter in Männedorf am Zürichsee die Firma Orgelbau Kuhn.