Dave Winer (* 2. Mai 1955 in Brooklyn, New York City) ist ein US-amerikanischer Softwareentwickler, Unternehmer und Autor in New York City. Winer ist bekannt für Gliederungseditoren, Scripting, Content-Management und Webservices, ebenso für Blogging und Podcasting. Er ist der Gründer der Software-Firmen Living Videotext und Userland Software, ehemaliger Kolumnist des Web Magazins HotWired, Verfasser des Scripting News Blog, ehemaliger Forschungsstipendiat an der Harvard University, und zur Zeit Gastwissenschaftler am Arthur L. Carter Journalism Institute der New York University.
Winer wurde am 2. Mai 1955 in Brooklyn geboren als Sohn von Eve Winer, Ph.D., einer Schulpsychologin, und Leon Winer, Ph.D., vormals Professor an der Columbia University Graduate School of Business, der am 3. Oktober 2009 verstarb. Winer ist auch der Großneffe des freien Schriftstellers Arno Schmidt und ein Verwandter von Hedy Lamarr. Er absolvierte die Bronx High School of Science im Jahr 1972. Winer erwarb 1976 den Titel eines Bachelor in Mathematik an der Tulane University in New Orleans. Er erhielt 1987 den Titel eines Master of Science in Informatik von der University of Wisconsin–Madison.
Dave Winer wurde 1979 bei Personal Software angestellt, wo er an seiner eigenen Idee namens VisiText arbeitete, seinem ersten Versuch, ein markttaugliches Produkt mit einer „expand and collapse“ Gliederungsansicht herzustellen. Er verließ die Firma 1981 und gründete Living Videotext, um das damals noch immer unfertige Produkt auf den Markt zu bringen. Der Firmensitz war Mountain View, Kalifornien, und der Betrieb stellte in kurzer Zeit über 50 Mitarbeiter an.
ThinkTank, ein Gliederungseditor, der auf Visitext beruhte, kam 1983 für den Apple II heraus und wurde als „Ideen-Prozessor“ angepriesen. Die Software wurde zum „ersten populären Gliederungseditor; das Produkt, das den Sammelbegriff etablierte.“ ThinkTank wurde 1984 auch für den IBM PC aufgelegt.
Ready, ein Gliederungseditor für den IBM PC, der 1985 aufgelegt wurde und auf dem „Terminate and Stay Resident“ Prinzip beruhte, war ein Markterfolg, wurde jedoch bald vom Konkurrenzprodukt Borlands verdrängt.
MORE, 1986 für den Apple Macintosh aufgelegt, verband einen Gliederungseditor mit einem Präsentationsprogramm. Diese Software wurde der „unangefochtene Marktführer“ und gewann 1986 den MacUser's Editor’s Choice Preis als „Bestes Produkt“.
Auf der Höhe des Erfolgs verkaufte Winer Living Videotext 1987 an Symantec für eine unbezifferte, jedoch stattliche Beteiligung, die „ein Vermögen wert“ war. Winer arbeitete weiterhin bei Symantecs Living Videotext Abteilung, verließ die Firma aber nach sechs Monaten, um anderen Herausforderungen nachzugehen.
Winer gründete Userland Software 1988 und leitete die Firma als Geschäftsführer bis 2002.
Nach dem fehlgeschlagenen Versuch, UserLands Hauptprodukt Frontier als Skriptsprache für den Mac zu etablieren, entzündete sich Winers Interesse am Web Publishing, als er im November 1994 bei der Automation der Online-Zeitung Hand anlegte, die von den Streikenden im Zeitungs-Streik von San Francisco herausgegeben wurde, und damit, laut Newsweek, das „Net Publishing revolutionierte.“ Winer konzentrierte in der Folge die Energien seiner Firma auf Web Publishing Produkte, die er selbst enthusiastisch bewarb, und die er auf experimentierfreudige Weise beim Entwickeln seiner Websites einsetzte. Eines dieser Produkte war Frontiers NewsPage Suite, mit der Winer sein Scripting News Blog unterhielt und die von einer Gruppe Nutzern aufgenommen wurde, die „mit ihren eigenen Sites herumzuspielen begannen in der Manier von Scripting News.“ Unter diesen Nutzern befanden sich insbesondere Chris Gulker und Jorn Barger, die das Blogging als sozial vernetzte Praxis definierten.
Winer wurde 1997 von der renommierten Konferenz-Veranstalterin Seybold Seminars als Berater aufgrund seiner „Pionier-Arbeit in Web-Publishing Systemen“ eingestellt. Beflissen, die „in hartem Wettbewerb stehende Arena der High-End-Web-Entwicklung“ zu betreten, begann Winer darauf mit Microsoft das XML-RPC Protokoll zu entwickeln. Dies führte in Zusammenarbeit mit Don Box, Bob Atkinson and Mohsen Al-Ghosein auch zu SOAP.
