David Hamilton (* 15. April 1933 in London; † 25. November 2016 in Paris) war ein britischer Kunstfotograf und Filmemacher.
Hamilton arbeitete zunächst in einem Architekturbüro in London. Mit 20 Jahren zog er nach Paris und arbeitete dort als Grafikdesigner. Nach kurzer Rückkehr nach Großbritannien ließ er sich dauerhaft in Frankreich nieder. Mitte der 1960er Jahre begann er sich nebenberuflich eine Existenz als Kunstfotograf aufzubauen. Ende der 1960er Jahre hatte er seinen eigenen unverwechselbaren Stil entwickelt, den Kritiker, vor allem in späteren Jahren, als kitschig, pornografisch und latent pädophil bezeichneten, der ihn in den 1970er Jahren jedoch berühmt machte. Im Gegensatz zu anderen Fotografen dieser Zeit ging es ihm nicht darum, Motive naturgetreu abzubilden; stattdessen setzte er auf eine verfremdende romantisierende Darstellung. Sein künstlerisches Schaffen umfasst 16 Foto-Bände, fünf Filme, Beiträge in Foto-Zeitschriften und zahlreiche Ausstellungen.
David Hamilton wurde als Sohn von Louise Leat geboren. Der Vater, über den nichts weiter bekannt ist, verließ die Familie kurz nach Davids Geburt. Hamilton gab später als erste Erinnerung an, am 3. September 1939 die Kriegserklärung an Deutschland im Radio gehört zu haben. Hamilton wurde 1939 oder 1940 aufs Land evakuiert. Man brachte ihn im Wirtschaftshaus eines Schlosses bei Fifehead Magdalen in der Grafschaft Dorset unter. Rund fünf Jahre später kehrte er nach London zurück, wo er noch 1945 Angriffe deutscher V1-Raketen erlebte. Mit seiner Mutter lebte er fortan in Kennington. Kurz nach seiner Rückkehr heiratete seine Mutter erneut. Hamilton versuchte das auf dem Land erlebte freie Leben fortzuführen und begann sich für den Radsport zu begeistern. Sein ganzer Stolz wurde ein Rennrad, mit dem Apo Lazaridès die Tour de France gefahren war und das er, Hamilton, in einem Geschäft erworben hatte. Mit Freunden trat er in den Delaune Racing Club ein und besuchte zahlreiche Radrennen, bei denen er auch seine Idole, darunter Fausto Coppi und Reg Harris, live erlebte. Zu dieser Zeit lernte er seinen Freund Terry kennen, mit dem ihn eine fast lebenslange Freundschaft verband. Beide spielten in der Schule Karten und setzten das gewonnene Geld bei Buchmachern und Hunderennen ein. Den Hang zum Luxus, den er in dieser Zeit entwickelte, schrieb er seinem Onkel William Leat zu, der Juwelier war.
Im Alter von 15 Jahren verließ Hamilton die Schule. Er begann eine Lehre bei dem Kaufhausausstatter Barrats, der ihn zum Schreiner ausbildete. Nebenher besuchte Hamilton Kurse einer Abendschule. Schnell wurde er von der Schreinerei ins Planungsbüro versetzt, in dem er erstmals mit der Fotografie in Berührung kam. Er bat einen Freund, die Fassaden von Londoner Kaufhäusern zu fotografieren. Die Fotos nutzte er als Inspirationsquelle für eigene Entwürfe. Deren Qualität festigten seine Stellung im Unternehmen, und schon mit 18 Jahren verdiente Hamilton nach eigener Aussage recht gut. Zu dieser Zeit unternahm er mit seinem Freund Terry per Anhalter seine erste Reise nach Paris. Mit 20 Jahren zog er aus der elterlichen Wohnung in eine Mansardenwohnung.
Mit seiner ersten Freundin fuhr er erneut nach Paris. Die beiden Frankreichreisen prägten Hamilton nachhaltig, und er siedelte schließlich nach Paris über. Er fand eine Anstellung bei der Firma Siegel, nachdem er sich dort mit alten Einrichtungsentwürfen vorgestellt hatte. In der Folgezeit wechselte er häufig die Stellung; überall war er für die Zeichnungen von Geschäftseinrichtungen zuständig. Der US-Amerikaner Bill Perry, der mit einem Franzosen ein Architekturbüro betrieb, in dem Hamilton arbeitete, wurde Hamiltons Mentor.
