An diesem Tag

Dimitar Mutew

Bulgarischer Gelehrter aus der Zeit der Nationalen Wiedergeburt im 19. Jahrhundert

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Dimitar Stefanow Mutew (auch Demetrius Mutieff oder Dimitar Mutev geschrieben, bulgarisch Димитър Стефанов Мутев Димитър Стефанов Мутьев; * 4. September 1818 in Kalofer, Osmanisches Reich (heute Bulgarien); † 13. Januar 1864 in Bolhrad, Fürstentum Rumänien) war ein bulgarischer Doktor der Physik, Pädagoge, Übersetzer und Herausgeber aus der Zeit der Bulgarischen Nationalen Wiedergeburt. Seine jüngere Schwester Jelena Mutewa gilt als die erste bulgarische Dichterin und übersetzte das Lied Stille Nacht, heilige Nacht ins Bulgarische.

Als Autor eines naturkundlichen Lehrbuches wird er als einer der Begründer der bulgarischen Botanik, Zoologie, Mineralogie angesehen.

Dimitar Mutew wurde am 4. September 1818 in dem im Balkangebirge liegenden und damaligen osmanischen Kalofer in einer Händlerfamilie von Marija und Stefan Mutewi geboren. Sein Onkel Ewstati Mutew gehörte zusammen mit Nikolaj Toschkow und Dimitar Kokalanow zu den Stifter der Lancaster-Schule in Kalofer. Dimitar besuchte, wie er in seiner Vita beschrieb, im versklavten Bulgarien in Kalofer die Bulgarische und in Plowdiw die Griechische Schule. Wahrscheinlich mit dem Abzug der russischen Truppen im Zuge des Russisch-Türkischen Krieges (1828–1829) emigrierte seine Familie wie tausende weitere. 1831 ging er zusammen mit seinem Bruder Christo in die Walachei, wo er anderthalb Jahre die Landessprache und das Neugriechische erlernte. In seiner Vita erklärt er, dass er in der Walachei gelernt habe, weil es „in meiner Heimat überhaupt keine Schulen [mehr] gab“. Ab Februar 1833 ist Dimitar im russischen Odessa, wo ihm im Alter von 15 Jahren ein Taufschein erstellt wurde. Auch der Name seines Onkels, Ewstati Mutew, taucht in den Registern als Händler auf.

In Odessa besuchte Dimitar die letzten vier Klassen des siebenklassigen Gymnasiums am Lycée Richelieu. Er schloss das Gymnasium 1837 mit Auszeichnung ab und begann das Studium an der Fakultät für Physik- und Mathematik am Lycée. Im selben Jahr wurde das Lycée einer Universität gleichgestellt. Am 22. Juni 1840 bescheinigte der Rat des Lycée Dimitar Mutew den Studienabschluss eines vollständigen Studiums aus. In seinem Jahrgang war er der Zweitbeste und auf Anraten seines Professors Brun, setzte er sein Studium an der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn fort, wo er Anthropologie, Chemie, Botanik und Mathematik studierte. Im vierten Semester wählte Dimitar Mutew die Meteorologie als Teil seiner Spezialisierung aus. Mit De Psychrometria promovierte Mutew 1842 in Physik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Damit ist er der erste bulgarische Doktor der Physik und neben Atanas Bogoridi (1816) und Petar Beron (1831) einer der ersten bulgarischen Doktoranden in Deutschland.

Nach seinem Abschluss lebte Mutew in Odessa, Moskau und Sankt Petersburg, wo sich zu dieser Zeit größere bulgarische Emigrantengemeinden befanden. Dennoch bleiben die Informationen wo und was Dimitar Mutew nach der Verteidigung seiner Dissertation – von 1842 bis Mitte 1857 oder vielleicht 1856 – gearbeitet hat rar. Einige Forscher sowie Weggefährten wie Jow Titorow geben an, dass er in dieser Zeit an der Universität Moskau habilitierte. Seit spätestens dieser Zeit stand Mutow in regelmäßiger Korrespondenz mit Najden Gerow, der ein Familienfreund war. So spricht Dimitar Mutew aus der Zeit von November 1846 bis September 1848 in seinen Briefen an Gerow, dass er seinen Verpflichtungen so schnell wie möglich nachzukommen werde. Wahrscheinlich unterstützte Mutew in dieser Zeit Gerows Zweiklassenschule in Kopriwschtiza, da fast überall Mutew über das Versenden von Büchern für die Schule schreibt. Er beschreibt dabei wie Bücher versendet werden können, per Post, durch die Handelsbüros der Bulgaren in Odessa, oder durch in Russland lebende Studierende wie Sachari Knjascheski, Nikola Kasapski. Die Briefe enthalten auch Nachrichten über Ernennungen zu leitenden Verwaltungspositionen in Odessa und den Wechsel von Konsuln in der Stadt, über den hohen Klerus, über das Lycée Richelieu sowie über die Cholera-Epidemie in der Stadt. Auch als Gerow 1850 die Kyrill und Method Schule in Plowdiw übernahm, erhielt wer weiterhin Bücher und Informationen von Mutew.

