Curt Gustav Friedrich Walther von Gottberg (* 11. Februar 1896 in Preußisch Wilten; † 31. Mai 1945 in Lutzhöft) war ein hochrangiges Mitglied der SS und ein Kriegsverbrecher. Er hatte von März 1943 bis Juli 1944 in Personalunion die höchste zivile und militärische Gewalt in Weißruthenien (Weißrussland).
Während des Zusammenbruchs der Heeresgruppe Mitte wurde er Anfang Juli 1944 zum Höheren SS- und Polizeiführer (HSSPF) für Russland-Mitte und Weißruthenien ernannt.
Von Gottberg war seit dem 30. Juni 1944 SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS.
Curt von Gottberg entstammte dem alten hinterpommerschen Adelsgeschlecht von Gottberg, welches von der urkundlichen Ersterwähnung zum jüngeren Briefadel gehört. Sein Vater war Walter von Gottberg (1870–1945), seine Mutter dessen erste Ehefrau, die Generalstochter Agnes Freiin von der Goltz (1869–1923). Er hatte zwei Geschwister. Im Jahre 1912 begann er eine landwirtschaftliche Ausbildung.
1919 heiratete Gottberg eine Verwandte, Magdalene von Gottberg (1897–1967), mit der er drei Töchter bekam: Christa-Victorie (1920–1971), Erika (1921–1949) und Elisabeth (1923–1942). Nach der Scheidung 1928 ehelichte er noch im gleichen Jahr die aus Langallen bei Insterburg stammende Großbauerntochter Charlotte Kniep (1903–1982). Mit ihr hatte er vier Söhne: Lorenz (1930–1941), Hans-Wittich (1932–2004), dessen Zwillingsbruder Rasmus von Gottberg, der Dramaturg und Schriftsteller wurde, und Walther.
Von Gottberg trat am 2. August 1914 in Königsberg als Kriegsfreiwilliger beim ostpreußischen Kürassier-Regiment „Graf Wrangel“ Nr. 3 ein, dem schon sein Vater angehört hatte. Das Regiment wurde während des Ersten Weltkrieges an der Ostfront eingesetzt und kämpfte zu Kriegsbeginn in den ostpreußischen Schlachten bei Gumbinnen, Tannenberg und an den Masurischen Seen. Gottberg wechselte im Kriegsverlauf zum 1. Garde-Regiment zu Fuß der Preußischen Armee, wurde zum Leutnant befördert und nach einer Verwundung 1917 wegen seiner Schuss- und Splitterverletzungen für kriegsbeschädigt erklärt. Mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse ausgezeichnet, schied er als Oberleutnant im April 1920 aus der Vorläufigen Reichswehr aus.
Von Gottberg schloss sich nach seiner Entlassung aus dem Militär zusammen mit anderen demobilisierten Reichswehroffizieren der Marine-Brigade Ehrhardt an und nahm im November 1923 in München am Hitlerputsch teil.
Er kehrte 1924 nach Ostpreußen zurück, beendete seine landwirtschaftliche Ausbildung und war bis zum Ende der 1920er Jahre in Königsberg als selbständiger Siedlungsunternehmer tätig. 1931 trat er der SA und zum 1. Februar 1932 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 948.753). Im September 1932 wechselte er zur SS (SS-Nummer 45.923).
Kurz nach der Machtergreifung des NS-Regimes am 30. Januar 1933 wurde Curt von Gottberg in der SS-Hierarchie mehrmals befördert. Ende 1933 wurde er Leiter der SS-Verfügungstruppe im württembergischen Ellwangen. Der Aufbau einer militärischen Truppe als Grundstock der zukünftigen Waffen-SS veranlasste die SS-Führung, auf durch den Ersten Weltkrieg geschultes militärisches Personal zurückzugreifen. Er wurde am 30. Januar 1934 zum SS-Sturmbannführer befördert und am 20. März 1934 zum Obersturmbannführer (wie auch zum Beispiel Ludolf-Hermann von Alvensleben-Schochwitz).
1936 sollte von Gottberg die Führung der 49. SS-Standarte in Braunschweig übernehmen. Im Januar 1936 verursachte er nach einem Zechgelage aber einen Autounfall in einem fremden Fahrzeug. Von Gottbergs linkes Bein musste unterhalb des Knies amputiert werden. Heinrich Himmler persönlich intervenierte zu Gunsten von Gottberg. Die Kosten für die medizinische Nachbetreuung und Rehabilitation sowie für das zerstörte Auto wurden übernommen. Himmler veranlasste, dass von Gottberg im Juli 1937 zum Chef des Siedlungsamtes im Rasse- und Siedlungshauptamt (RuSHA) der SS ernannt wurde. Mit dieser Tätigkeit war von Gottberg überfordert, da sich seine Verwaltungserfahrung auf die Landwirtschaft beschränkte. Er wurde deshalb 1939 von Wilhelm Freiherr von Holzschuher abgelöst.
