An diesem Tag

Daphne Caruana Galizia

Maltesische Journalistin und Bloggerin

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Daphne Caruana Galizia (* 26. August 1964 als Daphne Anne Vella in Sliema; † 16. Oktober 2017 in Bidnija) war eine maltesische Journalistin und Bloggerin. Sie war für ihre investigative Arbeit bekannt und dafür, kontroverse und heikle Informationen offenzulegen. Im Oktober 2017 wurde sie durch ein Attentat mit einer Autobombe ermordet.

Im November 2019 traten Tourismusminister Konrad Mizzi und Keith Schembri, der Stabschef des Premierministers, zurück; Wirtschaftsminister Chris Cardona ließ mitteilen, dass er sein Amt ruhen lasse. Zuvor waren Indizien bekannt geworden, dass eine Person aus Regierungskreisen das Attentat in Auftrag gegeben hatte. Am 1. Dezember 2019 kündigte Premierminister Joseph Muscat seinen Rücktritt an. Er werde im Amt bleiben, bis seine Partei im Januar 2020 einen neuen Vorsitzenden wähle.

Zwischen 2021 und 2025 wurden mehrere Personen aus dem kriminellen Milieu wegen des Mordes verurteilt. Der Prozess gegen einen bekannten Geschäftsmann wegen Beteiligung an dem Mord begann am 1. Juli 2026 und endete am 2. September 2026 mit einem Freispruch.

Daphne Anne kam 1964 in Sliema als Tochter von Michael Alfred Vella und Rose Marie Mamo zur Welt. Sie besuchte die Schule des Klosters St. Dorothy in Mdina und das St. Aloysius College in Birkirkara und schloss 1997 an der Universität Malta ihr Studium mit einem Bachelorexamen in Archäologie ab. 1985 heiratete sie Peter Caruana Galizia; das Ehepaar bekam drei Söhne. Die Familie lebte in Bidnija, einem kleinen Dorf, das zu Mosta gehört.

1987 begann Caruana journalistisch zu arbeiten. Sie schrieb für verschiedene Zeitungen, u. a. für den Malta Independent. Anfang der 1990er Jahre schrieb sie eine regelmäßige Kolumne in der Sunday Times und wurde Mitherausgeberin des Malta Independent. Außerdem wurde sie Herausgeberin des Magazins Taste & Flair. Darüber hinaus schrieb sie einen Blog mit dem Titel Running Commentary, das Ergebnisse investigativen Journalismus sowie Kommentare zu Personalia enthielt, von denen einige von ihren Gegnern als persönliche Angriffe gewertet wurden. Ihr Blog war einer der meistgelesenen in Malta. Er wurde 2018 wieder online geschaltet.

Daphne Caruanas kontroverse Beiträge in ihrem Blog führten mehrfach zu Rechtsstreitigkeiten. 2010 erhob sie dort Vorwürfe gegen die Untersuchungsrichterin Consuelo Scerri Herrera, von der sie im Gegenzug wegen Verleumdung angezeigt wurde. Im November 2011 wurde Caruana von diesem Vorwurf freigesprochen. Die Richterin hatte zuvor angeboten, ihre Strafanzeige zurückzuziehen, wenn Caruana zugebe, die rufschädigenden Anschuldigungen selbst nicht hinreichend überprüft zu haben, was diese jedoch ablehnte. Nach Daphne Caruanas Ermordung richtete ihre Familie einen dringenden Appell an die maltesische Justiz, die gerichtliche Voruntersuchung des Falls nicht der turnusmäßig zuständigen Untersuchungsrichterin Scerri Herrera zu überlassen, da diese zu häufig mit ihr aneinandergeraten war.

Am 8. März 2013 wurde Caruana Galizia festgenommen, weil sie den politischen „Burgfrieden“ einen Tag vor den Parlamentswahlen 2013 verletzt habe. Sie hatte Dokumente veröffentlicht, die den damaligen Oppositionsführer Joseph Muscat (Arbeiterpartei) belasteten. Sie wurde von der Polizei vernommen und nach einigen Stunden wieder entlassen.

Caruana Galizia war eine entschlossene Gegnerin der autoritären Regime in der arabischen Welt. Als im nahegelegenen Libyen im Februar 2011 Proteste gegen das Gaddafi-Regime ausbrachen, organisierte sie Demonstrationen vor der libyschen Botschaft. Außerdem kritisierte sie die linke EDEK-Partei aus Zypern, der sie vorwarf, die Umstände in Libyen zu beschönigen und gute Beziehungen mit dem dortigen Regime zu unterhalten. Den involvierten Personen, so sagte sie, sei bereits lange vor den ersten Demonstrationen klar gewesen, dass in Libyen die Menschenrechte mit Füßen getreten würden. Nachdem Gaddafi im Oktober 2011 von einem Mob Aufständischer getötet worden war, schrieb sie, auch Assad sei überfällig.

