Der weiße Hai (Originaltitel: Jaws; wörtlich „Kiefer“ oder „Rachen“; zoologischer Begriff für „Maul“) ist ein von Universal Pictures produzierter und am 20. Juni 1975 veröffentlichter US-amerikanischer Kinospielfilm des Regisseurs Steven Spielberg.
In Spielbergs Thriller wird ein Badeort auf einer Ferieninsel an der Ostküste der USA von einem menschenfressenden Weißen Hai heimgesucht. Infolgedessen entsteht unter den Inselbewohnern und Urlaubern eine Massenpanik. Der ortsansässige Polizeichef, ein Meeresbiologe und ein Haifischer verfolgen fortan das gemeinsame Ziel, den Raubfisch zu töten.
Der auf dem gleichnamigen Bestseller-Roman von Peter Benchley basierende Spielfilm läutete mit einem weltweiten Einspielergebnis von fast einer halben Milliarde US-Dollar die Ära des in Hollywood produzierten Blockbuster-Kinos ein. Der durch innovative Marketingstrategien gestützte kommerzielle Erfolg des mit drei Oscars ausgezeichneten Thrillers setzte neue Standards in der Filmindustrie. Bei zahlreichen Menschen löste Der weiße Hai nachhaltig Urängste aus.
In einer Bucht des Badeorts Amity in New England wird eine Schwimmerin bei einem nächtlichen Haiangriff getötet. Als am nächsten Tag die Überreste der Leiche in den Dünen entdeckt werden, drängt Polizeichef Martin Brody auf eine sofortige Schließung der Strände. Bürgermeister Vaughn möchte dies verhindern. Er befürchtet, dass Gerüchte über einen menschenfressenden Hai das Tourismusgeschäft in Amity in der bevorstehenden Sommersaison und besonders am Unabhängigkeitstag der USA – dem 4. Juli – ernsthaft gefährden könnten.
Einige Tage später wird ein Junge beim Baden an einem der belebten Strände von einem Hai attackiert und stirbt. Als die trauernde Mutter des Jungen großes Aufsehen in den lokalen Medien erzeugt und für die Tötung des Hais eine Prämie von 3.000 US-Dollar aussetzt, beruft die Stadtverwaltung eine Krisensitzung im Rathaus ein. Hierbei verkündet Brody als erste Maßnahmen den Einsatz zusätzlicher Polizisten und Hai-Späher, das Hinzuziehen von Matt Hooper vom Ozeanografischen Institut und vor allem die Sperrung der Badestrände. Unter den Anwesenden kommt es zu Protesten. Schließlich ergreift der einheimische Haijäger Quint das Wort und bietet an, den Hai für 10.000 US-Dollar zu erlegen. Die Stadträte fordern eine Bedenkzeit für Quints Vorschlag ein.
Aufgrund der ausgesetzten Belohnung kommt es zu einer regelrechten Hetzjagd auf Haie. Nach kurzer Zeit wird ein vom Fischer Ben Gardner getöteter Tigerhai als der gesuchte „Killer-Hai“ präsentiert. Bei einer ersten Untersuchung stellt der Meeresbiologe Hooper jedoch fest, dass der Gebissradius bei den Wunden des gefundenen Opfers nicht zum Maul des erlegten Tigerhais passt. Bürgermeister Vaughn untersagt eine weitere Begutachtung. Doch Hooper und Brody widersetzen sich der Anordnung und schleichen nachts an den Kai, um den in einer Halle aufbewahrten Haikadaver aufzuschneiden. In dessen Magen finden sie jedoch keine Hinweise auf einen getöteten Menschen, was die Vermutung bestätigt, dass der gesuchte Hai noch lebt.
Noch in derselben Nacht begeben sich Brody und Hooper auf Hoopers Forschungsboot und suchen in den Gewässern vor der Küste nach dem Hai. Dabei entdecken sie das verlassene, im Meer treibende, zerstörte Fischerboot von Ben Gardner. Hooper taucht unter das Boot, um es zu untersuchen, und findet im Rumpf einen Zahn des Weißen Hais, den er aber gleich wieder verliert, als unmittelbar darauf die angefressene Leiche von Gardner überraschend im Licht seiner Lampe auftaucht. Brody und Hooper kehren zurück nach Amity. Sie wollen Bürgermeister Vaughn davon abhalten, die Strände am tags darauffolgenden 4. Juli zu öffnen, da der Hai offensichtlich noch immer aktiv ist. Ohne den Zahn gelingt es ihnen aber nicht, den Bürgermeister davon abzubringen, die Strände offen zu halten.
