Die Cree (englisch, auch Kri, französisch Les Cris, m pl / Les Cries, f pl) sind ein indigenes Volk der Indianer Nordamerikas. Ihr Stammesgebiet erstreckt sich von den Rocky Mountains bis zum Atlantischen Ozean über Teile der Vereinigten Staaten und Kanadas. Sie selbst bezeichnen sich als Ayisiniwok und Aha payew – „Wahre Menschen“ oder im Sinne von „das Volk“ als Iniwak, Iyiniwok, Eenou, Iynu oder Eeyou. Später bezeichneten sich viele Gruppen auch als Wi Iniwak oder Wiyiniwak, was so viel bedeutet wie „Volk mit gemischter Herkunft“.
Ihre Sprache, das Cree, gehört der Algonkin-Sprachgruppe an; mit ihr verwandt ist das Michif der Métis.
Die Cree stellen heute die mit Abstand größte Gruppe unter den First Nations dar. Ihre 135 staatlich anerkannten Stämme umfassen rund 200.000 Menschen. Kein anderes indigenes Volk in Nordamerika hat ein so großes Verbreitungsgebiet.
Stammes- und Dialektgruppen der Cree
Die verschiedenen Bands der Cree identifizierten sich zwar anhand der gemeinsamen Sprache als „Cree“, ab 1700 konnten jedoch mindestens vier regionale Stammesgruppen unterschieden werden, die abweichende Dialektvarianten sprachen und deren Kulturen sich untereinander unterschieden (teilweise bekämpften sie sich gegenseitig). Die Oji-Cree (auch: Severn Ojibwa oder Northern Ojibwa) werden zwar kulturell sowie historisch zur Stammesgruppe der Anishinaabeg gerechnet, identifizieren sich jedoch selbst als „Swampy Cree“ und nicht als Ojibwa. Heute sind die „Plains Cree“ die berühmtesten Vertreter der Cree-Gruppen, dies ist sowohl auf das europäische Stereotyp des Edlen Wilden und des „Indianers“ schlechthin – speziell auf die Prärie-Indianer begrenzt – zurückzuführen, als auch darauf, dass diese als führendes Mitglied der Cree-Konföderation (Nehiyaw-Pwat) oder Iron Confederacy (Plains Cree, Woodland Cree, Assiniboine, Saulteaux) den Siedlern und der kanadischen Regierung als Letzte militärischen Widerstand leisteten. Heute identifizieren sich daher manche sprachlich und kulturell zu den „Woodland Cree“ zählenden Bands als „Plains Cree“.
Plains Cree bzw. Western Cree oder Paskwāwiyiniwak (Nehiyawak, Eigenbezeichnung: ᐸᐢᑳᐧᐤ ᓀᐦᐃᔭᐁᐧᐃᐧᐣ, Paskwâw Nehiyawewin – „Volk auf den Plains (Ebenen)“, von anderen Cree-Gruppen auch als ᐸᐢᑳᐧᐃᐧᔨᓂᐤ, Paskwâwiyiniwak, ᐸᐢᑳᐧᐃᐧᓃᒧᐃᐧᐣ, Paskwâwinîmowin bezeichnet): lebten als nomadische Bisonjäger und Reitervolk in den Steppen der kanadischen Prärieprovinzen von Zentral-Manitoba, Zentral-Saskatchewan und Nord-Alberta südwärts bis auf den amerikanischen Nördlichen Plains von Montana; manche Bands zogen weiter westwärts und nordwärts nach British Columbia und in die Nordwest-Territorien. Kulturell zählen sie zum Kulturareal der Prärien und Plains, da sie größtenteils den Lebensstil der südlich lebenden Plains-Indianer übernommen hatten und in Tipi wohnten.
