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Delhi

Millionenmetropole im Norden Indiens

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Delhi (Hindi दिल्ली Dillī [ˈdɪlːiː], Urdu Dêhlī, Panjabi Dillī) ist eine Metropole im Norden Indiens und als Nationales Hauptstadtterritorium Delhi (National Capital Territory of Delhi, kurz NCT) ein direkt der indischen Zentralregierung unterstelltes Unionsterritorium. Delhi schließt mit Neu-Delhi die indische Hauptstadt ein.

Das Unionsterritorium untersteht direkt der indischen Zentralregierung, wobei ihm seit 1992 durch einen Sonderstatus ein gewisses Maß an Autonomie zusteht. So hat Delhi ein eigenes Parlament (Delhi Legislative Assembly) und eine eigene Regierung, der ein vom Parlament gewählter Chief Minister vorsteht. Das eine einzige Agglomeration bildende Hauptstadtterritorium Delhi ist in elf Distrikte sowie drei kommunale Verwaltungseinheiten unterteilt.

Das Hauptstadtterritorium Delhi hatte bei der Volkszählung 2011 rund 16,8 Millionen Einwohner und gehört weltweit zu den Megastädten. Die Metropolregion, die u. a. auch die in den benachbarten Bundesstaaten gelegenen Großstädte Gurugram, Ghaziabad, Noida und Faridabad umfasst, ist mit 31,87 Millionen Einwohnern die drittgrößte der Welt (Stand 2021).

Die National Capital Region ist eine 1991 eingeführte Planungsregion, die neben dem Hauptstadtterritorium auch bedeutende Teile der angrenzenden Bundesstaaten Haryana, Uttar Pradesh und Rajasthan einschließt und über 45 Millionen Einwohner hat.

In Hindi und Panjabi wird der Stadtname [ˈdɪlːiː] ausgesprochen, in Urdu [ˈdɛɦliː], im Englischen [ˈdɛli].

Die Etymologie des Toponyms ist nicht gesichert. Plausibel erscheint eine Ableitung aus dem Hindustani-Wort dil für „Hügel“. Oft wird der Name mit einem legendären König namens Dhilu in Zusammenhang gebracht, der im 1. Jahrhundert v. Chr. in Delhi geherrscht haben soll. Auch eine Herleitung vom Sanskrit-Wort dehalī für „Schwelle“ oder dem persischen dehlīz für „Diele“ ist vorgeschlagen worden; demnach bezöge sich der Name auf die Lage Delhis am Übergang zwischen Punjab und Doab. Die Herleitung von dem aus dem Persischen stammenden Hindustani-Wort dil für „Herz“ (Delhi wäre demnach die „Stadt des Herzens“) muss dagegen als Volksetymologie gelten.

Eigenartig ist die im lateinischen Schriftsystem verwendete Schreibung Delhi mit der Buchstabenfolge ‹lh›, die die noch im 19. Jahrhundert durchaus gebräuchliche Form Dehli nahezu komplett ersetzt hat. Die Schreibung Delhi korrespondiert nicht mit der Aussprache des Stadtnamens, lässt sich nicht etymologisieren und auch sonst nicht durch irgendeine mögliche Ausgangssprache erklären. Die in der Literatur dementsprechend als am plausibelsten betrachtete These verweist auf einen kolonialzeitlichen Schreibfehler: Wahrscheinlich vertauschten Beamte der Britischen Ostindien-Kompanie bei der Transkription des Urdu-Namens der Stadt دہلی ‚Dehli‘ zwei Buchstaben und dieser Lapsus schlich sich in der Folge in den amtlichen Schriftverkehr ein. In jüngerer Zeit wurde vorgeschlagen, den englischen Namen der Stadt von Delhi in Dilli zu ändern. In ähnlicher Weise sind bei einer Reihe anderer indischer Städte die kolonialzeitlichen Namensformen ersetzt worden (vgl. die Umbenennung von Bombay in Mumbai, Calcutta in Kolkata und Madras in Chennai).

Das Verhältnis zwischen den Namen Delhi und New Delhi bzw. Neu-Delhi ist komplex. Im engeren Sinne bezeichnet Neu-Delhi nur das während der britischen Kolonialzeit planmäßig angelegte Regierungsviertel. Dies entspricht auch einigermaßen den administrativen Grenzen der Kommunalverwaltung Neu-Delhis. Oft wird Neu-Delhi aber auch komplementär zu Alt-Delhi bzw. Old Delhi für alle Gebiete Delhis außerhalb Shahjahanabads benutzt. Häufig sind die Namen Delhi und Neu-Delhi gänzlich austauschbar.

Delhi liegt am Fluss Yamuna durchschnittlich 216 Meter über dem Meeresspiegel.

Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 25 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge 719 Millimeter im Mittel. Der wärmste Monat ist der Juni mit durchschnittlich 33,4 Grad Celsius und der kälteste der Januar mit 14,5 Grad Celsius im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt im Monat August mit durchschnittlich 206 Millimetern, der wenigste im November mit 4 Millimetern im Mittel.

