An diesem Tag

David Irving

Britischer Verschwörungstheoretiker und Holocaustleugner

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David John Cawdell Irving (* 24. März 1938 in Brentwood, Grafschaft Essex, England) ist ein britischer Geschichtsrevisionist und Holocaustleugner. Er verfasste etwa 30 Bücher über die Zeit des Nationalsozialismus, darunter 1963 ein Buch über die Luftangriffe auf Dresden, das ihn bekannt machte.

1977 leugnete er, dass Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg geplant und begonnen sowie den Holocaust gewollt und davon frühzeitig Kenntnis hatte. Dadurch verlor er allmählich sein bisheriges Ansehen als seriöser Sachbuchautor. Seit 1988 bestreitet er öffentlich den Vernichtungszweck der Gaskammern und Krematorien der Konzentrationslager Auschwitz. Er wurde deshalb in mehreren Staaten strafrechtlich verurteilt und erhielt Einreiseverbote.

Irving ist der jüngste Sohn des britischen Marineoffiziers John Irving (1898–1967) und der Illustratorin Beryl Irene Irving geb. Newington. Nach einem abgebrochenen Studium der Physik, Wirtschaftswissenschaften und Geschichte an der University of London arbeitete Irving ab 1959 für ein Jahr als Stahlarbeiter bei Thyssen im Ruhrgebiet. Dort lernte er Deutsch. Anschließend verdiente er seinen Lebensunterhalt mit Artikeln zu zeitgeschichtlichen Themen in deutschen Zeitschriften, darunter in der Neuen Illustrierten.

Irving ist verheiratet und hat fünf Kinder.

1963 erschien Irvings Buch Der Untergang Dresdens, das einige Historiker und Medien zunächst positiv beurteilten, weil Irving darin von ihm selbst aufgefundene neue Dokumente vorlegte und man seiner Forschung vor Ort vertraute. In den Neuauflagen seines Buchs von 1966 und 1967 stellte Irving einen „Tagesbefehl 47“ vom 22. März 1945 vor, der 202.040 bereits gefundene und bis zu 250.000 erwartete Opfer der Luftangriffe nannte. Der SED-Politiker Max Seydewitz hatte das Dokument bereits 1955 als Fälschung zurückgewiesen. Irving hatte 1964 eine Kopie eines Durchschlags davon von dem Dresdner Fotografen Walter Hahn erhalten. Der bei dem Treffen anwesende Stadtarchivar Walter Lange hatte die Kopie als Fälschung bezeichnet. Irving berief sich 1965 öffentlich auf den Dresdner Urologen Max Funfack, von dem Hahn das Dokument seinerseits ohne dessen Wissen kopiert hatte. Funfack schrieb Irving daraufhin, er habe nur mündliche und zudem sehr widersprüchliche Auskünfte über Opferzahlen aus dritter Hand erhalten und sei nicht mit der Bergung der Dresdner Luftkriegstoten befasst gewesen. Im selben Jahr wurden zwei Originaldokumente der Dresdner Polizei vom Februar und März 1945 entdeckt, die Irvings Kopie als Fälschung erwiesen. Irving räumte am 7. Juli 1966 in einem Leserbrief an die britische Zeitung The Times seinen Irrtum ein. Dennoch stoppte er weder die Auslieferung der Neuauflage seines Buchs noch korrigierte er die falschen Opferzahlen in weiteren Auflagen.

1977 bewies der Historiker Götz Bergander endgültig die Fälschung des „Tagesbefehls“: Im Propagandaministerium von Joseph Goebbels war an jede Originalzahl zu bereits kremierten (6.865), registrierten (20.204) und erwarteten (25.000) Toten eine Null angehängt und so die Zahlen verzehnfacht worden, um die Luftangriffe in der Auslandspresse als Verbrechen darzustellen. Irving behauptete dennoch weiterhin sechsstellige Opferzahlen. Der britische Historiker Richard J. Evans deckte Irvings fälschenden und verzerrenden Umgang mit Quellen in seinem Dresdenbuch im Irving-Lipstadt-Prozess 2000 ausführlich auf und veröffentlichte sein Prozessgutachten als Buch.

1964 veröffentlichte Irving eine Artikelserie in der Zeitschrift Neue Illustrierte über alliierte Luftangriffe auf deutsche Städte im Zweiten Weltkrieg als Buch mit dem Titel Und Deutschlands Städte starben nicht. Darin übernahm er die Legende von Tieffliegerangriffen auf Flüchtende in Dresden am 13. Februar 1945 von Nachkriegsautoren wie Axel Rodenberger, Max Seydewitz und anderen. Er betonte jedoch, diese angeblichen Angriffe seien von US-amerikanischen Begleitjägern ausgegangen. Sie hätten mit allen Bordwaffen auch auf sichtbar gekennzeichnete Krankenwagen und Flüchtlingstrecks in den Außenbezirken geschossen und seien dazu immer wieder zurückgekehrt. Irving behielt diese Angaben in späteren Auflagen bei, auch nachdem Götz Bergander und Helmut Schnatz sie 1977 widerlegt hatten.

Der deutsche Dichter Rolf Hochhuth war seit 1966 mit Irving befreundet und nahm seine Holocaustleugnung zumindest bis 1988 nicht wahr (siehe dazu Hochhuth und Irving). Ab 29. Mai 1967 druckte das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in fünf Teilen vorab Irvings Buch zum „Traum von der deutschen Atombombe“ in der NS-Zeit ab.