Sprachlich unterscheidet man heute ihre Sprache – das „Plains Cree“ (Nêhiyawêwin, ᓀᐦᐃᔭᐍᐏᐣ) bzw. den „y“-Dialekt – in zwei Dialektgruppen:
Northern Plains Cree/Northern Alberta Cree (Nīhiyawīwin bzw. Nīhiyawīmowin) in Nord-Alberta
Southern Plains Cree/Nuclear Plains Cree (Nēhiyawēwin)
Woods Cree, Woodland Cree bzw. in Alberta Bush Cree oder Sakāwithiniwak (Nīhithawak, Eigenbezeichnung: ᓴᑳᐃᐧᔨᓃᐃᐧᐤ, Sakâwiyinîwiw – „Volk im Waldland“) bzw. Northern Cree (ᑮᐁᐧᑎᓅᑖᐃᐧᔨᓂᐤ, Kîwêtinôtâwiyiniw – „Nördlich lebendes Volk“): lebten nördlich und westlich der Plains Cree in der Waldtundra und den borealen Nadelwäldern im Norden Manitobas, Saskatchewans und Albertas, lebten vergleichsweise ortsfest und wanderten in relativ engem räumlichen Rahmen in jährlich sich wiederholenden Zyklen. Sie lebten größtenteils von der Jagd (Waldkaribus, Waldbisons, Hirsche und Elche) und dem Fischfang (insbesondere Lake Whitefish) sowie dem Sammeln von Beeren, essbaren Gräsern, Stauden und Wurzeln sowie Ahornsirup. Im Frühjahr und Herbst jagten die Woodland Cree Enten und Gänse, im Winter Schneehühner. Wie viele andere Stämme, die auf Schneeschuhhasen als Nahrungs- und Kleidungsquelle angewiesen waren, litten sie unter dem periodischen Rückgang der Hasen-Populationen (insbesondere jedes neunte/zehnte Jahr, als die Hasen fast ganz verschwanden). Sie übernahmen nur spät (teilweise auch gar nicht) das Pferd als Reit- und Transportmittel und lebten in den südlichen Gebieten in kuppelförmigen Wigwams aus Birkenrinde und weiter nördlich, wo die Birke stärker verkümmert war, bewohnten sie konische Stangenzelte (ähnlich den Tipis) die mit Abdeckungen aus Kiefernzweigen und Karibuhaut bedeckt waren.
Kulturell und sprachlich werden zwei Untergruppen unterschieden:
Woods Cree (Nīhithawīwin, ᓃᐦᐃᖬᐑᐏᐣ) bzw. „th“-Dialekt der Woods Cree bzw. Bush Cree
Rocky Cree (Misinipi Cree, Nīhirawīwin) bzw. „r“-Dialekt der Rocky Cree bzw. Rock Cree oder Asinīskāwiyiniwak (ᐊᓯᓃᐢᑳᐃᐧᔨᓂᐤ, Asinîskâwiyiniw – „Volk im steinigen/felsigen Land, d. h. Rocky Mountains“): lebten geographisch zwischen Plains und Woods/Woodland Cree, waren daher kulturell von beiden Gruppen beeinflusst, politisch mit den Plains Cree verbündet, übernahmen sie jedoch bald die Sprachvariante der Woods/Woodland Cree.
Swampy Cree oder Maškēkowak bzw. Omaškêkowak (Nēhinawak bzw. Néhinaw, ᒪᐢᑫᑯᐃᐧᔨᓂᐤ, Maskekowiyiniwak, auch ᐅᒪᐢᑫᑯᐤ, Omaskekiw – „Volk des Sumpflandes“): lebten im Nordosten von Saskatchewans, Norden Manitobas sowie entlang der Ufer der Hudson Bay und James Bay in Ontario und Quebec.
Ihre Sprache – das „Swampy Cree“ (Nêhinawêwin, ᓀᐦᐃᓇᐍᐏᐣ) bzw. „n“-Dialekt – wird meist geographisch in zwei Dialektgruppen unterteilt:
West[ern] Swampy Cree (Nêhinawêwin, ᓀᐦᐃᓇᐌᐎᐣ) der oft als „Lowland (Half-Homeguard) Cree“ bezeichneten Westlichen Swampy Cree
East[ern] Swampy Cree/Western James Bay Cree (Ininîmowin, ᐃᓂᓃᒧᐎᓐ, auch Ininiwi-Išikišwēwin) der (zusammen mit den „Moose Cree“) oft als „Lowland (Homeguard) Cree“, „West Main Cree“ oder „James Bay Mushkego“ bezeichneten Östlichen Swampy Cree; da sie entlang des Westufers der Hudson und James Bay lebten, waren sie auch als „Western James Bay Cree“ bekannt im Unterschied zu den „(Eastern) James Bay Cree/East Main Cree“ der „East Cree (Östlichen Cree)“.
Moose Cree, Moosonee oder Mōsonī („Volk von der Elchinsel“, Ililiw): lebten entlang den Ufern der James Bay und entlang des Moose Rivers im Norden Ontarios, ihre saisonalen Wanderungen führten die einzelnen Bands weit ins Landesinnere in die Rainy Lake-Region. Die heute übliche Bezeichnung „Moose Cree“ leitet sich entweder von Môsoniy („Elchinsel“), dem historischen Name für ein Sommerquartier, oder von Môso-sîpiy (Moose River („Elch-Fluss“)), dem Namen des Flusses, in dem sich die Insel befindet, ab. Die heutige Gemeinde Moosonee am Moose River sowie die Insel mit dem offiziellen englischen Namen Moose Factory Island leiten ihre Namen von dieser Stammes- und Dialektgruppe der Cree her. Zudem wird in Nordamerika der Elch meist als Moose bezeichnet.