Curt (Kurt) Karl Bruno von François (* 2. Oktober 1852 in Luxemburg; † 28. Dezember 1931 in Königs Wusterhausen) war Offizier der deutschen Schutztruppe in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Er gründete am 18. Oktober 1890 die heutige namibische Hauptstadt Windhoek (Windhuk) und war verantwortlich für das Massaker von Hornkranz.
Laut der Inschrift auf seinem Grabstein war von François Afrikaforscher und Geodät.
Curt entstammte der ursprünglich französischen Adelsfamilie le François aus der Normandie, die nach dem Edikt von Nantes aufgrund ihres calvenistischen Glaubens nach Deutschland kam und am 21. März 1774 in Wien in der Reichsadelsstand gehoben wurde. Er war ein Sohn des preußischen Generalmajors Bruno von François (1818–1870) und dessen Ehefrau Marie, geborene Wentzel (1829–1909). Unter seinen sechs Geschwistern befanden sich der preußische Generalmajor Alfred von François (1849–1911), der preußische General der Infanterie Hermann von François (1856–1933) sowie der Offizier der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika Hugo von François (1861–1904). Der preußische Generalleutnant Karl von François (1785–1855) war sein Großvater.
Nach dem Besuch der Kadettenhäuser in Wahlstatt und Berlin trat François am 12. August 1870 mit Aussicht auf Beförderung in das Ersatz-Bataillon des Niederrheinischen Füsilier-Regiments Nr. 39 der Preußischen Armee ein. Im folgenden Krieg gegen Frankreich nahm er an der Belagerung von Metz teil und wurde am 24. Oktober 1870 mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Sein Vater fiel in diesem Krieg bei der Erstürmung der Spicherner Höhen.
Nach dem Friede von Frankfurt avancierte François Anfang Juni 1871 zum Sekondeleutnant und war ab Mitte Februar 1878 als Militärlehrer zum Berliner Kadettenhaus kommnaidert. Unter Belassung in seinem Kommando und Beförderung zum Premierleutnant wurde er Mitte Dezember 1880 à la suite seines Regiments gestellt. Am 30. März 1882 kehrte er mit der Versetzung in das 2. Hessische Infanterie-Regiment Nr. 82 in den Truppendienst zurück.
Am 17. Oktober 1883 nahm François erstmalig seinen Abschied aus der Armee, um sich an der Kasai-Expedition Hermann von Wissmanns zu beteiligen und unternahm 1885 mit George Grenfell eine Forschungsreise zum Tschuapa und Lulongo. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde am 3. April 1886 als aggregierter Offizier im Colbergschen Grenadier-Regiment (2. Pommersches) Nr. 9 angestellt und Ende April des Folgejahres zur Dienstleistung beim Großen Generalstab kommandiert. Unter Belassung in diesem Kommando Mitte August des Jahres in sein Regiment einrangiert, stieg er am 21. Juni 1887 zum Hauptmann auf.
Seit 1887 wurde er als Vermessungs- und Forschungsoffizier in den deutschen Kolonien Togo und Kamerun eingesetzt. 1887 ging François im Auftrag des Auswärtigen Amtes nach Togo und reiste über Salaga hinaus nach Norden in das Land der Mossi bis zum 12. Breitengrad.
In Togo erreichte ihn 1889 die Anfrage, ob er bereit wäre, im Auftrage der Deutschen Kolonialgesellschaft in Deutsch-Südwestafrika eine Schutztruppe zur Absicherung der deutschen Interessen aufzubauen und zu führen. Zwischen Oktober 1888 und Juli 1889 war es zu einer Vertreibung des deutschen Kommissariates und einer Unterbrechung der Hoheitsausübung in Okahandja gekommen. Er nahm dieses Angebot an und reiste nach Teneriffa, wo er Anfang Juni 1889 auf die dort angelandete, unter Führung seines jüngeren Bruders Hugo von François stehende Schutztruppe traf. Sie bestand aus 21 Soldaten, acht Aktiven aus der Kaiserlichen Armee und 13 Freiwilligen. François übernahm diese Truppe und landete mit ihr am 24. Juni 1889 in dem unter britischer Hoheit stehenden Hafen von Walvis Bay. Von dort führte Hauptmann von François seine Soldaten in Fußmärschen nach Otjimbingwe und richtete hier am 8. Juli 1889 sein Hauptquartier ein. Otjimbingwe war seinerzeit der Sitz des ersten Reichskommissars von Deutsch-Südwestafrika, Heinrich Ernst Göring.
Als erste militärische Maßnahme ließ François im August 1889 am Swakop in der Nähe von Tsaobis eine befestigte Station (die sogenannte Wilhelmsfeste) zur Kontrolle des dortigen Handelswegs errichten. Sodann begab er sich mit seiner Schutztruppe, ohne Zustimmung des Kommissars, zu einer fast zweijährigen Erkundungstour durch den Osten und Norden des noch weitgehend unerforschten Landes.
