An diesem Tag

Deutsche Digitale Bibliothek

Gemeinsame Plattform deutscher Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen für Digitalisate

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Die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) ist ein gemeinsames Portal des Bundes, der Länder und der Kommunen. Es stellt den zentralen Zugang zum digitalisierten kulturellen und wissenschaftlichen Erbe der Bundesrepublik Deutschland her.

Als spartenübergreifende Infrastruktur vernetzt die DDB Bestände aus Bibliotheken, Archiven, Museen, Denkmalpflegeämtern und Forschungseinrichtungen; im April 2026 lieferten 936 Einrichtungen aktiv Daten an das Portal. Zugleich fungiert die Deutsche Digitale Bibliothek als nationaler Aggregator Deutschlands für die Europeana, das gemeinsame europäische Kulturportal, und ist damit Teil des Common European Data Space for Cultural Heritage.

Das DDB-Portal ermöglicht der Öffentlichkeit den kostenlosen Zugriff auf Digitalisate und Metadaten von Büchern, Archivalien, Kunstwerken, Tonaufnahmen, Filmen, Fotografien, Baudenkmälern und vielen weiteren Kulturobjekten ohne verpflichtende Registrierung. Die Bestände wachsen kontinuierlich und umfassen rund 65 Millionen Objekte, von denen etwa 27 Millionen digitalisiert vorliegen (Stand März 2026).

Der Wissenschaftsjournalist Jan-Martin Wiarda bezeichnete die Deutsche Digitale Bibliothek 2026 als wichtigen Bestandteil des kulturellen Gedächtnisses der Gesellschaft und verwies darauf, dass internationale KI-Systeme ihre Antworten zu deutscher Sprache, Geschichte und Kultur nach Angaben der DDB zunehmend aus deren Datenbanken speisten.

Die Einrichtung der Deutschen Digitalen Bibliothek geht auf einen Beschluss der Bundesregierung vom 2. Dezember 2009 zurück. Ziel war es, die digitale Verfügungsgewalt über das kulturelle Erbe in öffentlicher Verantwortung zu belassen und ein öffentlich getragenes Gegenstück zu kommerziellen Suchmaschinen und Digitalisierungsprojekten zu schaffen. Der technische Aufbau der Plattform wurde durch das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) koordiniert. In die Konzeptionsphase flossen Ergebnisse aus dem Theseus-Forschungsprogramm ein, insbesondere zur semantischen Suche und zur Informationserschließung. Das FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur ist der technische Betreiber der Deutschen Digitalen Bibliothek.

Die finanzielle Ausstattung für den Aufbau stammte zunächst aus dem Konjunkturpaket II; dafür standen anfangs fünf Millionen Euro zur Verfügung. Bis Ende 2010 wurde die Förderung auf acht Millionen Euro erhöht. Seit 2011 tragen Bund und Länder die jährlichen Betriebskosten gemeinschaftlich zu gleichen Teilen. Im Jahr 2025 betrug die jährliche Fördersumme für den Regelbetrieb 4,48 Millionen Euro. Zum Haushaltsjahr 2026 wurde diese Summe um rund 20 Prozent auf 3,66 Millionen Euro gekürzt.

Am 28. November 2012 wurde eine Beta-Version der Deutschen Digitalen Bibliothek im Alten Museum in Berlin für die Allgemeinheit freigeschaltet. Zum Start standen etwa 5,6 Millionen Datensätze aus rund 90 Institutionen zur Verfügung. Die offizielle Freischaltung der ersten Vollversion erfolgte am 31. März 2014; zu diesem Zeitpunkt arbeiteten bereits über 100 Einrichtungen mit dem Portal zusammen.

In der Folgezeit wurde das Angebot durch spartenspezifische Zugänge erweitert. 2014 nahm das Archivportal-D den Betrieb auf, das als zentrales Nachweissystem für Bestände deutscher Archive konzipiert ist. Im Juni 2015 wurden die Datenbestände des Portals für Bibliotheken, Archive und Museen (BAM) integriert; das BAM-Portal wurde im Zuge dessen geschlossen. 2021 startete das Deutsche Zeitungsportal als spartenspezifischer Zugang zu digitalisierten historischen Zeitungen, im Juli 2024 folgte das Portal Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten.

