Als die Dritten Fernsehprogramme (umgangssprachlich die Dritten) bezeichnet man in Deutschland die regionalen Vollprogramme der ARD. Der Begriff rührt daher, dass es in den 1960er Jahren mit dem Ersten und dem Zweiten Deutschen Fernsehen zunächst nur zwei nationale Fernsehprogramme gab. Die regional orientierten und daher auch nur regional ausgestrahlten Fernsehprogramme waren somit in ihrem Verbreitungsgebiet jeweils die dritten Programme. Verantwortlich für die Dritten Programme sind die einzelnen ARD-Rundfunkanstalten.
Die Dritten Fernsehprogramme sind heute durchweg Vollprogramme mit hohem regionalen Informationsanteil (Landesschauen, Regionalmagazine). Neben Serien und Fernsehfilmen (hauptsächlich Wiederholungen aus dem Ersten) laufen Show- und Unterhaltungsformate, zum Teil mit regionalem Bezug, Spielfilme und Magazine zu den verschiedensten Themengebieten (Gesundheit, Hobby, Ratgeber, Wirtschaft und Verbraucher, Wissenschaft/Forschung). Im Vergleich zu anderen Fernsehprogrammen ist der Informations- und Kulturanteil sehr hoch. So sind neben Länder- und Naturreportagen, Dokumentationen und Politmagazinen auch Bildungsprogramme, Kleinkunst- und Konzertmitschnitte zu sehen.
Neben der regionalen Ausrichtung wiesen die Drittenprogramme ursprünglich einige weitere Merkmale auf:
Sie enthalten einen hohen Anteil an bildungsorientierten Programmen.
Sie strahlen oder strahlten Schulfernsehen und Telekolleg aus.
Vor der Einrichtung von Eins Plus, 3sat und Arte war einer ihrer Schwerpunkte das Kulturprogramm.
Einrichtung der „Dritten Programme“
Als erstes der heute insgesamt neun Programme startete der Bayerische Rundfunk (BR) mit seinem Studienprogramm (ab 1973 Bayerisches Fernsehen) am 22. September 1964, das vor allem aus Kostengründen mit wissenschaftlichen Vorträgen und Sprachkursen startete. Es folgten die Dritten Programme vom Hessischen Rundfunk (hr) mit dem Hessischen Fernsehprogramm am 5. Oktober 1964. Am 4. Januar 1965 folgte das III. Fernsehprogramm der Nordkette (ein Gemeinschaftsprogramm vom Norddeutschen Rundfunk (NDR), Radio Bremen und dem Sender Freies Berlin (SFB)) und am 17. Dezember 1965 der Westdeutsche Rundfunk Köln (WDR) mit seinem Programm WDF/Westdeutsches Fernsehen. Als letzte starteten der Süddeutsche Rundfunk (SDR), der Südwestfunk (SWF) und der Saarländische Rundfunk (SR) mit ihrem Gemeinschaftsprogramm Südwest 3, das am 5. April 1969 auf Sendung ging.
In den 1980er Jahren benannten einige Landesrundfunkanstalten ihre Programme um, die 3 wurde stärker in den Sendernamen verankert. Der HR nannte sein Programm ab 1983 hessen 3, der WDR ab 1988 West 3 und NDR/Radio Bremen/SFB ab 1989 N3. Der BR nannte sein Drittes Fernsehprogramm jedoch nie offiziell Bayern 3 (dieser Name ist für dessen Hörfunkprogramm reserviert), obwohl der Name auch noch umgangssprachlich dafür verwendet wird.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden auch in den östlichen Ländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eigene Regionalfernsehprogramme eingeführt: 1992 kamen mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) und dem Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) zwei weitere Landesrundfunkanstalten zur ARD hinzu. Am 1. Januar 1992 gingen die ostdeutschen Regionalprogramme als MDR Fernsehen (für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) und als ORB-Fernsehen (für Brandenburg) an den Start. Das Land Mecklenburg-Vorpommern schloss sich seinerzeit dem NDR an, der SFB trennte sich vom Gemeinschaftsprogramm N3 ab und ging mit seinem eigenen Dritten Fernsehprogramm B1 (später SFB1) am 1. Oktober 1992 auf Sendung.
Die Bezeichnung „Dritte Programme“ wurde für die neu geschaffenen nicht mehr verwendet, weil es inzwischen eine Vielzahl von Sendern gab. Auch die Programme der weiteren Landesrundfunkanstalten erhielten nach und nach ihre heute verwendeten Namen.
Veränderungen seit Ende der 1990er Jahre
Im Jahre 1998 fusionierten SDR und SWF zum heutigen Südwestrundfunk (SWR), eine erste Konsequenz aus (politischen) Forderungen, die Fernseh- und Rundfunksender zu optimieren. Gleichzeitig stieg der eigenständig gebliebene SR aus Südwest 3 aus und begründete ein eigenes SR Fernsehen, das allerdings weiterhin viele Sendungen gemeinsam mit dem neuen Südwest Fernsehen hatte.
Mit der Fusion von SFB und ORB zum neuen Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) im Jahr 2003 wurden auch die beiden Fernsehprogramme umbenannt; diese hießen zwischenzeitlich RBB Brandenburg (zuvor ORB-Fernsehen) beziehungsweise RBB Berlin (zuvor SFB1). Seit dem 29. Februar 2004 gibt es für das Sendegebiet des rbb mit dem rbb Fernsehen ein einheitliches Programm, das täglich für eine halbe Stunde zwischen Berlin und Brandenburg auseinandergeschaltet wird.
Mit der Zusammenführung der rbb-Programme reduzierte sich die Anzahl der „Dritten“ von neun auf acht.
Seit Januar 2005 sind es aber wieder neun Programme, weil Radio Bremen nun seine zuvor im Ersten ausgestrahlten regionalen Inhalte im „Dritten“ ausstrahlt, das sogenannte Radio Bremen TV. Außerhalb der Regionalstrecken, die sich mittlerweile täglich auf die Zeit von 18:00 bis 18:15 Uhr und von 19:30 bis 20:00 Uhr beschränken, übernimmt Radio Bremen TV das Programm des NDR Fernsehen.
Mit der Umbenennung des Südwest Fernsehens in SWR Fernsehen am 11. September 2006 trugen seitdem, mit Ausnahme des Bayerischen Fernsehens, alle Programme den Namen der jeweiligen Landesrundfunkanstalt im Sendernamen.
Am 11. April 2016 wurde auch das Bayerische Fernsehen nach seiner Rundfunkanstalt, dem Bayerischen Rundfunk, in BR Fernsehen umbenannt. Damit sind jetzt alle Dritten Fernsehprogramme nach dem Kürzel ihrer jeweiligen Landesrundfunkanstalt benannt.