David William Donald Cameron, Baron Cameron of Chipping Norton PC (* 9. Oktober 1966 in London) ist ein britischer Politiker. Er war vom 11. Mai 2010 bis zum 13. Juli 2016 Premierminister des Vereinigten Königreichs und von 2005 bis 2016 Parteiführer der Conservative Party. Cameron war Initiator des Referendums über die Unabhängigkeit Schottlands sowie des Brexit-Referendums. Nach der Entscheidung der britischen Wähler für den Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union trat er zurück. Seine Nachfolgerin im Amt des Premierministers wurde am 13. Juli 2016 Innenministerin Theresa May. Vom 3. November 2023 bis 5. Juli 2024 kehrte er als Außenminister im Kabinett von Rishi Sunak vorübergehend in die aktive Politik zurück.
David Cameron wuchs als drittes von vier Kindern in Peasemore (Berkshire) in England auf. Seine Mutter ist Mary Fleur Mount, eine Tochter von Sir William Malcolm, dem zweiten Baronet Mount. Sein Vater Ian Donald Cameron (1932–2010) arbeitete als Börsenmakler und war eine Zeitlang Chairman des prestigeträchtigen Londoner White’s Club.
David Cameron verbrachte seine Schulzeit auf zwei renommierten privaten Schulen: zunächst auf der Heatherdown School, einer Vorbereitungsschule in Winkfield (nahe Ascot), und dann am Eton College. Sein frühes Interesse galt der Kunst. Nach einem Gap Year, in dem er in Hongkong für Jardine Matheson Holdings und als Assistent für den konservativen Abgeordneten Tim Rathbone (1933–2002) arbeitete, studierte er am Brasenose College an der University of Oxford. Während seines Studiums war er Mitglied der exklusiven Studentenvereinigung Bullingdon Club; politischen Debattierclubs trat er nicht bei.
Einer seiner Professoren, Vernon Bogdanor, bezeichnete ihn als einen seiner fähigsten Studenten und beschrieb seine politischen Ansichten als die eines gemäßigten und vernünftigen Konservativen. 1988 beendete Cameron sein Studium in dem interdisziplinären Studiengang PPE (Philosophy, Politics and Economics) mit Auszeichnung.
Von 1988 bis 1992 arbeitete Cameron im Conservative Research Department der Conservative Party, das damals weithin als eine Kaderschmiede für zukünftige konservative Führungskräfte galt; zuständig war er für den Bereich Trade and Industry, Energy and Privatisation (Handel und Industrie, Energie und Privatisierung). Seine Aufgaben umfassten dabei auch das Redenschreiben und die Vorbereitung auf öffentliche Auftritte von Kabinettministern. 1991 arbeitete er auch im Beratungsteam von Premierminister John Major in der Downing Street, um diesen für die damals noch zweimal wöchentlich stattfindenden Prime Minister’s Questions mit Material vorzubereiten. Außerdem wurde er später persönlicher Berater der Regierung unter John Major, zunächst als Berater des britischen Schatzamtes unter Norman Lamont; in dieser Zeit ereignete sich die Pfundkrise am „Schwarzen Mittwoch“ 1992, welche Majors Regierung einen schweren Schlag versetzte. Danach folgte eine Zeit im britischen Innenministerium für Michael Howard. In dieser Zeit freundete sich Cameron mit anderen aufstrebenden jungen Tories wie Ed Vaizey, Steve Hilton und Edward Llewellyn an.
1994 wechselte Cameron in die Wirtschaft. Von 1994 bis 2001 war er beim Medienunternehmen Carlton Communications tätig und stieg innerhalb von zwei Jahren zum Director of Corporate Affairs auf. Bis August 2005 war er Manager bei Urbium plc, einem Unternehmen, das eine Kette von Bars namens 'Tiger Tiger' betreibt. Im Juni 2001 wurde er ins britische Unterhaus gewählt.
David Cameron heiratete am 1. Juni 1996 Samantha Sheffield (* 1971). Mit ihr hat er vier Kinder, von denen der 2002 geborene Sohn Ivan an zerebraler Kinderlähmung und schwerer Epilepsie litt und am 25. Februar 2009 im Alter von sechs Jahren starb. Ivan galt als privater Mittelpunkt für Cameron und seine Familie. Ungewöhnlich öffentlich nahmen auch das britische Unterhaus sowie weite Teile der Bevölkerung an der Trauer der Familie Anteil.
Sowohl David Cameron, der ein Nachfahre von Wilhelm IV. ist, als auch seine Frau Samantha, deren Abstammung auf König Karl II. zurückgeht, sind weitläufig mit dem britischen Königshaus verwandt und gehören der englischen Landeskirche Church of England an.
