Dario Franchitti (* 19. Mai 1973 in Edinburgh, Schottland) ist ein ehemaliger britischer Automobilrennfahrer. Er fuhr von 2002 bis 2013 in der IndyCar Series und gewann 2007, 2009, 2010 und 2011 den Meistertitel. 2007, 2010 und 2012 entschied er das Indianapolis 500 für sich. Von 2008 bis 2013 trat er für Chip Ganassi Racing an.
Anfänge im Motorsport (1984–1994)
Franchitti begann seine Karriere wie die meisten Motorsportler im Kartsport, in dem er von 1984 bis 1990 aktiv war. Er gewann 1984 die schottische Juniorenkartmeisterschaft, 1985 und 1986 die britische Juniorenkartmeisterschaft und 1988 die schottische Kartmeisterschaft. 1991 gab er in der britischen Formel Vauxhall Junior sein Debüt im Formelsport und gewann auf Anhieb den Meistertitel dieser Serie. Ein Jahr später startete er für Paul Stewart Racing in der britischen Formel Vauxhall und wurde Vierter dieser Meisterschaft. Außerdem wurde er in dem Jahr mit dem McLaren Autosport BRDC Award ausgezeichnet. 1993 blieb er bei seinem Team und gewann den Meistertitel der britischen Formel Vauxhall.
Nachdem er mit Paul Stewart Racing bereits 1993 bei einem Rennen sein Debüt in der britischen Formel-3-Meisterschaft gegeben hatte, bestritt er 1994 die komplette Saison in dieser Serie und wurde mit einem Sieg Vierter in der Gesamtwertung.
1995 wechselte er in den Tourenwagensport und startete für Mercedes-AMG in einem Mercedes-Benz C-Klasse. Er nahm sowohl an der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) als auch an der verwandten International Touring Car Championship (ITC) teil. Während er die DTM-Saison auf dem fünften Gesamtrang beendete, wurde er mit einem Sieg Dritter der ITC. 1996 blieb er in der ITC, die inzwischen mit der DTM verschmolzen worden war, und wurde mit einem Rennsieg in Suzuka Vierter in der Meisterschaft.
1997 wechselte Franchitti in die CART-Serie nach Nordamerika und bestritt seine Debütsaison für Hogan Racing. Am Ende der Saison belegte er den 20. Gesamtrang. 1998 erhielt er ein Cockpit beim Team Green und wurde Teamkollege von Paul Tracy. Franchitti gewann drei Rennen und wurde Dritter in der Gesamtwertung mit deutlichem Vorsprung auf seinen Teamkollegen Tracy. 1999 bestritt Franchitti seine dritte Saison in der CART-Serie. Für das Team Green gewann er drei Rennen und lag am Saisonende punktgleich mit Juan Pablo Montoya an der Spitze des Feldes. Er verlor den Meistertitel gegen Montoya, weil er weniger Siege erzielt hatte, und wurde Vizemeister.
Vor der Saison 2000 hatte Franchitti einen schweren Unfall bei Testfahrten. Zwar startete er in der Saison wie gewohnt, erreichte aber nicht mehr die Form des Vorjahres und erzielte mit zweiten Plätzen als beste Resultate den 13. Gesamtrang. 2001 verbesserte er seine Form und belegte mit einem Sieg den siebten Platz in der Meisterschaft. 2002 gelangen ihm wieder drei Siege. Unter anderem gewann er das Rennen in Vancouver, wo er den Rennsieg seinem 1999 verstorbenen Freund Greg Moore widmete.
Nachdem er bereits 2002 beim Indianapolis 500 sein Debüt in der Indy Racing League gegeben hatte, trat er 2003 bei drei Rennen der inzwischen in IndyCar Series umbenannten Meisterschaft an. Er startete für Andretti Green Motorsport, das aus einer Fusion seines alten Rennstalls entstanden war. Am Saisonende belegte er den 25. Gesamtrang. Die restlichen Saisonrennen musste er auslassen, da er sich bei einem privaten Motorradunfall eine Rückenverletzung zugezogen hatte. 2004 kehrte Franchitti wieder in sein Cockpit zurück und wurde mit zwei Siegen Sechster im Gesamtklassement. Ein Jahr später gewann er erneut zwei Rennen und verbesserte sich auf den vierten Gesamtrang. In beiden Jahren gewann mit Tony Kanaan bzw. Dan Wheldon einer seiner Teamkollegen den Meistertitel der IndyCar Series.
2006 blieb Franchitti erneut bei Andretti Green Motorsport. Er blieb nach zwei Saisons erstmals sieglos und belegte den achten Gesamtrang. 2007 gewann er erstmals das Indianapolis 500. Im anschließenden Saisonverlauf hatte er zwei schwere Unfälle, die er unverletzt überstand. Er gewann weitere drei Rennen und sicherte sich am Saisonfinale den Meistertitel der IndyCar Series vor Scott Dixon. Nach dem Gewinn der Meisterschaft, entschloss sich Franchitti die IndyCar Series zu verlassen. Er hatte bereits während der Saison an Rennen der NASCAR Busch Series sowie der NASCAR Craftsman Truck Series sowie der ARCA Racing Series und der American Le Mans Series (ALMS) teilgenommen.
