An diesem Tag

Deutsches Schauspielhaus

Großes Theatergebäude im Hamburger Stadtteil St. Georg

Anúncio

Das Deutsche Schauspielhaus im Hamburger Stadtteil St. Georg ist mit 1200 Plätzen das größte Sprechtheater Deutschlands. Entstanden ist es durch eine private Initiative von Bürgern und der 1899 gegründeten „Aktiengesellschaft Deutsches Schauspielhaus“. Die Pläne stammen von dem Wiener Architekturbüro Fellner und Helmer, die das neobarocke Gebäude nach dem Vorbild des Wiener Volkstheaters gestalteten. Am 15. September 1900 wurde das Theater mit einer Aufführung der Iphigenie auf Tauris feierlich eröffnet.

Der Name Deutsches Schauspielhaus knüpft an die Tradition des Hamburger Nationaltheaters an, das Mitte des 18. Jahrhunderts durch Hamburger Bürger betrieben wurde und an dem Gotthold Ephraim Lessing als Dramaturg tätig war. Das Schauspielhaus hat die Theatergeschichte der Stadt im 20. Jahrhundert entscheidend mitgeprägt und zählt zu den führenden Theatern Deutschlands. Rechtsträger ist heute die DeutschesSchauSpielHausHamburg Neue Schauspielhaus GmbH.

Hamburg entwickelte sich ab den 1870er Jahren zu einer modernen Stadt von Weltformat, was nicht zuletzt der Reichsgründung und dem schnellen wirtschaftlichen Aufschwung zuzuschreiben war. Das gesteigerte Selbstbewusstsein des Hamburger Großbürgertums verlangte in den folgenden Jahrzehnten immer mehr nach einem repräsentativen Theater. Bislang bestand die Hamburger Theaterlandschaft aus einem Sprechtheater und dem Stadttheater, in denen die Unterhaltung und die Oper gepflegt wurden. Der Theatermanager Bernhard Pollini war Direktor beider Häuser und besaß somit ein Theater-Monopol in Hamburg. Dies änderte sich erst mit seinem Tod 1897, denn obwohl Pollini testamentarisch die Fortdauer seines Theaterimperiums gesichert hatte, konnten seine Nachfolger die führende Position nicht halten.

Es wurde bald deutlich, dass der Stadt eine künstlerisch anspruchsvolle Bühne für die Aufführung von Klassikern und modernen Stücken fehlte. Die Situation änderte sich erst mit dem Entschluss des „Vereins Hamburger Bürger zu St. Georg“ und des bekannten Theaterkritikers Heinrich E. Wallsee, welche ein Sprechtheater nach dem Vorbild des Wiener Burgtheaters planten. Auch die Lage des neuen Theaters stand bereits fest: Es sollte in der ehemaligen Vorstadt St. Georg in der Nähe des geplanten Zentralbahnhofs errichtet werden.

Das Deutsche Schauspielhaus entstand letztendlich durch einen Zusammenschluss von privaten Finanziers, Geschäftsleuten und führenden Hamburger Bühnenkünstlern, wie der hochgeschätzten Tragödin Franziska Ellmenreich, die für die künstlerische Seriosität des Projekts bürgen sollten. Das Schauspielhaus blieb bis in die Zeit des Nationalsozialismus hinein ein Privattheater.

Im Juni 1899 wurde die „Aktiengesellschaft Deutsches Schauspielhaus“ mit 84 Teilhabern gegründet. Zum Vorbild wurde die Theaterstadt Wien genommen und so fiel die Wahl auf die erfahrenen Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer. Es entstand ein Theaterhaus im Stil des Neobarock mit 1.831 Zuschauerplätzen für eine gute Million Mark. Es lehnte sich in seiner Gestalt an das ebenfalls von Fellner und Helmer entworfene Deutsche Volkstheater in Wien an. Der neue Aufsichtsrat entschied sich für Baron Alfred von Berger, bisher Literaturprofessor in Wien, als ersten Intendanten. Mit der Zusammenstellung des Orchesters wurde Victor Heinisch als Kapellmeister beauftragt.

Am 15. September 1900 fand die feierliche Eröffnung des Deutschen Schauspielhauses statt. Berger sprach einen Prolog, Beethovens Die Weihe des Hauses, und Goethes Iphigenie auf Tauris wurden aufgeführt. Im ersten Jahrzehnt des Hauses unter Berger wurden vorrangig die Klassiker Shakespeare, Goethe, Schiller und zeitgenössische Theaterautoren gespielt. Einziges Manko waren die langen Aufführungen, die aufgrund der Umbaupausen meist bis zu sechs Stunden andauerten. Dies war nicht zuletzt Bergers Bühnenbildern zuzuschreiben, die oft aufwändig und detailfreudig gestaltet waren. Berger erfüllte die Erwartung des Hamburger Theaterpublikums und erhielt die breite Zustimmung des Bürgertums, was durch den außergewöhnlich hohen Verkauf von Abonnements bestätigt wurde.

