Dieter Althaus (* 29. Juni 1958 in Heiligenstadt) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (CDU). Er war vom 5. Juni 2003 bis 30. Oktober 2009 der dritte Ministerpräsident des Freistaates Thüringen.
Althaus war von 1992 bis 1999 Thüringer Kultusminister, anschließend ab 1999 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag und ab 2000 Landesvorsitzender der CDU Thüringen. 2003 trat er die Nachfolge von Ministerpräsident Bernhard Vogel an und konnte die absolute Mehrheit der CDU bei der Landtagswahl 2004 verteidigen. Nachdem die Partei bei der Landtagswahl 2009 zweistellige Verluste erlitten hatte, trat Althaus von allen politischen Ämtern zurück. Seit 2011 ist er Vizepräsident von Governmental Affairs Magna Europe.
Althaus legte 1977 das Abitur an der Erweiterten Oberschule ab und leistete von November 1977 bis 1979 seinen 18-monatigen Grundwehrdienst in der Nationalen Volksarmee (NVA); er schied als Gefreiter aus. 1979 begann er ein Lehrerstudium der Physik und Mathematik an der Pädagogischen Hochschule (PH) in Erfurt, das er 1983 als Diplomlehrer beendete. Bis Ende des Jahres 1989 war er als Oberstufenlehrer für Physik und Mathematik an der Polytechnischen Oberschule (POS) in Geismar bei Heiligenstadt im Eichsfeld tätig, seit 1987 außerdem als stellvertretender Schulleiter.
Ende November 1989 schied Althaus auf eigenen Wunsch aus seiner ehrenamtlichen Mitarbeit im Jugendweiheausschuss aus. Anfang 1990 wurde er Schulrat des damaligen Kreises Heiligenstadt, im Mai 1990 Dezernent für Schule, Jugend, Kultur und Sport.
Althaus wurde 1985 Mitglied der CDU der DDR.
Seit 1990 war Althaus für die CDU Mitglied des Thüringer Landtags. Von 1991 bis 2001 war er zugleich Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Eichsfeld. 1993 wurde er zum Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden der CDU in Thüringen gewählt, von 2000 bis 2009 war er Landesvorsitzender und zudem Mitglied im Bundesvorstand der CDU Deutschlands. Nach der Landtagswahl im September 1999 war er bis 2003 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag.
Mit 74,1 Prozent der Stimmen wurde Althaus im Wahlkreis Eichsfeld I 2004 wieder in den Landtag gewählt. Dort wurde er am 8. Juli 2005 mit 45 von 88 Stimmen von der absoluten Mehrheit der CDU-Fraktion im Amt bestätigt. Im August 2005 wurde Althaus in das Kompetenzteam der CDU für die Bundestagswahl 2005 mit Zuständigkeit für den Aufbau Ost berufen; ab 2006 gehörte er auch dem CDU-Präsidium an.
Seit 2026 ist er Ehrenvorsitzender der CDU Thüringen.
Vom 11. Februar 1992 bis zum 1. Oktober 1999 gehörte Althaus als Kultusminister der von Ministerpräsident Bernhard Vogel geführten Landesregierung von Thüringen (Kabinett Vogel III) an.
Am 5. Juni 2003 wurde er (als Nachfolger von Bernhard Vogel, der aus Altersgründen zurückgetreten war) zum Ministerpräsidenten des Freistaates Thüringen gewählt. Vom 1. November 2003 bis zum 31. Oktober 2004 war er turnusgemäß Bundesratspräsident. und war auch Vorsitzender der Deutsch-Russische Freundschaftsgruppe des Bundesrates.
