Damaskus [daˈmaskʊs] (arabisch دمشق Dimaschq, DMG Dimašq, türkisch, osmanisch, kurdisch Şam, auch Dimaşk, französisch Damas) ist die Hauptstadt von Syrien und des Gouvernements Rif Dimaschq (Umgebung von Damaskus). Die Stadt hatte (Stand 1. Januar 2010) offiziell 1.834.741 Einwohner, in der Agglomeration lebten 2.831.738 Menschen. Inoffizielle Schätzungen gehen von einer wesentlich höheren Einwohnerzahl aus. Die Hauptstadt bildet ein eigenständiges Gouvernement. Es wird von einem Gouverneur regiert, der vom Innenminister ernannt wird.
Damaskus ist eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt. Sie ist ein kulturelles und religiöses Zentrum Vorderasiens. In Syrien selbst wird Damaskus häufig الشام / aš-Šām genannt; in der restlichen arabischen Welt wird dieser Name oft für das Land Syrien verwendet. Historisch steht er für die gesamte Levante. Vom seit 2011 herrschenden Bürgerkrieg in Syrien ist auch Damaskus betroffen. Die Angaben im Artikel beziehen sich im Wesentlichen auf die Zeit vor Ausbruch des Krieges.
Der Name Damaskus erschien erstmals in der geographischen Liste von Thutmosis III. als ṯmśq (𓍘𓄟𓊃𓈎𓅱) im 15. Jahrhundert v. Chr. Die Etymologie des antiken Namens ṯmśq ist unklar. Belegt ist er als Imerišú (𒀲𒋙) im Akkadischen, als ṯmśq (𓍘𓄟𓊃𓈎𓅱) im Ägyptischen, als Damašq (𐡃𐡌𐡔𐡒) im Altaramäischen sowie als Dammeśeq (דַּמֶּשֶׂק) im Biblischen Hebräisch. Mehrere akkadische Schreibvarianten finden sich in den Amarnabriefen des 14. Jahrhunderts v. Chr.: Dimašqa (𒁲𒈦𒋡), Dimašqì (𒁲𒈦𒀸𒄀) und Dimašqa (𒁲𒈦𒀸𒋡).
Spätere aramäische Schreibungen des Namens enthalten häufig ein eingeschobenes Resch (r), möglicherweise beeinflusst durch die Wurzel dr mit der Bedeutung „wohnen“. So gehen die englische und die lateinische Bezeichnung der Stadt, Damascus, auf das griechische Δαμασκός zurück, das wiederum aus dem qumranischen Darmeśeq (דרמשק) hervorging. Eine weitere Variante ist Darmsûq (ܕܪܡܣܘܩ) im Syrischen, das die Bedeutung „ein gut bewässertes Land“ trägt.
Nach altgriechischer Überlieferung existieren drei Mythen über die Herkunft des Stadtnamens (Δαμασκός). Einer besagt, die Stadt sei nach dem Riesen Ascus (Ἄσκος) benannt worden. Ein anderer führt den Namen auf Damaskos zurück, den Sohn des Hermes und der Nymphe Alimede, der aus Arkadien nach Syrien zog und dort eine Stadt gründete, die seinen Namen trug. Eine dritte Version berichtet, Damaskos sei ein Mann gewesen, der die von Dionysos in Syrien angelegten Weinberge mit einer Axt fällte. Daraufhin habe Dionysos ihn erzürnt verfolgt und gehäutet. Sein ursprünglicher Name sei Darmaskos gewesen, der später zu Damaskos verkürzt worden sei.
Im Arabischen wird die Stadt Dimashq (دمشق, Dimašq) genannt. Unter den Einwohnern in Syrien ist sie auch als aš-Šām bekannt.
Damaskus liegt 15 Kilometer östlich der Grenze Syriens zum Libanon. Südwestlich von Damaskus, in 45 Kilometer Entfernung, liegen die seit dem Sechstagekrieg von 1967 von Israel besetzten syrischen Golanhöhen. Die Grenze zu Jordanien liegt 100 Kilometer südlich von Damaskus.
Am Fuße des Berges Qasyun auf 690 Metern Höhe erstreckt sich Damaskus im Barada-Tal. Die Oase Ghuta, die von jeher Lebensader der Stadt ist, wird durch den abflusslosen Barada bewässert, der im westlichen Gebirge des Anti-Libanon entspringt und ganzjährig fließt. Östlich von Damaskus erstreckt sich die Syrische Wüste.
