An diesem Tag

Dustin Lance Black

US-amerikanischer Drehbuchautor und Filmproduzent

Anúncio

Dustin Lance Black (* 10. Juni 1974 in Sacramento, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Filmemacher (Drehbuchautor, Regisseur und Filmproduzent), Oscarpreisträger und politischer Aktivist insbesondere für LGBTQI*-Rechte.

Black ist besonders bekannt für sein oscarprämiertes Drehbuch zu Milk und für seinen erfolgreichen politischen Beitrag zur landesweiten Durchsetzung der Ehe für alle durch den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten mit der Hilfe von Julian Bond (Berater Martin Luther Kings) und der unerwarteten Zusammenarbeit der SCOTUS-Juristen Theodore Olson und David Boies (erbitterte Gegner im Prozess Bush v. Gore).

D. Lance Black wurde in Sacramento als mittlerer von drei Söhnen eines mormonischen Missionarenpaares geboren und wuchs in San Antonio, Texas auf. Sein Vater Raul Gerrison verließ die Familie unvermittelt, als Black sechs Jahre alt war, und nahm nie wieder Kontakt auf. Seine Mutter Roseanna „Anne“ (28. Februar 1948 – 16. Juni 2014) litt seit ihrer frühen Kindheit an Polio und war zeitlebens auf Krücken angewiesen. Gegen jede Wahrscheinlichkeit hatte die aus ärmlichen Verhältnissen stammende intelligente junge Frau ein Stipendium erhalten, um Medizin zu studieren – und diese Zukunft nur wenige Monate vor dem Abschluss gegen das zeitlich begrenzte Heiratsangebot eines mormonischen Wanderpredigers eingetauscht, das Unterstützung und Sicherheit versprach, bis er zehn Jahre später die Familie verließ. Als alleinerziehende Mutter erhielt sie fortan Unterstützung durch lokale Organisationen des US-Militärs, für dessen örtliches Krankenhaus sie ehrenamtlich und im Zivildienst arbeitete. Obwohl sie nach ihrem Schulabschluss keine weitere abgeschlossene Ausbildung vorzuweisen hatte, konnte sie sich im Laufe ihres Lebens mit Intelligenz und Einsatz von einer Teilzeit-Sekretärinnenstelle in Texas zur Labortechnikerin der Mikrobiologischen Abteilung des Walter-Reed-Militärkrankenhauses in der Bundeshauptstadt hocharbeiten, wo sie von Patienten und Ärzten gleichermaßen geschätzt und respektiert wurde. Sie überstieg ihre erwartete Lebenserwartung um ganze 60 Jahre und starb 2014 an den Folgen eines Herzinfarktes. Blacks älterer Bruder Marcus Raul Black (2. April 1970 – 25. Januar 2012) lebte bis zu seinem frühen Krebstod in Virginia, sein jüngerer Bruder Todd Bryant Black (* 4. März 1976) lebt mit seiner Familie in Austin (Texas). Als allumfassendes Gefühl seiner Kindheit und Jugend bis ins junge Erwachsenenalter bezeichnet Black Angst, hauptsächlich die Angst vor dem Anderssein – verursacht und verstärkt durch Politiker aller Fraktionen, Lehrer, Familie und Kirche. Vom Kindergarten an hätten diese Institutionen ihm hauptsächlich diese eine Lektion eingebrannt: „And I’m learning what fear is: fear is leadership. Fear is how you get people to do what you need them to do.“ („Und ich lerne, was Angst ist: Angst ist Herrschaft. Angst ist, wie man andere Leute dazu bringt, das zu tun, was man von ihnen will.“)

Die zweite Ehe seiner Mutter war wie ihre erste aus der Not geboren und von Gewalt und Missbrauch geprägt, wofür die mormonische Gemeinde grundsätzlich der Ehefrau bzw. ihren „unzureichenden Qualitäten“ die Schuld gab und ihr keine Handlungsalternativen aufzeigen konnte. Erster Hoffnungsschimmer war für Black die aufkeimende Liebe seiner Mutter zu dem sehr viel jüngeren Soldaten Jeff Bisch, die sie veranlasste, ihren Ehemann zu verlassen und mit den Kindern (Lance damals 13 Jahre alt) nach Kalifornien zu ziehen. Black betrachtet Bisch als seinen Vater und bezeichnete ihn offiziell als solchen beispielsweise in seiner Verlobungsannonce (2015). Anne heiratete erneut und wurde später mit der Familie nach Virginia versetzt, während Black für sein Studium an der Westküste blieb. In Kalifornien lernte er auch die Geschichte von Harvey Milk kennen – erst zehn Jahre nach dessen Ermordung.