Um „sehr viel zeitgerechtere Informationen“ anbieten zu können, entwarf Winer im Dezember 1997 ein XML-Content-Syndication-Format, das er auf seinem Scripting News Blog umsetzte, und damit einen frühen Beitrag zu Content-Syndication im Web leistete. Im Dezember 2000 befanden sich unter den konkurrierenden RSS-Varianten mehrere Spezifikationen von Netscapes RSS, Winers RSS 0.92, und ein auf RDF-beruhendes RSS 1.0. Winer entwickelte RSS 0.92 weiter und brachte 2002 eine Version namens RSS 2.0 heraus. Winers Befürwortung von Content-Syndication im Allgemeinen und RSS 2.0 im Besonderen überzeugte viele Nachrichten-Organisationen, ihre Inhalte in diesem Format bereitzustellen. Die New York Times traf zum Beispiel im Frühjahr 2002 ein Abkommen mit UserLand Software, viele ihrer Artikel im RSS 2.0 Format zu veröffentlichen.
Mit Produkten und Diensten, die auf seinem Frontier-System beruhten, wurde Winer 1999 zu einem Marktführer in Blogging-Applikationen, sowie zu einem „führenden Evangelisten der Weblogs.“
Im Jahr 2000 entwickelte Winer die Outline Processor Markup Language (OPML), ein XML-Format für Gliederungen, das ursprünglich als Dateiformat für Radio UserLands Gliederungs-Applikation diente, seither jedoch andere Anwendungen gefunden hat, wie zum Beispiel Feed-Listen zwischen Feedreadern auszutauschen.
Winer wurde 2002 von InfoWorld unter den „Zehn Größten Technologie-Innovatoren“ genannt.
Im Juni 2002 unterzog sich Winer einer Bypass-Operation, um einem Herzinfarkt vorzubeugen, und trat darauf als Geschäftsführer von UserLand Software zurück. Er blieb allerdings Mehrheitsaktionär der Firma und beanspruchte Weblogs.com als Privatbesitz.
Als „einer der fruchtbarsten Inhalts-Produzenten in der Geschichte des Webs“ absolvierte Winer eine lange Karriere als Autor und zählt als eine der „einflussreichsten Web Stimmen“ des Silicon Valley.
Er lancierte DaveNet, ein „Bewusstseins-Strom Mitteilungsblatt per E-mail verteilt“ im November 1994 und unterhielt Web-Archive dieser „albernen und informativen“ 800-Wort Kolumnen seit dem Januar 1995, womit er sich im März 1995 einen Cool Site of the Day Preis verdiente. DaveNet war seit Beginn eine beliebte Lektüre unter führenden Köpfen der Online-Industrie. Unzufrieden mit der Qualität der Berichterstattung in der Fachpresse über Apple und, insbesondere, über seine eigene Frontier Software, sah Winer DaveNet als Chance, die konventionellen Nachrichten-Kanäle der Softwareindustrie zu „umgehen“. Er „ergötzte sich an der neuen direkten E-mail Verbindung, die er mit seinen Kollegen und Berufsgenossen hergestellt hatte, und an der neu gewonnenen Fähigkeit, damit die Medien zu umgehen.“ In den frühen Jahren benutzte Winer DaveNet oft, um seiner Frustration gegenüber der Geschäftsleitung Apples Ausdruck zu verleihen. Als Folge seiner oft ungehaltenen Kritik wurde er zum „Berüchtigtsten unter den verstimmten Apple-Entwicklern.“ Redigierte DaveNet Kolumnen erschienen wöchentlich im Web Magazin HotWired zwischen Juni 1995 und Mai 1996. DaveNet wurde 2004 eingestellt.
Winer lancierte Scripting News, anerkannt als „eines der ältesten Blogs“ im Februar 1997 und wurde damit bekannt als „Protoblogger“ bzw. als „Vorvater des Bloggens.“ Scripting News begann als „ein Zuhause für Links, beiläufige Beobachtungen und Ephemera“ und erlaubte es Winer, „seine Rollen als weithin gelesener Kommentator und ambitionierter Unternehmer“ miteinander zu vermengen. Als „fortlaufend aktualisiertes Abbild, wie man in den 1990er-Jahren Web-Software schrieb“ wurde die Website zur „allgemein anerkannten Pflichtlektüre der Branchen-Kenner.“ Scripting News erscheint bis heute.