An diesem Tag

David Lloyd George

Britischer Politiker und Premierminister (1916–1922)

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David Lloyd George, 1. Earl Lloyd-George of Dwyfor OM (* 17. Januar 1863 in Manchester als David George; † 26. März 1945 in Llanystumdwy, Caernarfonshire) war ein britischer Politiker. Er wurde während des Ersten Weltkriegs im Dezember 1916 zum Premierminister gewählt. Er war der letzte Liberale sowie der bislang einzige Waliser, der dieses Amt innehatte. Im Oktober 1922 wurde er von den Konservativen gestürzt. 1919 war er einer der „Großen Vier“ bei der Pariser Friedenskonferenz.

David Lloyd George war das zweite überlebende Kind und der älteste Sohn von William und Elisabeth George. Der Vater William George war Nachkomme von Landwirten in Pembrokeshire in Wales. Nach einigen gescheiterten Karriereversuchen entschied er sich für den Lehrberuf. Als Direktor einer neuen Schule in Nordwales lernte er die Hauslehrerin Elizabeth (Betsy) Lloyd kennen und heiratete sie. Als David geboren wurde, war der Vater Schuldirektor in Manchester. Bereits vier Monate nach seiner Geburt zog die Familie im Frühjahr 1863 zurück nach Wales. Der Vater wandte sich dort erneut der Landwirtschaft zu, verstarb aber im folgenden Jahr. Ein zweiter Sohn, der nach seinem Tod geboren wurde, erhielt im Andenken an den Vater den Namen William.

Nach dem frühen Tod seines Vaters wuchs David George bei seinem Onkel, dem Bruder mütterlicherseits, Richard Lloyd, auf. Dieser erlangte später den Ruf, Ratgeber und Gewissen seines Neffen David gewesen zu sein. Aus Verehrung für seinen Onkel, der ihm später eine juristische Ausbildung ermöglichte, fügte der junge David George seinem Namen das Wort Lloyd bei. Sein Leben lang blieb es umstritten, ob dieses ein Vor- oder Nachname sei. Bis ins Jahr 1917 wurde Lloyd in britischen Enzyklopädien als Vorname geführt, seither als Nachname.

Lloyd George absolvierte eine juristische Ausbildung bei einer Kanzlei in Porthmadog und machte sich, nachdem er 1884 die Abschlussprüfung bestanden hatte, 1885 als Solicitor (Rechtsanwalt) selbständig. 1890 wurde Lloyd George im walisischen Wahlkreis Caernarvon Boroughs für die Liberalen ins britische Unterhaus gewählt, dem er bis 1945 angehörte. Er gehörte dem linksliberalen Flügel seiner Partei an und war Mitglied im renommierten Reform Club. Früh erweckte der junge Abgeordnete mit feurigen, bisweilen aggressiven Reden Aufmerksamkeit. Zunächst setzte er sich für mehr Selbstbestimmung für Wales und – damals seinem Selbstverständnis nach ein Pazifist – gegen den Burenkrieg ein. Im Jahr 1905 trat Lloyd George als Handelsminister in das liberale Kabinett von Henry Campbell-Bannerman ein. Als dieser 1908 starb, wurde Herbert Henry Asquith neuer Premier, und Lloyd George übernahm Asquiths bisheriges Amt als Schatzkanzler, das er bis 1915 innehatte. In der Funktion als Schatzkanzler setzte er sich für grundlegende Sozialreformen, etwa eine allgemeine britische Rentenversicherung, sowie die Autonomie Irlands ein. Zur Finanzierung seines ambitionierten Sozialprogramms führte er 1909 die erste progressive Einkommensbesteuerung in Großbritannien ein und erhöhte die Erbschaftsteuer deutlich. Dies führte zu heftigem Widerstand im Oberhaus, der 1911 mit dem Parliament Act gebrochen wurde, der die Macht des Oberhauses auf Dauer einschränkte.

Während dieser Zeit war er auch in den Marconi-Skandal verwickelt. Am 19. Februar 1913 wurde sein sich im Bau befindendes Landhaus von der Suffragette Emily Davison in die Luft gesprengt.

Lloyd Georges pazifistische Einstellung änderte sich 1911 vor dem Hintergrund der zweiten Marokkokrise. In seiner berühmten Mansion-House-Rede ließ er erstmals seine Bereitschaft durchblicken, den Krieg im Sinne einer ultima ratio als Mittel der Politik zu akzeptieren. Obwohl er in der Julikrise 1914 zu jenen Mitgliedern der britischen Regierung gehörte, die eine Verwicklung Großbritanniens in den europäischen Krieg zu verhindern suchten, erklärte er sich nach der britischen Kriegserklärung an das Deutsche Reich am 4. August 1914 als einziger Angehöriger des als „radikalpazifistisch“ bezeichneten Flügels des Kabinetts bereit, in der Regierung zu verbleiben. In deren Auftrag gründete er das War Propaganda Bureau. Bei der Bildung der Koalitionsregierung mit den Konservativen im Mai 1915 wurde er Munitions- und im Sommer 1916 Kriegsminister.

