An diesem Tag

Dieter Falkenhagen

Deutscher Mediziner und Physiker

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Dieter Falkenhagen (* 23. März 1942 in Dresden; † 11. August 2015 in Berlin) war ein deutscher Mediziner, Physiker und Hochschullehrer.

Falkenhagen entstammte einer akademischen Familie mit ausgeprägter wissenschaftlicher Tradition. Er war der jüngste Sohn von Hans Falkenhagen, Hochschullehrer für Theoretische Physik und Direktor des Instituts für Theoretische Physik an der Technischen Universität Dresden und später Hochschullehrer an der Universität Rostock; seine Mutter, eine geborene Arledter, stammte aus Österreich.

Der Nobelpreisträger Lars Onsager war sein Onkel.

Falkenhagens Ehefrau Ursula (* 1942 in Lutherstadt Wittenberg), die Tochter des Kreisoberinspektors Richard Specht, war ebenfalls Hochschullehrerin und bekleidete eine Professur für Medizinische Mikrobiologie an der Universität Rostock; gemeinsam hatten sie zwei Töchter.

Ausbildung und frühe akademische Laufbahn

Nach dem Abitur im Jahr 1960 in Rostock begann Falkenhagen zunächst ein Studium der Physik an der Universität Rostock, das er von 1960 bis 1966 absolvierte und mit dem Diplom abschloss. Diese naturwissenschaftliche Grundausbildung sollte seine spätere interdisziplinäre Arbeitsweise prägen. Unmittelbar im Anschluss nahm er von 1966 bis 1971 ein Studium der Humanmedizin an derselben Universität auf, das er mit dem Medizinischen Staatsexamen erfolgreich beendete. Diese ungewöhnliche Doppelqualifikation in Physik und Medizin bildete das Fundament für seine späteren Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Ingenieurwissenschaften und Medizin. Von 1971 bis 1976 absolvierte Falkenhagen seine Fachausbildung für Innere Medizin an der Universität Rostock und erwarb 1976 die Facharztanerkennung für Innere Medizin. Bereits 1974 promovierte er zum Dr. med. mit einer Arbeit über die Katalase-Aktivität in der Leber bei Patienten mit malignen Tumoren, die seine frühe Beschäftigung mit biochemischen Prozessen im menschlichen Körper dokumentiert.

Spezialisierung und wissenschaftliche Etablierung in Rostock

Von 1976 bis 1984 war Falkenhagen als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik für Innere Medizin der Universität Rostock tätig, wobei er parallel von 1976 bis 1978 eine Subspezialisierung für Nephrologie durchlief. Die Nephrologie, die Lehre von den Nierenerkrankungen, wurde zu einem seiner Kernarbeitsgebiete und führte ihn zur intensiven Auseinandersetzung mit Blutreinigungsverfahren und extrakorporalen Therapiesystemen. 1978 erwarb er die Facharztanerkennung für Nephrologie. In dieser Zeit leitete er bereits den Forschungsdialysebereich der Abteilung für Innere Medizin und etablierte sich als Experte für innovative Dialyseverfahren.

Seine wissenschaftliche Leistung wurde 1984 mit der Habilitation zum Dr. sc. med. im Fach Innere Medizin gewürdigt. Die Habilitationsschrift, die er gemeinsam mit James McNiven Courtney (1940–2023) verfasste, trug den Titel Blood purification by sorption an assessment of the effectiveness and blood compatibility of selected haemosorbents und dokumentiert seine Arbeiten zur Blutreinigung durch Adsorptionsverfahren, die international Beachtung fanden. Die Schrift galt als die erste gemeinsame Dissertation, die in einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen einem Forscher aus dem Osten (DDR) und einem Forscher aus dem Westen (Großbritannien) stattfand. Die Arbeit befasste sich mit der Hämoperfusion, einem Verfahren der extrakorporalen Blutreinigung. Dabei werden Adsorbentien (Hämosorbentien) eingesetzt, um Giftstoffe direkt aus dem Blut zu entfernen. Seine Dissertation bewertete die Wirksamkeit dieser Materialien sowie deren Verträglichkeit mit Blutkomponenten (Biokompatibilität). Der Rostocker Professor Horst Klinkmann, ein Pionier der Dialyse und damaliger Präsident der Welthemanalyse-Gesellschaft, war die treibende Kraft dieser Zusammenarbeit. Er pflegte internationale Kontakte und ermöglichte seinen Mitarbeitern – trotz der Restriktionen in der DDR – den Austausch mit westlichen Spitzenforschern. In Fachkreisen wurde die Arbeit als Hommage an Klinkmanns Vermittlerrolle gesehen. Während die Arbeitsgruppe von Courtney in Glasgow weltweit führend in der Materialforschung und der Entwicklung blutverträglicher Polymere war, verfügte Rostock mit Falkenhagen über eine starke klinische Basis in der Anwendung der Blutreinigung.

