Dalida (eigentlich Iolanda Cristina Gigliotti, zu Beginn ihrer Laufbahn unter dem Namen Dalila auftretend; * 17. Januar 1933 in Kairo, Ägypten; † 3. Mai 1987 in Paris, Frankreich) war eine italienisch-französische Chansonsängerin, die ab Ende der 1950er Jahre zahlreiche Erfolge in Frankreich und zahlreichen weiteren Ländern feierte und gelegentlich als Schauspielerin in Erscheinung trat. Im Laufe ihrer Karriere gelang es 50 ihrer Lieder, in die französischen Top Ten aufzusteigen.
Dalida wurde 1933 als zweites von drei Kindern einer italienischstämmigen Familie in Kairo geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Ägypten, wo ihr Vater, Pietro Gigliotti (1904–1945), als Konzertmeister (Erste Geige) am Kairoer Opernhaus engagiert war. Ihre Mutter, Filomena Giuseppina d’Alba (1904–1971), war Schneiderin. Die Eltern von Dalidas Vater, Giuseppe und Rosa Gigliotti, waren um die Jahrhundertwende aus der Provinz Catanzaro in Kalabrien nach Ägypten ausgewandert. Dalida wuchs in der italienischen Gemeinde Kairos auf und besuchte eine katholische Schule. Nach deren Abschluss im Jahr 1951 trug sie zum Unterhalt der Familie bei, indem sie als Stenotypistin in einem pharmazeutischen Unternehmen arbeitete. Ihr Wunsch war es, Schauspielerin zu werden.
1951 nahm sie an einem Schönheitswettbewerb um den Titel der „Miss Ondine“ teil und erreichte dort Platz zwei. Danach arbeitete sie gelegentlich als Mannequin für das Kairoer Modehaus Donna. Drei Jahre später wurde sie zur „Miss Ägypten“ gewählt und spielte in mehreren ägyptischen Filmen mit, unter dem Künstlernamen Dalila erstmals 1954 in der Rolle der Iolanda in dem Melodram Sigara wa-kass (A Glass and a Cigarette) von Niazi Mostafa an der Seite der beliebten Bauchtänzerin und Filmschauspielerin Samia Gamal. Eine Nebenrolle übernahm sie in dem Film Le Masque de Toutankhamon (1954, Regie: Marco de Gastyne) sowie in Joseph et ses frères. Am 25. Dezember 1954 reiste sie erstmals nach Paris, um dort Rollen im Filmgeschäft zu finden. Sie wirkte in zwei Filmen als Nebendarstellerin mit und übernahm nach Beginn ihrer Gesangskarriere zwischen 1958 und 1968 immer wieder kleinere Rollen in französischen Produktionen.
Dalidas Gesangskarriere begann am 9. April 1956 im Olympia in Paris bei einem musikalischen Talentwettbewerb. Dabei wurde sie vom Chef des Hauses, Bruno Coquatrix, dem Schallplattenproduzenten Eddie Barclay und dem Programmdirektor des populären Hörfunksenders Europe N° 1, Lucien Morisse, entdeckt.
Im Rückblick gliedert sich Dalidas Gesangskarriere in zwei Phasen, die „années Barclay“ und die „années Orlando“, d. h. jene unter dem Management von Eddie Barclay und die vom Management ihres Bruders Bruno Gigliotti, genannt Orlando, geprägten Jahre. Den Übergang zwischen beiden bildete eine mehrjährige Periode zurückgehender Plattenverkäufe und der künstlerischen Neuorientierung, nach der das Comeback in einer Zeit gelang, in der die Zahl der Schallplattenverkäufe allgemein höher lag als in den „ärmeren“ 1950er und 1960er Jahren.
1950er/1960er, die „Barclay-Jahre“
Unter dem Management von Eddie Barclay gelangen zwischen Dezember 1956 und März 1969 40 Liedern Dalidas Platzierungen unter den Top Ten in Frankreich, 20 Liedern Top-Ten-Platzierungen in der Wallonie (Belgien), 19 im französischsprachigen Kanada, acht in Italien, sieben in Argentinien, je fünf in Spanien und der Türkei, drei in der Bundesrepublik Deutschland und zwei in Brasilien.
Barclay gab Dalida einen Plattenvertrag bei seinem Label Barclay Records und setzte bei den Tonaufnahmen meist das Orchester von Raymond Lefèvre zu ihrer Begleitung ein. Dalidas Debüt-Single war Madonna / Guitare flamenco / Flamenco bleu / Mon cœur va (EP Barclay 70034; veröffentlicht am 28. August 1956). Als zweite Single folgte im Dezember 1956 La violetera / Gitane / Le torrent / Fado (70039). Am 8. Februar 1957 kam ihre dritte Single Bambino / Por favor / Aime-moi / Eh! ben’ (70068) auf den Markt. Die Aufnahmen dazu waren in Barclays neuem Tonstudio in der Rue Hoche Nr. 9 in Paris entstanden, und die Platte wurde Dalidas erster großer Erfolg. Von April 1957 an war sie 31 Wochen der Nummer-eins-Hit in Frankreich. 1958 wurde sie in Frankreich zur „Sängerin des Jahres“ gewählt und im folgenden Jahr zusammen mit Yves Montand mit einem von der französischen Regierung vergebenen „Bravo du Music Hall“ ausgezeichnet.
