Der Widerspenstigen Zähmung (engl. The Taming of the Shrew) ist eine Komödie von William Shakespeare. Das Werk spielt in der italienischen Stadt Padua und handelt von dem reichen Kaufmann Baptista und den Umständen der Heirat seiner beiden Töchter Bianca und Katharina. Shakespeare hat das Werk vermutlich spätestens im Sommer 1592 fertiggestellt. Als Quelle diente ihm neben volkstümlichen Motiven und Überlieferungen auch George Gascoignes Komödie The Supposes (1566). Das erste überlieferte Aufführungsdatum geht aus einem Eintrag in Henslowes Tagebuch vom Juni 1594 hervor. Der einzige authentische Text findet sich in der First Folio von 1623. Frühe Adaptionen und Übersetzungen belegen, dass das Stück zu Shakespeares Zeit sehr beliebt war. Aufgrund der misogynen Handlung gilt das Werk spätestens seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert und der beginnenden Frauenbewegung allgemein als „problem play“ und wird heute vor allem unter dem Aspekt der frühneuzeitlichen Geschlechterpolitik gesehen. Die Theatergeschichte des Stückes ist dessen ungeachtet bis in die heutige Zeit eine Erfolgsgeschichte geblieben, in der The Taming of the Shrew kaum historisierend oder als Klassiker aufgeführt, sondern in den unterschiedlichsten Aktualisierungen inszeniert worden ist.
Im Prolog der Rahmenhandlung wird Schlau, ein stets betrunkener Kesselflicker, unsanft aus einer Gastwirtschaft entfernt, nachdem er randaliert hat. Er bleibt auf der Straße liegen und schläft ein. Ein Lord, der mit seinem Gefolge von der Jagd nach Hause zurückkehrt, sieht ihn liegen und nimmt ihn mit auf sein Schloss. Er will sich einen Spaß mit dem Mann erlauben. Als Schlau zu sich kommt, liegt er sauber gewaschen und parfümiert in einem reinen Bett, mit Dienerschaft um sich herum. Man redet ihm ein, er sei ein Lord, der 15 Jahre an einer Geisteskrankheit gelitten habe und nun zum Glück seiner Familie und der Dienerschaft wieder zu sich gekommen sei. Vor allem seine Frau – ein hübscher junger Diener, der flugs in Frauenkleider gesteckt wurde – sei nun glücklich, ihren Liebsten wieder bei sich zu wissen. Man redet Schlau ein, dass sein bisher gelebtes Leben nichts als ein Traum gewesen sei, bis er die Geschichte schließlich selbst glaubt. Als eine fahrende Theatertruppe auf das Schloss kommt, spielen ihm die Schauspieler auf Weisung des Lords die folgende Komödie vor.
Ort der Handlung ist Padua. Lucentio verliebt sich in Bianca, die jüngere der beiden Töchter Baptistas. Doch hat Baptista bestimmt, dass er eine Heirat seiner jüngeren Tochter nicht erlauben werde, bevor seine ältere Tochter Katharina geheiratet hat. Um Bianca zu gewinnen, muss Lucentio deshalb nicht nur die Mitbewerber Hortensio und Gremio aus dem Weg räumen, sondern auch einen Ehemann für die widerspenstige Katharina, für die sich kein Mann interessiert, finden. Da trifft es sich, dass Petruchio, ein alter Bekannter Hortensios, auftaucht und auf der Suche nach einer reichen Partie ist. Petruchio erweist sich in einem Wortgefecht als ebenbürtiger Gegner für Katharina und erklärt ihr, er werde sie heiraten, ob sie wolle oder nicht („will you, nill you, I will marry you“, II.i.263). Schließlich widerspricht Katharina nicht mehr, als Petruchio sagt: „Kiss me, Kate, we will be married o’ Sunday“ (II.1.320). Zur Hochzeit kommt Petruchio demonstrativ zu spät und auffallend schlecht gekleidet. Anschließend nimmt er seine neue Ehefrau mit in sein Haus, wo er ihr alle Annehmlichkeiten des Wohlstands vorenthält, und zwar aus vorgeblicher Fürsorge für seine frisch Angetraute. Nach wenigen Tagen, in denen Petruchio sie zu zähmen versucht, muss sich Katharina geschlagen geben, woraufhin Petruchio einwilligt, sie anlässlich der Hochzeit Biancas nach Padua zu begleiten. Auf der Fahrt sagt Petruchio zur Mittagszeit, wie hell der Mond scheine; als Katharina erwidert, die Sonne scheine, weigert er sich, die Fahrt fortzusetzen, bis Katharina zugebe, dass es der Mond sei. Schließlich gibt Katharina nach, worauf Petruchio behauptet, es sei die Sonne.
