Donald Johnson „Don“ Ellis (* 25. Juli 1934 in Los Angeles; † 17. Dezember 1978 in North Hollywood) war ein US-amerikanischer Jazz-Trompeter, Schlagzeuger, Komponist und Bandleader, der vor allem durch seine Arbeit mit komplexen Rhythmen und Taktarten berühmt wurde. Seine Bands waren dafür bekannt, dass sie auch komplexe Metren zum Swingen bringen konnten. Er beschäftigte sich früh mit Aspekten der neuen Musik im Kontext des Jazz, experimentierte mit einer Vielzahl von elektronischen Instrumenten und Effektgeräten und integrierte indische, osteuropäische wie arabische Elemente in seine Kompositionen. Zugleich erprobte er auch neue Besetzungen: Er beschäftigte zeitweise drei Bassisten und vier Perkussionisten in seiner Big Band. Außerdem erfand er eine Trompete mit vier Ventilen, um Vierteltöne spielen zu können.
Ellis fand den Zuspruch eines weit über die Jazzszene hinausreichenden Publikums, wie die Aufnahmen aus dem Fillmore West mit ihren enthusiastischen Publikumsreaktionen belegen. Er wirkt auf zahlreichen Alben anderer Musiker (im Wesentlichen zwischen 1959 und 1968) mit, darunter Charles Mingus, Karin Krog, Maynard Ferguson, George Russell, Leonard Bernstein und Frank Zappa.
Ellis’ Vater war Methodistenpriester und seine Mutter Kirchen-Organistin. Er besuchte die West High School in Minneapolis. Für sein Interesse am Jazz war vor allem der Besuch eines Big-Band-Konzertes von Tommy Dorsey verantwortlich. Andere frühe Inspirationen kamen durch Louis Armstrong und Dizzy Gillespie. Ein Kompositionsstudium an der Boston University schloss er 1956 ab.
Sein erstes Engagement als Musiker erhielt Ellis in der Glenn Miller Band unter der Regie von Ray McKinley. Dort spielte er, bis er im September 1956 in die Seventh Army Symphony Orchestra and Soldiers’ Show Company aufgenommen wurde, mit der er nach Frankfurt am Main in Deutschland geschickt wurde. In der Army-Band traf Ellis auf den Pianisten Cedar Walton und die Saxophonisten Eddie Harris und Don Menza. Hier hatte Ellis auch seine ersten Möglichkeiten, für eine Big Band zu schreiben.
Zwei Jahre später verließ er die Army-Band und zog nach Greenwich Village in New York City. Hier fand er Jobs in Tanzkapellen und tourte kurz mit Bandleader Charlie Barnet, wo er aber keine nennenswerte Position innehatte. Sein erstes größeres Engagement bekam er im Frühjahr 1959, für neun Monate, in der Maynard Ferguson Band.
Kurz danach kam Ellis mit der Avantgarde-Jazz-Szene in New York City in Kontakt. Er erschien auf Alben von Charles Mingus, Eric Dolphy und George Russell, dessen Sextett, später Septett, er für zwei Jahre angehörte.
Zwischen 1960 und 1962 leitete er mehrere Sessions mit kleinen Gruppen unter eigenem Namen. Dabei waren unter anderem Jaki Byard, Paul Bley, Gary Peacock, Ron Carter, Charlie Persip und Steve Swallow. Diese Alben belegen sowohl Ellis’ Interesse an der Erforschen von Tempo, Form und Tonalität als auch seine ausgezeichnete Musikalität.
In dieser Zeit entstanden seine ersten Veröffentlichungen. How Time Passes (1960), auf dem er mit Zwölftonreihen experimentierte, Out of Nowhere, New Ideas und als letztes Album dieser Periode Essence, das Mitte Juli 1962 aufgenommen wurde. Anschließend veröffentlichte Ellis in Amerika für mehrere Jahre keine Platten, war aber weit davon entfernt, inaktiv zu sein.
Im Oktober 1962 reiste Ellis nach Polen, um dort auf dem Jazz Jamboree in Warschau aufzutreten. Ellis dokumentierte seine Erfahrungen in einem Artikel mit dem Titel Warsaw Diary (Das Warschau-Tagebuch), welches im Down Beat Magazin in der Ausgabe vom 3. Januar 1963 veröffentlicht wurde.
Im Dezember nahm Ellis an einem NDR Jazzworkshop in Hamburg teil und reiste Anfang 1963 nach Stockholm, Schweden, wo er einige Aufmerksamkeit für seine Experimente mit Happenings, ähnlich denen der Fluxus-Bewegung, erlangte.
Zurück in New York, gründete er das Improvisational Workshop Orchestra, das seinen ersten Auftritt am 10. Februar 1963 im Five Spot gab.
Die Vorstellung entsprach in etwa der Performance, die er in Schweden entwickelt hatte: Darsteller benutzten Karten, um die Abfolgen der Events zu bestimmen, und die Musiker verwendeten ihre Instrumente, um die Arbeiten von Malern zu interpretieren. Zusätzlich wurden einige ungewöhnliche musikalische Elemente eingesetzt, wie z. B. arabische Rhythmen und Skalen oder das Auftippen mit den Füßen auf dem Boden (foot shuffling).
1964–1967: Neue Rhythmen & Third Stream
Im Jahr 1964 begann Ellis’ Studium der Musikethnologie an der University of California, Los Angeles (UCLA), wo er auf den indischen Musiker Harihar Rao traf. Stark inspiriert durch Rao, experimentierte Ellis mit ungeraden Metren im Kontext der westlichen, improvisierten Musik. Zusammen mit Rao verfasste er 1965 für das Jazz Magazine den Artikel An Introduction to Indian Music for the Jazz Musician (Einführung in die indische Musik für Jazz-Musiker).
Zu dieser Zeit bildete er für kurze Dauer die erste Version seiner Big Band, die jedoch aufgelöst wurde, als Ellis ein Rockefeller-Stipendium erhielt, um für ein Jahr bei Lukas Foss an der University at Buffalo zu studieren.
Während seiner Zeit in New York war Ellis an mehreren Third-Stream-Projekten beteiligt. Eine Live-Performance vom 8. Februar 1964 im Lincoln Center wurde für Leonard Bernsteins TV-Serie Young People’s Concerts gefilmt. Ferner spielte er mit anderen Jazz-Musikern aus dem Umfeld der New Yorker Philharmoniker auf Larry Austins Improvisations for Orchestra and Jazz Soloists (1961) und Gunther Schullers Journey Into Jazz (1962). Eine spätere Aufnahme von Austins Stück, mit Don Ellis, dem Bassisten Barre Phillips, Schlagzeuger Joe Cocuzzo und den New Yorker Philharmonikern (unter der Leitung Bernsteins), wurde 1965 auf dem Album Leonard Bernstein Conducts Music of Our Time veröffentlicht.
Im November 1967 wurde Ellis’ erste Sinfonie, Contrasts for Two Orchestras and Trumpet (Kontraste für zwei Orchester und Trompete) vom Los Angeles Philharmonic Orchestra unter Zubin Mehta uraufgeführt.
1965/1966: Das Hindustani Jazz Sextet