Delhi wird traditionell mit der im indischen Epos Mahabharata genannten Stadt Indraprastha in Zusammenhang gebracht, die speziell im Gebiet der Purana Qila lokalisiert wird. Dort wurden bei archäologischen Ausgrabungen zwar Funde aus dem Zeitraum um 1000 v. Chr. zu Tage gefördert, für eine Identifizierung dieser Siedlungsreste mit der legendären Stadt Indraprastha gibt es allerdings keine Evidenz.

Delhi lag in der Maurya-Ära (322 v. Chr.–72 v. Chr.) an einer wichtigen Verbindungsstrecke sowohl in west-östlicher als auch in nord-südlicher Richtung.

Die Ursprünge des modernen Delhi werden gemeinhin auf den Bau der Festung Lal Kot im 11. Jahrhundert n. Chr. durch die Tomara-Rajputen zurückgeführt, gefolgt von zahlreichen weiteren Siedlungs-, Festungs- und Stadtgründungen auf dem Gebiet des heutigen Delhi. Dabei wird gerne auf die „sieben Städte von Delhi“ verwiesen; die klassische Liste von sieben Städten, geprägt von kolonialzeitlichen Historikern, nimmt allerdings nur Bezug auf die Gründungstätigkeiten der islamischen Ära, also der Sultanats- und Mogulzeit, und umfasst den Qutb-Komplex/Mehrauli, Siri, Tughlaqabad, Jahanpanah, Ferozabad, Dinpanah/Shergarh und Shahjahanabad. Sieben-Städte-Listen neueren Datums führen oft aber auch andere der zahlreichen Siedlungen an, die vor, während und nach der islamischen Ära gegründet wurden.

Im Jahr 1192 fiel der Rajputen-Fürst Prithviraj III. Chauhan (1162–1192) als letzter hinduistischer König in einer Schlacht gegen die schon seit geraumer Zeit immer wieder angreifenden Moslems. Der um 1200 errichtete Siegesturm Qutb Minar stammt aus dieser Zeit. Die islamische Herrschaft dauerte bis zur britischen Kolonialzeit an. Das im Jahr 1206 ausgerufene Sultanat von Delhi konnte sich, trotz einer teilweise katastrophalen Politik mehrerer Dynastien, bis zum Sieg Baburs, des Begründers des Mogulreiches, in der ersten Schlacht von Panipat (1526) halten.

Unter der Herrschaft der Tughluq-Dynastie (1320–1413) wurde Delhi sogar zugunsten der ca. 1000 km weiter südlich auf dem Dekkan gelegenen neuen Hauptstadt Daulatabad aufgegeben. Diese Episode endete jedoch, als Timur Lenk mit seinem Mongolenheer im Jahr 1398 in den Norden Indiens einfiel – er verwüstete Delhi und tötete über 100.000 Einwohner. Es folgten die islamischen Dynastien der Sayyid (1414–1451) und Lodi-Dynastien (1451–1526), sowie ab 1526 die Moguln, aus deren Zeit das Rote Fort und die Jami Masjid stammen. Die berühmtesten Großmoguln waren Akbar I. (1542–1605), Erbauer der neuen Hauptstadt Fatehpur Sikri, und Shah Jahan (1592–1666), der das Grabmal Taj Mahal in Agra errichten ließ. Die Moguln regierten das Land von insgesamt vier Städten aus: Delhi, Agra, Fatehpur Skri und Lahore.

Der Perserkönig Nadir Schah (1688–1747) brachte mit seinen Truppen im Jahr 1739 Delhi schwere Verwüstungen bei. Großmogul Muhammad Schah hatte am 13. Februar die Schlacht von Karnal verloren. Weil er die verlangte Kontribution nicht zahlen konnte, rückte das persische Heer mit beiden Herrschern am 9. März in die Stadt ein. Als die Truppen mit dem Eintreiben der auferlegten Last beschäftigt waren, wurden sie von der Bevölkerung angegriffen und viele von ihnen getötet. Nachdem Nadir Schah vergebens versucht hatte, der Tumulte Herr zu werden, gab er schließlich den Befehl für ein Massaker an den Einwohnern sowie zur Plünderung. Bei diesem Blutbad kamen mindestens 20.000 Menschen ums Leben (über die Höhe gibt es widersprüchliche Quellenangaben). Er ließ die Stadt ausrauben und nahm bei ihrem Verlassen am 5. Mai 1739 unter anderem auch den berühmten „Pfauenthron“ mit. Ferner wechselte neben anderen Edelsteinen auch der Koh-i-Noor-Diamant seinen Besitzer.

Die Stadt gilt gemeinhin auch als Krönungsstadt der Kaiser von Indien.

Die Britische Ostindien-Kompanie gründete Mitte des 18. Jahrhunderts eine Handelsniederlassung in der Stadt, und in den nachfolgenden Kriegen gegen die von Süden angreifenden Hinduheere schlugen die Briten sich stets auf die Seite der Moguln, die die mehrfachen Belagerungen heil überstanden. Nur der Afghanenkönig Ahmad Schah Durrani (1724–1773) plünderte Delhi 1752 erfolgreich.

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