1977 behauptete Irving in seinem Buch Hitler’s War, Reinhard Heydrich und Heinrich Himmler hätten den Holocaust ohne Hitlers Wissen und Zustimmung angezettelt. Erst 1943 habe dieser davon erfahren. Er berief sich dazu vor allem auf fehlende Dokumente zu einem schriftlichen Befehl Hitlers zur Judenvernichtung und auf einen Eintrag in Himmlers Tagebuch vom 30. Oktober 1941, wonach dieser die Ermordung der ersten aus Berlin deportierten Juden untersagt hatte. Zudem zog er Tagebücher noch lebender ehemaliger Generale und Funktionäre Hitlers heran und gab an, sie hätten ihm diese bei seinen Recherchen für das Buch erstmals zur Verfügung gestellt. Zugleich missachtete er viele Hinweise auf mündliche Befehle Hitlers zur Judenvernichtung, etwa in Himmlers Posener Reden. Aus der überarbeiteten Neuauflage des Buchs von 1991 ließ Irving alle Referenzen zum Holocaust und zu den NS-Vernichtungslagern löschen. In seinem Buch Hitlers Weg zum Krieg von 1977 gab er zwar dessen Aufrüstung seit 1936 zu, stellte ihn aber als weitgehend schuldlos am Zweiten Weltkrieg dar und wies den angeblich vom „Weltjudentum“ gelenkten USA die Hauptschuld zu.

Diese geschichtsrevisionistischen Thesen stehen in der Tradition von Nationalsozialisten und Mitläufern, die seit den Nürnberger Prozessen 1945 behaupteten: „Davon hat der Führer nichts gewusst.“ Dem widersprachen besonders britische und deutsche Historiker, deren Forschungen zu den NS-Großverbrechen Hitlers Initiative und Führungsrolle bei der Eskalation der Judenverfolgung zum Holocaust bestätigten. Irvings Thesen wurden bereits 1977 von Allan Bullock, Hugh Trevor-Roper, Eberhard Jäckel und Martin Broszat zurückgewiesen. Gerald Fleming präsentierte 1983 überzeugende Argumente dafür, dass Hitler die „Endlösung“ mitgeplant, persönlich gewollt und befohlen habe. Richard J. Evans wies 2000 im Detail Irvings manipulativen Umgang mit Quellen in Hitler’s War nach.

In seiner Biografie Rommel: The Trail of the Fox (1977; deutsch 1978) stellte Irving Erwin Rommels Nähe zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus als Nachkriegskonstruktion seines Stabschefs Hans Speidel dar und zeichnete diesen als Hauptakteur einer Verschwörung in Frankreich, von der Rommel angeblich nichts gewusst habe. Die Biografie wurde kontrovers diskutiert, besonders unter ehemaligen deutschen Wehrmachtssoldaten. Der Spiegel und einige Historiker urteilten, Irving habe das Bild Rommels als Widerstandskämpfer zu Recht korrigiert.

Irvings Werk Der Nürnberger Prozess – Die letzte Schlacht (1979) erschien später stark erweitert im rechtsextremen Grabert Verlag. Nach Eigenangaben im Vorwort hatte er dafür erstmals die Akten der Nürnberger Anklagevertretung und das private Tagebuch Robert H. Jacksons eingesehen. Er bezeichnete den Prozess als „Rachejustiz der Sieger“ und Rechtsbruch und behauptete, Zeugen und Angeklagte seien gefoltert worden. In seinem Werk Goebbels – Macht und Magie (1997) behauptete Irving, Hitler sei von der „Reichskristallnacht“ überrascht worden.

1983 bezeichnete Irving die angeblichen, von der Zeitschrift Stern veröffentlichten Hitler-Tagebücher als plumpe Fälschung, bevor diese aufgedeckt wurde. Kurz nachdem der Historiker Eberhard Jäckel die Tagebücher nach anfänglichem Zweifel für echt erklärt hatte, zeigte sich Irving jedoch ebenfalls von deren Echtheit überzeugt. Später erklärte er diesen Meinungswandel mit seiner Freude daran, Historiker „dumm aus der Wäsche schauen“ zu lassen.

Bis 1988 betrachteten der Spiegel und andere deutsche Medien Irving als zwar unkonventionellen und provokativen, jedoch ernsthaft forschenden und daher diskussionswürdigen Historiker und förderten ihn, etwa durch Vorabdrucke seiner Werke. Er galt als findiger Rechercheur, dem es gelinge, „die Hohlräume und ungeklärten Fragen aufzuspüren, die manche Fachhistoriker bei der Erforschung der Hitler-Ära zurückgelassen haben […], neue Quellen zu erschließen, bisher unzugängliche Zeugen zum Reden zu bringen, manipulierte Zeugnisse zu korrigieren“. Er sei ein „Meister im Aufspüren bis dahin ungenutzter Quellen“ und ein Autor, „der den Historikern zumindest neue Anstöße gibt“. Ab 1977 nahmen sie Irving teilweise, ab 1988 vollständig nicht mehr als Historiker ernst. Die Geschichtswissenschaft wies seine Thesen einhellig zurück und schloss Forschungslücken, die Irving deutlich gemacht hatte.

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