Im Sommer 1939 erhielt von Gottberg einen Posten als kommissarischer Leiter des „Prager Bodenamtes“ im Reichsprotektorat Böhmen und Mähren. Von Gottbergs Finanzgebaren, das dubiose Transaktionen, Darlehen an Privatpersonen, mangelnde Aufsicht gegenüber Untergebenen und Verlustgeschäfte in Millionenhöhe umfasste, führte zu einem handfesten Skandal innerhalb des RuSHA. Im November 1939 veranlasste der Leiter des RuSHA Pancke von Gottbergs Rücktritt.
Nach „Hausarrest“ und etlichen Interventionen wurde von Gottberg am 1. Oktober 1940 Chef des Erfassungsamtes im SS-Hauptamt. Das lang anhaltende Disziplinarverfahren am Hauptamt-SS-Gericht endete im April 1942 mit von Gottbergs Rehabilitierung. Er habe zwar „sachliche Fehler“ gemacht und ihm seien „unzweckmäßige Dispositionen“ unterlaufen; ihm wurde aber zugutegehalten, er habe mit „bemerkenswerter Schwungkraft“, „einsatzbereiter Verantwortungsfreudigkeit“ und „persönlicher Hingabe“ gehandelt.
Der von Himmler protegierte von Gottberg, ab Juni 1942 SS- und Polizeiführer (SSPF) für den Generalbezirk Weißruthenien, konnte seine „SS-Führerfähigkeit“ zwischen Oktober 1942 und Juni 1944 als Fachmann für „Bandenbekämpfungsunternehmen“ unter Beweis stellen. Ganze Regionen wurden zum „Bandengebiet“ erklärt, die Bewohner verschleppt oder ermordet, die Häuser zerstört. Von Gottberg entwickelte neue Strategien in der Partisanenbekämpfung auf dem Territorium der Sowjetunion. In einer dichten Folge von Kommandounternehmungen griff die „Kampfgruppe von Gottberg“ von sich aus mutmaßliche Stützpunkte von Partisanen an. Ab dem 14. März 1943 war von Gottberg zugleich Vertreter des HSSPF Russland-Mitte, Erich von dem Bach-Zelewski, dem „Bevollmächtigten des Reichsführers-SS für die Bandenbekämpfung“ bzw. „Chefs der Bandenkampfverbände“. Er wurde am 27. September 1943 mit der Wahrung der Geschäfte des am 22. September 1943 in Minsk durch eine Bombe getöteten Generalkommissars von Weißruthenien, Wilhelm Kube, beauftragt.
„In dem evakuierten Raum“, so von Gottberg in einem Befehl vom 1. August 1943, „sind die Menschen in Zukunft Freiwild“. Ein Einsatzbefehl von Gottbergs vom 7. Dezember 1942 lautete wie folgt:
Anlässlich seines ersten Unternehmens (Codename „Nürnberg“) meldete von Gottberg am 5. Dezember 1942:
Die „Kampfgruppe von Gottberg“ war, zusammen mit dem „Sonderkommando Dirlewanger“ und der „Kaminski-Brigade“, von Bach-Zelewski koordiniert, verantwortlich für zahllose Massenmordaktionen an Zivilisten in Weißrussland. So zum Beispiel beim „Unternehmen Erntefest I“ vom 18. bis 26. Januar 1943 mit dem Ergebnis: 805 Feindtote, 1.165 „Sonderbehandelte“ (Ermordete), bei eigenen Verlusten von 6 Toten und 17 Verwundeten und „Erntefest II“ vom 28. Januar bis 9. Februar 1943 mit 2.325 Feindtoten und eigenen Verlusten von 5 Toten und 38 Verwundeten und dem „Unternehmen Hermann“ vom 13. Juli 1943 bis zum 11. August 1943 mit der Ermordung von über 4.000 Zivilisten. Im November 1943 führte die Kampfgruppe, zusammen mit der Kampfgruppe „Jeckeln“, das „Unternehmen Heinrich“ durch, das wegen einer sowjetischen Offensive abgebrochen werden musste.
Gottberg war, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Wilhelm Kube, ein dezidierter Gegner größerer weißrussischer Autonomie. Gleichwohl sah er sich gezwungen, mit einheimischen Funktionären zusammenzuarbeiten. Am 21. Dezember 1943 wurde auf Veranlassung Gottbergs der Weißruthenische Zentralrat gegründet, welcher als Marionettenstaat der Besatzer fungierte. Ebenfalls wurde am 23. Februar 1944 die Weißruthenische Heimwehr gegründet, ein Verband weißrussischer Soldaten, welcher zur Bekämpfung von Partisanen eingesetzt wurde.
Gottberg, der binnen kurzer Zeit die höchsten militärischen Auszeichnungen erhielt, wurde am 21. Juni 1944, einen Tag vor dem Beginn der Operation Bagration, die zum Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte führte, zum „HSSPF Russland Mitte und Weißruthenien“ ernannt und am 30. Juni 1944 zum SS-Obergruppenführer befördert.