Depeche Mode ist eine britische Synth-Rock- bzw. Synthie-Pop-Gruppe. Der Name ist einem französischen Modemagazin namens Dépêche Mode entliehen. Die Gruppe ist mit weltweit über 100 Millionen verkauften Alben eine der erfolgreichsten Bands der Welt. Die Zeitschrift Q nannte Depeche Mode „The most popular electronic band the world has ever known“ („Die populärste Elektronikband, die die Welt jemals gesehen hat“) und listete die Band bei 50 Bands That Changed The World! („50 Bands, die die Welt veränderten!“).
1976–1983: Gründung und Anfangsjahre
Die Wurzeln der Band gehen zurück auf das Jahr 1976, als Vince Clarke (Keyboard, Gitarre, Gesang) und Andrew Fletcher (Keyboard, Bass) in Basildon (Essex, England) die Gruppe No Romance in China gründeten. Die Band hatte jedoch nicht lange Bestand. 1979 gründete Vince Clarke zusammen mit Robert Marlow und dem Gitarristen und Keyboarder Martin Gore die Band French Look. Bald darauf stieg ihr gemeinsamer Klassenkamerad Fletcher mit ein, und die vier nannten sich fortan Composition of Sound. Nach ersten Auftritten als Trio (ohne Marlow) wurde 1980 Dave Gahan engagiert, der die Rolle des Sängers von Clarke übernahm. Die Band nannte sich auf Gahans Vorschlag hin nach einem französischen Modemagazin in Depeche Mode um, verbannte alle herkömmlichen Rockinstrumente und verlegte sich ganz auf synthetische Klangerzeuger. Nachdem das Quartett zunächst erfolglos Demoaufnahmen an Plattenfirmen verschickt hatte, wurde Depeche Mode im Herbst 1980 von Daniel Miller, dem Gründer des britischen Independent-Labels Mute Records, entdeckt, als die Band im Vorprogramm von Fad Gadget unter anderem im Londoner Club Bridgehouse spielte. In der Urbesetzung Dave Gahan (Gesang), Andrew Fletcher, Martin Gore und Vince Clarke (alle Synthesizer) begannen im Dezember 1980 erste Plattenaufnahmen. Die erste Single Dreaming of Me erschien im Februar 1981.
Depeche Mode profitierten zunächst von der Anfang der 1980er Jahre in Großbritannien aufkommenden New-Romantic-Welle und dem damit einhergehenden Synthesizer-Boom, der eine Reihe von neuen Bands und Künstlern wie Gary Numan, O.M.D. oder The Human League populär machte. Die zweite Single New Life wurde in Großbritannien zu einem Hit, der Nachfolger Just Can’t Get Enough kletterte im Oktober 1981 bis in die britischen Top Ten. Auf der 1981er-Tour verließen Depeche Mode das Londoner Umfeld und spielten erste Konzerte auf dem europäischen Festland. In der Markthalle Hamburg hatte die Band am 25. September 1981 ihren ersten Auftritt vor deutschem Publikum.
Im Oktober 1981 erschien das erste Album Speak & Spell, das mit unbeschwertem, tanzbarem Synthie-Pop aufwartete und zumindest in Großbritannien ebenfalls zu einem kommerziellen Erfolg wurde. Kurz nach der Veröffentlichung des Debüts verließ der Songschreiber Vince Clarke die Band und widmete sich seinen neuen Projekten Yazoo (1981–1983), The Assembly (1983) und später ab 1985 Erasure. Gore, der bereits auf Speak & Spell zwei Stücke beigesteuert hatte, trat als Komponist und Texter in die Fußstapfen von Clarke. Auch wenn viele Musikjournalisten nach Clarkes Weggang vom schnellen Ende des Trios überzeugt waren, konnte sich auch die zweite, im September 1982 veröffentlichte Langspielplatte A Broken Frame in den britischen Charts behaupten; die melancholische Single See You erreichte die Top Ten. Auf diesem Album kündigt sich, bedingt durch den Wechsel von Clarke zu Gore, zugleich ein stilistischer Wandel an, weg vom leichten Discosound der Anfangszeit, hin zum bis heute prägenden schwermütigen Elektropop.
Anfang 1982 stieß der Keyboarder Alan Wilder durch eine Anzeige im Melody Maker zur Band. Zunächst fungierte er nur als Ersatz für Clarke bei Fernsehauftritten sowie während der ab Mitte Januar 1982 in Rayleigh begonnenen See-You-Tour. Erst nach der Veröffentlichung von A Broken Frame wurde er als vollwertiges Mitglied in die Band aufgenommen, die damit wieder zum Quartett wurde. Als einziger des Quartetts konnte Wilder eine klassische musikalische Ausbildung vorweisen und zeichnete in der Folgezeit maßgeblich für das klangliche Erscheinungsbild der Band verantwortlich. Seine ausgefallenen Soundarrangements wurden in Kombination mit Gores eingängigen Melodien und Gahans flehendem Bariton zum Markenzeichen von Depeche Mode.
