Eine Diskothek (auch Discothek, kurz Disko oder Disco, in Deutschland umgangssprachlich auch Disse genannt) ist ein Gastronomiebetrieb, in dem regelmäßig, vor allem an Wochenenden, Tanzveranstaltungen stattfinden. Die Tanzmusik wird in der Regel nicht von Bands aufgeführt, sondern durch DJs (Discjockeys) von Tonträgern eingespielt. Veraltete Bezeichnungen sind Tanzlokal oder Tanzbar. Viele Diskotheken bezeichnen sich nach englischsprachigem Vorbild als Club bzw. Klub. In Discos treffen sich vor allem junge Leute zum Tanzen, aber auch zur Anbahnung und Pflege sozialer Kontakte. Hinsichtlich der Betriebszeiten gleichen Diskotheken oft einem Nachtclub.
Das Wort Diskothek (aus französisch discothèque, nach altgriechisch dískos ‚Scheibe‘ und thḗkē ‚Behältnis, Kasten, Kiste‘; Analogbildung zu Bibliothek wie auch Videothek, Audiothek, Mediathek) bezeichnete ursprünglich eine Sammlung von Tonträgern wie Schallplatten, Tonbänder, Musikkassetten oder CDs. In der Hörfunkstudiotechnik wurde der Begriff auch auf Studiopulte mit Plattenspielern übertragen, an denen der Moderator während der Sendung die Schallplatten selbst auflegen konnte.
Heute bezeichnet der Begriff Diskothek in der Regel eine feste gastronomische Einrichtung, in deren Mittelpunkt zwei Elemente stehen: das Spielen von Musik von Schallplatte oder anderen Tonträgern, und das Tanzen. Die Musik wird üblicherweise von einem Discjockey aufgelegt oder gemischt. Darüber hinaus besteht meist ein Barbetrieb.
Neben festen Disco-Lokalen wird auch eine einzelne, von Privatpersonen oder Vereinen organisierte Tanzveranstaltung, etwa in einem Mehrzweckraum oder Festzelt, gelegentlich als Disco bezeichnet (Zeltdisco, Feuerwehrdisco). Solche Veranstaltungen werden üblicherweise nur an einem Wochenende, einem Abend oder doch zumindest in großen zeitlichen Abständen durchgeführt.
Die Bezeichnung Disco bezieht sich auch auf Räume, die für eine regelmäßige oder auch nur gelegentliche Durchführung von Tanzpartys hergerichtet worden sind, aber auch für andere Zwecke verwendet werden können. Solche Discoräume findet man beispielsweise in Jugendzentren, Jugendherbergen oder in kirchlichen Gemeinderäumen.
In den meisten Sprachen trägt die Diskothek einen ähnlichen Namen wie im Deutschen, im Französischen heißt sie discothèque, im Japanischen ディスコ, disuko (das u ist fast stumm). Im Englischen spricht man jedoch vom Club oder Nightclub; dieser Begriff umfasst sowohl Diskotheken im deutschen Sinn, also Einrichtungen, in denen DJs Platten auflegen, als auch Orte mit Live-Auftritten von Bands und Sängern. Das Wort disco bezeichnet im Englischen vor allem den Musikstil Disco.
Der Fachverband Dehoga definiert Discotheken und Tanzlokale wie folgt: „Lokale mit Tanzmusik, verbunden mit Verkauf von Getränken, im allgemeinen zum Verzehr an Ort und Stelle, unter Umständen auch mit begleitendem Unterhaltungsprogramm.“
Vorläufer der Discos entstanden in den 1930ern. Besonders in den USA entstanden Bars, in denen die Jukebox eine wichtige Attraktion war und die Gäste regelmäßig ganze Abende zu der Musik aus dieser durchtanzten. In Marseille entstanden zu jener Zeit Bars, die tatsächlich ähnlich wie Bibliotheken funktionierten. In der Hafenstadt am Mittelmeer ließen Seeleute ihre Lieblingsplatten in Räumlichkeiten ihrer Lieblingsbars zurück; wenn sie Landurlaub hatten, konnten sie so dann in der nämlichen Bar ihre Lieblingsmusik hören. Der erste dokumentierte Auftritt eines DJs soll 1943 in Otley, West Yorkshire, stattgefunden haben und involvierte Jimmy Savile, den späteren Moderator von Top of the Pops.
