An diesem Tag

Dorothea von Ritter-Röhr

Deutsche Psychoanalytikerin

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Dorothea von Ritter-Röhr (auch Dorothea Freifrau von Ritter zu Groenesteyn-Röhr oder Dorothea Ritter-Röhr; * 31. Dezember 1942 in Erfurt; † 2. Oktober 2025 in Gießen) war eine deutsche Soziologin und Psychoanalytikerin.

Ihre Mutter leitete eine Gynäkologische Klinik in Erfurt, ihr Vater fiel als Soldat drei Monate vor ihrer Geburt im Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1959 flohen Mutter und Tochter aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland. Nach dem Abitur begann Dorothea von Ritter-Röhr mit dem Studium der Soziologie und Psychologie an der Universität Frankfurt. Sie wechselte nach bestandenem Vordiplom nach Marburg und beendete das Studium 1971 bei Helge Pross in Gießen mit einer Dissertation zur „Prostitution in Frankfurt“.

Nach der Promotion arbeitete von Ritter-Röhr im Wintersemester 1972/1973 als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Horst-Eberhard Richter am Zentrum für psychosomatische Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen. Im Januar 1973 wurde sie zur Dozentin ernannt. Neben ihrer Lehrtätigkeit in Gießen wurde ihr von der Universität Münster ein Lehrauftrag für medizinische Soziologie im Wintersemester 1973/74 erteilt. Damals galten ihre Forschungsinteressen der Didaktik in der medizinischen Soziologie und dem Zusammenhang zwischen Krankheit und Gesellschaft.

1974 wurde von Ritter-Röhr Mitglied in der „Sachverständigen-Kommission zur Erarbeitung der Enquete über die Lage der Psychiatrie in der Bundesrepublik Deutschland – zur psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung der Bevölkerung“ (Psychiatrie-Enquête).

1976 wurde sie vom Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit als ordentliches Mitglied in die Kommission zur Auswertung der Erfahrungen mit dem reformierten § 218 StGB berufen.

1979 wurde ihr die kommissarische Leitung der Abteilung Medizinische Soziologie am Zentrum für Psychosomatische Medizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen übertragen.

Inzwischen interessierte sie sich für die Gruppendynamik in Theorie und Praxis. In dieser Funktion war sie Mitglied bei der Dozenten-Fakultät am Hernstein Institut für Unternehmensführung und gab an der Universität Gießen Gruppendynamik-Seminare. Zusätzlich war sie als Supervisorin und Organisationsberaterin in Krankenhäusern tätig, ebenso in anderen Bereichen der freien Wirtschaft.

Der Zusammenhang von Individuum, Gruppe und Institution hatte sie bereits seit dem ersten Semester bei Theodor W. Adorno interessiert. 1999 gründete sie den ersten interdisziplinären Qualitätszirkel in Gießen.

Von Ritter-Röhr war seit 1981 in eigener Praxis niedergelassen. Sie engagierte sich auf dem Gebiet des Qualitätsmanagements im Gesundheitssystem, das sie auch im Rahmen der medizinischen Soziologie besonders interessierte. Sie arbeitete als lizenzierte Trainerin der Kassenärztlichen Bundesvereinigung für Qualitätsmanagement und gab Seminare. Ihre Praxis wurde im Jahr 2005 als erste Gießener Psychotherapeutische Praxis nach ISO 9001:2000 zertifiziert. Weiterhin war sie Dozentin am Horst-Eberhard-Richter-Institut in Gießen. Am 19. Oktober 2018 gründete sie mit sechs weiteren Frauen die Ortsgruppe Gießen von „Omas gegen Rechts“. Innerhalb des ersten Monats wuchs die Gruppe bereits auf mehr als 100 Mitglieder an.

Neben ihrer beruflichen Tätigkeit trat sie in Rundfunk und Fernsehen auf. In der WDR-Sendung von Carmen Thomas Hallo Ü-Wagen war sie als Psychoanalytikerin zu Gast. Im hessischen Fernsehen hatte sie in den Jahren 1975/76 eine eigene Sendung mit dem Titel „Wie hätten Sie’s gemacht?“. Dabei wurden durch Rollenspiele konflikthafte Familiensituationen dargestellt, um Lösungen zu erarbeiten. Reno Nonsens und Edith Hancke übernahmen die Rolle der Kinder. Die Eltern wurden aus der Zuschauergruppe rekrutiert.

Außerdem war von Ritter-Röhr auch als Pilotin aktiv. Sie war Mitglied der Vereinigung Deutscher Pilotinnen und wurde in den Medien als „Rote Baronin“ bezeichnet.

Von Ritter-Röhr engagierte sich gegen Altersdiskriminierung und setzte sich für ein aktives, selbstbestimmtes Leben im hohen Alter ein. Im Jahr 2021 wurde sie von dem Fotografen Karsten Thormaehlen für die von Gerhard Steidl kuratierte Ausstellung Young@Heart an der Universitätsmedizin Göttingen porträtiert.

Im Alter von 79 Jahren begann sie, als Model tätig zu werden. Sie lief unter anderem für den Modedesigner Samuel Gärtner und präsentierte Kollektionen von Marcel Ostertag auf der Berliner Fashion Week.

Im Alter von 82 Jahren nahm sie 2025 in der Altersklasse AK 80 an den Hessischen Masters-Meisterschaften im Schwimmen in Bad Homburg teil und belegte den ersten Platz über 50 m Rücken (1:18,65 Minuten) sowie 50 m Freistil (1:19,13 Minuten).

Neben sportlichen Aktivitäten und Auftritten bei den Internationalen Hessischen Masters 2025 veröffentlichte sie auch persönliche Texte über ihre Heimatstadt Gießen.

1971: Wissenschaftliche Beratung für den Film „Prostitution“ von Thilo Koch

30. Januar 1975 – 25. November 1976 Eigene Sendung in HR3 ausgestrahlt über ARD „Wie hätten Sie's gemacht?“ (mit Edith Hancke und Reno Nonsens)

29. Mai 1991 Auftritt bei Dagobert Lindlaus ARD-Talkshow „Veranda“ zum Thema Starke Frauen

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