Daley Thompson (eigentlich Francis Morgan Thompson; * 30. Juli 1958 in Notting Hill, London) ist ein ehemaliger britischer Zehnkämpfer. Er gewann 19 von 37 Zehnkämpfen, bei denen er angetreten war, wurde Olympiasieger, Weltmeister sowie Europameister und war Sieger bei den Commonwealth Games. Von 1980 bis 1986 blieb er im Zehnkampf ungeschlagen. Er stellte im Lauf seiner Karriere vier Weltrekorde auf, deren letzter acht Jahre lang nicht übertroffen werden konnte.
Francis Morgan Thompson wurde als zweiter Sohn eines Nigerianers und einer Schottin in London geboren. Sein Vater nannte ihn Ayodele, das bedeutet etwa Die Freude kommt heim; aus diesem Namen entwickelte sich dann sein Rufname Daley. Daleys Vater starb, als Daley zwölf Jahre alt war, von da an musste Lydia Thompson allein für ihre zwei Söhne und die Tochter sorgen. Thompsons sportliches Talent zeigte sich schon früh und er begann in den Jugendmannschaften von Chelsea und Fulham mit dem Fußballsport. In der Schule war er auch als Sprinter bekannt. Der Leichtathletiktrainer Bob Mortimer vom Londoner Verein Haywards Heath Harriers wurde auf den jungen Sprinter aufmerksam und Thompson begann mit speziellem Leichtathletiktraining. Sein angeborenes Bewegungstalent ließ aber neben dem Sprint weitere Einsatzmöglichkeiten erkennen. Mortimer zeigte seinen Schützling dem Mehrkampf-Coach Bruce Longden und man überlegte sich, dass man einmal ausloten sollte, was Thompson als Zehnkämpfer zeigen könne. Für diesen Test meldeten ihn die Trainer im Juni 1975 bei den Welsh Open in Cwmbran an. Daley Thompson hatte zwar im Training alle Disziplinen schon ausgeübt, einige aber noch nie im Wettkampf. Andererseits hatten die Welsh Open eine Altersbegrenzung ab 18 Jahren, für den noch 16-jährigen Thompson wurde eine Ausnahme gemacht. Am 28. und 29. Juni 1975 absolvierte Daley Thompson seinen ersten Zehnkampf und siegte mit 6685 Punkten (6523). Im Lauf des Jahres 1975 konnte sich Thompson bei zwei weiteren Zehnkämpfen, beide ebenfalls in Cwmbran ausgetragen, weiter steigern. Bei den britischen Juniorenmeisterschaften am 30. und 31. August siegte er mit 7008 Punkten (6845). Am 4. und 5. Oktober nahm Thompson an einem Länderkampf gegen Frankreich teil und belegte mit 7100 Punkten (6935) den zweiten Platz.
Auch seinen vierten Zehnkampf absolvierte Thompson in Cwmbran, am 22. und 23. Mai 1976 gewann er dort den britischen Meistertitel mit 7684 Punkten (7517), womit er die Olympianorm des britischen Verbandes um 34 Punkte übertraf. Am 26. und 27. Juni trat Thompson erstmals im Ausland an. Bei einem Ländervergleichskampf in Kopenhagen erreichte er Platz 10 mit 6639 Punkten (6649), nachdem er im Stabhochsprung drei ungültige Versuche bei der Anfangshöhe gezeigt hatte, einen Salto Nullo. Trotzdem wurde er für die Olympischen Spiele in Montreal nominiert. Mit 7434 Punkten (7330) belegte er in der Olympischen Entscheidung am 29. und 30. Juli Platz 18, wobei er am zweiten Wettkampftag auch seinen 18. Geburtstag feiern konnte. Nachdem er im 100-Meter-Lauf mit 10,79 s die zweitschnellste Zeit aller Teilnehmer gelaufen hatte, blieb er vor allem in den Wurfdisziplinen nicht nur hinter seinen Konkurrenten, sondern auch hinter seinen eigenen Leistungen aus dem Mai zurück; immerhin gelang ihm erstmals in einem Zehnkampf ein Sprung über die 4-Meter-Marke im Stabhochsprung. Der US-amerikanische Olympiasieger von Montreal Bruce Jenner hatte im Wettkampf mit 8618 Punkten einen neuen Weltrekord aufgestellt, Zweiter wurde der Westdeutsche Guido Kratschmer mit 8411 Punkten. Am 4. und 5. September trat Thompson noch zum Zehnkampf in Talence an. Dort gewann Alexander Grebenjuk aus der Sowjetunion mit dem Europarekord von 8468 Punkten, Thompson erreichte mit 7905 Punkten (7742) den vierten Platz.
