David Howell Petraeus [pɨˈtreɪ.əs] (* 7. November 1952 in Cornwall-on-Hudson, Orange County, New York) war vom Sommer 2011 bis zum 9. November 2012 Direktor der CIA und zuvor Offizier der United States Army, zuletzt im Dienstgrad eines Vier-Sterne-Generals. Er trat wenige Tage nach der US-Präsidentschaftswahl 2012 im Zuge der nach ihm benannten Petraeus-Affäre zurück.
Petraeus war unter anderem seit 2002 über mehrere Jahre im Irakkrieg und bei der Besetzung des Irak 2003–2011 an führender Position eingesetzt, zuletzt von Oktober 2008 bis Juni 2010 als Oberbefehlshaber des den US-Streitkräften im Irak und in Afghanistan übergeordneten US Central Command und anschließend bis Juli 2011 als Kommandeur der US Forces Afghanistan und der ISAF. In diesen Funktionen galt er als führender Kopf hinter der Neuausrichtung der US-Streitkräfte hin zur Aufstandsbekämpfung, die in einer neuen Einsatzdoktrin, der FM 3-24 Counterinsurgency mündete.
Kindheit, Familie und Ausbildung
Petraeus wurde als Sohn einer niederländisch-amerikanischen Familie geboren. Sein Vater Sixtus (1915–2008) war ein Kapitän, der nach dem Zweiten Weltkrieg in die Vereinigten Staaten emigriert war. Seine Mutter war Miriam Sweet Howell (1912–1991). Nachdem Petraeus die Cornwall Central High School abgeschlossen hatte, ging er im Alter von 18 Jahren an die US Military Academy in West Point. Diese schloss er 1974 als Zehnter seines Jahrganges ab, erhielt am 5. Juni 1974 sein Offizierspatent und wurde danach zum Infanterieoffizier ausgebildet. 1974 heiratete er, zwei Monate nach seinem Abschluss, Hollister „Holly“ Knowlton, Tochter des ehemaligen Generals William A. Knowlton, zu dieser Zeit Superintendent der Akademie. Sie haben einen Sohn und eine Tochter.
Nach der Akademie wurde Petraeus im Mai 1975 als Zugführer eines Platoons sowie als Logistik- (S-4) und Personaloffizier (S-1) eingesetzt. Er wurde zum 509. US-Luftlandebataillon nach Vicenza in Italien versetzt und verließ dieses 1979 wieder, nachdem er am 8. August 1976 zum First Lieutenant und am 8. August 1978 zum Captain befördert worden war. Von 1979 bis 1982 diente Petraeus in verschiedenen Verwendungen in der 24. US-Infanteriedivision in Fort Stewart, Georgia. Vom Januar 1979 bis zum Juli desselben Jahres diente er als assistierender Operationsoffizier im Stab der 2. Brigade der Division; vom Juli 1979 bis zum Mai 1981 übernahm er den Posten des Kompaniechefs der A-Kompanie, 2. Bataillon, 19. US-Infanterieregiment der Division und diente danach als Operationsoffizier (S-3) desselben Bataillons. Vom Mai 1981 an diente er ein Jahr lang als Adjutant des Kommandeurs der 24. US-Infanteriedivision. Er verließ die Division im Mai 1982 und absolvierte bis zum Juni 1983 das Command and General Staff College in Fort Leavenworth, Kansas, das er als Bester seines Jahrganges und als Gewinner des nach George C. Marshall benannten George-C.-Marshall-Preises abschloss.
Vom Juni 1983 bis zum Juni 1985 studierte Petraeus an der Princeton University in New Jersey; am 1. August 1985 wurde er zum Major befördert. Er schloss das Studium mit einem Master of Public Administration ab und diente vom Juli 1985 bis zum Juni 1987 als Ausbilder und anschließend als Assistenzprofessor für Internationale Beziehungen am Institut für Sozialwissenschaften an der United States Military Academy in West Point.
1987 promovierte er zum Ph. D. in Internationalen Beziehungen an der Woodrow Wilson School of Public and International Affairs der Princeton University. Seine Doktorarbeit The American Military and the Lessons of Vietnam behandelt den Einfluss des Vietnamkrieges auf das militärische Denken, was den Einsatz von Truppen anbelangt.
Stabs- und erste Kommandoverwendungen
Vom Juni 1987 bis zum Juni 1988 diente er als militärischer Assistent des Supreme Allied Commander Europe John R. Galvin im Supreme Headquarters Allied Powers Europe (SHAPE) in Belgien. Danach diente er weiter in Europa. Vom Juni 1988 bis Juni 1989 diente er als Operationsoffizier (S-3) des 2. Bataillons, 30. US-Infanterieregiment und danach bis August 1989 als S-3 der 1. Brigade, 3. US-Infanteriedivision der 7. US-Armee in Deutschland.