Nach seiner Rückkehr 1890 fand er nicht nur die angeforderten 50 Mann Verstärkung in Otjimbingwe vor, sondern auch einen bereits abberufenen und daher im Aufbruch befindlichen Göring. Als sein Nachfolger übernahm François auch dessen Aufgabe. In der Position des Reichskommissars erneuerte er im Mai 1890 den bereits im Oktober 1885 geschlossenen, aber kurz danach widerrufenen Schutzvertrag mit Maharero, dem Oberhäuptling der Herero, und erreichte bei dieser Gelegenheit auch dessen Zustimmung, sich in der zur Zeit unbewohnten Siedlung Windhoek niederzulassen und eine befestigte Station errichten zu dürfen. Samuel Maharero, der Sohn und Nachfolger des kurz nach dem Vertragsschluss verstorbenen Maharero, versuchte zwar, diesen Vertrag erneut für nichtig zu erklären, scheiterte damit jedoch an dem energischen Beharren des neuen Landeshauptmanns François. Am 18. Oktober 1890 wurde der Grundstein für die „Alte Feste“ und damit für die Stadt Windhoek gelegt. Zwar hatte Windhoek schon unter Jonker Afrikaner (ǀHara-mûb oder ǀHôa-ǀaramabKlicklaut) seit 1840 mit einer durchaus beachtlichen Einwohnerzahl von rund 30.000 Bewohnern bestanden, war aber danach mehrfach überfallen und zerstört worden und hatte als Ort aufgehört zu existieren. Ein Denkmal für Curt von François an der Independence Avenue in Windhoek erinnerte an das Ereignis der Stadtgründung im Jahr 1890. Es wurde im November 2022 abgebaut und soll ab September 2024 mit neuem Sockel vor dem Windhoeker Stadtmuseum ausgestellt werden, was jedoch aufgrund von Schwierigkeiten noch nicht geschehen ist.[veraltet]
Von 1890 bis 1892 widmete sich François zusammen mit seinem Bruder Hugo vor allem der kartographischen Erfassung des Landes. Nach Fertigstellung der „Alten Feste“ 1891 wurden Hauptquartier und Reichskommissariat von Otjimbingwe nach Windhoek verlegt, wodurch Windhoek nun auch Landeshauptstadt von Deutsch-Südwestafrika wurde. Besonderen Wert legte François auf die Schaffung eines von den Briten unabhängigen Seehafens; bei seinen Erkundungstouren wurde er an der Swakopmündung fündig und gründete hier am 12. September 1892 die Hafenstadt Swakopmund.
Der Überfall auf Hornkranz 1893
Da die Nama unter Führung ihres Kaptein Hendrik Witbooi (ǃNanseb ǀGabemab) die „Schutzherrschaft“ der Deutschen nicht anerkannten, kam es zunehmend zu Konflikten. Nach Eintreffen einer militärischen Verstärkung von 225 Soldaten aus dem Deutschen Reich griff François am 12. April 1893 den Privatwohnsitz von Hendrik Witbooi, die Festung Hornkranz, an. Die deutsche Schutztruppe tötete mindestens 80 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder. Witbooi selbst konnte fliehen. François Vorgehen verstieß gegen die allgemeine Order des Auswärtigen Amtes in Berlin, keine kriegerischen Handlungen vorzunehmen, sondern nur gegen Einzelpersonen vorzugehen. Das Massaker auf Hornkranz beschäftigte in den Folgemonaten die internationale Presse, wobei die tatsächliche Opferzahl nicht abschließend geklärt werden konnte.
Mit der Kriegsführung gegen die Nama und der Wahrnehmung seines kolonialpolitischen Tagesgeschäfts unzufrieden, entsandte die Reichsregierung im Dezember 1893 den Major Theodor Leutwein nach Afrika, um François in seinen Verwaltungsaufgaben zu unterstützen. Leutwein traf am 1. Januar 1894 in Swakopmund ein und wurde zunächst in die Kolonie und ihre Probleme eingewiesen. Es entwickelte sich darüber hinaus auch eine militärische Zusammenarbeit; so unternahmen beide zwar getrennte, aber aufeinander abgestimmte Erkundungszüge in den Süden des Landes, wo François im März 1894 in Gibeon und Keetmanshoop (damals „Modderfontein“ oder auch „Swartmodder“ genannt) befestigte Schutztruppen-Stationen errichten ließ. Im gleichen Monat wurde er von Leutwein als Landeshauptmann abgelöst. François hinterließ seinem Nachfolger umfangreiches und fundiertes Kartenmaterial, auf dessen Grundlage die ersten militärischen Landkarten der gesamten Kolonie angefertigt werden konnten.