Das Deutsche Museum von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik (meist nur Deutsches Museum genannt) in München ist nach Ausstellungsfläche eines der größten Wissenschafts- und Technikmuseen der Welt. Es betreibt als Anstalt des öffentlichen Rechts neben dem Stammhaus auf der Münchner Museumsinsel vier Außenstellen in Bonn (Deutsches Museum Bonn), München (Verkehrszentrum), Nürnberg (Deutsches Museum Nürnberg – Das Zukunftsmuseum) und Oberschleißheim (Flugwerft Schleißheim). Erklärtes Ziel ist es, dem interessierten Laien in verständlicher Weise naturwissenschaftliche und technische Erkenntnisse möglichst lebendig nahezubringen. Dazu zeigt es die geschichtliche Entwicklung der Naturwissenschaften und der Technik sowie deren Bedeutung für die technische und die gesellschaftliche Entwicklung anhand ausgewählter Beispiele.
Das Deutsche Museum ist eines der acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft, die sich als Forschungseinrichtungen zu Erdgeschichte und Artenvielfalt, zur Kultur- und Technikgeschichte verstehen. Das dem Deutschen Museum angegliederte Forschungsinstitut, welches sich mit Technik- und Wissenschaftsgeschichte sowie -kommunikation beschäftigt, arbeitet mit der Ludwig-Maximilians-Universität sowie der Technischen Universität München zusammen und ist unter anderem am Exzellenzcluster Munich Center for Quantum Science and Technology beteiligt. Das Deutsche Museum betreibt eine Spezialbibliothek für die Geschichte der Naturwissenschaften und Technik, die seit 2016 gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft die Subdisziplin Geschichte der Technik, Naturwissenschaften und Umwelt innerhalb des Fachinformationsdienstes Geschichtswissenschaft betreut. Das nach dem Schulreformer Georg Kerschensteiner benannte Kerschensteiner-Kolleg veranstaltet Fortbildungskurse für Lehrer und Studierende.
Das Museumsgebäude liegt auf der Münchner Museumsinsel. Diese ist eine ehemalige Kiesbank in der Isar. Die Insel wurde seit dem Mittelalter als Floßlände und Materiallager genutzt, daher rührt auch ihr alter Name Kohleninsel. Aufgrund der ständigen Hochwassergefahr wurde die Insel zunächst nicht bebaut. Erst 1772 entstand mit der Isarkaserne für die Bayerische Armee ein festes Bauwerk auf der Insel. Nach dem Hochwasser von 1899 wurde die Insel befestigt und flutsicher ausgebaut. Nachdem mehrere Pläne zur Nutzung der alten Kohleninsel vorlagen, unter anderem für den Bau eines Bahnhofs, erklärte sich der Münchner Stadtrat 1903 bereit, das Gelände für den Neubau des Deutschen Museums durch Erbbaurecht zur Verfügung zu stellen: 1906 wurde der Grundstein für den Museumsbau gelegt, Baubeginn war jedoch erst 1909. Unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg zog sich der Bau nach Entwürfen des Architekten Gabriel von Seidl knapp zwanzig Jahre hin. Selbst zur Eröffnung des Museums am 7. Mai 1925 waren die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen.
Seit Mitte der 1930er Jahre besteht das Museum hauptsächlich aus drei Bauten, die nacheinander fertiggestellt wurden:
Der Sammlungsbau befindet sich auf dem isaraufwärts gelegenen Teil der Museumsinsel zwischen Bosch- und Zenneckbrücke im Norden sowie der Corneliusbrücke im Süden. Der Sammlungsbau war eines der ersten größeren Gebäude, die aus Stahlbeton errichtet wurden. Die Verwendung dieses damals noch neuen und fortschrittlichen Baumaterials wurde bewusst gewählt, um den Stand der Technik aufzuzeigen und somit auch das Gebäude selbst quasi zu einem Teil der Ausstellung zu machen. Der Sammlungsbau wurde im südwestlichen Bereich der Museumsinsel um die in zwei Schritten 1937 und 1938 eröffnete Kraftfahrzeughalle (später Eisenbahnhalle, dann Zentrum Neue Technologien) erweitert. 1984 wurde der Sammlungsbau im südöstlichen Teil der Museumsinsel um die von Sep Ruf entworfene Halle für Luft- und Raumfahrt erweitert. Im Juli 2022 eröffnete an deren Dachterrasse das Restaurant Frau im Mond; es kann auch unabhängig vom Museum besucht werden.
Nördlich des Sammlungsbaus und von diesem durch den Museumshof getrennt schließt sich der 1932 fertiggestellte Bibliotheksbau an, in dem sich unter anderem Bibliothek und Archiv des Deutschen Museums sowie Verwaltung und museumseigene Werkstätten befinden.
