Der Begriff Dauerwelle (Abkürzung: DW) bezeichnet den chemischen Umformungsprozess, bei dem glatte Haare gewellt oder gelockt werden. Umgangssprachlich wird auch eine Frisur mit dauergewelltem Haar einfach als Dauerwelle bezeichnet. Eine Dauerwelle kann professionell von einem Friseur im Salon gearbeitet werden, es gibt aber auch Produkte zur Anwendung zu Hause.
Die Haarverformung erfolgt durch eine chemische Reaktion am Haarkeratin. Dabei werden die Cystinbindungen im Haarkeratin, die für die mechanische Festigkeit verantwortlich sind, durch Reduktion mit Thioglykolsäure aufgebrochen. Das erweichte Haar kann nun mittels Lockenwickler in die gewünschte Form gebracht werden. Durch Oxidation mit Wasserstoffperoxid können die Disulfidbindungen, die für die Stabilität sorgen, aus den reduzierten Sulfhydrylgruppen wiederhergestellt werden. Das Haar bleibt nun in der vorgegebenen Form.
Um 1872 erfand der Franzose Marcel Grateau das Ondulieren mit einem (schon vorher anders benutzten) Welleisen (siehe dazu auch Frisiertechniken#Ondulation).
1906 erfand Karl Ludwig Nessler die erste Dauerondulation (Heisswelle) mittels chemischer und thermischer Behandlung, die Dauerwelle, die 1910 patentiert wurde. Bei ihr wurden mit Borax getränkte Haarsträhnen auf Spiralwicklern vertikal aufgedreht und mittels einer Zange einzeln erhitzt. Am 8. Oktober 1906 wurde in London die erste elektrisch betriebene Dauerwellenapparatur vorgestellt.
1924 entwickelte Josef Mayer (1881–1952) in Karlsbad die sogenannte Flachwicklung. Die erste chemisch erzeugte Dauerwelle wurde von Clark und Speakman im Jahr 1932 eingeführt.
Mit Sulfit wurden die Disulfidbrücken der Haare gespalten, so dass es verformbar wurde. Anschließend erfolgte eine Wärmebehandlung zur Formgebung, wobei erneut Disulfidbrücken gebildet werden.
Im Jahr 1940 wurde die Thioglykolsäure zur Reduktion der Disulfidbindungen im Haarkeratin entdeckt. Seit 1947 ist die Kalt-Dauerwelle bzw. Kaltwelle üblich, bei der das Keratin des Haares nur chemisch erweicht und neu geformt wird. In den 1970er Jahren war der Afro-Look mit extrem kleinen krausen Locken populär, das Haar wurde nicht geföhnt, sondern an der Luft getrocknet. In den 1990er Jahren wurde Dauerwelle zur Unterstützung der Fönfrisuren genutzt. Ein kurzes Hoch erlebte die luftgetrocknete Dauerwelle mit groben Locken bei langen Haaren Anfang der 2000er Jahre. Zurzeit ist die Dauerwelle wieder zur Unterstützung einer Fönfrisur oder im langen Haar gefragt, allerdings bei weitem nicht mehr so verbreitet wie noch in den 70er und 80er Jahren.
Kurzzeitige Formveränderung (saure Dauerwelle: pH-Wert 6 bis 6,9)
Durch das Einwirken von Wasser werden die Wasserstoffbrückenbindungen des Haarkeratins gelöst. Das Haar wird dadurch dehn- und formbarer. Bei „Fönfrisuren“ bringt man das feuchte Haar zunächst in die gewünschte Form und lässt dann das Wasser verdunsten. Die Haltbarkeit von Fönfrisuren ist jedoch gering. Durch Haarfestiger oder Haarlacke kann die Haltbarkeit leicht gesteigert werden.
Dauerhafte Formveränderung (alkalische Dauerwelle: pH-Wert 7,1 bis 9)
Bei der Dauerwelle wird das Ergebnis ausschlaggebend durch die Wahl der Styler bestimmt. Um diese Wahl korrekt treffen zu können, muss vor der Anwendung einer Dauerwelle eine genaue Prüfung des Haares vom Friseur vorgenommen werden. Dabei sollten mit einem Haarstärkenmessgerät eine Planmessung und eine Schlaufenmessung durchgeführt werden.
Dünnes Haar lässt sich schlechter in eine Dauerwelle bringen als dickes Haar. Das liegt daran, dass bei dickem Haar mehr umformbares Keratin zur Verfügung steht und eine höhere Saugfähigkeit und Kapillarität als bei dünnem Haar vorliegt. Durch die Kapillarwirkung kann sich das Dauerwellmittel im gesamten Haar verteilen. Durch die Saugfähigkeit wird das Haar gequollen und die Flüssigkeit in die Faserschicht geleitet.
Bei der Dauerwelle wird das Haar somit in zwei Kategorien unterteilt:
Schwer wellbares Haar (Haarstärke unter 0,05 mm und ovales oder bandförmiges Haar)
Normal wellbares Haar (rundes Haar mit einer Haarstärke über 0,05 mm)
Anhand der gemessenen Haarstärke und dem Haarquerschnitt lassen sich Wellflüssigkeit und Styler wählen:
Bei schwer wellbarem Haar werden Lockenwickler verwendet, die 1–2 Nummern kleiner sind als normalerweise für das gewünschte Ergebnis benötigt. Die Wellflüssigkeit sollte extra für schwer wellbares Haar mit geschlossener Struktur sein.
Bei normal wellbarem Haar werden direkt die Lockenwickler verwendet, die dem gewünschten Ergebnis entsprechen. Außerdem wird eine Wellflüssigkeit für normales bis leicht poröses Haar verwendet.