An diesem Tag

Deutsche Oper Berlin

Opernhaus

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Die Deutsche Oper Berlin ist das größte der drei Opernhäuser in Berlin. Das Gebäude Bismarckstraße 34–37 im Ortsteil Charlottenburg wurde 1961 nach Entwürfen Fritz Bornemanns im Stil der Nachkriegsmoderne eröffnet und war Ersatz für das zuvor an gleicher Stelle stehende Deutsche Opernhaus. Dieses war 1912 nach Plänen Heinrich Seelings im Stil des Neoklassizismus errichtet worden, brannte im Zweiten Weltkrieg aus und wurde danach abgerissen. Das neu errichtete Charlottenburger Haus ist mit 1859 Sitzplätzen eine der größten Opern in Deutschland.

Die Deutsche Oper bildet mit der Staatsoper Unter den Linden, der Komischen Oper, dem Staatsballett und dem Bühnenservice Berlin die Stiftung Oper in Berlin.

Die Initiative für die Gründung eines Opernhauses ging auf bürgerliche Kreise im damals selbstständigen Charlottenburg zurück. Als wirtschaftliche Stütze des Staates und intellektuelle Vorreiter wollten die Bewohner der reichsten Großstadt Preußens ein Opernhaus „für sich“ als Gegenentwurf zur „erstarrten“ Repräsentationsbühne der Hofoper Unter den Linden in Berlin.

Die Stadt Charlottenburg ließ in den Jahren 1911/1912 nach Plänen Heinrich Seelings das Deutsche Opernhaus errichten. Es wurde unter der Leitung von Ignatz Waghalter am 7. November 1912 mit Ludwig van Beethovens Fidelio eröffnet. Das neoklassizistische Gebäude war in drei Baukörper untergliedert: Einer davon umfasste das Foyer, den Zuschauersaal und die Repräsentationsräume, während die anderen beiden die Bühne sowie die Lager- und Verwaltungsräume beinhalteten. Die Hauptfassade zur Bismarckstraße wurde durch insgesamt zwölf jeweils paarweise angeordnete ionische Säulen mit Kannelierung gegliedert. Über dem Zuschauersaal hob sich ein Bühnenturm aus der Baumasse empor.

Als mit dem Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin (Groß-Berlin-Gesetz) Charlottenburg 1920 Teil der Reichshauptstadt wurde, erhielt das über 2300 Sitzplätze fassende Haus den Namen Städtische Oper.

Seit 1925 formte Lizzie Maudrick aus dem Opernballett nach und nach eine eigenständige Ballettkompanie.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

In der Zeit des Nationalsozialismus ging 1934 das in Deutsches Opernhaus rückbenannte Charlottenburger Haus in den Besitz des Reiches über und unterstand damit dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda von Joseph Goebbels. Als Ministerpräsident des Freistaates Preußen lenkte dagegen Hermann Göring die Staatsoper Unter den Linden, wenngleich die Häuser manchmal in Stellvertretung ihrer Dienstherren rivalisierten. Unter der Leitung von Paul Baumgarten wurde 1935 ein Umbau auf 2098 Sitzplätze durchgeführt. Entgegen dem ursprünglichen Entwurf mit einem standesunabhängigen Zuschauerraum wurde eine „Führerloge“ geschaffen. Nach der Zerstörung des Hauses am 23. November 1943 fanden die Vorstellungen bis Herbst 1944 im Admiralspalast in Berlin-Mitte statt.

Während der Zeit des Nationalsozialismus galt das Haus neben dem Bayreuther Festspielhaus als die Repräsentationsbühne des NS-Regimes schlechthin. Schon im Frühjahr 1933 zum Geburtstag des Intendanten Max von Schillings hieß es in den Opernheften: „Wir könnten einpacken, wenn es nicht möglich sein sollte, an einer Stätte, wo es gelang, einem empfangsbereiten, beeinflussbaren bürgerlichen Publikum Erzeugnisse des artfremdesten Kunstbolschewismus schmackhaft zu machen, jetzt wieder Werte reinerer, deutscher Wesensart einzubürgern.“

In diesem nationalsozialistischen Geist wurde das komplette Management der Oper abgesetzt und durch regimetreue Funktionäre ersetzt, darunter der langjährige Intendant Carl Ebert, die Dirigenten Fritz Stiedry und Paul Breisach, dazu der Sänger Alexander Kipnis, der Cellist Ernst Silberstein, die Violinisten Max Rosenthal und Wladyslaw Waghalter. Insgesamt wurden acht Orchestermusiker entlassen sowie Tänzer/Tänzerinnen und Bühnenarbeiter.

Nach dem Tod von Schillings im Juli 1933 wurde Wilhelm Rode, Heldenbariton des Hauses seit 1926, dessen Nachfolger. Gespielt wurden „genehme Werke“, also Wagner, Lortzing, Kienzl usw. Zeitgenössische Komponisten wie Weill oder als „artfremde“ diffamierte wie Offenbach und Meyerbeer waren nicht mehr gefragt.

Inszenierungen erforderten Dramaturgie, Arrangements und Ausstattungen. Für Letzteres war oft Benno von Arent verantwortlich. Dabei ging es um Naturtreue bis ins kleinste Blatt aus Pappe. Hans Sachs sang unter Butzenscheiben und die Festwiese der Meistersinger kam direkt aus einem Film von Leni Riefenstahl. Siegfried ritt zu Pferd heran, auf seinem Schild die Siegrune. Immerhin erforderte die Spielplanaufnahme von La traviata 1935 eine zaghafte Weiterentwicklung des Regietheaters.

Mitten im Zweiten Weltkrieg wurde der Intendant Rode im Sommer 1943 von dem erfolgreichen Hamburger Dirigenten Hans Schmidt-Isserstedt abgelöst. Mit Günther Rennert und Leopold Ludwig holte er sich zwei junge Künstler in sein Leitungsteam, die schon auf den künstlerischen Aufbruch des Nachkriegstheaters verweisen. Ihre Arbeit fand in den zunehmenden Wirren und Zerstörungen des Krieges allerdings kaum noch Resonanz. Così fan tutte war im Herbst 1943 die erste Rennert-Regie – sie wurde als „leicht, witzig, phantasievoll“ bewertet. Zwei Wochen später, am 23. November 1943, brannte das Haus bei alliierten Luftangriffen aus. Am 1. September 1944 trat die allgemeine Theatersperre in Kraft und alle Theater wurden geschlossen.

Nach Kriegsende nutzte die nun wieder Städtische Oper für Vorstellungen das Gebäude des Theaters des Westens in der Nähe des Berliner Bahnhofs Zoo. Erste Premiere war am 4. September 1945, wie bei der Eröffnung 1912, Beethovens Fidelio. Nach dem Abriss des im Zweiten Weltkrieg ausgebrannten Vorgängerbaus wurde zwischen 1957 und 1961 nach Entwürfen des Berliner Architekten Fritz Bornemann der heutige Neubau an der Bismarckstraße errichtet. Der Zuschauerraum umfasste nun 1865 Sitzplätze. Die Eröffnung fand am 24. September 1961 mit Mozarts Don Giovanni statt. Diese Aufführung ist als wichtiges Zeitdokument auch als DVD erschienen. Der Neubau hatte 27,5 Millionen Mark gekostet (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 76,4 Millionen Euro). Auf Anregung des Dirigenten Ferenc Fricsay erfolgte im gleichen Jahr die Umbenennung auf den heutigen Namen Deutsche Oper Berlin.

