An diesem Tag

Deutsche Hochschule für Körperkultur

Ehemalige Sporthochschule in Leipzig

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Die Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) war eine deutsche Sporthochschule in Leipzig. Sie wurde Anfang 1950 in der Deutschen Demokratischen Republik gegründet und im wiedervereinigten Deutschland mit Wirkung vom 1. Januar 1991 aufgelöst. Als Nachfolgeeinrichtung fungiert heute mit deutlich reduzierter Struktur die Sportwissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig.

Im Laufe ihres Bestehens bildete die DHfK Diplomsportlehrer aus, förderte Trainer und Sportfunktionäre systematisch, betrieb Nachwuchsforschung und forschte an der Weiterentwicklung der Disziplinen, was in der damaligen Sportwissenschaft als Neuerung angesehen wurde. Im staatlichen Dopingprogramm in der DDR hatte die Hochschule selbst keine administrativen Aufgaben inne, besaß aber personelle Überschneidungen zum Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS), das aus dem Zusammenschluss verschiedener DHfK-Forschungsbereiche entstand und nachweislich an der Entwicklung von Richtlinien bzw. an der Erforschung zum Medikamenteneinsatz zur Leistungssteigerung beteiligt gewesen war. Aufgrund ihrer exponierten Stellung wurde und wird die DHfK Leipzig als „Keimzelle des DDR Sportwunders“ oder „Zentrale des staatlich betriebenen Zwangsdopingsystems“ betitelt.

Aufgrund der rigorosen Entnazifizierungspolitik in der Sowjetischen Besatzungszone herrschte im Schulsystem ein eklatanter Mangel an Turn- und Sportlehrern. Um den Lehrkräftemangel abzubauen, wurden 1946 per SMAD-Direktive Pädagogische Fakultäten an den Universitäten Berlin, Greifswald, Halle, Jena und Leipzig eingerichtet, später folgte Rostock. Je nach örtlichem Zustand der universitären Sporteinrichtungen nahmen dort innerhalb der folgenden zwei Jahre die Institute für Körpererziehung (IfK) ihre Arbeit wieder auf, die 1935 – noch unter der Bezeichnung Institut für Leibesübungen – aus den Universitäten ausgegliedert und direkt dem Reichserziehungsministerium unterstellt worden waren. Mit Wiederherstellung der kulturellen Verantwortung der Länder nach 1945 waren somit die IfK‘s und ihr Personal wieder den übrigen Universitätsinstituten gleichgestellt. An den neuen Pädagogischen Hochschulen Potsdam, Halle und Karl-Marx-Stadt wurden weitere Institute dieser Art eingerichtet.

Im Jahre 1952 erfuhr das Hochschulwesen eine organisatorische Straffung, als in der DDR die Länder aufgelöst und stattdessen 14 Bezirke (ohne Berlin) gebildet wurden. Durch die parallel dazu durchgeführte Zweite Hochschulreform gab es nun anstelle der bisherigen fünf Länderzuständigkeiten eine einheitliche Wissenschaftsverwaltung. Diese Zusammenlegung war die Fortführung eines zentralisierten Entwicklungsprozesses nach sowjetischem Vorbild, mit dem bereits 1946 begonnen wurde. Große politische und gesellschaftliche Institutionen eröffneten eigene zentrale Hochschulen zur Ausbildung ihrer Funktionäre und einfachen Mitglieder (SED, FDJ, FDGB) und so war es nur eine Frage der Zeit, bis auch die junge Sportbewegung eine vergleichbare Einrichtung bekommen sollte. Gleichgelagerte Projekte in anderen Staaten wie einige herausgehobene sowjetische Zentralinstitute oder das französische Institut National des Sports zeigten bereits vielversprechende Ergebnisse. Dagegen hatte in Deutschland zu Zeiten der Weimarer Republik die in Berlin ansässige Deutsche Hochschule für Leibesübungen gewirkt, ohne sich jedoch gegenüber den Interessen der einzelnen Länder behaupten zu können. In der zentralisierten DDR waren die Vorzeichen andere. Hier wurde ein neues Zentralinstitut als willkommene Gelegenheit gesehen, die „alten“ Strukturen und das „alte“ Personal auf dem Gebiet der Körperkultur abzuschaffen, um mögliche Hemmnisse bei der Durchsetzung von Direktiven von vornherein auszuschließen. Bezeichnenderweise stieß die Idee einer eigenständigen Hochschule für Körperkultur vor allem im IfK der Martin-Luther-Universität Halle auf wenig Gegenliebe, das in der DDR im Bereich der Lehrerausbildung seinerzeit führend war und später zeitgleich mit Gründung der DHfK zum Musterinstitut erhoben werden sollte.

