Dagmar Fenner (* 20. Oktober 1971 in Aarau) ist eine Schweizer Philosophin, Titularprofessorin für Philosophie der Universität Basel (Departement Künste, Medien, Philosophie) und Autorin von Fachliteratur zu ethischen Fragen, die sich auch an eine breitere Leserschaft richtet.
Dagmar Fenner studierte an der Universität Basel Philosophie und Germanistik und erwarb zeitgleich ein Lehrdiplom für das Musikinstrument Kontrabass. Anschliessend belegte sie Kurse an der École des hautes études en sciences sociales (E.H.E.S.S., Paris), studierte mehrere Semester Psychologie an der FU Berlin und war dort auch als Lehrbeauftragte für Philosophie tätig. Sie promovierte 1998 und habilitierte sich 2004 an der Universität Basel zum Thema Glück. Grundriss einer integrativen Lebenswissenschaft.
Seit 2010 ist sie in der Universität Basel Titularprofessorin für Philosophie. Seit 2006 (Professurvertretung für Otfried Höffe) lehrt sie zusätzlich Ethik an der Universität Tübingen, zunächst am Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW), dann am Transdisciplinary Course Program (TCP) (= überfachliche Bildung). Zusätzlich gab sie Workshops für Wissenschaftsethik an den Universitäten Kassel und Frankfurt a. M. und seit 2020 mehrfach das Seminar Ethisches Argumentieren in der Praxis an der Ethik-Akademie des ZEF21 (= Zentrum für ethische Fragen im 21. Jahrhundert) für die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften des Landes Baden-Württemberg.
Dagmar Fenner ist Autorin von Fach- und Lehrbüchern zu philosophisch-ethischen Themen, vor allem Bereichsethiken, die sich an interessierte Laien, aber auch Studierende richten und generelle und aktuelle Thematiken strukturiert darzustellen versuchen.
Daneben trat sie auch mehrfach als Künstlerin auf. Sie spielte unter anderem 2005 im Musiktheater Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt (F. Schiller) und 2022 im Musikkabarett Die Bassgeige.
Dagmar Fenners Schwerpunkte sind Allgemeine Ethik (Beispiele: Glück, gutes Leben, Selbstoptimierung) und Angewandte Ethik mit ihren verschiedenen Bereichsethiken (Beispiele: Medien, Medizin, Wissenschaft, Kunst, Digitalisierung). Sie versteht Angewandte Ethik als „Tätigkeit des gemeinsamen Sich-Beratens über komplexe gesellschaftliche Problemfelder“, bei der es wesentlich um die Stärkung der selbständigen Urteilsfindung aller Beteiligten geht. Präsentiert werden sollen nicht richtige Lösungen in moralischen Streitfragen, sondern durch die Systematisierung und Prüfung der Pro- und Kontra-Argumente sollen die Reflexions- und Argumentationskompetenzen der Leser gefördert und die oft emotional geführten Debatten rationalisiert und versachlicht werden.
Die Ethikerin bemüht sich, aktuelle Diskussionen aufzugreifen und wissenschaftlich fundiert und strukturiert darzulegen. Neben den jeweiligen Begriffsklärungen und Definitionen der Fachbegriffe (z. B. Digitalisierung), den historischen Herleitungen (beim Thema Digitalisierung ab den 2010er Jahren) zeigt sie den jeweils aktuellen Stand der Wissenschaft auf (z. B. Datafizierung als Bedrohung der Privatheit), erklärt die Bedeutung der Reflexion durch verantwortliche Gruppen (z. B. durch das Aufzeigen der Chancen und Risiken als Diskussionsgrundlage) sowie mögliche Handlungsoptionen (z. B. den Fokus auf einen menschen- statt technologiezentrierten Umgang mit Neuerungen) und weist auf zukünftige Fragestellungen hin (z. B. das Entwickeln neuer Konzepte der umfassenden Partizipation aller unter Berücksichtigung der verschiedenen Ebenen der Verantwortlichkeit).