Am nächsten Tag strömen die erwarteten Touristenmassen nach Amity. Trotz aller Warnungen sind die Strände des Badeortes geöffnet. Nach anfänglichem Zögern entschließen sich zahlreiche Badegäste, schwimmen zu gehen, nachdem Bürgermeister Vaughn einen seiner Unterstützer dazu überredet hat, als erster ins Wasser zu gehen. Kurze Zeit später melden die Hai-Späher eine Haifischflosse. Unter den Strandbesuchern entsteht eine Massenpanik. Es stellt sich jedoch heraus, dass es ein Streich von zwei Kindern mit einer nachgemachten Haifischflosse war. Als die Situation sich beruhigt, wird aus einer kleinen Bucht nahe dem Strand erneut das Erscheinen eines Hais gemeldet. Obwohl Brody zunächst von Hysterie ausgeht, geht er der Sache nach, nicht zuletzt da sein ältester Sohn Michael sich mit anderen Kindern in der Bucht auf einem Boot befindet. Diesmal ist es der echte Hai. Ein Ruderer, der den Kindern helfen will, wird vom Weißen Hai attackiert und getötet. Die Kinder können sich retten; Michael wird ohnmächtig und muss in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Zahlreiche weitere Badegäste können sich unversehrt ans Ufer retten. Nun sind die Behörden gezwungen zu handeln. Auf Drängen Brodys wird das Angebot des erfahrenen Haijägers Quint angenommen, den Hai zu töten.
Mit Quints Fischerboot brechen Quint, Brody und Hooper auf, um den Hai aufzuspüren und zu erlegen. Zunächst verteilt Brody Fischabfälle im Meer, um den Hai anzulocken. Zwar beißt etwas am Angelhaken an, doch die Leine wird trotz verstärkter Stabilität kurz vor dem Einholen durchgebissen. Am Folgetag ködert Brody den Hai erneut. Während der Aktion zeigt sich der Hai zum ersten Mal: Es ist ein Weißer Hai mit einer geschätzten Länge von sechs bis sieben Metern. Quint harpuniert den Hai auf traditionelle Art, wobei am Seilende luftgefüllte Fässer befestigt sind, die den Hai am Tauchen hindern und ihn somit ermüden sollen. Der Hai erweist sich jedoch als äußerst widerstandsfähig. Er zieht das Boot aufs Meer hinaus und greift es zwischendurch immer wieder an. Quint, ein Marine-Kriegsveteran, der am Ende des Zweiten Weltkriegs den Untergang der Indianapolis überlebte und bis zu seiner Rettung im Wasser treibend zusehen musste, wie seine Kameraden von Haien angegriffen wurden, ist vom Jagdfieber besessen und belastet den Motor seines Boots über die Grenzen hinaus. Als Brody per Funk einen Notruf aussenden will, zerstört Quint das Funkgerät. Der Veteran will das Tier unbedingt selbst erlegen.
Als das Boot mit Motorschaden manövrierunfähig im Wasser liegend immer wieder vom Hai angegriffen und beschädigt wird, lässt sich Hooper in einem Hai-Käfig ins Wasser ablassen, um dem Hai mit einer Harpune Gift zu injizieren. Doch stattdessen zerstört der Hai den Käfig. Hooper verliert die Harpune, aber kann entkommen und sich auf dem Meeresgrund verstecken. In der Zwischenzeit sinkt das durch die Attacken des Hais leckgeschlagene Boot immer weiter. Plötzlich schnellt der Hai aus dem Wasser und landet auf dem Heck des Boots. Das enorme Gewicht des Hais drückt den Bug des Bootes nach oben. Durch die Schieflage rutscht Quint trotz Hilfe von Brody ins weit geöffnete Maul des Hais. Quint wird vom Hai zerfleischt und stirbt. Schließlich gelingt es Brody, den Raubfisch zu erlegen: Kurz vor dem Untergang des Bootes schiebt Brody dem Hai eine Druckluftflasche in den Rachen und bringt diese durch einen gezielten Gewehrschuss zur Explosion, bei der der Hai zerfetzt wird. Zusammen mit dem inzwischen aufgetauchten Hooper schwimmt Brody zurück an Land.
Zwischen 1970 und 1973 verfasste der 31-jährige Autor Peter Benchley seinen Roman Jaws. Benchleys Erstlingsroman handelte von einem menschenfressenden Weißen Hai, der einen Erholungsort vor Long Island terrorisiert.
Benchleys Roman basiert auf einem Tatsachenbericht über Geschehnisse, die sich zwischen dem 1. und 12. Juli 1916 bei New Jersey vornehmlich an Badeorten an der Ostküste der USA ereigneten. Demzufolge fielen in diesem Zeitraum fünf Menschen tödlichen Haiangriffen zum Opfer. Damals setzte sich der Glaube durch, dass ein einzelner Weißer Hai, der sich auf Menschen spezialisiert habe, für die letalen Attacken verantwortlich sei. Die umfangreiche Berichterstattung der US-amerikanischen Medien löste entlang der Ostküste panikartige Reaktionen aus. Fortan wurden die Strände gemieden und die Ferienorte am Meer mussten erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen.