An diesem Tag

Dieter Dierks

Deutscher Produzent, Tonmeister und Verleger

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Hans-Dieter Dierks (* 9. Februar 1943 in Stommeln, heute zu Pulheim) ist ein deutscher Musiker, Tonmeister, Produzent, Verleger und Studiobetreiber. Er wurde bekannt als Produzent der Scorpions, die bei ihm zwischen 1975 und 1988 unter Vertrag standen. Von 1969 bis 1975 entstanden in den „Dierks-Studios“ viele Tonträger der Krautrock-Ära. Ab 1975 nutzten zunehmend internationale Interpreten die technisch hochwertig ausgestatteten Ton- und Fernsehstudios.

Dieter Dierks ist Sohn eines Dirigenten, Violinisten, Saxophonisten und Komponisten. Seine Mutter Ursula betrieb ein Lebensmittelgeschäft. Dierks war zweimal verheiratet und hat vier Kinder von vier Frauen. Seine zweite Ehefrau, Corina Fortmann, ist die Schwester des Schweizer Komponisten Thomas Fortmann und hat viele Jahre maßgeblich am Aufbau von Dierks’ Unternehmen mitgewirkt. Die gemeinsame Tochter Dominique Schilling arbeitet in Los Angeles als Regisseurin und Drehbuchautorin. Dierks’ ältester Sohn Michael ist Schauspieler. Die älteste Tochter aus erster Ehe, Michaela Dierks, ist Fernseh- und Musikpromoterin in Köln. Sein jüngster Sohn, Julien Freundt, arbeitet als Toningenieur, Komponist, Musikproduzent und ist Assistent der Geschäftsleitung im väterlichen Betrieb. Dierks’ Mutter, die die Küche des Studios leitete, verstarb im Jahr 1991.

Ursprünglich wollte Dierks Regisseur werden, studierte Theaterwissenschaften und besuchte danach eine Schauspielschule. Als Regieassistent arbeitete er für Kurt Wilhelm, Karl Fruchtmann, Jürgen Goslar und den ehemaligen Burgtheater-Intendanten Gerhard Klingenberg. Parallel dazu spielte er Gitarre und Bass in verschiedenen Rockbands und begann mit dem Aufbau eines eigenen Studios auf dem Anwesen seiner Eltern in Stommeln. Im Dachgeschoss des Elternhauses entstanden die ersten Studioräume. Mit zwei umgebauten Revox-Amateur-Aufnahmemaschinen gelang es Dierks innerhalb kurzer Zeit, viele junge Musiker an sich zu binden. Etwa zu dieser Zeit gründete Dierks zusammen mit Tommy Engel und Frieder Viehmann die Formation Hush, die 1969 die Single Oh! Darling / Schau mir in die Augen (Bellaphon #1112) herausbrachte.

Zwei Jahre später errichtete Dierks ein Studiogebäude im Hof des Anwesens. Wenig später wurde das angrenzende Wohnhaus zum Studio-Hotel ausgebaut und vervollständigte ein seinerzeit in Deutschland neues Konzept für die komplette Einheit von Musikaufnahmen: Die Musiker lebten und arbeiteten während der Produktion am gleichen Ort. In dieser Phase landete Dierks 1969 mit Loop Di Love mit dem Sänger Jay Bastos einen erfolgreichen Diskothekenhit, der als 1971 veröffentlichte Single in den Niederlanden, Belgien und Deutschland hoch chartete und mehrere Millionen Exemplare verkaufte. In einer Version von Jonathan King unter dem Pseudonym Shag war der Song 1972 ein Nummer-vier-Hit in Großbritannien.

Anfang der 1970er Jahre wurde das Studio 1 zum Anziehungspunkt für eine damals neue Generation von Musikern der in der Bundesrepublik aufkommenden Hippie-Kultur, welche die ländliche Atmosphäre und gleichzeitig hochmoderne Studiotechnik schätzte. Der Name des Dorfes nahe Köln tauchte immer häufiger in deutschen Musikmagazinen wie dem Musikexpress, der Sounds, dem Fachblatt Musikmagazin und in Pop/Rocky auf, deren Redakteure der „Soundschmiede in Stommeln“ und den dort entstandenen Produktionen ganze Seiten widmeten.

Die Dierks-Studios wurden – neben denen von Conny Plank in Wolperath – die Heimat der wichtigsten Krautrock-Vertreter, Gründerzeit-Rockbands und Elektronik-Pioniere: Ihre Kinder, Ash Ra Tempel, Tangerine Dream, Witthüser & Westrupp, Hoelderlin, Wallenstein, Birth Control, Guru Guru, Embryo, Popol Vuh, Bröselmaschine, die Polit-Rockgruppen Amon Düül und Floh de Cologne oder die von dem Musikvisionär Rolf-Ulrich Kaiser gegründete Krautrock-Supergroup Cosmic Jokers kamen alle nach Stommeln, um ihre Version von Rockmusik produzieren bzw. aufnehmen zu lassen. Ein Dauerkunde war auch Klaus Doldinger, der mit seiner Jazz-Rock-Formation Passport die Alben Looking Thru (1973), Handmade (1973), Cross-Collateral (1975) und Infinity Machine (1976) in Stommeln einspielte. Das live in der Düsseldorfer RheinHalle mitgeschnittene Konzert Jubilee 1974 wurde in den Dierks-Studios abgemischt.