Diese Vorgehensweise wird in den Rezensionen positiv bewertet: So werden ihre Sachlichkeit, die Arten der Begründungen im Rückgriff auf ethische Leitideen und die allgemeine Verständlichkeit genannt. Hervorgehoben werden die systematisch verarbeitete Fülle an Literatur, Positionen und Argumenten, die Lernkästen mit kurzen Zusammenfassungen, die ausführlichen Bibliografien mit Sachregistern zur Orientierung und die Vertiefung von Themen werden hervorgehoben.
Dagmar Fenner wirbt dafür, möglichst viele Personen auf allen Ebenen miteinzubeziehen, wie z. B. bei digitalen Themen, und folgt dabei dem Wiener Manifest für digitalen Humanismus von 2019, welches von Hannes Werthner an der TU Wien (Österreich) in Zusammenarbeit mit ca. 30 Wissenschaftlern aus Ländern wie den USA, Österreich, Italien, den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland entwickelt wurde und in der Zusammenfassung ein Aufruf mit elf zu beachtenden Punkten zum richtigen Handeln in der Zukunft sein soll. Die Philosophin will Menschen in den Mittelpunkt stellen. Dafür plädiert sie für eine teilhabende Gestaltung durch alle Menschen auf verschiedenen Ebenen bezüglich des Themas Digitalisierung und, zusätzlich zum Gespräch, für ethisch-rechtliche Regulierungen der Technik, damit das Wohl der Menschen gesichert werden kann.
Der Appell zu verantwortlichem Handeln mit vorherigem Diskurs findet sich in allen ihren Schriften, sei es in den allgemeineren Schriften, sei es in den Bereichsethiken (Medien, Medizin, Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst, Natur), da sie selbst die Diskursethik als Rahmenethik vorschlägt und das Thema Verantwortung ein wiederkehrendes Thema in ihrem Werk ist.
In Selbstoptimierung und Enhancement (2019) prüft sie neben den zugrundeliegenden Konzepten wie Glück systematisch die etwaigen Probleme und Positionen, um zu einer sachlichen, rationalen Debatte in der öffentlichen Diskussion beizutragen.
In ihren Büchern über Kunst stellt sie sich angesichts von Skandalen die Frage, ob es einer Ethik für diesen Bereich bedarf und wie diese Ethik aussehen soll (Was kann und darf Kunst? Ein ethischer Grundriss. 2013), oder gibt einen historischen Abriss der Idee der Ästhetik im Bereich Kunst (Kunst – jenseits von Gut und Böse? Kritischer Versuch über das Verhältnis von Ästhetik und Ethik. 2000).
Das Thema Hochsensibilität sieht sie nicht als eine psychologisch zu behandelnde Krankheit auf individueller Ebene, sondern als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die sich auf charakterliche Unterschiede bei Menschen möglichst vorurteilsfrei und tolerant einstellen soll, wobei sie auch von den Personen mit dieser Eigenschaft fordert, sich im Gegenzug aktiv einzubringen.
Ethik. Wie soll ich handeln? UTB-Verlag, Tübingen 2026, 3., vollst. überarb. und aktual. Auflage, ISBN 978-3-8252-6603-5.
Digitale Ethik. Eine Einführung. UTB-Verlag, Tübingen 2025, ISBN 978-3-8252-6281-5.
Einführung in die Angewandte Ethik. UTB-Verlag, Tübingen 2022, 2., vollst. überarb. und aktual. Auflage, ISBN 978-3-8252-5902-0.
Hochsensibilität. Phänomenologische und ethische Überlegungen. Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel 2021, ISBN 978-3-7965-4367-8.
Selbstoptimierung und Enhancement. Ein ethischer Grundriss. UTB-Verlag, Tübingen 2019, ISBN 978-3-8252-5127-7.