Zurück in den Vereinigten Staaten diente er vom August 1989 bis zum August 1991 als Sekretär und ausführender Assistent des Chief of Staff of the Army Carl Vuono im Hauptquartier der US Army in Washington. Nach der Beförderung zum Lieutenant Colonel am 1. April 1991 wurde Petraeus nach Fort Campbell, Kentucky, versetzt und kommandierte dort vom August 1991 bis Juli 1993 das 3. Bataillon, 187. US-Infanterieregiment, 101. US-Luftlandedivision. Danach diente er vom Juli 1993 ein Jahr lang als Direktor für Operationen, Planungen, Ausbildung und Mobilisierung (G-3) der Division.
Zudem absolvierte er vom August 1994 bis Januar 1995 ein Forschungsstipendium an der Georgetown University, das im Januar 1995 durch einen Einsatz als Operationschef der UN-Truppen auf Haiti während der Operation Uphold Democracy verkürzt wurde. In dieser Verwendung wurde er dann am 1. September 1995 auch zum Colonel befördert; er übernahm bereits im Juni 1995 für zwei Jahre das Kommando über die 1. Brigade der 82. US-Luftlandedivision in Fort Bragg, North Carolina.
Petraeus verletzte sich zweimal im Dienst, einmal im Jahre 1991 bei einer realistischen Übung und das andere Mal im Jahre 2000 bei einer harten Fallschirmlandung, bei der er sich das Becken brach.
Im Juni 1997 wurde er wieder ins Verteidigungsministerium versetzt, wo er als ausführender Assistent des Direktors des Joint Staff diente und danach ab Oktober 1997 der Assistent des Vorsitzenden der Joint Chiefs of Staff Henry H. Shelton wurde. Im August 1999 kehrte Petraeus nach Fort Bragg zurück und diente zuerst als assistierender Divisionskommandeur für Operationen in der 82. US-Luftlandedivision sowie von August bis September 1999 zugleich als Kommandeur der Combined Joint Task Force Kuwait während der Operation Desert Spring. Während dieser Zeit wurde er auch am 1. Januar 2000 zum Brigadier General befördert und diente anschließend von Juli bis August 2000 vorübergehend als amtierender Kommandeur der Division.
Nach dieser Verwendung diente er vom August 2000 bis zum Juni 2001 unter Dan K. McNeill als Stabschef des übergeordneten XVIII. US-Luftlandekorps, ebenfalls in Fort Bragg. Während dieser Zeit hatte er den oben genannten Fallschirmsprung-Unfall.
Verwendungen nach dem 11. September 2001
Im Juni 2001 übernahm Petraeus unter dem Kommando von Lieutenant General John B. Sylvester für ein Jahr Aufgaben als assistierender Stabschef für Operationen der SFOR in Sarajewo, Bosnien und Herzegowina, während der Operation Joint Forge und diente zugleich als stellvertretender Kommandeur der US Joint Interagency Counter-Terrorism Task Force – Bosnia, die nach dem 11. September 2001 als Antiterrorkommando der US-Kräfte in Bosnien eingerichtet wurde.
Kommandeur 101. US-Luftlandedivision Mosul
Petraeus wurde am 1. Januar 2003 zum Major General befördert, kommandierte bereits vom Juli 2002 bis zum Mai 2004 die 101. US-Luftlandedivision. Er führte die ca. 18.000 Soldaten umfassende Division u. a. im Irakkrieg (Operation Iraqi Freedom) bei der Einnahme Mosuls und übernahm nach der Zerschlagung des Regimes von Saddam Hussein die schwierige Aufgabe, die neuen irakischen Sicherheitskräfte aufzustellen und auszubilden. Er schickte seine 18.000 Soldaten unter das Volk und kümmerte sich zügig um den Wiederaufbau, um die Sympathien der Bevölkerung zu gewinnen. Binnen zehn Monaten hatten seine Einheiten 4500 Projekte auf den Weg gebracht, die Schulen und Universitäten der Stadt waren wieder in Betrieb, und es gab ansatzweise wieder eine Polizei. Er setzte auch auf Ausgleich mit den entmachteten Kadern der Baath-Partei. Mosul galt schon bald als Musterstadt. Für die Bewältigung dieser Aufgabe wurde er am 18. Mai 2004 zum Lieutenant General befördert und übernahm vom Juni 2004 bis zum September 2005 als Erster das Kommando über das Multi-National Security Transition Command Iraq. Zugleich leitete er vom Oktober 2004 bis zum September 2005 das NATO-Ausbildungskommando – Irak. Die Lage änderte sich dramatisch, als die 101. Luftlandedivision im Februar 2004 abzog und die Militärführung nur noch einen halb so starken Truppenverband nach Mosul entsandte. Mosul versank im Chaos; die von Petraeus aufgebaute Polizei löste sich unter dem Ansturm der Extremisten auf. Mosul galt 2008, nach dem überstürzten Abzug der Truppen, als die gefährlichste Stadt im Irak. Petraeus lernte daraus und schuf die Counterinsurgency strategy. In deren Umsetzung wurden die Truppen im Irak um 30.000 Mann aufgestockt.