Leitungsfunktionen und internationales Engagement

Von 1984 bis 1991 wirkte Falkenhagen als Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin der Universität Rostock und übernahm gleichzeitig von 1984 bis 1988 die Leitung der Forschungsabteilung dieser Klinik. Von 1987 bis 1991 hatte er zusätzlich die Position eines Hochschuldozenten an der Universität Rostock inne. In dieser Phase baute er von 1988 bis 1991 das Zentrum für Bioengineering auf, dessen Leitung er übernahm und das seine Vision einer systematischen Verbindung von medizinischer Praxis und technologischer Innovation institutionalisierte.

Er nutzte seine große Erfahrung als Leiter einer Expertengruppe, um gemeinsam mit Kollegen neue medizinische Geräte zu entwickeln. Dabei entstanden viele verschiedene Systeme: zum Beispiel ein künstliches Herz für Tierversuche, spezielle Filter für die Dialyse (Blutwäsche) sowie moderne Monitore und Messgeräte für wichtige Blutwerte.

Da er sich bereits früher mit Lebererkrankungen beschäftigt hatte, untersuchte er zudem, wie man Giftstoffe bei Nieren- und Leberversagen am besten aus dem Blut filtern kann. Falkenhagen erkannte schon früh, wie wichtig es ist, direkt mit der Industrie zusammenzuarbeiten. Er startete Projekte mit Firmen in der DDR, blickte aber auch über die Grenzen und den Eisernen Vorhang hinaus: Er initiierte und unterstützte gemeinsame Projekte mit dem VEB MLW Keradenta-Werk Radeberg in der DDR und überschritt nationale Grenzen mit AKZO ENKA AG in Westdeutschland sowie mit der Cordis Dow Corporation in den USA.

Mit der Unterstützung von Fresenius Medical Care wurde ein neues Therapiesystem zur Behandlung von Leberversagen namens Prometheus entwickelt und erfolgreich getestet, basierend auf seiner ursprünglichen Arbeit in Rostock.

Bereits seit 1981 war Falkenhagen als Vorstandsmitglied der International Society for Artificial Organs für Osteuropa tätig, eine Position, die er bis 1991 innehatte und die seine frühe internationale Vernetzung und Reputation auf dem Gebiet der künstlichen Organe belegt. Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurde sein Dr. sc. med. 1991 in einen Dr. med. habil. umgewandelt, was ihm die weitere akademische Karriere im gesamtdeutschen Wissenschaftssystem ermöglichte.

Übergang in die Wirtschaft und internationale Professuren

Von 1991 bis 1992 wechselte Falkenhagen vorübergehend in die Privatwirtschaft und arbeitete als Manager für wissenschaftliches Marketing bei der Firma Fresenius, einem der weltweit führenden Unternehmen im Bereich der Dialysetechnik und medizinischen Versorgung. Diese Position ermöglichte ihm tiefe Einblicke in die praktische Umsetzung und Vermarktung biomedizinischer Technologien. Bereits 1992 kehrte er in den akademischen Bereich zurück und übernahm die Leitung des Instituts für Bioingenieurswesen an der Landesakademie für Niederösterreich in Krems, eine Position, die er bis 1995 innehatte. Zahlreiche internationale wissenschaftliche Tagungen mit hochrangigen Rednern aus den Bereichen Bioengineering, Biomaterialien, Geräteherstellung und Hämodialyse sowie aus der Adsorber- und Nanotechnologie wurden nach den Konzepten von Dieter Falkenhagen organisiert und förderten die wissenschaftliche Reputation der Stadt Krems, aber nicht nur die Landesakademie profitierte von diesem Ideenaustausch, sondern auch Wissenschaftler auf der ganzen Welt.

Parallel dazu wirkte er von 1992 bis 1993 als Gastprofessor an den Universitäten Gent in Belgien und Bologna in Italien, was seine zunehmende internationale Anerkennung dokumentierte. 1993 wurde er zum Hochschullehrer an der International Faculty for Artificial Organs der Universität Bologna ernannt, eine prestigeträchtige Auszeichnung, die seine führende Rolle auf diesem Forschungsgebiet unterstrich.

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