An diesem Tag

David Friedländer

Deutscher Fabrikant und Autor, der sich für die Emanzipation der Juden in Berlin einsetzte

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David Friedländer (geboren am 6. Dezember 1750 in Königsberg (Preußen); gestorben am 25. Dezember 1834 in Berlin) war ein deutsch-jüdischer Seidenfabrikant und Autor, der sich für die Emanzipation der Juden in Berlin einsetzte. Nach dem Tode Moses Mendelssohns 1786 wurde Friedländer der Wortführer und entscheidende Organisator der jüdischen Aufklärer in Berlin.

1771 ließ sich David Friedländer in Berlin nieder. 1772 wurde er durch Heirat mit Margarete (Blümchen, 1752–1814), dem vierten von 15 Kindern, Schwiegersohn des wohlhabenden Hoffaktors und Münzpächters Daniel Itzig, der auch Oberältester der jüdischen Gemeinde Berlins war. Zugleich beschäftigte dieser für seine Kinder den Aufklärer Moses Mendelssohn als Lehrer. So fand Friedländer schnell Anschluss in der Berliner Gesellschaft. Er engagierte sich für die Emanzipation der Berliner Juden und für verschiedene Reformprojekte. Friedrich Wilhelm II. berief ihn zusammen mit seinem Schwiegervater in ein Komitee über die Rechte der Juden, das ohne Ergebnis blieb. Ein weiteres Projekt war die Reform des jüdischen Gottesdienstes, dieser Vorschlag wurde jedoch als radikal abgelehnt. Erfolgreich war aber die Gründung der jüdischen Freischule Chevrat Chinuch Ne’arim („Gesellschaft für Knabenerziehung“) in Berlin 1778, für die Friedländer auch Schulbücher verfasste und das hebräische Gebetbuch und andere Texte zusammen mit seinem Schwager Isaak Daniel Itzig ins Deutsche übersetzte.

Friedländer bemühte sich um praktische Formen der Konvergenz (Littmann) zwischen Judentum und Christentum. In diesem Sinne gab es 1799 „von jüdischer Seite in Berlin eine atemberaubende Initiative“ (Paul). Anonym richtete Friedländer ein Sendschreiben von einigen Hausvätern jüdischer Religion an Wilhelm Abraham Teller, in dem praktische Vorschläge für den „Versuch einer Glaubensvereinigung“ von Judentum und Protestantismus gemacht wurden. „Für die Juden reklamierte er dazu die Befreiung vom Jesus-Glauben und von einigen Riten, während er eine Taufe in jenem nicht-dogmatischen Sinn für möglich hielt, den Teller in seinen Schriften umrissen hatte. Christentum und Judentum teilten eine gemeinsame, natürliche Religion, für die Rituale keine Bedeutung hätten (er nennt sie ‚Werkheiligkeit, Wortkram und leeren Tand‘). Der Vorstoß war nicht erfolgreich, es folgte ein vielstimmiges, kontroverses Echo und einige brachten Friedländer sogar ins charakterliche Zwielicht, als habe er die Gleichstellung erkaufen wollen. Es war aber wohl – zuallererst – ein praktischer Vorstoß, der unter Berliner Verhältnissen in der Luft lag, aber er war nicht der letzte.“

Er ist auf dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee in Berlin-Prenzlauer Berg bestattet.

Friedländer betätigte sich außerdem als Förderer von Wissenschaft und Kunst, zu den Geförderten zählen Alexander und Wilhelm von Humboldt.

Er legte auch die Basis der bedeutenden Münzsammlung seines Sohnes Benoni Friedländer (1773–1858), welche dieser 1861 dem neugegründeten Münzkabinett übermachte, dessen Direktor seit 1854 sein jüngster Enkel Julius Friedländer war. Sein zweiter Sohn Moses Friedländer (1774–1840) trat 1799 in das 1795 von Joseph Mendelssohn gegründete Mendelssohnsche Bankhaus ein. Josephs Schwägerin Lea, die Mutter von Felix Mendelssohn Bartholdy, und Moses’ Frau Regina, beide geborene Salomon, waren Cousinen. Die Bank hatte bis 1804, als sich die Partner wieder trennten, ihren Sitz im Palais Itzig in der Burgstraße 25. Später machte sich Moses Friedländer unter der Firma Friedländer & Co. als Bankier selbständig. Der Sohn seines Bruders Abraham war der nachmalige liberale Landesrabbiner Joseph Abraham Friedländer in Westfalen.

Bücher, Einzelveröffentlichungen

(anonym) Lesebuch für jüdische Kinder. Zum Besten der jüdischen Freyschule. Voß, Berlin 1779. Neu hrsg. u. mit Einl. u. Anh. vers. von Zohar Shavit, dipa-Verlag, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-7638-0132-4.

Naphtali Herz Wessely: Worte der Wahrheit und des Friedens an die gesammte jüdische Nation. Vorzüglich an diejenigen, so unter dem Schutze des glorreichen und großmächtigen Kaysers Josephs II. wohnen. Aus dem Hebräischen von David Friedländer. Berlin 1782.

Nachricht von dem gegenwärtigen Zustand, bisherigen Fortgang, und eigentlichen Endzweck der Freyschule zu Berlin. Berlin 1783 (gemeinsam mit Isaak Daniel Itzig).

Preis auf den besten Entwurf einer nach jüdischen Grundsätzen abgefaßten Sittenlehre. Berlin 1783 (gemeinsam mit Isaak Daniel Itzig).

Ankündigung der Übersetzung des Gebetbuchs תפילות ישראל (Tefilot Jisrael). Orientalische Buchdruckerei, Berlin 1784.

פנקס וכתב הדת (Pinqas u-chetav ha-dat / Notizen und Schriften). Orientalische Buchdruckerei, Berlin 1785 (gemeinsam mit Isaak Daniel Itzig).

סדר הגדה על פסח (Seder hagada al pesach / Pessach-Erzählung). Orientalische Buchdruckerei, Berlin 1785. Übersetzung von Joel Bril Löwe und David Friedländer.

גבעטי דער יודן אויף דאס גאנצי יאהר / Gebete der Juden auf das ganze Jahr. 2. Teil von תפילות ישראל / Tefilot Jisrael. Übersetzung mit Anmerkungen und Vorerinnerung von David Friedländer. Orientalische Buchdruckerei, Berlin 1786.

ספר הנפש (Sefer Ha-Nefesch). Moses Mendelssohns Abhandlung „Die Seele“. Hrsg. und aus dem Hebr. ins Deutsche übersetzt und mit einem Vorwort versehen von David Friedländer. Orientalische Buchdruckerei, Berlin 1787.

מגלת קהלת (Megilat Kohelet / Der Prediger). Übersetzt von David Friedländer anhand des Biur von Moses Mendelssohn. Orientalische Buchdruckerei, Berlin 1788.

הפטרה לשחרית יום הכפורים (Haftara le-shacharit jom ha-kipurim / Thora-Lesung zum Morgengebet des Versöhnungstages). Vorwort und Übersetzung von David Friedländer. Orientalische Buchdruckerei, Berlin 1788

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