An diesem Tag

DEFA

Filmunternehmen der DDR

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Die Deutsche Film AG, kurz DEFA, war die größte Filmgesellschaft der DDR (neben dem Deutschen Fernsehfunk). Sie bestand von 1946 bis 1992 in Potsdam-Babelsberg mit Nebenstellen in Berlin.

Die DEFA sollte laut dem Anliegen ihrer Gründer „helfen, in Deutschland die Demokratie zu restaurieren, die deutschen Köpfe vom Faschismus zu befreien und auch zu sozialistischen Bürgern erziehen“. Im Gefolge der Entnazifizierung in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bzw. der DDR sollten auch die Filmindustrie und das Kulturleben von „reaktionären Elementen und undemokratischer antihumanistischer nationalsozialistischer Ideologie und deren Protagonisten befreit werden“.

Das Hauptthema und Leitbild der SED und der DEFA-Filme waren zu Beginn der Antifaschismus sowie der sozialistische Realismus. Denkweisen und Darstellungen von Nihilismus, Dekadenz, Formalismus, Spießertum und „bürgerlichen Verhaltensweisen“ sollten im Filmschaffen kritisiert beziehungsweise vermieden und durch sozialistische Ideale ersetzt werden. So entstanden vor allem Filme in der Tradition der Arbeiterklasse und Antikriegsfilme, welche die nationalsozialistische Ideologie entlarven sollten. Die Filme sollten demgegenüber die sozialistischen, humanistischen und kommunistischen Werte sowie die Liebe zur DDR widerspiegeln.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann die sowjetische Besatzungsmacht, die Filmindustrie im Osten Deutschlands schnell wieder einsatzfähig zu machen. Das Medium Film sollte nicht zuletzt als Propagandamittel genutzt werden. So erteilte bereits am 28. April 1945 der sowjetische Stadtkommandant von Berlin, Generaloberst Nikolai Bersarin, die Erlaubnis zur Eröffnung von Theatern und Lichtspielstätten in Berlin. Der sowjetische Filmverleih Sojusintorgkino (russ. Союзинторгкино) vergab am 6. Juni 1945 den Auftrag, den Film Iwan Grosny (russ. Иван Грозный, dt. Iwan der Schreckliche) von Sergei Eisenstein zu synchronisieren; die deutsche Textfassung und Regie übernahm Wolfgang Staudte. Die Aktiengesellschaft für Filmfabrikation (Afifa) in Berlin-Köpenick stellte am 14. Juni 1945 unter sowjetischer Leitung 1000 Farbkopien vom Originalnegativ des sowjetischen Märchenfilms Die steinerne Blume her. Sojusintorgkino übernahm am 4. Juli 1945 alle zum früheren UFA-Besitz gehörenden Kinos und ermöglichte deren Wiederinbetriebnahme. Im Anschluss reorganisierte die SMAD die gesamte Filmproduktion in der SBZ.

Am 25. August 1945 nahm die Zentralverwaltung für Volksbildung unter ihrem Präsidenten Paul Wandel als beratende Körperschaft der SMAD die Arbeit auf. Abteilungsleiter für Kunst und Literatur (und Film) wurde Herbert Volkmann. Bei ihm meldeten sich der Kameramann Werner Krien, die Filmszenenbildner Carl Haacker und Willy Schiller, der Chemiker und Filmtechniker Kurt Maetzig, der Schauspieler und Produktionsleiter Adolf Fischer, der Kaufmann, Elektrotechniker und Beleuchter Alfred Lindemann und der Schauspieler Hans Klering, um bei dem Aufbau einer neuen Filmproduktion mitzuarbeiten, und bildeten (bis auf Werner Krien) das sogenannte Filmaktiv. Sie gelten als die Gründungsväter der DEFA.

Um vollen Einfluss auf die Produktion von Filmen zu haben, beschlagnahmte der Chef der SMAD am 30. Oktober 1945 mit Befehl Nr. 124 alle dem Deutschen Reich auf dem Gebiet der SBZ gehörenden Vermögenswerte der Filmproduktion. Dabei wurden die Filmbetriebe UFA, Tobis, Tesch und Afifa namentlich als unter diesen Befehl fallend erklärt. Diese Firmen wurden zur Sojusintorgkino in Deutschland zusammengefasst, durch von der SMAD eingesetzte Treuhänder verwaltet und durften nur Aufträge von Einrichtungen entgegennehmen, die eine Lizenz der SMAD besaßen.

Am 22. November 1945 fand in einem unzerstörten Seitenflügel des Berliner Hotels Adlon die erste Beratung von Kulturfunktionären, Filmschaffenden und Schriftstellern über den Aufbau einer neuen Filmproduktion in der SBZ statt. Unter der Leitung von Paul Wandel trafen sich die Mitglieder des Filmaktivs sowie unter anderen Boleslaw Barlog, Hans Deppe, Hans Fallada, Werner Hochbaum, Gerhard Lamprecht, Herbert Maisch, Peter Pewas, Wolfgang Staudte, Günther Weisenborn, Friedrich Wolf und Marion Keller. Der ehemalige Patent- und Staatsanwalt Albert Wilkening übernahm auf Befehl des sowjetischen Stadtbezirkskommandanten von Berlin-Treptow am 28. November 1945 die kommissarische Leitung der Tobis Filmkunst AG. Im Januar 1946 wurde das Filmaktiv offiziell nach bürgerlichem Recht als in die Zentralverwaltung für Volksbildung eingegliederte Gesellschaft eingetragen und nahm seinen Sitz in Berlin am Dönhoffplatz in den ehemaligen Verwaltungsräumen der UFA, Krausenstraße 38/39. Leiter und Produktionschef wurde Alfred Lindemann, Erster Stellvertreter und verantwortlich für Wirtschaft und Verwaltung war Karl Hans Bergmann, Kurt Maetzig war verantwortlich für die Wochenschau, Willy Schiller für technische Fragen und Hans Klering war Verbindungsmann zu den sowjetischen Besatzungsdienststellen. Der Abteilungsleiter für Kunst und Literatur (und Film) in der Zentralverwaltung für Volksbildung Herbert Volkmann war für die politische und künstlerische Arbeit zuständig. Aufgabe des Filmaktivs war es, „eine deutsche Filmindustrie im Bereich der SBZ ins Leben zu rufen“. Am 19. Februar 1946 kam als neue Wochenschau Der Augenzeuge erstmals in die Kinos.