Das im August 1983 erschienene Studioalbum Construction Time Again trug bereits eindeutig Wilders Handschrift. Erstmals kam hier die neue Technik des Sampling zum Einsatz, das Stück Pipeline basierte sogar nahezu ausschließlich auf Fragmenten aus Industrie- und Alltagsgeräuschen. Die Beliebtheit der Gruppe in Deutschland wurde bei der Construction Time Again Tour deutlich, da von insgesamt 48 Konzerten 14 in Deutschland abgehalten wurden.
Das im September 1984 veröffentlichte Nachfolgealbum Some Great Reward, das in den Berliner Hansa-Studios aufgenommen wurde, perfektionierte den Sample-basierten Maschinenklang und enthielt mit People Are People und Master and Servant zwei Singleauskopplungen, die erstmals weltweit hohe Chartplatzierungen erreichten.
Das frühe Schaffen wurde im Oktober 1985 auf der Single-Kompilation The Singles 81>85 zusammengefasst. Mit Black Celebration lieferte die Band im März 1986 ihr düsterstes, von schwarzer Romantik durchzogenes Werk ab, ohne erprobtes Pop-Terrain zu verlassen. Mit dem Video zur dritten Single des Albums, A Question of Time, begann die Zusammenarbeit der Band mit dem niederländischen Künstler Anton Corbijn, der in der Folge nicht nur weitere Musikvideos mit der Band drehte, sondern darüber hinaus zahlreiche Cover, Schriftzüge und medial geprägte Bühnenbilder entwarf und als Artdirector bis heute das visuelle Erscheinungsbild von Depeche Mode maßgeblich beeinflusst hat.
Die 1987 veröffentlichte LP Music for the Masses wartete mit musikalischen Neuerungen auf. Die Songs klangen transparenter und vielfältiger als beim Vorgänger und wiesen deutliche Einflüsse der Minimal Music auf. Außerdem wurden verstärkt Gitarrenriffs und akustische Instrumente wie Klavier, Akkordeon oder Flöte – wenn auch in gesampelter Form – in die elektronischen Klanglandschaften integriert. Die anschließende, 101 Konzerte umfassende Tour markierte den bisherigen Karrierehöhepunkt der Band. Depeche Mode schaffte den kommerziellen Durchbruch in den USA und avancierte als erste Synthie-Band zum Stadion-Act. Ein Mitschnitt des von über 60.000 Zuschauern besuchten Abschlusskonzerts im Pasadena Rose Bowl Stadium wurde Anfang 1989 als Live-Doppelalbum 101 veröffentlicht, begleitet von einem gleichnamigen Film (gedreht vom Dokumentarfilmer D. A. Pennebaker), der während der US-Tour entstand.
Mit einem einzigen Konzert am 7. März 1988 in der Werner-Seelenbinder-Halle in Ost-Berlin mit 6.481 Besuchern gehörte Depeche Mode zu den wenigen westlichen Bands, die in der DDR live auftreten durften. Für das Konzert erhielt die Band 5.000 DM. Bereits im Jahr zuvor war ausschließlich dort die Kompilation Greatest Hits veröffentlicht worden.
1990–2000: Hinwendung zu akustischen Klängen und Krise
Im März 1990 kam das Album Violator auf den Markt. Die erste, bereits im August 1989 veröffentlichte Single Personal Jesus enthält akustische Gitarrenelemente, die einen weiteren Schritt in ihrer musikalischen Weiterentwicklung symbolisierten. Die zweite Single Enjoy the Silence gilt als erfolgreichster Hit der Band. Entsprechend übertraf Violator all ihre bisherigen Verkaufszahlen. Laut dem im Jahre 2006 erschienenen Re-Release wurde das Album über 7,5 Millionen Mal verkauft. Das Magazin Rolling Stone führt Violator auf der Liste der 500 besten Alben aller Zeiten auf Platz 167, die Single Personal Jesus schaffte es auf Platz 368 der 500 besten Songs aller Zeiten.
Im Jahr 1990 drehten Depeche Mode für einen französischen Fernsehsender ein Musikvideo auf dem Dach des früheren World Trade Centers.
Mit Songs of Faith and Devotion gingen Depeche Mode 1993 auf dem stilistischen Pfad weiter, der sich bei Personal Jesus bereits angedeutet hatte; Elemente aus der Rockmusik wie akustische Drumsets oder verzerrte Gitarren paarten sich mit Gospel- und Soul-Fragmenten sowie elektronischen Klängen und erzeugten einen neuen Stil in der Musik der Band. Die Aufnahmen während der anschließenden Welttournee führten zur Veröffentlichung des Albums Songs of Faith and Devotion – Live (1993), das alle Lieder der CD als Live-Versionen enthält. Der Fotograf Corbijn drehte mit Devotional einen ebenfalls 1993 veröffentlichten Konzertfilm der Tournee, der 1995 für den Grammy in der Kategorie Best Long Form Music Video nominiert war. Seit 1993 hat die Band bis 2017 regelmäßig alle vier Jahre ein neues Studioalbum veröffentlicht. Aufgrund der weltweiten Covid-19-Pandemie verlängerte sich das Intervall zuletzt auf sechs Jahre.