David Keith Lynch (* 20. Januar 1946 in Missoula, Montana; † 16. Januar 2025 in Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Künstler, der vor allem als Filmregisseur, Filmproduzent und Drehbuchautor arbeitete. Daneben wirkte er auch als Schauspieler, Maler, Fotograf, Lithograf, Bildhauer, Möbeldesigner und Komponist.
Er wurde vor allem durch Filme bekannt, die sich den Genres surrealistischer Film, Thriller, Horrorfilm und Film noir zuordnen lassen. Lynchs surrealistische Bilder und das bedrohliche, minutiöse Sounddesign sind die bestimmenden stilistischen Elemente. Albträume, fremde Welten, Metamorphosen, Voyeurismus und das Unbewusste sind wiederkehrende Themen in filmischen Werken wie Eraserhead (1977), Blue Velvet (1986), Lost Highway (1997), Mulholland Drive (2001) oder auch der Fernsehserie Twin Peaks (1990–1991, 2017).
Lynch erhielt 1990 die Goldene Palme von Cannes für Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula und 2006 einen Goldenen Löwen für sein Lebenswerk auf den internationalen Filmfestspielen von Venedig. Des Weiteren wurde er viermal für den Oscar nominiert. Er war Ritter und Offizier der französischen Ehrenlegion. 2019 wurde ihm der Ehrenoscar verliehen. Er wurde als einer der wichtigsten Filmschaffenden der Gegenwart betrachtet. Sein Film Mulholland Drive wurde in einer internationalen Kritikerumfrage 2016 zum bis dahin besten Film des 21. Jahrhunderts gewählt.
Seine Eltern Donald Walton Lynch (1915–2007) und Edwina Sundholm (1919–2004) hatten sich während ihrer Studienzeit an der Duke University in North Carolina kennengelernt. Der Vater war auf einer Farm im Nordwesten der USA aufgewachsen und arbeitete als Agrarwissenschaftler für das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten. Die Mutter stammte aus Brooklyn und gab Sprachunterricht. Später war sie Hausfrau und kümmerte sich um die Kinder.
David Keith Lynch wurde 1946 in Missoula in Montana geboren. Zwei Monate nach seiner Geburt zog die Familie nach Sandpoint in Idaho. Lynchs Vater war durch seine Arbeit gezwungen, häufig den Wohnsitz zu wechseln, weshalb die Familie ein Wanderleben führte. In dem neuen Zuhause wurde Davids Bruder John geboren. Es folgte ein Umzug nach Spokane, Washington, wo seine Schwester Martha zur Welt kam, und anschließend einer nach Durham, North Carolina. In Boise, Idaho, siedelte sich die Familie schließlich für eine längere Zeit an. David, der presbyterianisch erzogen wurde, besuchte dort von der 3. bis zur 8. Klasse die Schule. Zu dieser Zeit sah er auch den ersten Film, an den er sich erinnern konnte: Wait till the Sun Shines, Nellie (1952) von Henry King.
Rückblickend betrachtet sagte Lynch, er habe eine glückliche Kindheit gehabt und sei wohlbehütet und in einer friedlichen Umgebung aufgewachsen: „Meine Kindheit bestand aus eleganten Einfamilienhäusern, Alleen, dem Milchmann, Burgenbauen im Garten, Flugzeuggebrumm, blauem Himmel, Gartenzäunen, grünem Gras und Kirschbäumen.“ Durch seinen Vater kam er bereits sehr früh mit der Natur in Kontakt. „Mein Vater machte häufig Experimente zu Baumkrankheiten und Insekten. Ihm standen riesige Wälder als Versuchsareal zur Verfügung. Dadurch kam ich mit Insekten, Krankheiten und Wachstum in einer organischen Welt in Berührung, einem Wald etwa oder einem Garten“, so Lynch, der parallel auch Mäuse und Frösche sezierte. Die Berührung mit dieser organischen Welt prägte den jungen David tief, was sich in seinen späteren Arbeiten widerspiegelt.
1960 ließen sich die Eltern endgültig in Alexandria in Virginia nieder. Der 14-jährige Lynch wurde Schüler der Francis C. Hammond High School, Pfadfinder (Eagle Scout) und entwickelte nebenher bleibende Begeisterung für die Malerei. Trotz seines bayerischen Onkels, der als Maler in München tätig war, sah er darin jedoch keine aussichtsreiche Zukunft. Der Vater seines Schulfreunds Toby Bushnell Keeler brachte ihn schließlich auf andere Gedanken: Der professionelle Maler bot Lynch und dessen Freund Jack Fisk einen Raum in seinem Studio in Georgetown zur Untermiete an. Die beiden nahmen an und konnten ihrer Kreativität somit freien Lauf lassen. Während dieser Zeit pendelte Lynch am Wochenende nach Washington D.C., wo er Kurse an der Corcoran School of Art besuchte. Es sollte schließlich ein Buch sein, das Lynch den Traum vom Künstlerdasein leben ließ: The Art Spirit von Robert Henri. Bushnell Keeler hatte ihn darauf aufmerksam gemacht. Lynch: „[…] es wurde sozusagen zu meiner Bibel, es enthielt die Regeln fürs Künstlerleben“.
