Domenico Piola (auch Domenico Genovese; * 1627 in Genua; † 8. April 1703 ebenda) war ein italienischer Maler, Freskant und Zeichner des Barock und bedeutendstes Mitglied einer bekannten Künstlerfamilie. Er war einer der Hauptvertreter der hochbarocken Malerei in Genua und Begründer der sogenannten casa Piola in der Salita San Leonardo, der wichtigsten Künstlerwerkstatt der ligurischen Hauptstadt ab der Mitte des 17. Jahrhunderts.
Domenico war eins von sieben Kindern des Schneiders Paolo Battista Piola und der Maddalena Zerbi di Giacomo. Laut Ratti wurde er 1628 geboren, was durch ein Dokument vom 10. Juli 1651 bestätigt wird, wo es heißt, dass er zu der Zeit 23 Jahre alt war – Mario Labò behauptete dagegen 1933 (offenbar ohne Fundament), Domenicos Geburtsjahr sei 1627 gewesen, was in einem Großteil der Literatur bis heute weiterverbreitet wurde.
Bereits zwei Brüder seines Vaters – Pier Francesco Piola (1565–1600) und Giovanni Gregorio Piola (1572–1625) – waren Maler, ebenso wie Domenicos Brüder Pellegro (1617–1640) und Giovanni Andrea Piola (1627 oder 1629–1681).
Seine malerische Ausbildung erhielt Domenico ab 1635 in der Werkstatt seines älteren Bruders Pellegro, und nach dessen tragischem frühen Tod im Jahr 1640 in der Werkstatt von Giovanni Domenico Capellino – wo er laut Ratti (1769, S. 30) vier Jahre blieb, aber laut eigener Aussage Piolas nur „für einige Monate“.
Laut Gavazza lässt sich für 1643 ein Studienaufenthalt des fünfzehnjährigen Domenico Piola in Rom nachweisen (Ezia Gavazza, 2013, S. 8), wo er Werke von Carracci und Pietro da Cortona, sowie die klassizistische Strömung nach Guido Reni, Domenichino und Lanfranco kennenlernen konnte. Zurück in Genua schloss er Freundschaft mit Valerio Castello, der ihn auch stilistisch beeinflusste, im Sinne einer Synthese der Malerei von Giulio Cesare Procaccini, Correggio, Parmigianino und Peter Paul Rubens.
Mitte der 1640er Jahre begann Domenico eine enge Zusammenarbeit mit dem Natur- und Tiermaler Stefano Camogli, der etwa zu dieser Zeit auch sein Schwager wurde.
Erste größere Aufträge erhielt er etwa ab Ende der 1640er Jahre, darunter Altarbilder für die Genueser Kirchen San Giacomo della Marina (1647) und die Santissima Annunziata del Vastato (um 1648), sowie Fassadenmalereien im Hafen von Genua.
Zu seinen erhaltenen Jugendwerken gehört die Darstellung von Hiob mit seinen toten Kindern im Museum in Bilbao, die er laut Signatur mit 22 Jahren malte (D. Piola annorum XX.II). Der gleichen Epoche wird der bekannte Wagen der Sonne im Palazzo Ridolfo e Giovanni Francesco Brignole Sale (Palazzo Rosso) zugeordnet, den er allerdings Jahrzehnte später überarbeitete.
1653 heiratete er Maddalena, Tochter des Andrea Varzi. Von ihren zahlreichen gemeinsamen Kindern wurden Anton Maria (1654–1715), Paolo Gerolamo (1666–1724) und Giovanni Battista (1670–1728) ebenfalls Maler und arbeiteten später mit ihrem Vater zusammen in der familiären Werkstatt.
Zu Beginn der 1650er Jahre arbeitete Domenico Piola an Fresken in der heute zerstörten Kirche San Domenico (Fragmente heute im Museo dell’Accademia Ligustica, Genua). Etwa zur gleichen Zeit entstanden verschiedene Werke für Ansaldo Pallavicino, darunter insbesondere die Fresken in der Galerie des heutigen Palazzo Spinola di Pellicceria, sowie einige Gemeinschaftsarbeiten zusammen mit seinem Schwager Camogli.
