Deidamia (HWV 42) ist die letzte Oper (Melodrama) von Georg Friedrich Händel über ein Libretto von Paolo Antonio Rolli. Die Uraufführung war am 10. Januar 1741 im Theatre Royal, Lincoln’s Inn Fields in London. Die Handlung spielt während des Trojanischen Krieges und ist eine Version der Geschichte um Achilles, der sich in Frauenkleidern am Hofe des Lykomedes versteckt.
Seit Frühling 1738 hatte Händel keine neue italienische Oper mehr herausgebracht, außer dem Pasticcio Giove in Argo (Jupiter in Argos), das er aus bereits vorhandener eigener Musik zusammenstellte und im Mai 1739 zweimal aufführte. Stattdessen hatte er seit 1738 mehrere englischsprachige Werke komponiert und aufgeführt: die Oratorien Saul und Israel in Egypt sowie die Ode for St. Cecilia’s Day und L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato.
Wie man Händels Eintragungen in seinem Autograph entnehmen kann, begann er die Komposition der Deidamia am 27. Oktober 1740 und beendete sie am 20. November: „angefangen Octobr 27. 1740.“ – „Fine dell Atto 1. | G.F. Handel ♄ Nov. 1. 1740.“ – „Fine dell Atto 2do | G.F. Handel Novembr 7. 1740 |♀.“ – „Fine dell’ Opera. | G.F. Handel London Novembr 20. ♃| 1740.“ Nach Fertigstellung des zweiten Aktes und vor Beginn des folgenden unterbrach er seine Arbeit für eine Woche (8.–13. November) – vielleicht wegen der Aufführung von Il Parnasso in Festa am 8. November und der Vorbereitungen für die Premiere von Imeneo am 22. November 1740, mit dem er eine Saison an John Richs Lincoln’s Inn Fields Theatre eröffnete.
Deidamia hatte ihre Premiere am 10. Januar 1741, mit der folgenden Besetzung:
Deidamia – Élisabeth Duparc, genannt „La Francesina“ (Sopran)
Achille – Miss (Mary?) Edwards (Sopran)
Ulisse – Giovanni Battista Andreoni (Altkastrat)
Fenice – William Savage (Bass)
Licomede – Henry Theodore Reinhold (Bass)
Die Oper war kein Erfolg. Schon etwa zwei Wochen vor der Uraufführung hatte Charles Jennens gemeint, Händel bringe demnächst
Ob tatsächlich die Besetzung der Rolle des jungen Achilles, der die meiste Zeit als Mädchen verkleidet ist, mit der besagten Miss Edwards ein entscheidender Faktor für den Misserfolg war, ist nicht bekannt und wird unterschiedlich diskutiert: Während Hicks glaubte, diese Besetzung sei „durchaus angebracht“ gewesen, hielt Jacobshagen es für „nicht unwahrscheinlich“, dass sie „allgemein als Fehlbesetzung empfunden wurde“.
Nach einer Wiederholung eine Woche später fand nur noch eine weitere Aufführung am 10. Februar statt, angekündigt für das 1720 erbaute Little Theatre am Haymarket, das dem prächtigeren King’s Theatre, das so viele von Händels früheren Produktionen erlebt hatte, gegenüberlag.
Die Spielzeit wurde danach mit Wiederaufnahmen von L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato, Acis and Galatea und Saul zu Ende gebracht.
Händels Misserfolg zu dieser Zeit wird in der Literatur teilweise durch einen von einflussreichen Persönlichkeiten bewusst durchgezogenen Boykott erklärt, der angeblich auf eine „Kränkung“ zurückzuführen sei, die Händel selber diesen Personen angetan habe. Darauf scheint ein anonymer Brief zu deuten, der in der London Daily Post vom 4. April 1741 veröffentlicht wurde. Demnach seien Händels Aufführungen
gemieden worden. Es ist jedoch nicht bekannt, worum es sich dabei gehandelt haben könnte. Demselben Artikel und anderen Quellen ist zu entnehmen, dass Händel anscheinend beabsichtigte, sich ganz zurückzuziehen. Das sollte sich zwar insgesamt nicht bewahrheiten, aber die italienische Oper gab er nach Deidamia tatsächlich auf.
Nach den drei Vorstellungen in London unter Händels Leitung erklang Deidamia erst wieder im 20. Jahrhundert:
In einer deutschen Textfassung von Rudolf Steglich wurde die Oper am 31. Mai 1953 bei den Händel-Festspielen in Halle (Saale) unter der musikalischen Leitung von Horst-Tanu Margraf nach über 200 Jahren in einer Inszenierung von Heinz Rückert wieder auf die Bühne gebracht. Die Alt-Partie des Odysseus wurde für den Tenor Werner Enders nach unten oktaviert.
Die erste Aufführung des Stückes in historischer Aufführungspraxis erlebten die Händel-Festspiele in Göttingen am 17. Juni 1985 mit dem Konzertgastspiel des Bremer Barockorchesters Fiori musicali unter Leitung von Thomas Albert. Barbara Schlick sang die Titelpartie.