Lucentio ist es derweil mit einigen Tricks gelungen, Biancas Herz und das Einverständnis ihres Vaters zu gewinnen. Nach dieser Hochzeit wetten die Männer auf einem Bankett, wessen Frau wohl am ehesten dem Ruf ihres Mannes gehorcht. Alle Gäste sind erstaunt, als sich Katharina als die Gehorsamste erweist. Das Stück endet mit einem Monolog der vormals Widerspenstigen, in dem sie ein Loblied auf die Unterwürfigkeit der Frauen singt.
Im Epilog der Rahmenhandlung der Originalversion ist Schlau, als die Aufführung beendet ist, wieder tief und fest eingeschlafen. Der Lord ordnet nun an, den Mann wieder auf die Straße vor das Lokal zu legen, wo er schließlich erwacht, um nach Hause zu seiner Frau zu torkeln, die ihm „die Leviten lesen“ wird.
Literarische Vorlagen und kulturelle Bezüge
Die drei verschiedenen Handlungsstränge, die Shakespeare in seiner Komödie miteinander verknüpft, beruhen auf separaten Quellen und Vorlagen, die allesamt in einer langen Erzähltradition stehen.
Die Rahmenhandlung um den betrunkenen Kesselflicker Schlau, der von einer übermutigen Hofgesellschaft zum Spaß als Schlossherr behandelt wird, als er aus seinem Rausch erwacht, und dem das eigentliche Lustspiel vorgeführt wird, enthält ein volkstümliches Motiv, das sich bereits in den Märchen aus 1001 Nacht findet. Es ist in zahlreichen Balladen überliefert und wird später beispielsweise in Gerhart Hauptmanns Komödie Schluck und Jau (1899) wieder aufgenommen.
Die Zähmung der kratzbürstigen Katharina durch Petruchio beruht auf einem seit dem Mittelalter populären Motiv, das nicht nur in ganz England, sondern ebenso in Nordeuropa in stets neuen Variationen immer wieder aufgegriffen und durchgespielt wurde. So gab es in England massenhaft Balladen wie etwa A Merry Jest of a Shrewed and Cursed Wife (um 1550), Geschichten und Witze über die shrew, eine zänkische und widerborstige Frau oder einen „Weibsteufel“.
In der vorshakespeareschen Überlieferung wird der Typus der shrew jedoch anders als in Shakespeares Komödie stets durch eine zänkische Ehefrau und nicht durch ein unverheiratetes Mädchen verkörpert. Im Gegensatz zu Shakespeares Stück versucht der Ehemann in diesen überlieferten Darstellungen, sich seinerseits äußerst brutal mit Prügeln und Handgreiflichkeit durchzusetzen. So wird zum Beispiel die zänkische Ehefrau in A Merry Jest von ihrem Mann zusammengeschlagen und mit den Häuten eines toten Pferdes umwickelt.
Die Nebenhandlung um Bianca und ihre drei Freier steht dagegen in einer eher literarischen Tradition und fußt zum Teil auf der Komödie The Supposes (1566) von George Gascoigne, deren Plot von Shakespeare allerdings erheblich umgewandelt wurde. Gascoignes Werk stellt seinerseits wiederum eine Übersetzung und Bearbeitung der Komödie I Suppositi (1509 in Prosa, 1528–1531 in Versfassung) von Ludovico Ariosto dar.
Shakespeare nutzt in seinem Stück das literarische Motiv der supposes («Täuschungen» und «Verwechslungen»), das Gascoigne als das „Verkennen oder Imaginieren einer Sache für eine andere andere“ definiert hatte, vor allem, um die drei unterschiedlichen Teilhandlungen und verschiedenen Handlungsstränge thematisch miteinander zu verweben.
Letztlich lassen sich jene Handlungen um junge Männer, ihre Liebesintrigen oder ihre Auseinandersetzungen mit ihren Vätern auf den römischen Komödiendichter Plautus zurückführen, dessen Werke in der elisabethanischen Zeit weit verbreitet und in den gebildeten Schichten als schulische Lektüre bekannt waren. Ariostos Komödie zeigt unverkennbare Anleihen aus Plautus’ Captivi, die Shakespeare wiederum aufnimmt mit der Namensgebung der beiden Diener Tranio und Grumio nach Plautus’ Mostellaria.
Bei dem gegenwärtigen Stand der Diskussion gilt Der Widerspenstigen Zähmung in der Shakespeareforschung ungeachtet der Problematik einer genauen Datierung der Entstehungsgeschichte des Werkes allgemein als eine der frühen Komödien Shakespeares und wird üblicherweise in eine Gruppe mit The Two Gentlemen of Verona und The Comedy of Errors eingeordnet.