Nebenher begann Hamilton zu malen. Eines seiner Bilder durfte er in einer Nachwuchsausstellung auf der Biennale ausstellen, doch gelangte er bald zu der Überzeugung, dass er für die Malerei nicht geschaffen sei. So blieb er in dem Architekturbüro beschäftigt, wo er unter anderem an einem Projekt für den Schah von Persien mitwirkte. Dies brachte ihm erstmals Fragen der Typografie und des Layouts nahe. Auf einer Vernissage traf er Peter Knapp, den künstlerischen Leiter der Zeitschrift Elle, der ihm 1957 oder 1958 eine Stelle als Layouter bei der Zeitschrift gab. Anfang 1960 fielen Arbeiten Hamiltons den Verantwortlichen der britischen Zeitschrift Queen auf, die ihn daraufhin als künstlerischen Leiter abwarben. Er kehrte nach London zurück, und das Magazin wurde unter seinem Einfluss eine treibende Kraft der Swinging Sixties. Junge Künstler bekamen darin eine Chance; so veröffentlichte Hamilton eines der ersten Bilder von David Hockney. Wegen eines Streits um die Platzierung eines Fotos überwarf sich Hamilton mit dem Herausgeber von Queen, Jocelyn Stevens, und ging zurück nach Paris, wo er kurze Zeit bei der Werbeagentur Havas arbeitete, ehe er künstlerischer Leiter des Kaufhauses Printemps wurde. Hier wurde er für die Außenwerbung zuständig. Mit anderen künstlerischen Leitern von Modehäusern und -zeitschriften prägte Hamilton den visuellen Stil der Zeit. Fotografen wie Gene Laurent und Irving Penn wurden in diesem Umfeld unter anderem auch von Hamilton gefördert, und Hamilton begann selbst zu fotografieren.
Hamilton als freischaffender Künstler
Mit einer einfachen Kamera machte Hamilton seine ersten Versuche als Fotograf. Anfangs nahm er Stillleben und Straßenansichten auf, doch im Zuge seiner Arbeit für Printemps entstanden auch erste Aufnahmen von Menschen. Es handelte sich um schwedischen Fotomodelle, die für die Werbung des Kaufhauses posierten. In Montparnasse mietete er eine 40 Quadratmeter große Wohnung, die zuvor von der britischen Sängerin Petula Clark genutzt worden war. Häufig hatte er dort prominente Gäste, darunter Omar Sharif, Charles Matton, Matti Klawine, Saul Steinberg, Sean Flynn und Celemen Hawkins. Montags veranstaltete er einen Tag der offenen Tür und gab „schwarze Partys“, für die die Wohnung schwarz ausgestattet wurde; auch die Gäste kamen in schwarzer Kleidung, und es wurde schwarz gefärbtes Essen serviert. Diese Idee hatte er dem Roman Gegen den Strich von Joris-Karl Huysmans entlehnt.
1962 erkundete Hamilton erstmals die Umgebung von Saint-Tropez. Das ungezwungene Verhältnis zum Körper, etwa das nackte Sonnenbaden an den Stränden der Côte d’Azur, war für den Briten eine neue Erfahrung, die ihn prägte. Seine Begeisterung für die Natur und das Strandleben veranlassten ihn, in Ramatuelle ein altes Haus zu kaufen. Hier machte er mit drei schwedischen Fotomodellen die ersten professionellen Modefotos seiner Karriere. Allmählich bildete sich der typische „Hamilton-Stil“ heraus, den Ruth La Ferla Jahrzehnte später in einem Artikel der Tageszeitung New York Times beschrieb:
Im Jahr 1965 wurde Hamilton von Printemps entlassen, da er seine Arbeit im Kaufhaus vernachlässigte und seine künstlerischen Vorstellungen Erfordernissen der Werbebranche entgegenliefen. Fotos aus dieser Zeit zeigen ihn mit Esther Williams, Susannah York, Gunter Sachs, Ernst Fuchs, Rachel Hunter, Charlotte Rampling, Leni Riefenstahl, Sam Spiegel, Douglas Fairbanks, Eddie Barclay, Silvana Mangano und Pier Paolo Pasolini und in der Umgebung der Prinzen Dado Ruspoli und Charles-Antoine de Ligne, von Mariano de Tour de Montèse und Corazon Aquino, der Gräfin Boza, des Sultans von Brunei und der königlichen Familie von Dänemark.
Fortan arbeitete Hamilton mit Michel Paquet, mit dem er zuvor bei Elle und in London tätig war, als künstlerischer Direktor und Fotograf. Eine bekannte Arbeit aus dieser Zeit ist eine Serie von Bademodenaufnahmen, die in Agadir mit dem bekannten Fotomodell Kira entstanden. Erste Aktfotos von Hamilton veröffentlichte die deutsche Zeitschrift Twen. Es folgten Veröffentlichungen im französischen Magazin Realities und der Zeitschrift Photo. 1971 wurde beim englischen Verlag Collins sein erster Bildband, Dreams Of A Young Girl, herausgegeben, der von Leonard Cohens Lied Suzanne inspiriert war, dessen Zeilen als Bildunterschriften dienten, und dem ein Text des Schriftstellers Alain Robbe-Grillet hinzugefügt wurde. In rascher Folge erschienen die Bücher Les Demoiselles d’Hamilton (Hamiltons Mädchen, 1972), La Danse (Der Tanz, 1972), Private Collection (1976) und Erinnerungen an Bilitis (1977). Alle Auflagen waren rasch ausverkauft. Es wird geschätzt, dass die ersten zehn Bücher Hamiltons jeweils etwa in 100.000 Exemplaren verkauft wurden, was sich insgesamt auf über eine Million Bücher summiert. Vor allem in Japan gab es große Ausstellungen seiner Werke. Hier wurden auch viele seiner Bilder gekauft.