Jedoch blieben Werke Friedrich Hebbels, die gerade noch um die Jahrhundertwende als bühnentauglich galten, das einzig Neue am Deutschen Schauspielhaus. Erst als Berger 1910 nach Wien zurückging, begann für das Schauspielhaus die Moderne. Unter dem neuen Intendanten Carl Hagemann entstand in Hamburg ein neues und modernes Theaterverständnis. Die Bühnenbilder waren weniger prachtvoll und zeigten sich in neuen Farben und Formen. Hagemann wollte die Aufmerksamkeit auf das Dichterwort lenken, welches von den Bühnenbildern untermalt und nicht dominiert werden sollte. Hagemanns Abwendung vom Naturalismus vollzog in Hamburg eine Entwicklung, die in Berlin bereits weit fortgeschritten war. So war die Theaterkritik begeistert, das Hamburger Publikum aber empfand den Einbruch der Moderne als zu plötzlich und trauerte dem Intendanten Berger, seinem Programm und seinen pompösen und illusionistischen Bühnenbildern nach. Das literarische Theater Hagemanns fand nicht die Zustimmung des Publikums und nachdem das Haus viele Zuschauer und besonders Abonnenten verloren hatte, gab er bereits nach drei Jahren auf und trennte sich in Unfrieden vom Aufsichtsrat des Deutschen Schauspielhauses.

Das Schauspielhaus im Ersten Weltkrieg und der Weimarer Republik

Nachdem Hagemann das Deutsche Schauspielhaus verlassen hatte, wurde die neue Theaterentwicklung nicht weitergeführt. Neuer Intendant wurde Max Grube, welcher vor allem damit zu tun hatte, das Schauspielhaus durch die Jahre des Ersten Weltkriegs zu bringen. In dieser Zeit brachte er wenig Neues und machte auch keinerlei Experimente. Das Programm und die gegebene nationale Gesinnung der Herren des Schauspielhauses schlugen mit Beginn des Krieges in einen aggressiven Nationalismus um. Die Bühne verlor zunehmend ihre Stammgäste und somit auch ihre Einnahmen.

Als Grube mit Kriegsende das Theater übergab, war es in einem katastrophalen Zustand, sowohl baulich als auch finanziell. Unter dem neuen Intendanten, dem Wiener Schriftsteller Paul Eger, wurde das es erneut zu einer bürgerlichen Hofbühne. Dieser Rückgang ließ sich dadurch erklären, dass Eger ein Berger-Schüler war und deshalb in republikanischen Zeiten ein anachronistisches Theaterprogramm anstrebte.

Eger verstand, wie sein Vorgänger zuvor, das Deutsche Schauspielhaus als Theater der Klassiker. Die gesellschaftlichen Wandlungen im Zuge der Weimarer Republik und des Ersten Weltkriegs waren im Schauspielhaus nicht angekommen. Als Einziges modernisierte Eger die Bühne und verjüngert das Ensemble. Was Eger nicht erkannte war, dass sich das großbürgerliche Publikum verringert und verändert hatte. Zudem konnte das Schauspielhaus mit seiner konventionellen Spielgestaltung keine neuen Publikumsschichten für sich gewinnen. Besonders wurden, neben den anderen Bühnen und Unterhaltungsmöglichkeiten Hamburgs, die neuen „Lichtspieltheater“ der Weimarer Republik zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für alle Theater. Immer mehr Menschen wandten sich vom Theater ab und den Kinos zu. Die 1920er Jahre stellten finanziell eine besonders kritische Zeit für das Schauspielhaus dar. Die allgemein schwierige wirtschaftliche Lage und die interne Kostensteigerung machten ihm schwer zu schaffen.

Auch der neue Intendant Erich Ziegel konnte an der miserablen Finanzlage nichts ändern. Künstlerisch war er durch einen Intendantenvertrag gebunden und musste das Haus im Sinne Bergers führen. 1928 stand das Deutsche Schauspielhaus vor dem Bankrott und die finanziellen Probleme in der Weltwirtschaftskrise zwangen die Geschäftsführer zu einer organisatorischen Zusammenlegung des Hauses mit dem Thalia Theater. Unter der Generaldirektion von Hermann Röbbeling, dem Direktor des Thalia Theaters, wurde ein gemischtes Repertoire an Klassikern und neueren Stücken gespielt. In der wachsenden politischen Radikalisierung kam es 1929 zu dem größten Theaterskandal in der Geschichte des Deutschen Schauspielhauses. Ferdinand Bruckners Stück Die Verbrecher wurde von nationalsozialistischen Kreisen unter Führung von Bürgerschaftsabgeordneten der NSDAP gesprengt. Als die Störungen anhielten, wurde das Stück nach nur elf Vorstellungen aus dem Programm genommen.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Deutsches Schauspielhaus | World in Stories