2008 startete er für Chip Ganassi Racing in einem Dodge im NASCAR Sprint Cup. Er war damit der erste Europäer in der Geschichte der NASCAR, der Vollzeit in der Serie fahren sollte. Nachdem er zunächst wegen einer Verletzung pausieren musste, beendete sein Team wegen finanzieller Probleme die Saison vorzeitig. In der Gesamtwertung wurde er 42. Darüber hinaus nahm er auch an Rennen der NASCAR Nationwide Series teil und startete abermals in der ALMS und der ARCA Racing Series. In der Rolex Sports Car Series gewann er das 24-Stunden-Rennen von Daytona zusammen mit seinen Teamkollegen Juan Pablo Montoya, Scott Pruett und Memo Rojas. Am Ende des Jahres nahm er an einem nicht zur Meisterschaft zählenden Rennen der IndyCar Series teil und trat dabei erstmals für Chip Ganassi Racing zu einem IndyCar-Rennen an.
2009 kehrte Franchitti in die IndyCar Series zurück und blieb bei Chip Ganassi Racing. Nachdem er bereits vier Rennen gewonnen hatte, hatte er vor dem Saisonfinale in Homestead zusammen mit seinem Teamkollegen Dixon und Ryan Briscoe Chancen auf den Meistertitel. Die drei Piloten machten in dem Rennen sowohl den Sieg als auch den Titelgewinn mehr als deutlich unter sich aus. Die anderen Fahrer hatte mindestens eine Runde Rückstand auf das Führungstrio. Das Rennen verlief zum ersten Mal in der Geschichte der IndyCar Series ohne eine Unterbrechung, sodass die Entscheidung über den Sieg nur durch benzinsparende Fahrweise von Franchitti gewonnen wurde, welcher im Gegensatz zu Briscoe und Dixon einen zusätzlichen Tankstopp wenige Runden vor Schluss vermied. Somit gewann Franchitti den zweiten Meistertitel seiner Karriere vor seinem Teamkollegen Dixon und Briscoe. Darüber hinaus nahm er an Rennen der Rolex Sports Car Series sowie der ALMS teil.
2010 blieb Franchitti zusammen mit Dixon bei Chip Ganassi Racing. Beim Indianapolis 500 gelang ihm sein erster Sieg in der Saison und sein zweiter in Indianapolis. Franchitti führte das Rennen zudem die meisten Runden an. In Lexington und Joliet folgten weitere Siege. Franchitti führte die Meisterschaft während der Saison nur für ein Rennen an. Bei den restlichen Rennen lag Will Power auf dem ersten Platz. Die beiden Rennfahrer kämpften bis zum letzten Rennen um den Titel. Beim Saisonfinale in Homestead reichte Franchitti schließlich ein achter Platz um den Titel zu verteidigen und zum dritten Mal die IndyCar Series zu gewinnen. Nachdem er das Rennen über die meisten Runden angeführt hatte, musste er, nachdem Power mit einem selbst verschuldeten Aufhängungsschaden ausgeschieden war, nur unter den ersten zehn Piloten ins Ziel kommen. Der Titelkampf wurde durch unterschiedliche Leistungen der beiden Rennfahrer bestimmt. Während Power auf den Rundstrecken zum Teil überlegen fuhr und auf den Ovalen größtenteils nicht mit der Spitze mithalten konnte, überzeugte Franchitti mit konstant guten Leistungen auf allen Streckentypen. 13 von 17 Rennen beendete er unter den ersten fünf Piloten. Mit 602 zu 597 Punkten entschied Franchitti den Titelkampf für sich. Zudem gewann er die erstmals vergebene A.J.-Foyt-Trophäe, die der beste Pilot auf den Ovalkursen erhielt. Außerdem nahm Franchitti erneut am 24-Stunden-Rennen von Daytona teil.
Als Titelverteidiger trat Franchitti 2011 für Chip Ganassi Racing an. Mit einem Sieg beim Saisonauftakt in Saint Petersburg und zwei dritten Plätzen aus den ersten drei Rennen startete er in die Saison. Bei der zweiten Oval-Veranstaltung in Fort Worth folgte im ersten Rennen ein weiterer Sieg. Für das zweite Rennen, bei dem die Startaufstellung gelost wurde, zog Franchitti den 28. von 30 Startplätzen. Im Rennen machte er einige Positionen gut und kam auf dem siebten Platz ins Ziel. Beim nächsten Ovalrennen in West Allis erzielte er seinen dritten Saisonsieg. Bei der Rückkehr auf die Straßenkurse entschied Franchitti das Rennen in Toronto für sich. Dabei fiel er nicht nur durch eine passende Strategie, sondern auch durch eine Kollision mit Power auf. Die nächsten beiden Rennen auf Straßenkursen beendete er ebenfalls auf dem Podium. Beim zweitletzten Rennen unterlag er mit 0,0098 Sekunden nur knapp Ed Carpenter und wurde Zweiter. Vor dem letzten Rennen führte Franchitti die Meisterschaft mit 573 zu 555 Punkten vor Power an. Das letzte Saisonrennen in Las Vegas wurde infolge eines Massenunfalls abgebrochen und nicht gewertet. Franchittis vierter Titelgewinn wurde dabei vom Tod seines ehemaligen Teamkollegens und langjährigen Freundes Dan Wheldon, den er seit dessen sechsten Lebensjahr kannte, überschattet. Franchitti und Power wechselten sich im Laufe der Saison mehrmals an der Tabellenführung ab. Beim 24-Stunden-Rennen von Daytona erzielte Franchitti in dieser Saison zusammen mit seinen Teamkollegen Scott Dixon, Juan Pablo Montoya und Jamie McMurray den zweiten Platz.