In jenen Jahren entstanden über 40 richtungsweisende Musikalben, die den Ruf einer eigenständigen deutschen Rock- und Elektronikmusik im Ausland mitbegründeten; viele davon erschienen auf den deutschen Plattenlabels Pilz, Ohr und Bacillus, aber auch in Amerika, Frankreich, Italien und vor allem in England. Fast immer fanden sich in den Liner Notes die Dierks-Studios und deren „Soundmagier und Klangzauberer“ Dierks sowie ein „Special thanks“ für das kreative Umfeld mit der Studioküche von „Mother Dierks“, die noch in der Nacht die Musiker versorgte. Hinzu kam, dass Dierks seine Studios stets auf den neuesten technischen Stand brachte und sie so zu den führenden deutschen Produktionsstätten entwickelte. Eigene selbstentwickelte Hall- und Raumeffekte sowie experimentelle Instrumente wie das Mellotron, das analog auf Band aufgenommene Orchesterstimmen per Tastendruck wiedergeben konnte, vervollständigten das auf Perfektion bedachte Umfeld.

Studioausbau und erste internationale Kundschaft

Um 1972 baute Dierks die Räumlichkeiten weiter aus. Um kostengünstigere Vorproduktionen durchführen zu können, wurden im Kellerbereich des Studiohotels drei kleinere Aufnahmeräume und ein Regieraum als Studio 2 eingerichtet. Ende 1973 kam vor dem Studio 1 mit der „Kantine“ ein Aufenthaltsraum hinzu, der als Besprechungs- und Meetingraum diente. Der Ruf der Dierks-Studios als erstklassiger Aufnahme-Betrieb wurde auch im Ausland wahrgenommen. Für den kleinen Ort war das Unternehmen zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Musikgruppen wohnten oft monatelang in Stommeln, kauften dort ein und bevölkerten abends die örtlichen Gaststätten. Journalisten reisten an, um Fotos und Interviews zu machen.

Die erste internationale Band kam aus England und hieß Nektar. Das Quintett nahm zwischen Juni und August 1971 seine Debüt-LP Journey To The Centre Of The Eye in Stommeln auf. Es folgten die LPs A Tab in the Ocean (Oktober 1972), der Studio-Livemitschnitt …Sounds Like This (Februar 1973) und Remember the Future; letztgenannte LP erreichte im Juli 1974 Rang 19 der US-Album-Charts und war die bis dahin erfolgreichste Produktion aus dem Hause Dierks. Im Dezember 1974 kehrten Nektar ein letztes Mal für die Produktion von Down to Earth ins Rheinland zurück. Die LP notierte auf Platz 32 der US-Charts und erreichte im Februar 1975 Gold-Status.

1974 wurde das Portfolio der Firma durch das erste Audio-Recording-Mobile erweitert. So konnten namhafte Interpreten der internationalen Konzert-Szene, unter anderen Al Jarreau, Fats Domino, Oscar Peterson, Harry Belafonte, Michael Chapman, Ella Fitzgerald, The Platters, Brian Auger, Lou Reed, Nana Mouskouri, Santana oder Chicago live mitgeschnitten werden. Aufgrund der Erfahrung mit den Top-Künstlern sowie deren Managern und internationalen Plattenfirmen kam Dierks zu dem Entschluss, die Firma um eine eigene Produktions- und Verlagsgesellschaft zu erweitern, und gründete Breeze Music. Dierks gelang es, mit Atlantis eine der führenden deutschen Rockformationen und deren bluesige Sängerin Inga Rumpf unter Vertrag zu nehmen und auf internationalem Niveau zu produzieren. Er flog nach Amerika und überzeugte die damalige Plattenfirma Polygram davon, Atlantis auf Tour zu schicken. Zusammen mit dem US-Manager Ira Blacker organisierte er eine US-Tournee, und das erste Konzert fand in Philadelphia im Vorprogramm von Lynyrd Skynyrd vor 20.000 Besuchern statt. Dieses Netzwerk nutzte er ein paar Jahre später im Zusammenhang mit den Scorpions.

Bereits 1973 stieß Dierks zusammen mit seiner Frau Corina Dierks-Fortmann bei einem Konzert in einer Turnhalle in Essen auf die Nachwuchs-Rockband Scorpions. Trotz der wenigen Zuschauer überzeugte ihn die professionelle Einstellung der Musiker, die er nach einer Eingewöhnungsphase als Auftragsproduzent für die RCA Records ab 1976 ganz für die Firma Breeze Music unter Vertrag nehmen konnte. Bereits mit der ersten von ihm produzierten Platte In Trance verdreifachte sich der Plattenumsatz. Durch permanente Auslandsarbeit und eine erfolgreiche, von Breeze Music finanzierte Japan-Tournee, die auf den Tokyo Tapes ihren Niederschlag fand, gelang es 1979, einen Schallplattenvertrag mit dem amerikanischen Konzern Mercury (Polygram) abzuschließen. Bob Sherwood, der damalige Präsident, war ein Rockfan und ließ sich von den Produktionen des Deutschen überzeugen. Mit David Krebs wurde ein Schwergewicht der Musikszene als Personal Manager für die Scorpions engagiert. Mit Unterstützung vom Leber-Krebs Management, das große Acts wie AC/DC, Aerosmith oder Ted Nugent betreute, stand die Tür für ein Bühnendebüt der Scorpions in den USA weit offen.

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