Die Aufzeichnung einer Rede Milks in Blacks Heimatstadt San Antonio gab ihm selbst Hoffnung, eines Tages offen leben zu können: „It gave me the hope to live my life. It gave me the hope one day I could live my life openly as who I am and then maybe I could even fall in love and one day get married.“ („Sie gab mir die Hoffnung, mein Leben zu leben. Sie gab mir die Hoffnung, eines Tages könne ich offen so leben, wie ich bin, und vielleicht sogar mich verlieben und eines Tages heiraten.“) Milk hatte nach mehreren Fehlschlägen die Wahlen zum (ersten offen schwulen) stellvertretenden Bürgermeister und später zum Stadtrat von San Francisco gewonnen, indem er mit einer optimistischen Botschaft der Hoffnung und Tatkraft nicht nur homosexuelle, sondern eine Vielzahl von Minderheiten direkt ansprach und zusammenbrachte. Für Black umfasste dieser Beweis der Möglichkeit einer erfolgreichen (politischen) Karriere als schwuler Mann noch eine weitere, besonders wichtige Botschaft:

Um ihm zu helfen, seine Schüchternheit zu überwinden, meldete ihn seine Mutter für die Theater-AG seiner Schule an. Noch während seiner Highschoolzeit begann Black an dem Theater The Western Stage in Salinas zu arbeiten, später war er auch für Theaterproduktionen wie bare: a pop opera an Hollywoods Hudson Main Stage Theater tätig. Black schloss während dieser Zeit sein Studium an der School of Theater, Film and Television (UCLA) in Los Angeles als bester seines Jahrgangs ab. Weihnachten 1996, noch während seiner Studienzeit, hatte Black sein unfreiwilliges Coming-out innerhalb seiner Familie durch seine emotionale Reaktion auf die Hasstiraden seiner Mutter über Don’t ask, don’t tell – eine militärische Richtlinie, die seine Mutter nicht etwa deshalb verabscheute, weil sie Homosexuelle innerhalb des Militärs unterdrückte und in die Geheimhaltung drängte, „sondern, weil sie Schwulen und Lesben, diesen, wie sie gelernt hatte, gebrochenen, gefährlichen Sündern, unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit einen Zugang in ihr heiliges Militär gewährte“.

Die tief in ihrem Leben verankerte Homophobie konnte seine Mutter jedoch bereits wenige Monate später völlig unerwartet und vollständig ablegen, als sie im Rahmen seiner Abschlussfeier seine vielen LGBT-Bekannten kennenlernte und von diesen nur durch ein Missverständnis mit ihren persönlichen Leidenswegen in hasserfüllten Familien und mit ehrlichen und konkreten Geschichten über ihr Liebes- und Gefühlsleben konfrontiert wurde. Der urplötzliche und so radikale Sinneswandel nur aufgrund der Konfrontation mit den individuellen Lebensgeschichten seiner für sie bis dahin fremden Freunde bestätigte Black in seinem Wunsch, sein Leben als Geschichtenerzähler zu bestreiten.

Nach seinem Studium arbeitete er erst als Kellner und in anderen Minijobs und investierte sein Geld in die Produktion von Dokumentarfilmen, „denn es kostet verhältnismäßig wenig, einen Dokumentarfilm zu drehen, es kostet auch nicht viel, einen solchen Film für Filmfestivals anzumelden und die Zuschauer bei diesen Festivals sind wirklich aufmerksam. Denn sie brauchen neue Talente, besonders solche am Beginn ihrer Laufbahn.“ Seine Filmprojekte erregten die Aufmerksamkeit der BBC, die sein erster fester Arbeitgeber als Filmemacher wurde.

Black setzte sich als Ziel, mit seinen Filmprojekten der starken Unterrepräsentation homosexueller Partnerschaften in den englischsprachigen Medien entgegenzutreten. 2000 schrieb Black das Filmdrehbuch für The Journey of Jared Price, einem Film über eine schwule Liebesbeziehung, bei dessen Verfilmung er auch Regie führte. Im gleichen Jahr schrieb er außerdem das Drehbuch zu Something Close to Heaven, einem Kurzfilm mit schwuler Coming-of-age-Thematik, bei dem er ebenfalls Regie führte. 2001 führte er Regie in der Dokumentation On the Bus über einen Ausflug von sechs schwulen Männern nach Nevada, bei der er selbst auch vor der Kamera stand. Des Weiteren war Black Drehbuchschreiber für die Fernsehserie Big Love für den Sender HBO. Danach schrieb er das Drehbuch Pedro, das die Biographie des AIDS-Aktivisten Pedro Zamora nachvollzieht. 2003 begann Black die Arbeit an einem Drehbuch über sein Vorbild und Hoffnungsträger Harvey Milk. Es entstand die Filmbiografie Milk, bei deren Umsetzung Gus Van Sant die Regie übernahm. 2008 kam das Werk weltweit in die Kinos.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Dustin Lance Black | World in Stories