Zwischen dem Bibliotheksbau und der Ludwigsbrücke wurde 1935 der Kongressbau fertiggestellt, nachdem 1928 in Anwesenheit des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg die Grundsteinlegung erfolgt war. Der im Kongressbau befindliche Kongresssaal war bis zur Fertigstellung des nahe gelegenen Kulturzentrums am Gasteig im Jahre 1985 Münchens größter Konzertsaal. Nach dem Verkauf des Kongressbaus durch das Deutsche Museum im Jahr 1989 wurden dort unter anderem das erste IMAX-Kino Deutschlands und ein Großplanetarium betrieben. Nach dem 2010 erfolgten Rückkauf des Kongressbaus durch das Deutsche Museum stand das Gebäude jahrelang leer. In der Folge war das Grundstück, auf dem sich der Kongressbau befindet, als Standort für ein neues Konzerthaus im Gespräch. 2016 wurde bekanntgegeben, dass Teile des Gebäudes ab 2017 für zunächst fünf Jahre als Veranstaltungsort mit Gastronomie genutzt werden sollen. Danach sollte über die weitere Nutzung entschieden werden. Seit 2017 befand sich der Blitz Club im Kongressbau. Anfang 2026 wurde bekannt, dass dieser im September 2026 den Kongressbau aufgrund von Umbaumaßnahmen verlasse.
Neben dem Stammhaus auf der Museumsinsel betreibt das Deutsche Museum vier Zweigmuseen. Teile der Luftfahrtausstellungen befinden sich in der historischen Flugwerft des Flugplatzes Oberschleißheim. Neben einer 1992 errichteten neuen Ausstellungshalle werden die ab 1912 errichteten historischen Gebäude Werfthalle und Kommandantur für die Luftfahrtausstellungen genutzt. Das in mehreren Schritten ab 2003 eröffnete Verkehrszentrum auf der Theresienhöhe in München, welches die Ausstellungen im Bereich Landverkehr beherbergt, nutzt die historischen Hallen I, II und III des alten Münchner Messegeländes. Das Deutsche Museum Bonn befindet sich im Untergeschoss des Wissenschaftszentrums Bonn und das Deutsche Museum Nürnberg in der Nähe des Hauptmarktes in der Nürnberger Altstadt gelegenen Gebäudekomplex Augustinerhof. Das Deutsche Museum betreibt in Kooperation mit der Stadt Freilassing das Eisenbahnmuseum Lokwelt Freilassing.
Bereits 2009 existierten Pläne des Deutschen Museums, in unmittelbarer Nachbarschaft der Flugwerft in Oberschleißheim ein Schaudepot zu errichten. 2014 erwarb das Deutsche Museum ein 20.000 Quadratmeter großes Grundstück im Erdinger Stadtteil Aufhausen, um dort ein zentrales museumseigenes Schaudepot zu errichten. Da der Depotbau in Erding aus Geldmangel zunächst nicht zustande kam, wurden stattdessen unter anderem in Ingolstadt und in Kirchheim bei München Lagerhallen als Depots angemietet. Im Februar 2026 wurde bekannt, dass im Rahmen einer Public-Private-Partnership das Zentraldepot in abgespeckter Form ab September 2026 in Aufhausen errichtet werden und eine erste Teilinbetriebnahme 2028 erfolgen solle.
Nationale und internationale Vorbedingungen der Museumsgründung
→ Zur Geschichte und Bedeutung des Museum-Begriffs: Museum
Mit den Säkularisierungsbestrebungen des Renaissance-Zeitalters begannen Herrscher und wohlhabende Bürger, Sammlungen nach unterschiedlichsten Ordnungskriterien anzulegen, oft, um sich kulturell, sozial und politisch zu profilieren. Diese Wunderkammern wurden nicht nach pädagogischen Aspekten angelegt; dieses Kriterium trat erst im Zeitalter der Aufklärung ab dem 17. Jahrhundert und verstärkt ab dem 18. Jahrhundert hervor. Die Ausstellungen dieses Zeitalters sollten die Vorteile des aufklärerischen Fortschritts bezeugen. Mitte des 18. Jahrhunderts begann die Trennung zwischen Ausstellungen der Schönen Künste und solchen der nützlichen Künste. Die letztgenannten Ausstellungen zeigten insbesondere handwerklich und manufakturiell hergestellte Objekte.
Wirtschaftlich-technische Ausstellungen sind in Frankreich ab dem frühen 19. Jahrhundert bekannt. Die Präsentation moderner Industrietechnik sollte der Bevölkerung vermitteln, wie sich der technologische Fortschritt positiv auf die Lebensverhältnisse (Wohlstand und Komfort) sowie auf die Beherrschung der Natur auswirkte, und betonte die Bedeutung des Nationalstaates.