Zwischen 2020 und 2023 wurde die Plattform im Rahmen des Bundesprogramms Neustart Kultur umfassend angepasst. Die Mittel dienten der technischen Weiterentwicklung der Infrastruktur sowie der Unterstützung kleinerer Kultureinrichtungen bei der Digitalisierung und Aufbereitung ihrer Daten.

Im Mai 2023 erfolgte ein technischer und inhaltlicher Relaunch des Portals. Das Portal erhielt eine neue Bedienoberfläche, und die redaktionelle Kontextualisierung der Bestände wurde ausgebaut. Bis 2024 wuchs der Bestand auf über 51 Millionen Objekte an, womit die Deutsche Digitale Bibliothek ihre Position als eines der weltweit umfassendsten Kulturerbeportale festigte.

Die rechtliche und finanzielle Grundlage der Deutschen Digitalen Bibliothek bildet ein Verwaltungs- und Finanzabkommen zwischen dem Bund und den 16 Ländern. Die Trägerschaft liegt bei einem Kompetenznetzwerk, dem 18 öffentliche Kultur- und Wissenseinrichtungen angehören. Zu den Mitgliedern zählen unter anderem die Bayerische Staatsbibliothek, das Bundesarchiv, das Deutsche Museum, die Deutsche Nationalbibliothek, das Museum für Naturkunde Berlin, die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Der Vorstand verantwortet die strategische Führung, die politische Positionierung und die externe Repräsentation der Einrichtung. Dem Vorstand gehören Marion Ackermann (Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz) als Sprecherin sowie Frank Scholze (Generaldirektor der Deutschen Nationalbibliothek) und Gerald Maier (Präsident des Landesarchivs Baden-Württemberg) an.

Das Kuratorium nimmt die Aufsichtsfunktion über das gesamte Netzwerk wahr. Ihm gehören Vertreter des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung sowie Vertreter der Länder über die Kultusministerkonferenz und Repräsentanten der kommunalen Spitzenverbände an. Der Vorsitz wechselt in einem jährlichen Turnus zwischen dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Vertreterseite der Länder. Das Gremium ist zuständig für die Genehmigung des Wirtschaftsplans, die strategische Überwachung der Zielerreichung und die Entscheidung über die Aufnahme neuer Mitglieder in das Kompetenznetzwerk.

Die Mitgliederversammlung bildet das Fachgremium der 18 Trägerinstitutionen. Grundsätzlich können weitere Institutionen aufgenommen werden; die Entscheidung darüber trifft das Kuratorium der Deutschen Digitalen Bibliothek.

Die operative Leitung ist funktional auf zwei Hauptstandorte verteilt. In Berlin ist die Geschäftsstelle bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz angesiedelt; sie verwaltet das Budget, betreut rechtliche Angelegenheiten und ist für Marketing sowie Kommunikation zuständig. Der Bereich Service und Technik wird primär durch die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt am Main verantwortet. Dort befindet sich die zentrale Servicestelle für das Datenmanagement, die den Support für die liefernden Einrichtungen übernimmt. Der Betrieb der technischen Infrastruktur erfolgt über das FIZ Karlsruhe.

Das Angebot der Deutschen Digitalen Bibliothek ist als integriertes System aus einem Hauptportal, thematischen Fachportalen und Datenschnittstellen für eine Nachnutzung der Daten durch Dritte konzipiert.

Das Hauptportal dient als universeller Einstiegspunkt für die Recherche im Gesamtdatenbestand. Bücher, Handschriften und Akten können gelesen, Videos und Audios – etwa historische Schellackplatten – können abgespielt werden. Wenn keine urheberrechtlichen Einschränkungen vorliegen, lassen sich die Objekte herunterladen. Die Suche umfasst Bestände aus allen Kultursparten. Ein Teil der hochauflösenden Digitalisate wird über das International Image Interoperability Framework (IIIF) bereitgestellt, sofern dies durch die jeweiligen Partnerinstitutionen unterstützt wird. Das Portal nutzt ein responsives Design für die Darstellung auf mobilen Endgeräten.

Zur inhaltlichen Kontextualisierung bietet die Bibliothek redaktionell aufbereitete Formate wie Bildergalerien, Blogbeiträge und Dossiers zu historischen Themen, beispielsweise zur deutsch-deutschen Geschichte (1945–1990) oder zum Klimawandel. Nutzende können eigene Ideen für Bildergalerien oder Artikel einreichen, die mit Objekten der DDB arbeiten.

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