Curt Bois [kurʈ bwa] (* 5. April 1901 als Kurt Boas in Berlin; † 25. Dezember 1991 ebenda) war ein deutscher Schauspieler und Sänger, dessen Karriere über 80 Jahre umfasste.
Als Kinderdarsteller war er noch vor dem Ersten Weltkrieg einer der ersten Kinderstars der Filmgeschichte und trat als Salonhumorist auf. In der Weimarer Republik erlangte er als Interpret von Chansons wie Ich mache alles mit den Beinen oder des von Friedrich Hollaender geschriebenen Liedes Guck doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin einen noch größeren Bekanntheitsgrad. Weiterhin trat er in vielen Filmen auf, wirkte an Bühnenkomödien und Varieté-Shows mit.
Aufgrund seiner jüdischen Abstammung flüchtete er 1933 vor den Nationalsozialisten ins Ausland. Er spielte zahlreiche, zumeist kleinere Nebenrollen in Hollywood-Filmen, darunter im Klassiker Casablanca. In den 1950er-Jahren kehrte er nach Deutschland zurück und hatte längere Engagements am Theater des Westens und am Schillertheater in Berlin. Auch der Film und das Fernsehen in Deutschland boten ihm wieder ein Betätigungsfeld; ein später Höhepunkt seines Schaffens war 1987 der Film Der Himmel über Berlin von Wim Wenders.
Curt Bois kam als Kurt Boas am 5. April 1901 in der elterlichen Wohnung in der Fontanepromenade 4 in Berlin auf die Welt. Seine Eltern waren Philipp Boas und Martha geb. Saul. Die Familie war jüdischer Herkunft. Nach einer letzten Begegnung im Treppenhaus mit dem Vater, einem Spieler und herumreisenden Vertreter für Lederwaren, blieb die Mutter Martha mit ihren vier Kindern in der Ansbacher Straße 28 in Berlin zurück. Curts ältere Schwester Ilse spielte kleine Kinderrollen in Theater und Film und half so mit, die Familie zu ernähren. 1907 wurde der Bühnenautor Albert Bernstein-Sawersky sein Stiefvater.
Zu seinem sechsten Geburtstag bekam Curt ein Puppentheater geschenkt, mit dem er sein Stück Robinson Krause, ein Schiffbrüchiger aus Berlin aufführte. Trotz eines gelangweilten Publikums gab er nicht auf und gründete sein eigenes Theater, in dem er Direktor und Ensemble zugleich war, und spielte auch sein eigenes Publikum.
Nach diesen schauspielerischen Darbietungen im Kinderzimmer begleitete Curt Bois mit sieben Jahren seine Schwester eher zufällig ins Theater des Westens zum Vorsprechen bei Direktor Monti. Hier wurde nicht Ilse, sondern er als Heinerle in Leo Falls Operette Der fidele Bauer engagiert. Die Premiere fand am 23. Oktober 1908 im Theater des Westens statt und das Heinerle-Duett mit Grete Dierkes konnte bereits fünf Tage nach der Premiere auf Schallplatte als Fotoserie und filmisch aufgezeichnet erworben werden. Als Achtjähriger trat er im Berliner Thalia-Theater auf.
1908 folgten auch schon die ersten Stummfilme wie Mutterliebe, Der kleine Detektiv und Streichhölzer, kauft Streichhölzer! Seine Kollegen waren unter anderem Henny Porten in Des Pfarrers Töchterlein oder Georg Kaiser in BZ-Maxe & Co.
Seit 1914 entstanden viele Revuen mit leichter Unterhaltung in Berlin, in denen auch Curt Bois von 1914 bis 1919 mit seinen Auftritten als „Salonhumorist“ vertreten war, sowie in Kabaretts, Varietés und Kurbädern in Deutschland, Schweiz, Österreich und Ungarn. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr suchten die Menschen nach Zerstreuungen, und Bois arbeitete im „Cabaret Kurfürst“ im „Brunnenpalast“, wo er mit seinen Parodien auf andere Kabarettgrößen wie Jean Moreau und Paul Steinitz sehr beliebt war.
Am Nelson Theater lernte Curt Bois seine spätere Frau Hedi Ury kennen. Hedi gab dann aus Rücksicht auf die Karriere ihres Mannes ihre Berufstätigkeit auf und unterstützte ihn bis zu ihrem Tod 1962. Curt Bois arbeitete danach abwechselnd für die „Wilde Bühne“ und das „Nelson Theater“. An Trude Hesterbergs Kabarett „Wilde Bühne“ im Theater des Westens präsentierte Curt Bois Parodien und Lieder und traf auch hier den Nerv der Zeit. Das Programm der „Wilden Bühne“ war eher zeitkritisch und satirisch geprägt.