Weitere Hits Dalidas waren 1959 Ciao Ciao Bambina sowie in Deutschland Am Tag, als der Regen kam, die deutsche Fassung eines Chansons von Gilbert Bécaud, die Platz eins der deutschen Hitparade erreichte und sich ein halbes Jahr unter den zehn erfolgreichsten Schlagern Deutschlands behauptete. Ihre Hits im Jahr 1960 waren Romantica, T’aimer follement, Les Enfants du Pirée, Itsi-Bitsi und Milord.
1961 war für Dalida ein weiteres erfolgreiches Jahr. Herausragende Verkäufe erzielten Last Waltz, Achète-moi un jukebox und Garde-moi la dernière danse. Im Januar 1963 erhielt sie in Cortina d’Ampezzo den „Oscar Mondiale del Successo dei Juke Box“ für den am meisten auf Jukeboxen gespielten Künstler Europas. 1964 begleitete Dalida für den Hörfunksender Europe N° 1 die Tour de France. Nach jeder Etappe der populären Frankreichrundfahrt der Radrennfahrer trat sie abends auf einer Bühne auf und sang insgesamt fast 3.000 Lieder. Im September 1964 soll Dalida als Ehrung für mehr als zehn Millionen verkaufte Schallplatten ihre erste Platinplatte entgegengenommen haben. 1967 ehrte man sie in Italien als populärste Sängerin mit dem „Oscar Canzonissima“, und im Jahr 1968 erhielt sie für ihre Verdienste um das französische Chanson aus den Händen Charles de Gaulles die „Medaille des französischen Staatspräsidenten“. Sie wurde zum Commandeur des Arts et des Lettres erhoben und erhielt das Ehrenkreuz in vergoldetem Silber.
Ende der 1960er Jahre, auch infolge des Pariser Mai, ließ die Popularität vieler Unterhaltungskünstler der 1960er Jahre nach. Ein neuer Musikstil und neue Themen waren nun beim Publikum gefragt. Nach privaten Rückschlägen, darunter der Selbstmord ihres Freundes und Kollegen Luigi Tenco, trat Dalida während mehrerer Jahre kaum noch öffentlich in Erscheinung.
1970er/1980er, die „Orlando-Jahre“
Nach rund 15-jähriger Zusammenarbeit mit Eddie Barclay übergab Dalida 1970 die Produktion ihrer Schallplatten und Konzerte ihrem jüngeren Bruder, Bruno Gigliotti, genannt Orlando. Im November 1971 trat sie nach vierjähriger Pause mit einem neuen Repertoire im Olympia auf. Da der Direktor des Hauses, Coquatrix, an ein Comeback nicht glaubte, trug sie die Saalmiete selbst. Ihr Auftritt erwies sich als großer Erfolg.
Unter dem Management ihres Bruders gelangen zwischen 1970 und ihrem Todesjahr zehn Liedern Dalidas Platzierungen unter den Top Ten in Frankreich, sieben Liedern Top-Ten-Platzierungen in der Wallonie (Belgien), 13 im französischsprachigen Kanada und zwei in der Türkei. In weiteren Ländern stiegen einige Hits von Dalida in die Top 100 auf, darunter Spanien, Deutschland und Israel.
1973 nahm Dalida mit dem populären Schauspieler Alain Delon das Duett Paroles, paroles („Worte, nur leere Worte“) auf. Das Lied wurde in Frankreich, Kanada, Japan und anderen Ländern ein Hit. 1974 eroberte sie mit Gigi l’amoroso, einer italienischen Auswanderergeschichte, und Il venait d’avoir 18 ans (deutsche Fassung: Er war gerade achtzehn Jahr) über die Liebe einer Älteren zu einem jungen Mann erneut die Spitze der Hitparaden im In- und Ausland. Neu in ihrem Repertoire waren nachdenkliche Lieder wie Avec le temps (von Léo Ferré), Pour ne pas vivre seul („Um nicht allein zu leben“) und Je suis malade („Ich bin krank“, von Serge Lama). Für Le Temps des fleurs, Gigi l’amoroso und J’attendrai nahm sie Goldene Schallplatten entgegen und erhielt 1975 für Gigi zudem eine Platinplatte.
Mit dem Evergreen J’attendrai wechselte sie 1975 zum inzwischen angesagten Disco-Stil. Weitere Erfolge waren Besame mucho (1976), Laissez-moi danser (1979) und Gigi in Paradisco (1980).
1977 trat Dalida zum ersten Mal in der Carnegie Hall in New York auf. Im selben Jahr feierte sie ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum im Olympia. Mit Salma ya salama, das sie auf Arabisch sang, landete sie einen weiteren Hit. Ihre Konzerttournee nach Ägypten und in den Libanon war ausverkauft.