Nach dem Examen an der High School 1964 beschloss er, an der privaten Kunsthochschule School of the Museum of Fine Arts in Boston zu studieren. Wegen mangelnder Inspiration und „unseriöser“ Kommilitonen brach er bereits nach einem Jahr ab. Zusammen mit seinem Freund Jack Fisk reiste Lynch daraufhin nach Europa, um in Salzburg Student der Sommerakademie von Oskar Kokoschka zu werden. Da beiden die Stadt zu „sauber“ war, machten sie sich alsbald jedoch auf den Weg nach Paris. Von da aus ging es anschließend per Orientexpress nach Athen. Aber auch diese Stadt gefiel ihnen nicht. „Ich dachte darüber nach, dass ich 7000 Meilen vom nächsten McDonald’s entfernt war – und ich vermisste es, ich vermisste Amerika. Mir wurde klar, dass ich Amerikaner war und in Amerika leben wollte“, erinnert sich Lynch.
Zurück in den USA gab es von Seiten der Eltern keine finanzielle Unterstützung mehr, weshalb Lynch gezwungen war, sich mit diversen Nebenjobs über Wasser zu halten. Er arbeitete zunächst im Architekturbüro des Onkels seines Freundes Toby, später in einem Rahmengeschäft, über dem er auch wohnen konnte. Schließlich wurde er zum Hausmeister des Geschäfts ernannt. Nach mehreren Monaten fasste er den Entschluss, weiter zu studieren: Er bewarb sich an der Pennsylvania Academy of Fine Arts in Philadelphia, an der auch sein Freund Jack Fisk eingeschrieben war.
Nach der erfolgreichen Aufnahmeprüfung zogen Lynch und Fisk Ende 1965 nach Philadelphia in eine Wohnung in einem dortigen Industriegebiet. An der Akademie studierte Lynch zwei Jahre lang, blieb darüber hinaus aber bis 1970 in der Stadt. 1967 heiratete er Margeret Reavey, genannt Peggy. Sie brachte 1968 ihre gemeinsame Tochter Jennifer Lynch zur Welt. Aus Platzmangel zog die Familie in ein Haus, das Lynch für 3.500 US-Dollar erworben hatte, das jedoch äußerst heruntergekommen war und in einer sehr armen Wohngegend lag. Es wurde mehrmals eingebrochen und die Familie erlebte sogar einen Mord auf offener Straße, direkt vor der Tür. „Um uns herum gab es Gewalt und Haß und Dreck“, so Lynch. Lynch wurde mit der Zeit bewusst, dass der Malerei zwei wichtige Elemente fehlten, nach denen er sich insgeheim sehnte: Bewegung und Ton. Zusammen mit seiner Familie und seinen Freunden Alan Splet und Jack Fisk zog er 1970 nach Los Angeles um, wo seine künstlerische Karriere Fahrt aufnahm. Seitdem lebte und arbeitete Lynch dort.
Lynch trennte sich 1974 von seiner ersten Frau Peggy. Drei Jahre später heiratete er Mary Fisk, die Schwester seines Freundes Jack, und bekam mit ihr einen Sohn. 1987 wurde die Ehe geschieden. 1986 bis 1990 war Lynch mit der Schauspielerin Isabella Rossellini liiert. 2006 nahm er seine langjährige Filmeditorin und Produzentin Mary Sweeney zur Frau, reichte aber bereits einen Monat später die Scheidung ein. Aus dieser bereits 1991 begonnenen Beziehung stammt sein zweiter Sohn. 2009 heiratete er die Schauspielerin Emily Stofle. 2012 kam Lynchs zweite Tochter zur Welt. Stofle reichte im Dezember 2023 die Scheidung ein, die aber bis zu Lynchs Tod nicht mehr finalisiert wurde.
2020 diagnostizierten Ärzte bei Lynch, der jahrzehntelang starker Raucher war und diese Sucht nach der Diagnose aufgab, ein Lungenemphysem. 2024 erklärte er, dass er aufgrund der mit dieser Erkrankung verbundenen Atemnot bei körperlicher Anstrengung sein Haus nicht mehr ohne Sauerstoffmaske verlassen könne. Er starb im Januar 2025, wenige Tage, nachdem er sein Haus wegen der Waldbrände in Südkalifornien hatte verlassen müssen, vier Tage vor seinem 79. Geburtstag. Laut der Gesundheitsbehörde des Los Angeles County war die Todesursache ein Herzstillstand mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung als Grundkrankheit, begleitet durch Dehydratation. Seine Beisetzung fand eine Woche nach seinem Tod auf dem Hollywood Forever Cemetery statt.