Cameron bewarb sich 1997 erstmals um ein Mandat im Unterhaus und trat dabei als Kandidat der Conservative Party für den umkämpften Wahlkreis Stafford an. Er unterlag dem Kandidaten der Labour Party David Kidney. Für die Wahl 2001 gelang es ihm, im Wahlkreis Witney, Oxfordshire, einem traditionell konservativ dominierten Wahlkreis, als Nachfolger von Shaun Woodward, der zu Labour gewechselt war, für die Konservativen zu kandidieren. Er gewann diesen Wahlkreis sowohl bei der Unterhauswahl im Juni 2001 als auch bei späteren Wahlen mit einer komfortablen Mehrheit.
In Bezug auf die Befürwortung des Irakkrieges folgte Cameron, wie auch in anderen Fragen, der offiziellen Parteilinie. Anders als seine langjährigen Freunde und engen Verbündeten Michael Gove und George Osborne, die beide den Krieg und die neokonservative Agenda voll unterstützten, schwenkte Cameron erst nach anfänglichem Zögern auf die Linie der Blair-Regierung und der konservativen Führung. Seine Entscheidung begründete er damit, dass er die special relationship zwischen den USA und Großbritannien, die er für „instrumental“ für den Fortbestand der NATO und die Friedensordnung nach 1945 hielt, anderenfalls für gefährdet ansah.
Cameron hielt seine erste Rede im House of Commons noch im Juni 2001 und wurde auch schon im Juni 2003 Mitglied des Schattenkabinetts und Shadow Deputy Leader of the House of Commons. 2004 wurde er zu einem führenden Schattenminister ernannt.
Am Entwurf des Wahlmanifests 2005 der Tories war er maßgeblich beteiligt. Nach der Wahlniederlage der Konservativen bei der Unterhauswahl übernahm er einen kultusminister-ähnlichen Posten im Schattenkabinett. Sein Hauptaugenmerk richtete er auf Reformen im Schulsystem.
Nach dem Sieg der Labour Party bei der Unterhauswahl im Mai 2005 gab der konservative Parteiführer Michael Howard seinen Rücktritt bekannt. Er legte den Termin für die Wahl seines Nachfolgers zunächst auf Anfang Dezember, um Zeit für eine Reform des komplizierten Wahlverfahrens zu gewinnen. Dies konnte er allerdings nicht durchsetzen.
Am 29. September 2005 gab Cameron offiziell seine Kandidatur für die Parteiführung bekannt. Er wurde dabei von vielen hochrangigen Parteikollegen unterstützt, hatte aber vor dem Parteitag der Konservativen Partei Anfang Oktober 2005 keine weitere nennenswerte Unterstützung bekommen. Ein bedeutender Wendepunkt seines innerparteilichen Wahlkampfes war seine Nominierungsrede auf dem Parteitag selbst. Neben seinem Versprechen, die inhaltliche Aufstellung und die damit einhergehende Wahrnehmung der Partei als elitär und altmodisch zu modernisieren, verbreiterte sein Verzicht auf einen Teleprompter und jegliche Notizen nach Einschätzung der BBC seine Stimmbasis in erheblichem Umfang.
Auch bei späteren bedeutenden Anlässen (zum Beispiel Parteitagen) sprach Cameron frei.
Im Laufe des Wahlkampfes zum Parteichef geriet Cameron wegen angeblichen früheren Drogenkonsums unter Druck. Als er am Rande einer Konferenz gefragt wurde, ob er Drogen genommen habe, antwortete er, er habe „normale“ Erfahrungen auf der Universität gemacht. Als er während der BBC-Sendung Question Time zu einer Antwort gedrängt wurde, bestand er darauf, dass jeder das Recht habe, in seiner Jugend Fehler zu machen, und Anspruch auf ein Privatleben vor der politischen Karriere habe. Er merkte zudem an, dass Mitglieder des regierenden Labour-Kabinetts auf solche Fragen auch nicht antworteten. Auch Camerons sozialer Hintergrund sorgte während des Wahlkampfes für Gesprächsstoff und wurde immer wieder mit der Aufsteigervita seines Rivalen David Davis verglichen.
Im ersten Wahlgang am 18. Oktober 2005 erzielte Cameron mit 56 Stimmen zwar ein besseres Ergebnis als erwartet, lag aber dennoch hinter David Davis, der 62 Stimmen erhielt. Im zweiten Wahlgang am 20. Oktober 2005 gewann Cameron haushoch gegen Davis. Daraufhin wurde nun eine Urwahl durchgeführt, bei der alle Parteimitglieder wahlberechtigt waren. Cameron erhielt mehr als doppelt so viele Stimmen wie Davis.