Aus den Briefen von Gerow sind auch mehrere Aufenthalte in Moskau zwischen Herbst 1848 und 1851 bekannt. So besuchte er 1849 zusammen mit Spiridon Palausow den Historiker Ossip Bodjanski nach dessen Habilitierung. Mutew ist ebenfalls im Januar 1850 in Moskau, als Palausow Mutew als sehr guter Kenner der Neugriechischen Sprache dem Historiker Michail Pogodin vorstellt. 1851 schreibt Christo Mutew an Gerow, dass sein Bruder sich seit 4 Jahren in St. Petersburg befindet. Wahrscheinlich pendelte Dimitar in dieser Zeit zwischen den drei Städten und kehrte immer wieder nach Odessa zurück. 1848 kündigte Mutew im Zarigradski westnik (=Konstantinopeler Zeitung) die Veröffentlichung des Buches Китка от Балкана, welche er jedoch nicht realisierte. Für letzteres wurde er ebenfalls in Zarigradski westnik, in der Ausgabe vom 27. August 1849 vom Dobri Tschintulow kritisiert. Mutew korrespondierte auch mit Ismail Sresnewski, der in seinem Denkmäler und Beispiele der Volkssprache und Literatur (1852) Bulgarische Sprichwörter und Redewendungen nach Dimitar Mutew veröffentlichte.

Während des Krimkrieges wurde Mutew am 21. April 1854 aus den Reihen der bulgarischen Gemeinde in Odessa in das Bulgarische Komitee vor Ort gewählt, welches während des Krieges die Koordination zwischen der russischen Armee und die Bulgarische Bevölkerung übernahm. Dieses Komitee sollte nach den Überlegungen seiner Organisatoren das künftige Schicksal Bulgariens bestimmen. Weitere Mitglieder des Komitees waren Nikolaj Palausow, Najden Gerow, Sawa Radulow, Sawa Filaretow, Stefan Isworski, Kostaki Popowitsch. Im selben Jahr erkrankte und starb an Tuberkulose seine Schwester Elena, Dimitar erkrankte selbst nach dem Ende des Krieges im Winter 1855/56 und zog sich zurück. In einem undatierten Brief von Filaretow an Najden Gerow, wahrscheinlich aus dem Jahr 1856, schlägt er Mutew als Mitglieder des Bulgarischen Kuratoriums von Odessa vor.

Auch die einflussreiche bulgarische Gemeinde von Zarigrad (bulg. für Istanbul) wurde auf Mutew aufmerksam. So bot die bulgarische Kirchengemeinde in der osmanischen Hauptstadt Mutew zunächst den Direktorposten der bulgarischen Schule vor Ort. Anfang 1857 ersuchten die Mitglieder der Bulgarischen literarischen Gesellschaft dort die Unterstützung von Gerow, da deren Angebot an Mutow für die Herausgabe und Finanzierung einer zukünftige periodische Zeitschrift der Gesellschaft unbeantwortet blieb. Nach einem Brief von Gerow vom März 1857 willigte schließlich Mutew ein. Im Juli des gleichen Jahres 1857 besuchte Mutew Zarigrad, wurde Mitglied der Bulgarischen Geistigen Gesellschaft dort und führte erste Gespräche über die Zeitschrift. Laut Gerow kehrte Dimitar noch einmal nach Odessa zurück, wo er am 25. August Alexandra Laurent in der Verklärungskathedrale heiratet. Trauzeuge seitens Mutew waren Nikolaj Palausow und sein Cousin Nikolaj Toschkow. Am 2. September kam das frische Paar in Zarigrad an.

In Zarigrad angekommen veröffentlichte Dimitar Mutew die Zeitschriften der Bulgarischen literarischen Gesellschaft: Bulgarische Büchlein (bulgarisch Български книжици Balgarski knischizi) und zusammen mit Dragan Zankow das Jahrbuch „Monat der bulgarischen Literatur“ (bulgarisch Месецослов на българската книжнина Mesezoslow na balgarskata knischnina). Als Naturforscher widmete er der naturwissenschaftlichen Bildung in der Zeitschrift viel Raum und plädierte für eine enge Verbindung zwischen Natur- und Sozialwissenschaften. So schrieb er in der fünften Ausgabe von 1858: Es besteht kein Zweifel, dass zu einer vollständigen Bildung ein gleichberechtigtes Studium der alten und neuen Sprachen einerseits und der Naturwissenschaften und der Geschichte andererseits gehört. Darüber hinaus stellte Mutew hohe Anforderungen an die zu veröffentlichenden Texten, Quellenangaben und deren Struktur, welche von den nächsten Redakteuren übernommen wurden. Einige Zeitzeugen nennen daher die Zeitschrift als die beste bulgarische Zeitschrift, die vor der Befreiung publiziert wurde.

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