Am 17. Mai 1946 wurde in Potsdam-Babelsberg auf dem Gelände der Althoff-Ateliers die Deutsche Film-AG (DEFA) i. Gr. gegründet. Der Vorschlag zur Kurzform DEFA stammte von Adolf Fischer, das Logo wurde von Hans Klering entworfen. Der Leiter der Propagandaverwaltung der SMAD, Oberst Sergei Tjulpanow, überreichte die Lizenz für die „Herstellung von Filmen aller Kategorien“ (nicht für deren Vertrieb). Lizenzträger waren Hans Klering, Alfred Lindemann, Kurt Maetzig, Willy Schiller und Karl Hans Bergmann. Anwesend war auch der Leiter der Abteilung Kultur der Propagandaverwaltung der SMAD Major Alexander Dymschitz.

Die Gründung der DEFA erfolgte am 17. Mai 1946. Am 13. August 1946 erfolgte die Eintragung der Deutschen Film GmbH, mit Sitz in Berlin SW 68, Krausenstraße 38/39, ins Handelsregister in Berlin-Mitte. Gesellschafter waren Alfred Lindemann, Karl Hans Bergmann und Herbert Volkmann. Das Stammkapital belief sich auf 20.000 Reichsmark (RM). Lindemann und Bergmann wurden zum Geschäftsführer, Klering zum Prokuristen berufen. Der juristische Sitz des Unternehmens wurde am 14. Juni 1947 von Berlin nach Potsdam verlegt. Die vier Filmateliers der Tobis Filmkunst GmbH/Tobis Syndikat GmbH in Berlin-Johannisthal bildeten jedoch weiterhin die Produktionsbasis der DEFA.

1947 weiteten die sowjetischen Behörden ihren Einfluss weiter aus. Der Befehl Nr. 174 der SMAD vom 23. Oktober verpflichtete die brandenburgische Landesregierung zur Übergabe des ehemaligen UFA-Geländes in Potsdam-Babelsberg „zwecks Befriedigung der Reparationsansprüche der UdSSR aus deutschem Besitz“ an die Sowjetunion. Der DEFA stand das Gelände damit nicht mehr zur Verfügung. Die Kontrolle über das Filmgelände übte das sowjetische Technische Büro für Kinematografie aus, eine Einrichtung beim Rat der Volkskommissare der UdSSR. Auch die sowjetische Aktiengesellschaft Linsa, zu deren Kompetenzbereich alle Filmunternehmen, einschließlich Verleih, Kopierwerke und Spielstätten, in den von der Sowjetunion besetzten Gebieten gehörten, nahm ihren Sitz in Potsdam-Babelsberg. Linsa unterstand der Leitung der Sowjetischen Aktiengesellschaften (SAG) in Berlin-Weißensee.

Die Deutsche Film GmbH wurde am 11. November 1947 in eine sowjetisch-deutsche Aktiengesellschaft umgewandelt, wobei das Firmenzeichen DEFA erhalten blieb. Das Stammkapital der GmbH wurde vom SED-Parteibetrieb VOB Zentrag übernommen, von 20.000 auf 10.000.000 RM erhöht und gehörte zu 45 % der deutschen und zu 55 % der sowjetischen Seite. Der Vorstand der gemeinsamen Gesellschaft wurde aus den ehemaligen Gesellschaftern der Deutschen Film GmbH, Herbert Volkmann, Alfred Lindemann und Karl Hans Bergmann, und auf sowjetischer Seite aus Alexander Wolkenstein, dem Generaldirektor von Sojusintorgkino/Sovexportfilm sowie dem Filmregisseur Ilja Trauberg gebildet. Der aus neun Mitgliedern bestehende Aufsichtsrat wurde entsprechend dem Verhältnis der Aktienanteile besetzt. Am selben Tag sicherte sich die SED umfassenden Einfluss auf die ostdeutsche Filmproduktion: Beim Zentralsekretariat der SED wurde eine Filmkommission (später DEFA-Kommission) gebildet. Ihr gehörten unter anderem Anton Ackermann, Otto Meier, Erich Gniffke, Paul Wandel und Gustav von Wangenheim an. Der DEFA-Kommission mussten die Produktionsplanung der DEFA sowie Rohschnitt und Endfassung aller Filme zur Genehmigung vorgelegt werden. Im Sonderabkommen zum Gründungsvertrag wurde festgeschrieben, dass „die Personalpolitik der DEFA […] in Übereinstimmung mit der zuständigen Abteilung beim Zentralvorstand der SED durchgeführt“ wird. Die Aktionäre der DEFA hatten sich zu verpflichten, ihre Gesellschafterfunktion „unwiderruflich“ lediglich als Treuhänder der SED auszuüben und sich „im Rahmen des Gesellschaftsvertrages an deren Weisungen widerspruchslos zu halten“. Alle Fragen grundsätzlicher Bedeutung wurden von der SED als Treugeberin mitentschieden. Albert Wilkening wurde als ständiger Vertreter von Alexander Wolkenstein Technischer Direktor der DEFA.

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