Anfang Dezember 1916 zwang er Asquith durch Rücktrittsdrohungen, sein Amt als Premier aufzugeben. Lloyd George trat selbst an die Spitze der Koalitionsregierung mit den Konservativen, während Asquiths Anhänger in die Opposition gingen. Die Liberale Partei wurde so gespalten, dass sie sich nie mehr völlig erholte. In den Folgejahren erlangte er eine fast diktatorische Stellung im Kabinett und verfolgte eine Kriegspolitik, die auf eine vollständige Niederlage des Deutschen Reiches abzielte. Lloyd George wurde zur treibenden Kraft der wirtschaftlichen Kriegsführung Großbritanniens. Dem von ihm entwickelten Wirtschaftssystem und seinen Zugeständnissen an die Arbeiterschaft war zu verdanken, dass Großbritannien wirtschaftlich nicht zusammenbrach.

Lloyd George war innerhalb der britischen Politik von Kriegsbeginn an ein sogenannter Eastener gewesen, der die Entscheidung nicht an der stärksten Stelle der Mittelmächte – der Westfront – suchte, sondern zuerst die Verbündeten des Deutschen Reiches ausschalten wollte. In der für die Entente militärisch kritischen Situation des Jahres 1917 versuchte er nun, statt der Methode des bringing Germany down by the process of knocking the props under her („Deutschland zu Fall bringen, indem man fortschreitend die Stützen unter ihm wegschlägt“), das Deutsche Reich durch einen Sonderfrieden mit Österreich-Ungarn zu schwächen.

Am 20. März 1917 bezeichnete Lloyd George die Beseitigung der reaktionären Militärregierungen und die Etablierung von durch das Volk getragenen Regierungen als Basis des internationalen Friedens als die wahren Kriegsziele Großbritanniens. Am 4. August desselben Jahres nahm das National War Aims Committee, mit Lloyd George und Asquith als Präsidenten, eine rege Propagandatätigkeit in diesem Sinne auf.

Auf der Friedenskonferenz von Versailles vertrat er eine mittlere Position zwischen seinen Verbündeten, dem US-Präsidenten Woodrow Wilson und dem französischen Ministerpräsidenten Georges Clemenceau. Er trat für eine politische Bestrafung des Deutschen Reiches ein, dem er die Hauptschuld am Kriegsausbruch anlastete, wollte das Reich aber, anders als Clemenceau, nicht territorial zerstückeln und auf Dauer wirtschaftlich schädigen. Dass es im südlichen und östlichen Grenzgebiet Ostpreußens und in Oberschlesien Volksabstimmungen über den Verbleib im Deutschen Reich gab, ging vor allem auf Lloyd Georges Initiative zurück.

Lloyd George scheiterte aber letztlich mit seiner Forderung: The new map of Europe must be so drawn as to leave no cause for disputation which would eventually drag Europe into a new war („Die neue Landkarte von Europa muss so gezeichnet werden, dass sie keinen Grund mehr lässt für Auseinandersetzungen, die Europa schließlich in einen neuen Krieg ziehen würden.“). Gegenüber dem ehemaligen Osmanischen Reich, das mit dem Deutschen Reich im Krieg verbündet war, vertrat Lloyd George eine deutlich härtere Position: Die Bedingungen des Vertrags von Sèvres waren außerordentlich restriktiv gegenüber den Türken, was laut einigen Historikern folgende Gründe habe: der Völkermord an den Armeniern und die verlustreiche Dardanellenschlacht von 1915. Im Abkommen über Konstantinopel und die Meerengen war beschlossen worden, die Türken endlich aus Europa zu verdrängen. Lloyd George äußerte, der Krieg und die Niederlage der Türken habe die Gelegenheit gebracht, dieses „Problem ein für allemal zu erledigen“. Die Alliierten hatten am 18. Dezember 1916 US-Präsident Wilson mitgeteilt, die „Völker zu befreien, die der blutigen Tyrannei der Türken unterworfen waren“. Weitere Zitate Lloyd Georges zu dem Thema waren: „Wenn die Friedensbedingungen verkündet werden, wird man sehen, zu welch harten Strafen die Türken wegen ihrer Verrücktheit, ihrer Blindheit und ihrer Morde verurteilt werden … Die Strafen werden so fürchterlich sein, dass selbst ihre ärgsten Feinde zufriedengestellt sein werden.“ „Was mit Mesopotamien geschehen wird, muss in den Sitzungen des Friedenskongresses entschieden werden, aber eines wird nie geschehen. Es wird niemals wieder der verdammten Tyrannei des Türken überlassen.“

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