Die Saison 1977 begann für Thompson beim Mehrkampf-Meeting Götzis. Mit 7921 Punkten (7856) konnte er seine Bestleistung von Talence erneut steigern und belegte hinter dem Österreicher Sepp Zeilbauer und dem US-Amerikaner Fred Dixon den dritten Platz. Am 25. und 26. Juni trat er bei einem Ländervergleichskampf mit Spanien, Dänemark und Italien in Madrid an und gewann mit 8190 Punkten (8056). Damit hatte Thompson erstmals die 8000-Punkte-Marke übertroffen. Am 30. und 31. Juli 1977 fand in Sittard das Halbfinale zum Europacup der Mehrkämpfer statt. Thompson gewann mit 8124 Punkten (8082), die britische Mannschaft qualifizierte sich dank seiner Leistung für das Finale, obwohl die anderen beiden Briten Panayiotos Zeniou mit 7256 Punkten und Nick Phipps mit 7054 Punkten deutlich hinter Thompsons Leistung blieben. Beim Finale im September wurden die Briten Achte und letzte, da Thompson nicht am Start war; der Auftritt in Sittard sollte Thompsons einzige Teilnahme am Europacup bleiben. Daley Thompson hatte am 19. und 20. August seinen vierten Zehnkampf der Saison absolviert, als er bei den Junioreneuropameisterschaften in Donezk mit 7647 Punkten (7568) den Titel gewann. Dritter wurde in diesem Wettkampf Jürgen Hingsen aus Krefeld, auf den Thompson im weiteren Verlauf seiner Karriere noch oft treffen sollte. Bei den Juniorenweltmeisterschaften belegte Thompson auch den fünften Platz im Weitsprung, nachdem er vorher schon Landesmeister im Weitsprung geworden war.
Im Juli 1978 wurde Thompson zwanzig Jahre alt, 1978 war deshalb die erste Saison, in der Thompsons Leistungen nicht als Juniorenrekorde gewertet wurden. Erneut startete Thompson beim Meeting in Götzis. Am 27. und 28. Mai erreichte er 8238 Punkte (8226). Er belegte damit den zweiten Platz hinter Guido Kratschmer, der auf 8410 Punkte kam. Am 7. und 8. August fand der Zehnkampf bei den Commonwealth Games in Edmonton statt. Thompson dominierte den Wettkampf und gewann mit über achthundert Punkten Vorsprung auf den Australier Peter Hadfield. Seine 8467 Punkte (8470) waren über 1000 Punkte besser als der vorherige Rekord der Commonwealth Games. Allerdings war sein Weitsprung von deutlich zu viel Rückenwind unterstützt. Damit waren Thompson und Kratschmer, der Ende Juli den Europarekord auf 8498 Punkte gesteigert hatte, in der Favoritenposition für die Europameisterschaften in Prag. Aber Kratschmer verletzte sich bereits in der ersten Disziplin am 30. August und schied aus. Thompson führte nach dem ersten Tag mit 288 Punkten, überquerte aber im Stabhochsprung nur 4,20 m gegenüber 4,80 m in Edmonton und wurde von Alexander Grebenjuk mit 51 Punkten besiegt. Thompsons Punktzahl von 8289 (8258) reichte aber für Silber vor Siegfried Stark aus der DDR und vor Zeilbauer. Die Niederlage gegen Grebenjuk war Thompsons letzte Niederlage bis zum September 1987, wenn man von zwei abgebrochenen Zehnkämpfen absieht. Ein nach einem Salto Nullo im Stabhochsprung abgebrochener Zehnkampf am 28. und 29. Juli in Flein war Thompsons einziger im Jahr 1979, immerhin gewann er aber den Landesmeistertitel im Weitsprung.
Am 17. und 18. Mai 1980 fand das alljährliche Meeting in Götzis statt. Nach dem ersten Tag führte Thompson mit 4486 Punkten, lag damit aber etwas schwächer als in Edmonton 1978 und in Flein 1979. Thompson konnte sich diesmal aber am zweiten Tag gegenüber seinen bisherigen Wettkämpfen steigern, er übersprang 4,90 m mit dem Stab und warf den Speer mit 65,38 m so weit wie nie in seiner Karriere. Vor dem letzten Wettbewerb, dem 1500-Meter-Lauf, errechnete Trainer Bruce Longden, dass 4:26 min reichen würden, um den Weltrekord von Bruce Jenner zu überbieten. Thompson lief 4:25,49 min und stellte mit 8622 Punkten (8648) seinen ersten Weltrekord auf. Auf den Plätzen zwei und drei lagen Guido Kratschmer und Jürgen Hingsen, Zeilbauer belegte den vierten Platz. Drei Tage vor dem Meeting in Götzis hatte das bundesdeutsche NOK beschlossen, sich dem Olympiaboykott der US-Amerikaner anzuschließen. Guido Kratschmer überwand zumindest einen Teil seiner Frustration, indem er im Juni in Bernhausen mit 8649 Punkten (8667) einen neuen Weltrekord aufstellte. Daley Thompson hingegen reiste als klarer Favorit zu den Olympischen Spielen in Moskau. Am 25. Juli ging Thompson in den ersten beiden Disziplinen klar in Führung und hatte nach fünf Disziplinen 4542 Punkte erreicht. Am regnerischen Folgetag konnte er seinen Olympiasieg souverän ins Ziel bringen. Mit 8495 Punkten (8522) lag er deutlich vor den beiden Athleten aus der UdSSR, Juri Kuzenko und Sergei Schelanow. Auf den Plätzen vier und fünf folgten mit Georg Werthner und Sepp Zeilbauer zwei Österreicher. 1981 nahm Thompson nur an einem Zehnkampf teil und gewann beim Länderkampf gegen Kanada in Saskatoon mit 7936 Punkten (7798), obwohl er den 1500-Meter-Lauf nicht beendete.