Devon [ˈdɛvn̩] (historisch auch Devonshire) ist eine Grafschaft im Südwesten Englands. Die größte Stadt Devons ist Plymouth, seine Hauptstadt ist Exeter. Devon ist einerseits für seine pittoresken Küstenstädte und andererseits für die Dartmoor- und Exmoor-Nationalparks bekannt. Nach der Grafschaft ist das geologische Zeitalter Devon benannt. Der Name wurde 1839 von den englischen Geologen und Paläontologen Roderick Murchison und Adam Sedgwick in die wissenschaftliche Literatur eingeführt.
Devon gehörte zu den ersten Gegenden Englands, die gegen Ende der letzten Kaltzeit besiedelt wurden. Dartmoor war bereits um 6000 v. Chr. von steinzeitlichen Jägern und Sammlern bewohnt.
Im Neolithikum, ab etwa 4500 v. Chr., wurde die Gegend landwirtschaftlich genutzt. Die Menschen der sogenannten Megalithkultur bauten die ältesten noch heute vorhandenen Denkmäler Englands aus Granitblöcken. In den Mooren wurden über 500 archäologische Fundstellen registriert: Es handelt sich um Grabstätten, Steinreihen, Steinkreise und alte Siedlungen wie beispielsweise Grimspound. Die Menhirreihen sind besonders beeindruckend: eine ist über 3 km lang. Steinreihen markieren eine besondere Stelle, beispielsweise einen Cairn, einen Steinkreis oder einen besonderen Menhir.
Sehenswert ist der Bereich Merrivale mit dem 3,1 m hohen Merrivale Menhir, daneben die Steinkreise von Brisworthy, Down Tor, Fernworthy, Grey Wethers, Nine Stones (Dartmoor), Scorhill, Stall Down, Trowsleworthy Warren East, White Moor Down und Yellowmead Down sowie die Steinkiste von Drizzlecombe und die Steinreihe von Stalldown.
Der Name Devon ist von den Dumnonii abgeleitet, einem keltischen Volk, das die südwestliche Halbinsel zur Zeit der Römer bewohnte. Die germanischen Völker, die England ab dem 5. Jahrhundert besiedelten, wagten sich vorerst nicht nach Devon. Von den Sachsen wird vermutet, dass einige von ihnen im 7. Jahrhundert nach Devon kamen. Im Jahr 614 versuchte der König von Wessex erfolglos eine Invasion. Das 7. Jahrhundert war geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Dumnonia und Wessex, und 715 eroberte Wessex schließlich die Gegend. Die Könige von Dumnonia konnten sich aber wieder befreien.
Für das 9. Jahrhundert gibt es Aufzeichnungen, die von Kämpfen zwischen den Devonianern und den „Walisern von Cornwall“ berichten, obwohl beide dieselbe Sprache sprachen. Wilhelm von Malmesbury schrieb später, dass die Briten und die Sachsen Exeter um das Jahr 927 herum gemeinsam aequo iure (als Gleiche) bewohnten.
Im 9. Jahrhundert wurde Devon nicht mehr von den Kornern bedroht, sondern vielmehr von den Wikingern, die die Halbinsel in sporadischen Abständen überfielen.
Devon war Schauplatz einiger der heftigsten und blutigsten Kämpfe auf den britischen Inseln im Mittelalter. 1072 eroberten die Normannen mit Hilfe der Angelsachsen das damalige Kornwales und machten es sich untertan. Unter Führung von Wilhelm dem Eroberer belagerten sie Exeter 18 Tage lang. Nach erfolgter Unterwerfung wurde Devon in acht Feudalherrschaften aufgeteilt (Bampton, Bradninch, Great Torrington, Okehampton, Totnes, Berry Pomeroy, Barnstaple, Plympton) und an normannische Gefolgsmänner verteilt, die teilweise auch heute noch existierende Adelshäuser gründeten. Nach einem einzigen Autor – William Pole – soll es noch vier weitere Feudalsitze gegeben haben in Devon: Dartington, Harberton, Bishop of Exeter, Abbot of Tavistock.
1140 wurden sowohl Exeter als auch Plymouth als Druckmittel gegen König Stephen eingesetzt, und während der Rosenkriege fanden ebenfalls viele Scharmützel statt.
1497 wurde Exeter von Perkin Warbeck erneut belagert. Die Prayer Book Rebellion von 1549 ging von Devon aus, und im Englischen Bürgerkrieg wurden Exeter und Dartmouth wiederum belagert. 1546 wurde Devon von der Pest heimgesucht.
1606 war der Winter so hart, dass die Flüsse einfroren. Es scheint sich um den härtesten Winter gehandelt zu haben, den die Grafschaft je erlebt hatte. Auch der Winter 1676 wurde als besonders hart in den Geschichtsbüchern festgehalten.
1688 begann die Invasion von Wilhelm von Oranien in Brixham, worauf seine Armee durch Devon und Wiltshire nach London zog.
Während der 1640er, der 1710er und der 1760er Jahre wurde die Region von Masernepidemien heimgesucht. Am 7. Oktober 1690 ereignete sich in der Nähe von Barnstaple ein Erdbeben, gefolgt von einem kalten Winter, in dem unzählige Menschen ums Leben kamen.
In den 1880er Jahren war es heiß und die Sommer waren trocken, so dass die Ernten sehr schlecht waren. Das hauptsächlich landwirtschaftliche Devon litt unter der Hitze, und die Menschen hungerten.
Seit Urzeiten gab es in Devon neben der Landwirtschaft eine reiche Produktion an Zinn und Kupfer. Ab dem 18. Jahrhundert entstanden Minen, die industriell ausgebeutet wurden, so beispielsweise die größte Kupfermine der Welt, die „Great Consols Mine“ in der Nähe von Tavistock.
Die Industrielle Revolution fand in Devon jedoch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts statt. Dies brachte, wie andernorts, große gesellschaftliche Veränderungen mit sich. Landwirtschaft und Fischfang sind immer noch die wichtigsten Industriezweige, gefördert wird jedoch insbesondere der Tourismus. Die Great Western Railway war bereits Mitte des 19. Jahrhunderts in Betrieb.
Während des Zweiten Weltkriegs fand in den Slapton Sands, einem Strand zwischen den Dörfern Torcross und Slapton, die Übung Exercise Tiger statt.
Ende 1943 hatte die britische Regierung beschlossen, einen Trainingsort für die Landung in der Normandie (D-Day) einzurichten, und bestimmte dafür Slapton Sands. Ca. 3000 Einwohner der Gegend um Slapton wurden dafür umgesiedelt.