Am 1. Januar 2009 stieß Althaus bei einem Skiunfall im österreichischen Skigebiet Riesneralm mit einer Skifahrerin zusammen, die auf dem Transport ins Krankenhaus an den schweren Unfallfolgen starb. Althaus erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma mit Hirnblutung. Anfang März 2009 wurde er in Österreich wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe in Höhe von 33.300 Euro und einem Schmerzensgeld von 5000 Euro verurteilt. Das Urteil geriet in die Kritik, da es bereits einen Tag nach Anklageerhebung gesprochen wurde. Der gegen ihn gerichtete Fahrlässigkeitsvorwurf beruht im Wesentlichen auf einer Verletzung der fünften FIS-Regel, die Sorgfaltspflichten für das (Aufwärts-)Einfahren in andere Pisten aufstellt. Am 20. April 2009 nahm er die Regierungsgeschäfte wieder auf. Der mediale Umgang mit dem Vorfall, insbesondere die exklusiven Interviews von Althaus mit der Bild-Zeitung, wurde von Journalisten und Oppositionspolitikern kritisiert. Verhandlungen über den Schadenersatz mit Althaus’ Versicherung zogen sich fast drei Jahre lang bis 2011 hin. Im August 2013 war nach Angabe des Rechtsanwalts der Angehörigen der Getöteten „die Angelegenheit vollständig abgeschlossen“.
Den sprunghaften Anstieg des Verkaufs von Ski-Helmen nach diesem Unfall nennt man auch Althaus-Effekt. Im Gegensatz zu der verunglückten Skifahrerin hatte Althaus einen Helm getragen.
Landtagswahl 2009 und Rücktritt
Nachdem die CDU bei der Landtagswahl am 30. August 2009 die absolute Mehrheit verloren hatte und auch eine Koalition mit der FDP Althaus nicht die Mehrheit im Landtag hätte verschaffen können, zog er die Konsequenzen aus der Wahlniederlage und trat am 3. September 2009 mit sofortiger Wirkung als Ministerpräsident und Landesvorsitzender der thüringischen CDU zurück. Die SPD, die als einziger Koalitionspartner für die CDU in Frage gekommen wäre, hatte zuvor erklärt, nur dann mit der Union zusammenzuarbeiten, wenn sich Althaus zurückzöge. Althaus blieb bis zur Wahl der neuen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht am 30. Oktober 2009 und nach der Thüringer Verfassung (Art. 75 Abs. 3) geschäftsführend im Amt.
Zur Nachfolgerin von Dieter Althaus im Landesvorsitz der CDU Thüringen wurde am 25. Oktober 2009 ebenfalls Christine Lieberknecht gewählt.
Wechsel in die Privatwirtschaft 2010
Wie seit Ende Januar 2010 bekannt, wechselte Althaus als Manager zu dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna International und legte daher Ende April 2010 sein Landtagsmandat in Thüringen nieder. Nach Angaben des Unternehmens arbeitete Althaus seit dem 1. Februar 2010 als Vizepräsident im Magna-Büro am VW-Hauptsitz in Wolfsburg und war dort für den Kunden Volkswagen und für Kontakte zu öffentlichen Stellen in Deutschland zuständig. Seit Anfang 2011 ist er als Vizepräsident Governmental Affairs Magna Europe tätig. Während Oppositionsführer Bodo Ramelow den Wechsel als eklatanten Fall von Lobbykratie bezeichnete, sagte SPD-Landeschef Christoph Matschie (seit Koalition mit der CDU 2009 Thüringer Kultusminister und stellvertretender Ministerpräsident), er sehe keinen Anlass für Kritik. Althaus war im Jahr 2009 eng in die Verhandlungen zur Opel-Übernahme durch Magna eingebunden.
Althaus ist in zahlreichen ehrenamtlichen Initiativen und Vereinen aktiv (Auswahl): Vorsitzender des Kolping-Bildungswerkes Thüringen, bis Mitte 2013 Aufsichtsratsmitglied der Pax-Bank und bis November 2018 Vorstandsmitglied der Vereinigung Gegen Vergessen – Für Demokratie. Bis 2021 war er Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Ferner ist er Mitglied im Förderkreis der Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft.