Cricket (englisch [ˈkɹɪkɪt]; in Deutschland amtlich auch Kricket, in den Anfängen auch Thorball) ist ein Schlagballspiel, bei dem zwei Mannschaften mit jeweils elf Spielern gegeneinander antreten. Kernelement des Spiels ist das Duell zwischen dem Bowler (Werfer) und dem Batter (Schlagmann). Während der Bowler versucht, den Batter zu einem Fehler zu bewegen und damit ausscheiden zu lassen, versucht der Batter seinerseits, durch Wegschlagen des Balls sogenannte Runs (Punkte) zu erzielen. Der Bowler wird in seiner Aufgabe durch die anderen Feldspieler unterstützt, die versuchen, den Ball so schnell wie möglich zurückzubringen.
Die Sportart entwickelte sich seit mindestens dem 16. Jahrhundert vor allem in Südostengland und wird seit dem 19. Jahrhundert professionell betrieben. Nachdem das erste Länderspiel 1844 zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada stattfand, etablierte sich das bis heute betriebene, mehrere Tage dauernde Test Cricket seit 1877. Seit 1971 werden internationale Ein-Tages-Spiele (ODIs) durchgeführt und kurz darauf in dieser Spielform Weltmeisterschaften für Frauen und Männer ausgetragen. Heute wird Cricket vor allem in den Ländern des Commonwealth als Sommersport betrieben und hat sich in einigen Ländern, vor allem in Südasien, als Nationalsport etabliert. Seit den frühen 2000er Jahren entwickelte sich die kürzere Form des Twenty20-Cricket, die neben kommerziell erfolgreichen Ligabetrieben ab den Olympischen Spielen 2028 dazu führt, dass Cricket wieder olympische Sportart wird.
Eine frühe Form von Cricket, die von Schafhirten und Bauern gespielt wurde, kann bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Es liegen schriftliche Belege über ein Spiel namens creag aus dem Jahr 1300 in Kent vor, das von Prince Edward gespielt wurde.
1598 berichtet ein Gerichtsfall über eine Sportart namens Kreckett, die an einer Schule in Guildford ausgeübt wurde. Dies ist auch laut dem Oxford English Dictionary der erste gültige Nachweis des Wortes Cricket in der Englischen Sprache.
Während des 17. Jahrhunderts wurde Creckett vor allem im Südosten Englands immer populärer. Gegen Ende dieses Jahrhunderts wurde es zu einer organisierten Sportart (die vermutlich auch die ersten Profis auf diesem Gebiet hervorbrachte), da nachweislich im Jahr 1697 ein great cricket match mit elf Spielern pro Mannschaft in Sussex abgehalten wurde.
Organisation und Weiterentwicklung
Im 18. Jahrhundert wurden wesentliche Bestandteile des Spiels weiterentwickelt und Cricket wurde zum Nationalsport in England. Adelige und reiche Kaufleute begannen ihre eigenen Mannschaften (select XIs) aufzustellen. Spielstätten in London wurden bereits 1707 auf dem Artillery Ground in Finsbury bereitgestellt, bis 1787 letztendlich der legendäre Lord’s Cricket Ground eröffnet wurde. Der im selben Jahr gegründete Marylebone Cricket Club avancierte rasch zur ersten Adresse in diesem Sport und ist bis heute auch der Hüter der Laws of Cricket (Cricketregeln).
Im 19. Jahrhundert wurde der bis dahin angewandte Underarm Bowling („Unterarmwurf“) zuerst durch das Roundarm Bowling (eine Bowling-Bewegung in Höhe des Beckens) und schließlich 1864 durch den Overarm Bowling („Oberarmwurf“) ersetzt, der heute noch ein typisches Erkennungsmerkmal von Cricket ist. 1877 wurde auch das erste Test Cricket-Match auf dem Melbourne Cricket Ground zwischen Australien und England ausgetragen. Auf nationaler Ebene wird Cricket seit dieser Zeit in Ligabetrieben professionell betrieben.
Cricket war – ebenso wie Croquet und Pelota – auch eine Sportart bei den Olympischen Spielen in Paris im Jahr 1900. Die Dauer des olympischen Cricketspiels betrug nur zwei Tage, Sieger wurde Großbritannien.
Entwicklung zum weltweiten Sport
Während der Sport auf internationaler Ebene zum Ende des 19. Jahrhunderts vornehmlich in England, Australien und Südafrika ausgetragen wurde, wurde er mit der Unabhängigkeit der britischen Kolonien auch in der Karibik und in Südasien (Indien und Pakistan) relevant. Zum Ende der 1970er Jahre erfolgte eine Modernisierung des Sportes, die Cricket auch medial und kommerziell weiter etablierte. Dauerten Spiele bis dahin grundsätzlich mehrere Tage, wurden mit Ein-Tages-Spielen (ODIs) und zu Beginn der 2000er Jahre mit Twenty20-Spielen kürzere Formen etabliert. Seit ihrer Einführung gibt es in diesen beiden Formen auch Weltmeisterschaften (Cricket World Cup, ICC Men’s T20 World Cup, Women’s Cricket World Cup, ICC Women’s T20 World Cup), die sich neben den traditionellen Touren zwischen Mannschaften als heutiger Kern des internationalen Spiels etabliert haben.
Auf dem ovalen Spielfeld befinden sich elf Spieler der Feldmannschaft und zwei Spieler der Schlagmannschaft. In der Mitte des Spielfeldes ist ein Streifen (Pitch) von rund 20 m Länge und 3 m Breite aufgebracht, an dessen schmalen Enden sich jeweils eine Holzkonstruktion, das sogenannte Wicket, befindet. Ziel der Feldmannschaft ist es, mit Hilfe ihres Bowlers mit dem Ball das Wicket des Gegners zu zerstören. Um dieses zu verhindern, steht vor jedem der Wickets ein Batter der Schlagmannschaft und wehrt den Ball mit einem Schläger ab. Der Bowler läuft vom gegenüberliegenden Ende des Pitches an und wirft (bowlt) den Ball in einer vorgegebenen Bowlingtechnik in Richtung des Batters. Verfehlt dieser den Ball und der Ball zerstört das Wicket, ist der Batter ausgeschieden; genauso gilt dies, wenn er den Ball trifft und dieser dann direkt aus der Luft von einem Mitglied der Feldmannschaft gefangen wird. In diesem Fall kommt ein neuer Batter der Schlagmannschaft aufs Feld und nimmt den Platz des ausscheidenden ein. Gelingt dem Batter ein Schlag, so läuft er zur anderen Seite des Pitches und tauscht mit seinem Partner die Plätze. Für jeden gelungenen Seitenwechsel bekommt die Schlagmannschaft einen Punkt (Run). Gelingt es dem Schlagmann, dass der Ball über die Spielfeldbegrenzung rollt, gibt es dafür vier Runs. Sollte ihm sogar gelingen, dass der Ball das Spielfeld verlässt, ohne dass er zuvor den Boden berührt hat, so gibt es sechs Runs.
Ein Spiel ist dabei in zwei oder vier Spielabschnitte (Innings; die Form mit „s“ am Ende ist sowohl Plural wie auch Singular) geteilt, in denen jede Mannschaft abwechselnd jeweils ein Innings lang Schlag- oder Feldmannschaft ist. Das Innings ist dabei noch einmal in Unterabschnitte (Over) von sechs regulär gebowlten Bällen des Bowlers geteilt, in denen dieser immer von einem Ende des Pitches anläuft und bowlt. Sind alle Bälle des Overs gebowlt, folgt ein anderer Bowler von der anderen Seite des Pitches und absolviert von dort sein Over. Das Innings ist dann beendet, wenn bei der Schlagmannschaft zehn Spieler ausgeschieden sind oder wenn eine vorher festgelegte Anzahl von Overn absolviert ist. Anschließend tauschen die beiden Mannschaften ihre Aufgaben und absolvieren ihr Innings als Schlag- bzw. Feldmannschaft. Nach Abschluss aller Innings gewinnt die Mannschaft mit den meisten Runs.
Als oberste Instanz der Cricket-Regeln ist der Marylebone Cricket Club (MCC) in London anerkannt, obwohl internationales Cricket unter der Führung des International Cricket Council (ICC) durchgeführt wird. Der MCC gibt die Laws of Cricket heraus, die in 42 Regeln den Ablauf des Spieles festlegen.
Eine Cricketmannschaft besteht aus elf Spielern. In sehr eingeschränktem Maße ist auch der Einsatz von Substitutes und Runners für verletzte Spieler möglich; taktische Einwechslungen gibt es jedoch nicht. Im Verlauf eines Cricketspiels übernehmen die Spieler je nach Spielsituation verschiedene Rollen.
Jeder Spieler einer Schlagmannschaft muss einmal als Batter auftreten und Runs für seine Mannschaft erzielen.
Wenn die andere Mannschaft am Schlag ist, versuchen die Bowler, die gegnerischen Batter ausscheiden zu lassen. Bowler sind meist spezialisiert, und sehr guten Bowlern wird es nachgesehen, wenn sie als Batter nicht besonders gut abschneiden.
Der Wicket-Keeper steht hinter dem am Schlag befindlichen Batter und versucht, die vom Bowler gebowlten Bälle zu fangen. Wicket-Keeper sind meist hochspezialisiert; jedes Team hat nur einen Wicket-Keeper. Er ist auch der einzige Spieler der Feldmannschaft auf dem Feld, der Handschuhe trägt.