In der Zeit ab der Eröffnung des Neubaus wuchs die Deutsche Oper, entgegen ihrem ursprünglichen Gründungszwecke, in die Rolle des Repräsentationshauses des Landes Berlin (West) hinein, da die Staatsoper Unter den Linden, die traditionell diese Funktion in Berlin eingenommen hatte, als Bestandteil Ost-Berlins und der DDR eine eigene Entwicklung nahm. Als einziges Opernhaus in West-Berlin musste sie nun das gesamte Opernrepertoire abdecken. Neben Opern des Kernrepertoires fanden sich vielfach auch deutsche Erstaufführungen und Uraufführungen auf dem Spielplan: Komponisten wie Boris Blacher, Giselher Klebe, Hans Werner Henze, Luigi Dallapiccola, Aribert Reimann und Wolfgang Rihm schrieben Werke für die Deutsche Oper Berlin. Prägend waren die regieführenden Intendanten Heinz Tietjen, Carl Ebert, Gustav Rudolf Sellner und ab 1981 Götz Friedrich. Aber auch Wieland Wagner, Willi Schmid, Margherita Wallmann, Winfried Bauernfeind, Boleslaw Barlog, Otto Schenk, Oscar Fritz Schuh, Filippo Sanjust, Knut Sommer, Peter Beauvais, Günther Rennert, Nikolaus Lehnhoff, August Everding, Herbert Wernicke, Achim Freyer, Hans Neuenfels, Jean-Pierre Ponnelle, Hans Hollmann, Giancarlo del Monaco, Günter Krämer, David Pountney und John Dew führten mehrmals Regie und prägten das Haus.

Auf Initiative des Intendanten Götz Friedrich wurde 1986 in New York die Stiftung The American Berlin Opera Foundation gegründet.

Infolge des Mauerfalls: Gründung einer Stiftung der drei Berliner Opernhäuser

Nach der deutschen Wiedervereinigung verlor die Deutsche Oper ihren Status als einziges repräsentatives Opernhaus in West-Berlin. Diskussionen um die Schließung eines der drei Berliner Opernhäuser, eine kontinuierliche Absenkung der Zuschüsse aus dem Landeshaushalt und eine damit einhergehende finanzielle Schlechterstellung der Kollektive gegenüber der Staatsoper Berlin prägten die 1990er Jahre. 2000 verstarb Götz Friedrich noch vor Ende seiner letzten Amtszeit, sein Nachfolger Udo Zimmermann blieb nur zwei Jahre Intendant des Hauses. Neben einer umstrittenen Premiere von Fidelio, unter der musikalischen Leitung von Heinrich Schiff, prägten Handschriften von Daniel Libeskind, Karl-Ernst und Ursel Herrmann sowie Sebastian Baumgarten seine Amtszeit. Hans Neuenfels’ Inszenierung von Mozarts Idomeneo wurde, wie die Verdi-Inszenierungen des Regisseurs in der Ära Götz Friedrich, bei der Premiere 2003 zwar stark diskutiert, aber erst bei der Wiederaufnahme 2006 kommt es zu einer Diskussion über den Kreis Operninteressierter hinaus. Aus Sicherheitsbedenken sollte die Wiederaufnahme abgesetzt werden. Aufgrund der Diskussion um Mohammed-Karikaturen erschien das von Neuenfels statt des abschließenden Balletts erfundene stumme Nachspiel in neuem Lichte: In diesem wurde der abgeschlagene Kopf des islamischen Propheten Mohammed (neben den blutigen Köpfen Jesu, Buddhas und Poseidons) gezeigt, um zu verdeutlichen, dass die Unterwerfung des Menschen durch und in Religionen überwunden werden müsse. Anlass für die Absetzung waren Bedenken beim Berliner Innensenator und dem Landeskriminalamt. Sie hielten „gewalttätige Aktionen“ für möglich, auf die sie die Intendanz hinwiesen. Der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble schaltete sich ein und befand die Absetzung sei inakzeptabel, was sei Meinungsfreiheit schon wert, wenn man sie aus Angst einschränken müsse. So argumentierten weitere Politiker. Wenn Sorge vor Protesten „zur Selbstzensur führt“, gerate die freie Rede in Gefahr, sagte der damalige Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Kunst und Medien müssten Gegensätze in einer Gesellschaft benennen. Dafür brauche es Toleranz „auch gegenüber unbequemen Meinungen“. Nach Kritik an der Absetzung aus Kultur und Politik wurde die Warnung relativiert und die Inszenierung im Dezember 2006 wieder aufgeführt.

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