Die Hauptstadt gliedert sich in die Altstadt, die neueren Stadtbezirke und die Vororte Midan im Südwesten, Sarouja im Norden und Imara im Nordwesten. Die Altstadt im Zentrum von Damaskus ist von engen Straßen, überdachten Märkten und traditionellen Wohnhäusern geprägt. Das Gebiet al-Merjeh, mit seinen modernen Hochhäusern, ist der administrative und wirtschaftliche Mittelpunkt der Stadt.
Die nördlich der Altstadt an den Hängen des Kasioun (Qāsiyūn) gelegenen Stadtteile sind bereits seit vor der Staatsgründung überwiegend von Kurden bewohnt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dehnte sich die Stadt vor allem im westlich gelegenen Bezirk Mezze, entlang der Barada-Senke in Dumar im Nordwesten und auf den Steigungen der Berge bei Berze im Nordosten aus. Besonders am südlichen Stadtrand wurden in den letzten Jahrzehnten zahlreiche informelle Siedlungen, oft ohne offizielle Genehmigung, errichtet. Dort leben viele Binnenflüchtlinge, die wegen der schlechteren Lebensbedingungen auf dem Land nach Damaskus zogen.
Damaskus befindet sich in der subtropischen Klimazone. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 16,7 °C. Da östlich und damit im Regenschatten des Anti-Libanon gelegen, fallen im Einzugsgebiet der syrischen Hauptstadt nur 194 Millimeter Niederschlag pro Jahr.
Die wärmsten Monate sind Juni bis August mit durchschnittlich 24,6 bis 26,6 °C, die kältesten Monate Dezember bis Februar mit 6,2 bis 7,9 °C im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt von Oktober bis April mit durchschnittlich 12 bis 46 Millimeter, der geringste von Mai bis September mit 0 bis 5 Millimeter im Mittel.
Als großflächige Oase in einer regenarmen Landschaft war die Gegend von Damaskus schon früh ein anziehender Siedlungsraum. In Tell Ramad, einem Vorort des heutigen Damaskus, fand man Spuren einer steinzeitlichen Siedlung aus dem Präkeramischen Neolithikum B, in Tell eṣ-Ṣaliḥiyeh und in Deir Khabiye zwei Siedlungshügel aus der Bronzezeit.
Nach Eroberungszügen der Ägypter im heutigen Syrien wurde Damaskus erstmals vor rund 3.500 Jahren unter Pharao Thutmosis III. erwähnt, der den Stadtstaat Tamasqu (t-m-s-q, siehe ägyptische Hieroglyphen) eingenommen hatte. Zur Zeit Echnatons wurde es mit seinem Fürsten Namiawaza in zwei Amarna-Briefen erwähnt (139, 63; 142, 21). Damaskus blieb bis zum Ende des 2. Jahrtausend v. Chr. in ägyptischer Hand und Zentrum der Provinz Ube.
Der aramäische Territorialstaat von Aram entstand vermutlich im 13. Jahrhundert v. Chr., als die Ägypter die Kontrolle über Kanaan und Syrien endgültig verloren hatten. Damaskus stieg während der Eisenzeit zur Hauptstadt des Aramäerreiches auf. Hauptgott von Damaskus war Hadad (auch Baal Hadad, „Herr des Donners“), dem semitischen Gewittergott mit dem Beinamen Ramanu („Donnerer“).
Der Aramäerkönig Hadad-Eser („Hadad ist Hilfe“) kämpfte 853 v. Chr. in einem Bündnis von zwölf Ländern gemeinsam mit Ahab und Irhuleni von Hama in der Schlacht bei Karkara am Orontes gegen die Assyrer unter Salmānu-ašarēd III., konnte jedoch keinen dauerhaften Sieg erringen. Hadad-Eser starb zwischen 844 und 840 v. Chr., und Hasa’el wurde als neuer Dynastiegründer sein Nachfolger.
Das Bündnis mit Hamath löste sich bereits 845 v. Chr. Vier Jahre später wurden die Gärten der Oase von Damaskus bei einem erneuten assyrischen Angriff verwüstet. Salmanasser III. unternahm in den Jahren 849–838 v. Chr. weitere Feldzüge gegen Aram, jedoch ohne dauerhaften Erfolg.
733 v. Chr. wurde Damaskus von Tiglat-pileser III. eingenommen, Rezin getötet, die Bevölkerung nach Kir deportiert und das Reich in drei assyrische Provinzen aufgeteilt (Damaskus, Karnini (Karnajim) und Haurini). Von der Zerstörung durch die Assyrer erholte sich Damaskus relativ schnell, vor allem dank seiner Bedeutung als Zwischenstation für den Handel von den phönizischen Küstenstädten der Levante zu den Städten Mesopotamiens sowie von Arabien nach Kleinasien.