In den 1650er Jahren schuf Piola gemeinsam mit Valerio Castello einige große Dekorationen in der Cappella De Marini, in der Kirche Santa Marta – wo er ein Chorfresko mit der Anbetung der Hirten malte –, und in der Villa des Giovanni Battista Balbi allo Zerbino, wo er teilweise auch mit dem Quadraturmaler Andrea Sighizzi zusammenwirkte und dadurch illusionistische Effekte erzielte, wie sie von den Bologneser Malern Agostino Mitelli und Angelo Michele Colonna etwa um diese Zeit in Genua eingeführt wurden. Piola lehnte sich in seiner Malerei deutlich an den anmutigen Stil von Castello an, aber mit einem stärker betonten Disegno. Weitere Inspirationen bezog Piola aus Werken von Giovanni Benedetto Castiglione, genannt „il Grechetto“.
Um 1657–58 wirkten Piola und Valerio Castello gleichzeitig im Palazzo des Francesco Maria Balbi (heute: Palazzo Balbi-Senarega), und nach dem plötzlichen Tode seines Freundes im Februar 1659 übernahm Piola die Fertigstellung einiger Aufträge, die Castello nicht mehr zu Ende führen konnte, insbesondere Fresken in der Kirche Santa Maria in Passione und an der Fassade des Palazzo Sauli an der Piazza San Genesio.
Ab etwa 1660 entwickelte Domenico Piola einen „neuen Stil“ von theatralischer Wirkung, klarer Zeichnung und mit einer reichen und pastosen Farbpalette, der von seinem Biografen Ratti als „ganz weich und lieblich und von so delikatem Impasto“ beschrieben und mit der maniera des Pietro da Cortona verglichen wurde.
Frühe Beispiele für diesen Stil sind Der Hl. Thomas von Aquin mit dem Kruzifix, den Piola 1660 für die Kirche San Domenico malte (heute in der Santissima Annunziata del Vastato, Genua), und die 1661 fertiggestellte große Lünette mit der Ruhe auf der Flucht nach Ägypten im Chor der Chiesa del Gesù (Genua).
Schon ab 1650 schuf er immer wieder Zeichnungen als Vorlagen für Kupferstiche verschiedener Publikationen, nicht zuletzt auch eine von Giorgio Tasnière gestochene Allegorie der Künste als Frontispiz für Raffaele Sopranis 1674 in Genua veröffentlichtes Buch: Vite de’ pittori, scultori et architetti genovesi… („Das Leben von Malern, Bildhauern und Architekten aus Genua“).
Während seiner jahrzehntelangen erfolgreichen Laufbahn hinterließ Domenico Piola zahlreiche bedeutende Fresken und Altarbilder in den Kirchen Genuas, unter anderem in Santa Maria di Castello, San Siro, in der Santissima Annunziata del Vastato, in der Chiesa del Gesù, in San Leonardo, Sant’Andrea und Santi Gerolamo e Francesco Saverio (siehe unten Werkliste). Manche Bilder aus mittlerweile zerstörten Kirchen befinden sich heute in den Museen Genuas und an anderen Orten.
Er pflegte zahlreiche gute Beziehungen zu anderen Künstlern, beispielsweise zu dem berühmten Bildhauer und Schnitzer Filippo Parodi, der 1667 nach Entwürfen von Piola (die sich heute im Musée des arts décoratifs in Paris befinden) die geschnitzten Dekorationen für ein Schiff namens Paradiso schuf; 1680 bemalte Piola eine holzgeschnitzte Skulptur des Toten Christus von Parodi für die Kirche San Luca. Das freundschaftliche Verhältnis zu dem Bildhauer bezeugt auch die Tatsache, dass Piola 1672 Taufpate für Parodis Sohn Domenico war; auch einen Sohn des Quadraturmalers Paolo Brozzi hielt Piola am 23. Mai 1669 über das Taufbecken.
Am 25. November 1674 heiratete Piolas Tochter Margherita den Maler Gregorio De Ferrari, der einer der wichtigsten Mitarbeiter in der ‘casa Piola’ wurde. Beispielsweise führte De Ferrari (vermutlich nach Entwürfen seines Schwiegervaters) einen Auftrag für ein Deckenfresko in der Kapelle des Hl. Andreas in San Siro (Genua) aus, für das Piola 1677 die Bezahlung entgegennahm.