Edgar Lawrence „E. L.“ Doctorow (* 6. Januar 1931 in New York; † 21. Juli 2015 ebenda) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Publizist, der zu den wichtigsten zeitgenössischen Autoren der Vereinigten Staaten gezählt wird. In Deutschland wurde Doctorow vor allem durch seine Romane Ragtime (1975) und Billy Bathgate (1989) bekannt.
Doctorow wuchs als Kind russisch-jüdischer Einwanderer der zweiten Generation in der New Yorker Bronx auf. Der Roman Weltausstellung, der stark autobiographische Züge trägt, spricht über diese Zeit. Seine Eltern benannten ihn nach Edgar Allan Poe. Nach seinem Studium am Kenyon College (Abschluss mit Auszeichnung 1952) gab er mehrere Zeitschriften heraus und unterrichtete an verschiedenen Universitäten, seit 1982 an der New York University auf einem eigens für ihn geschaffenen Lehrstuhl für englische und amerikanische Literatur.
Seit 1984 war er Mitglied der American Academy of Arts and Letters in New York, seit 1991 Mitglied der American Academy of Arts and Sciences und seit 2007 der American Philosophical Society. Er erhielt für seine Bücher nahezu alle wichtigen nationalen Preise und Auszeichnungen, unter anderem den PEN/Faulkner Award 1990 für Billy Bathgate und 2006 dotiert mit umgerechnet 12.600 Euro für Der Marsch. Außerdem bekam er 1990 die William-Dean-Howells-Medaille. Der Roman Der Marsch spielt in den letzten Monaten des amerikanischen Bürgerkriegs und schildert den Feldzug des Generals William Tecumseh Sherman und seiner Truppen durch die Südstaaten Georgia, North Carolina und South Carolina.
Doctorows erste Romane Welcome to Hard Times (1960), eine Satire auf die Fortschrittsgläubigkeit seiner Zeitgenossen, Big as Life (1966), ein Science-Fiction-Roman, und The Book of Daniel (1971), eine literarische Verarbeitung der Geschichte der Rosenbergs, wurden nach ihrem Erscheinen von Kritikern und Lesern zunächst wenig beachtet und erfuhren erst nach dem großen Erfolg von Ragtime (1975) im Nachhinein eine angemessene Würdigung. Neben seiner schriftstellerischen Arbeit war Doctorow u. a. auch als Lektor tätig.
E. L. Doctorow starb am 21. Juli 2015 in Manhattan an den Folgen einer Lungenkrebserkrankung.
E. L. Doctorow ist für mehrere seiner Werke mit angesehenen Literaturpreisen ausgezeichnet worden. Drei Mal erhielt er den National Book Critics Circle Award – für Ragtime, Weltausstellung und für Billy Bathgate. Letzterer Roman wurde außerdem mit der William-Dean-Howells-Medaille ausgezeichnet. Weltausstellung erhielt den National Book Award und mehrere Werke von Doctorow waren für den Pulitzer-Preis nominiert. Daneben wurde Doctorow mehrfach für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
1998: National Humanities Medal, als einer von neun Personen in diesem Jahr, die Bill Clinton auf Vorschlag des National Endowment for the Humanities damit ehrte.
1998: Peggy V. Helmerich Distinguished Author Award des Tulsa Library Trust
2012: Aufnahme in die New York Writers Hall of Fame
2012: PEN/Saul Bellow Award for Achievement in American Fiction
2013: National Book Foundation’s Medal for Distinguished Contribution to American Letters der US National Book Foundation
2014: Library of Congress Prize for American Fiction
Der Schriftsteller Daniel Kehlmann gehört zu den Verehrern von Doctorow und schrieb in einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung über E. L. Doctorow und seinen Roman Billy Bathgate:
Kehlmann setzt fort mit einem Vergleich der unterschiedlichen Sprachstile, die Doctorow in seinen Romanen verwendet:
Welcome to Hard Times, Roman, 1960, deutsch: Willkommen in Hard Times (übersetzt von Angela Praesent), Rowohlt (rororo 5872), Reinbek bei Hamburg 1987, ISBN 3-499-15872-8.
The Book of Daniel, Roman, 1971, deutsch: Das Buch Daniel (übersetzt von Thomas Schlück), Insel, Frankfurt am Main 1974, ISBN 3-458-05352-2 (literarische Bearbeitung der Geschichte von Ethel und Julius Rosenberg, die 1953 in den USA hingerichtet worden sind). Neuausgabe, Lenos Verlag, Basel 2026, ISBN 978-3-03925-048-6.
Ragtime, Roman 1975, deutsch: Ragtime (übersetzt von Angela Praesent), Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1976, ISBN 3-498-01223-1.
Loon Lake, Roman, 1980, deutsch: Sterntaucher, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1982, ISBN 3-498-01244-4.