Neben dem üblichen Kompetenzstreit gab es auch berechtigte Einwände. Mit dem Deutschen Sportausschuß (später dem Staatliches Komitee für Körperkultur und Sport) für die Hochschule und dem Ministerium für Volksbildung (später dem Ministerium für das Hoch- und Fachschulwesen) für die acht Institute würden beide für die Sportwissenschaft zuständigen Komplexe mehreren Ministerien bzw. staatlichen Verwaltungsinstanzen unterstehen. Die gleichgelagerte Entwicklung in Frankreich zeigte, dass diese Konstellation für die anwendungsorientierte Sportpraxis durchaus von Vorteil, für die wissenschaftsorientierte Sportwissenschaft jedoch von Nachteil war. Die von der Politik und den Sportorganisationen angestrebte möglichst rasche Ergebnisgewinnung stand im Gegensatz zur zeitintensiven wissenschaftlichen Grundlagenforschung. Am Ende dürften drei wesentliche Aspekte für die Gründung einer eigenständigen Hochschule ausschlaggebend gewesen sein:

Die unkomplizierte Sicherung der SED-Vorherrschaft an der neuen Hochschule, was in den alten Instituten ein langwieriger Prozess gewesen wäre.

Die mangelnde Akzeptanz an den universitären Hochschulen, entgegen der alten Turnwissenschaft den neuen Ansatz von kombinierter Sportwissenschaft mit Hochleistungssport zu verfolgen. Der damit verbundene traditionell schwere Stand der betreffenden Institute hätte einer effizienten Arbeit entgegengestanden.

Die längere Ausbildungszeit der Lehrer unter dem Dach der Universitäten, die selbst bei nur einem Fach (Diplomsportlehrer) einen längeren Vorlauf benötigte.

Gründung der Zentralen Hochschule

Im Januar 1950 beschloss die SED die Einrichtung „eines zentralen Instituts für Leibesübungen und Sport“. Das im Folgemonat verabschiedete „Gesetz über die planmäßige Förderung der Jugend und des Sports“ sorgte für die rechtliche Grundlegung der „Deutschen Hochschule für Körperkultur“, mit deren Gründung der Deutsche Sportausschuß beauftragt wurde. Mit dem Begriff Körperkultur wurde sich ganz bewusst von der Historie der Deutschen Hochschule für Leibesübungen und ihrer nachfolgenden faschistischen Reichsakademie für Leibesübungen abgegrenzt und gleichzeitig ein neuer Anspruch formuliert, der nach sowjetischem Vorbild die Verbindung von körperlicher Bildung und Erziehung mit Kultur zum Ziel hatte (Fiskultura i sport).

Als Standort der Hochschule wurde Leipzig ausgewählt, um damit an die Tradition der Bundesschule des Arbeiter-Turn- und Sportbundes anzuknüpfen, die in dieser Stadt bis zu ihrem Verbot im Dritten Reich beheimatet war und in deren ehemaligen Räumlichkeiten das Zentralinstitut vorläufig seine Arbeit aufnehmen sollte. Daneben gab es die lange Tradition des Institut für Leibesübungen an der Leipziger Universität, das 1926 von Hermann Altrock ins Leben gerufen worden war und zu den ältesten in ganz Deutschland zählte. Vor allem aber war in Leipzig mit der Deutschen Bücherei die bibliografische Zentralstelle des deutschen Buchhandels und vollständigste deutsche Bibliothek beheimatet, die von der jungen DDR fortgesetzt wurde. Als unerlässliche Grundlage der anstehenden Forschungs- und Entwicklungsarbeit stand so dem Zentralinstitut von vornherein die beste deutsche Bibliothek des 20. Jahrhunderts zur Verfügung. Dies war umso wichtiger, da auf die Bibliothek der im Westsektor Berlins gelegenen ehemaligen Deutschen Hochschule für Leibesübungen nicht mehr zurückgegriffen werden konnte, deren Bestände in einer Nacht- und Nebelaktion an die westdeutsche Deutsche Sporthochschule Köln als Rechtsnachfolger überführt worden waren.

Im Mai 1950 nahm das zentrale Institut seine Arbeit mit einem Vorsemester auf, um Studierende ohne Abitur auf das Studium vorzubereiten. Am 22. Oktober 1950 erfolgte die offizielle Eröffnung mit einem feierlichen Akt in der Kongreßhalle Leipzig. Zehn Lehrkräfte und 96 Studierende bildeten den ersten Studiengang der DHfK, dessen Ausbildung zwei Jahre dauerte. Da nur auf politisch dem System zugehörige Lehrkräfte zurückgegriffen werden durfte, wurden zu Beginn auch engagierte Wissenschaftler anderer Fächer angestellt, die ihre jeweilige Profession auf den Sport anwandten. Hierdurch entstand eine große methodisch in den Mutterwissenschaften fundierte fachliche Breite. Darüber hinaus wurde im Hochschulsystem der DDR seit Anbeginn damit begonnen, nach sowjetischem Vorbild Fernstudiengänge neben dem Direktstudium aufzubauen, was in diesem Umfang ein Novum in der deutschen Bildungsgeschichte darstellte. Während die Lehrer an der PH in Potsdam studierten, war die DHfK Leipzig das Zentrum für alle angehenden Übungsleiter und Trainer. Für die Sportwissenschaft wurden hierzu zum ersten Mal in deutscher Sprache Fernstudienbriefe systematisch entwickelt und kontinuierlich verbessert, die häufig die Grundlage für die auch bei Studierenden in der Bundesrepublik äußerst beliebten Lehrbücher bildeten.

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