Im Programm des Kabarett der Komiker (KadeKo) vereinigten sich die Kunstformen Kabarett und Varieté. Das „KadeKo“ wurde am 1. Dezember 1924 mit der Operettenparodie Quo Vadis? eröffnet. In diesem Stück wirkten auch Margo Lion und Kurt Gerron mit. Curt Bois spielte den Römer Gojus, an dessen Brust ein großes Hakenkreuz baumelte. Quo Vadis war eine frühe Satire auf den Nazismus, die später den Nazis als Anlass diente, die daran Beteiligten zu verfolgen und zu ermorden. Ab 1925 holte Heinz Hilpert ihn auch zurück auf die Theaterbühne, wo er ebenfalls vor allem in komischen Rollen zu sehen war. Im „KadeKo“ wurde auch seine ältere Schwester Ilse Bois zum Star, bis sie 1933 zunächst nach Österreich und später nach Großbritannien emigrierte.
Curt wirkte seit seiner Kindheit immer wieder in Stummfilmen mit, unter anderen in Sie und die Drei, Wehe, wenn sie losgelassen, Der Jüngling aus der Konfektion und Der Fürst von Pappenheim. In dem letztgenannten Film hatte er einen komischen Auftritt in Damenkleidern, der 1937 in dem antisemitischen Pamphlet Film-Kunst Film-Kohn Film-Korruption von Neumann-Belling-Betz unter der Überschrift „'Deutsche' Weltstars“ zur Diffamierung des Schauspielers diente. Ebendiese Szene in Frauenkleidern wurde 1940 auch in den antisemitischen Propagandafilm Der ewige Jude montiert, welcher im Berliner Ufa-Palast Premiere hatte und als angeblicher Beweis für die Dekadenz der Weimarer Republik dienen sollte.
Im deutschen Tonfilm war Curt Bois nur selten zu sehen. Sein erster Tonfilm Der Schlemihl wurde 1931, unter der Regie von Max Nosseck, zum Überraschungserfolg. Danach trat er nur noch in den Filmen Ein steinreicher Mann und Scherben bringen Glück, einem Kurzspielfilm von 1932, bei dem er auch Regie führte, auf. Der Film Der Schlemihl gilt als verschollen.
Auf das Kabarett folgte die Operettenbühne, und Curt Bois spielte unter Victor Barnowsky am Deutschen Künstlertheater Berlin. In der Operette Olly-Polly wurde Curt Bois von Max Reinhardt entdeckt und durfte in Maughams Victoria, einer Komödie aus dem Jahre 1926, die von Max Reinhardt extra für ihn erfundene Rolle des Tanzlehrers spielen.
Am 31. Dezember 1928 hatte einer seiner größten Bühnenerfolge Premiere. Curt Bois war am Wiener Theater in der Josefstadt unter der Regie von Hugo Thimig als Lord Babberley in seiner eigenen Bearbeitung von Brandon Thomas’ Stück Charleys Tante zu sehen. Er wiederholte 1929 die Inszenierung am Komödienhaus Berlin in der eigenen Regie gemeinsam mit Felix Weissberger, aber die geplante Verfilmung kam 1933 nicht mehr zustande. Brandon Thomas’ Erben verhinderten auch das Anknüpfen an die Erfolge dieses Stückes in Amerika.
Der Revisor von Gogol war das letzte Stück, mit dem Curt Bois 1932 in Berlin Premiere hatte, bevor er ins Exil ging. Das Stück, mit dem er zuletzt in Berlin auf der Bühne stand, war Frankensteins unheimliche Geschichten. Aus dieser Revue, in der Curt Bois von Mischa Spoliansky und Friedrich Hollaender komponierte Schlager sang, stammen so bekannte Lieder wie Ich mache alles mit den Beinen, Kuck doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin und Komm, laß uns einen kleinen Rumba tanzen. Diese Lieder wie auch das Heinerle-Lied waren nicht nur durch die Bühne, sondern auch durch Schallplatten bekannt.
Am 7. Februar 1933, eine Woche nach Hitlers „Machtergreifung“, verließ Curt Bois Deutschland. Er sah für seine Zukunft drei Möglichkeiten: Sich selbst umbringen, umgebracht zu werden oder in einem anderen Land sein Leben zu fristen.
In Wien angekommen, fand Bois Arbeit in der Operette Die Dame mit dem Regenbogen, welche auch in Prag als Gastspiel zu sehen war. In Prag blieb er 1933 für zwei weitere Inszenierungen. Bis 1934 blieb er in Österreich, doch auch dort konnte er längerfristig nicht bleiben, da auch in Wien aufgrund wirtschaftlicher Probleme Theater geschlossen wurden. Als Emigrant war es für ihn schwer, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Bois und seine Frau hielten es nicht länger in Österreich aus und gingen nach London. Hier bestand die Hoffnung, durch einen Freund aus Deutschland in der Filmbranche Fuß zu fassen, aber die hergestellten Kontakte blieben ohne Erfolg.