Der erste Club, der sich in Analogie zu einer Bibliothek einfach La Discothèque nannte, entstand als Bar in Paris, das während des Zweiten Weltkriegs von Juni 1940 bis August 1944 von Wehrmacht-Truppen besetzt war. Da Live-Musik unter den damaligen Umständen kaum möglich war, spielte man Jazz-Schallplatten. Eröffnet wurde die erste Disco von dem ehemaligen Jazz-Pianisten Éduard Ruault, der den Künstlernamen Eddie Barcley annahm. Er gründete mehrere Plattenfirmen und 1947 eine Jazz-Band. La Discothèque inspirierte andere Veranstalter, in Kellern und unterirdischen Bars improvisierte Soundsysteme zusammenzubasteln, über die dann die von den Besatzern ungeliebte Jazz-Musik abgespielt werden konnte.
Nach dem Krieg eröffneten in Paris weitere Clubs, die sich darauf spezialisierten, Schallplatten aufzulegen, um ihre Kunden zum Tanzen zu bringen. Die erste dieser Art von Bar war das 1947 eröffnete Whisky a GoGo von Paul Pacini. Die weitere Spezialität, damals sehr ungewöhnlich für das Weinland Frankreich, war Whisky – und die Musik, die er abspielte, war ausschließlich Jazz.
1962 öffnete das Chez Castel; dort wurden ausschließlich geladene Gäste eingelassen. Im Chez Castel begann der Abend meist mit einer Filmvorführung; dann zog man sich in die Discothèque zurück und tanzte auf dem Kupfer-Stahl-Fußboden. Der Club bediente besonders die Pariser Szene, so waren z. B. Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und andere Existentialisten häufige Gäste. Andere Pariser Discos wie Chez Régine oder New Jimmy setzten Standards, an denen sich andere europäische Metropolen orientierten.
Die Idee internationalisiert sich
Nach Paris war London die zweite Stadt, in der sich direkt nach dem Krieg Clubs entwickelten, in denen Menschen zur Musik von Schallplatten tanzten. London hatte nach dem Krieg eine wilde, größtenteils illegale Jazz-Szene, die sich spontan in Kellern, Abbruchgebäuden und ähnlichem traf. Die ersten britischen Allnighter fanden zu dieser Zeit in Jazzclubs statt, die erste britische Drogenrazzia 1950 im Club Eleven. Nach Pariser Vorbild gingen auch diese Clubs dazu über, zumindest an einigen Abenden Musik von Schallplatten zu spielen und entsprechende Musikanlagen zu installieren.
Zusätzlicher Input kam aus der Karibik und der dortigen Partykultur. Der erste englische Star-DJ war Count Suckle, ein jamaikanischer Einwanderer. In den USA entstanden in den 1950er Jahren Platter parties oder Sock hoppers, bei denen DJs in der Öffentlichkeit Musik auflegten. Diese waren allerdings vor allem zur Promotion für Radiosendungen gedacht und orientierten sich daher in Stil und Ablauf sehr an diesen Sendungen.
Die Disco erreicht ab 1959 die Bundesrepublik Deutschland
Am 15. Mai 1959 eröffnete im niedersächsischen Osnabrück unter dem Namen Ocambo-Club eine der ersten Diskotheken Deutschlands. Dieser Club, in dem die Musik von Plattenspielern gespielt wurde, um die Illusion zu erzeugen, als seien Tanzkapellen live auf der Bühne, war nach Aussagen seines damaligen Betreibers, nach einem Vorbild in Hannover namens Mocambo Club konzipiert. Die Existenz des Clubs ist durch eine Anzeige und einen redaktionellen Beitrag in einem Osnabrücker Veranstaltungskalender vom Mai 1959 belegt.
Eine weitere Diskothek Deutschlands entwickelte sich, direkt an der Grenze zu Belgien und den Niederlanden gelegen, aus dem Aachener Speiselokal Scotch-Club. Als dieses nicht mehr gut lief, versuchte es der Besitzer 1959 mit einer sogenannten Jockey-Tanz-Bar, in der Klaus Quirini („DJ Heinrich“) als nach eigenen Angaben erster deutscher Discjockey Schallplatten nach dem Muster von Sendungen bei Radio Luxemburg auflegen sollte.
In die USA gelangte die Disco dank einem französischen Einwanderer, der 1960 Le Club in New York City eröffnete. Als in den 1970er Jahren die Discowelle um die Welt ging, gab es in Aachen bereits 42 Diskotheken. Der Begriff Diskothek setzte sich im deutschsprachigen Raum als Bezeichnung für eine Musik- und Tanzeinrichtung mit moderierendem Disc-Jockey nur langsam durch. Mitte der 1960er Jahre hatte der Duden das Wort Diskothek in sein Vokabular aufgenommen. Deutschlands erste Großraumdiskothek entstand 1967 mit dem international bekannten Club Blow Up in München, der erstmals eine aufwändige Lichtshow mit hunderten Scheinwerfern aufwies, die auf den Rhythmus der Musik reagierten.