Caruana Galizia war die maltesische Partnerin des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) bei der Auswertung der Panama Papers. 2016 war sie die Erste, die die Verwicklung von Konrad Mizzi und Keith Schembri in den Panama-Papers-Skandal aufdeckte. In der Folge wurde sie von dem Magazin Politico in das Ranking „POLITICO 28“ aufgenommen, das die 28 Personen auflistet, die Europa am meisten „formen, aufrütteln und anrühren“. Das Magazin bezeichnete sie als ein „Eine-Frau-WikiLeaks“ und bescheinigte ihr, dass sie „einen Kreuzzug gegen Intransparenz und Korruption“ führe.

2017 schrieb Daphne Caruana, dass die in den Skandal verwickelte panamaische Firma Egrant Michelle Muscat gehöre, der Frau von Premierminister Joseph Muscat. Diese Anschuldigungen führten dazu, dass Muscat im Juni 2017 vorzeitige Parlamentswahlen anordnete, mit dem Ergebnis, dass seine Arbeiterpartei an der Regierung blieb. Nach der Wahl zeigte sich Caruana Galizia auch als harte Kritikerin der Nationalistischen Partei Maltas unter Oppositionsführer Adrian Delia.

Caruana Galizia wurde am 16. Oktober 2017 mit einer Bombe in einem Auto getötet. Kurz nachdem sie von ihrem Haus in Bidnija aus losgefahren war, explodierte ihr gemieteter Peugeot 108. Der Pkw wurde durch die Wucht der Explosion über eine Mauer auf ein angrenzendes Feld geschleudert.

Caruana Galizia hatte wegen Morddrohungen mehrfach Strafanzeige erstattet, zuletzt zwei Wochen vor ihrem Tod.

Das Attentat wurde von Premierminister Joseph Muscat verurteilt, der trotz ihrer Kritik an ihm erklärte, er werde „nicht ruhen, bevor der Gerechtigkeit genüge getan wurde“. Präsidentin Marie Louise Coleiro Preca, Erzbischof Charles Scicluna und eine Reihe von Politikern kondolierten und verurteilten den Mord. Der ehemalige Premierminister Lawrence Gonzi sagte bei einem Trauermarsch in der Stadt Sliema, „dass Malta eine Journalistin mit außergewöhnlichem Mut verloren hat, die in schwierigen Momenten ihre Argumente hervorgebracht hat, obwohl sie sich der Risiken bewusst war“. Andrew Borg-Cardona von der Grünen Partei beschuldigte die maltesische Regierung, der Journalistin keinen Personenschutz angeboten zu haben, obwohl diese vor dem Mord bedroht worden war. Ihr Sohn Matthew, der selbst dem internationalen Investigativjournalistenverband ICIJ angehört und das Attentat auf seine Mutter aus geringer Entfernung miterlebte, nannte als Hauptgrund für ihre Ermordung ihren couragierten Einsatz gegen Gesetzesbruch und die Tatsache, dass sie damit allein gestanden habe.

Es gab auch gehässige Reaktionen. Ein Polizist, der Galizias Tod auf seiner Facebookseite gefeiert hatte, wurde vom Dienst suspendiert.

Am 22. Oktober 2017 demonstrierten in der Hauptstadt Valletta Tausende Menschen für Gerechtigkeit und forderten eine schnelle Aufklärung des Falls sowie das Ende von Korruption in Politik und Behörden. Politiker, Gewerkschafter und Präsidentin Marie Louise Coleiro Preca nahmen teil, nicht jedoch Premierminister Joseph Muscat. Galizia hatte Mitarbeiter des Premiers beschuldigt, Briefkastenfirmen zu betreiben. Die Organisation Reporter ohne Grenzen war ebenfalls auf der Kundgebung vertreten; ihr Direktor Christophe Deloire sagte: „Die Mörder wollten sie zum Schweigen bringen, sie wollen uns zum Schweigen bringen. Aber sie werden keine Minute Schweigen bekommen“.

Die EU-Kommission reagierte mit Entsetzen auf das Attentat. Präsident Jean-Claude Juncker und die Kommission verurteilten den Anschlag „mit den schärfstmöglichen Worten“, sagte ein Sprecher in Brüssel.

Am 3. November 2017 wurde Daphne Caruana Galizia in der Stadt Mosta beerdigt. Vertreter der Regierung von Malta waren auf Wunsch der Familie nicht anwesend. Hunderte Menschen nahmen an der Trauerfeier teil, darunter auch der italienische EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani (Forza Italia). Den Trauergottesdienst hielt der Erzbischof von Malta, Charles Scicluna. Er sagte, die Mörder würden „niemals der Gerechtigkeit Gottes entkommen“, und rief alle anderen Journalisten dazu auf, der Wahrheit furchtlos nachzugehen. Wörtlich sagte er: „Liebe Journalisten, wir brauchen Sie. Wir brauchen Menschen in Ihrem Beruf, die ungebunden sind, die frei sind, intelligent, wissbegierig, ehrlich, gelassen, sicher und beschützt.“ Die Söhne der ermordeten Journalistin trugen den Sarg aus der Kirche. Caruana Galizia wurde im Familienmausoleum auf dem Friedhof Santa Maria Addolorata in Paola begraben, dem großen Friedhof von Malta.

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