François Daniel Roth (* 31. Oktober 1942 in Mülhausen, Elsass) ist ein französischer Komponist, Organist und Musikpädagoge.
Daniel Roth wurde als Einzelkind des Handelsvertreters Albert René Roth (1912–1988) und seiner Frau Marie Amalie Angèle, geb. Higelin (1916–2016) in Mülhausen-Dornach geboren. Seine Muttersprache ist Deutsch im elsässischen Dialekt. Laut eigener Aussage wurde im Elternhaus von Daniel Roth Elsässisch gesprochen, während seine offizielle schulische und musikalische Ausbildung in Mulhouse vor dem Hintergrund der französischen Sprachpolitik auf Französisch erfolgte. Somit wuchs Daniel Roth zweisprachig auf. Die Familien seiner beiden Elternteile stammen aus dem Elsass: väterlicherseits aus Mutzig, mütterlicherseits aus dem Sundgau. Aus diesem Kontext erklärt sich das Selbstverständnis von Daniel Roth:
Bis zum Alter von 10 Jahren zeichnete und malte Daniel Roth viel und besuchte die École supérieure d'art de Mulhouse. Bereits als Kind erhielt er Klavierunterricht und sang in der Manécanterie des Petits chanteurs à la Croix d'ébène, einem Knabenchor in Dornach. 1952 inspirierte ein Kinobesuch des Films „Il est minuit, docteur Schweitzer“ den zehnjährigen Daniel, sich dem Orgelspiel zuzuwenden. 1955 trat er in die École Nationale de Musique de Mulhouse ein, wo er Orgel bei Joseph-Victor Meyer (1906–1960), Komposition bei Madeleine Will (1910–2012) und Klavier bei Marie-Thérèse Frey (1891–1975) studierte. 1958 erhielt er einstimmige erste Preise in Klavier und Orgel, 1959 einen Second Accessit in Kontrapunkt und ein Diplom „très bien“ in Gregorianik. Mit dem einstimmigen Prix d'Excellence in Orgel schloss Daniel Roth seine Ausbildung in Mulhouse ab und trat im gleichen Jahr in das Conservatoire de Paris ein, wo ihm bis 1970 fünf erste Preise zuerkannt wurden: Harmonielehre (1962, Klasse von Maurice Duruflé), Fuge und Kontrapunkt (1963, Klassen von Marcel Bitsch), Orgel (1963, Interpretation und Improvisation, Klasse von Rolande Falcinelli) und Klavierbegleitung (1970, Klasse von Henriette Puig-Roget). Ergänzend studierte Daniel Roth Musikgeschichte (1960–1962, Klasse von Norbert Dufourcq) und Komposition (1963–1965, Klasse von Jean Rivier).
Ab 1964 studierte Daniel Roth privat bei Marie-Claire Alain alte Musik, die Orgelwerke von Jehan Alain und Improvisation, in Vorbereitung auf internationale Wettbewerbe, von denen er fünf bedeutende gewann: Arnhem (2. Preis, 1964), Les Amis de l'Orgue – Paris (1966, Interpretation und Improvisation), Internationaler Musikwettbewerb der ARD – München (3. Preis, 1966), Aosta (1. Preis, 1970) und den Grand Prix de Chartres (1971, Interpretation und Improvisation, ex æquo mit Yves Devernay). Seit der zweiten Hälfte der Sechziger Jahre widmete er sich zunehmend einer internationalen Karriere als Konzertorganist und Improvisator und ist weltweit als Jurymitglied bei Orgelwettbewerben und Dozent für Meisterkurse gefragt.
1963 wurde Daniel Roth Stellvertreter seiner Lehrerin Rolande Falcinelli an der Basilique du Sacré-Cœur in Paris, der er 1973 als Titularorganist nachfolgte. Von 1985 bis 2023 war Daniel Roth Titularorganist in Saint-Sulpice in Paris. Seit Februar 2023 ist Daniel Roth Titulaire Emerité in Saint-Sulpice und spielt einmal pro Monat Sonntagvormittags die Messe und das Orgelkonzert („Audition“) am gleichen Tag. Seine Nachfolger als Titularorganisten sind Karol Mossakowski und Sophie-Véronique Cauchefer-Choplin.
Von 1974 bis 1976 war Daniel Roth Artist in Residence an der Basilica of the National Shrine of the Immaculate Conception und Professor für Orgel an der Catholic University of America in Washington, D.C. Nach Professuren an den Konservatorien von Marseille (1973–1979) und Straßburg (1979–1988) sowie der Hochschule für Musik Saar in Saarbrücken (1988–1995) war er von 1995 bis 2007 Professor für Orgel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. Darüber hinaus war er künstlerischer Berater beim Bau der Konzertsaalorgel von Karl Schuke in der Philharmonie Luxembourg, deren Einweihung er am 11. November 2005 spielte.
Daniel Roth wurde zum Chevalier de la Légion d’Honneur und Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres ernannt. Außerdem wurde er als „Honorary Fellow of the Royal College of Organists“ ausgezeichnet und erhielt 2006 den Preis der Europäischen Kirchenmusik in Schwäbisch Gmünd. 2015 wurde er vom New York City Chapter der American Guild of Organists als „International Performer of the Year“ ausgezeichnet.
Daniel Roths kompositorisches Schaffen umfasst Werke für Orgel, geistliche Vokalmusik, Kammermusik und Orchesterwerke. Zu seinen 2025 veröffentlichten „Fantasies et Paraphrases grégoriennes“ für Orgel (Pâlis: Chanteloup Musique, 2025) schreibt der Komponist:
Seine Diskografie umfasst mehr als 70 Einspielungen, darunter sämtliche Orgelwerke von César Franck und Camille Saint-Saëns, sowie Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, Alexandre-Pierre-François Boëly, Marcel Dupré, Alexandre Guilmant, André Jolivet, Franz Liszt, Julius Reubke, Louis Vierne (Sinfonien Nr. 1–4), Charles-Marie Widor (Sinfonien Nr. 3, 5, 6, 7, 9 und 10) und Improvisationen, vielfach an Orgeln von Aristide Cavaillé-Coll.
Seit 1968 war Daniel Roth mit Odile Josèphe-Georgette Mangin (* 9. Juni 1939; † 9. März 2015) verheiratet. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor: die Malerin, Illustratorin und Puppenbauerin Anne-Marie Roth Baud (geb. 1968), der Flötist und Dirigent François-Xavier Roth (geb. 1971), der Bratschist Vincent Roth (geb. 1974), und der Mathematiker Denis Roth.
Fantaisie sur un cantique, « Tout à l'honneur de mon Dieu » (1959 komponiert. Unveröffentlicht.)
Cinq Versets sur « Veni creator » für Orgelpositiv ohne Pedal (1965 komponiert. In: L’organiste liturgique n°53. Paris: Éditions Schola Cantorum)
Évocation de la Pentecôte (1979 komponiert. Paris: Leduc, 1979. 1996 revidiert; Revision unveröffentlicht.)
Joie, Douleur et Gloire de Marie (1990 komponiert. London: Novello, 1990)
Introduction et Canzona (1977–1990 komponiert. Leutkirch: Pro Organo, 1992)
Final Te Deum (1981 komponiert. Kassel: Bärenreiter, 1993)
Hommage à César Franck (1990 komponiert. Paris: Leduc, 1993)
Après une Lecture… (1993 komponiert. In: 1er recueil d'œuvres pour orgue. Paris: Éditions Billaudot, 1993)