Cosimo I. de’ Medici (* 12. Juni 1519 in Florenz; † 21. April 1574 in der Villa Medici von Castello in Florenz) aus der Familie der Medici war ab 1537 Herzog von Florenz und ab 1569 Großherzog der Toskana. Sein Vater war Giovanni dalle Bande Nere, seine Mutter Maria Salviati. Er war Mitglied des Ordens vom Goldenen Vlies.
Cosimo kam an die Macht, nachdem 1537 Alessandro de’ Medici ermordet worden war. Alessandros einziger männlicher Nachkomme war der fünfjährige Giulio, ein unehelicher Sohn. Sein Onkel, der Kardinal Innocenzo Cibo, setzte sich dafür ein, dass er die Nachfolge des florentinischen Herrschers antreten sollte, in der Hoffnung, selbst die Macht auszuüben. Beim Rat der Stadt konnte er sich damit jedoch nicht durchsetzen, und Francesco Guicciardini, Francesco Vettori und andere führende Bürger favorisierten die Wahl Cosimos, eines Sohns von Giovanni dalle Bande Nere und damit eines Mitglieds der jüngeren Linie der Medici. Er war zwar erst siebzehn, aber ehrgeizig und durch den Reichtum der Medici mächtig. Zum Zeitpunkt seiner Thronbesteigung hielten ihn die Florentiner für einen jugendlichen Nichtsnutz, den nur Sport und Spiele interessierten.
Cosimo war nach dem kaiserlichen Patent legitimer Nachfolger als Herzog und wurde sogleich von Karl V. anerkannt. Entgegen den Erwartungen seiner Unterstützer ließ er sich trotz seiner Jugend nicht von anderen lenken, sondern arbeitete daran, sich als absoluter Herrscher zu etablieren, der sich von republikanischen Formen wenig aufhalten ließ.
Als die Verbannten vom Tod Alessandros und der Wahl Cosimos erfuhren, sahen sie die Gelegenheit gekommen, nun zügig die Medici-Herrschaft zu brechen. Sie hatten Geld und Hilfsversprechen aus Frankreich erhalten und wurden von Filippo Strozzi und Baccio Valori unterstützt. Strozzi brachte neben seinem Reichtum und Macht seinen Sohn Piero Strozzi ein, einen ausgezeichneten Militär. Die Exilanten sammelten ihre Truppen bei Mirandola, darunter viertausend Infanteristen und dreihundert Pferde und Mitglieder der wichtigsten Florentiner Familien unter der Führung Bernardo Salviatis und Piero Strozzis. Sie zogen gegen Ende Juli 1537 in die Toskana.
Als Cosimo durch seine Spione von dem Vormarsch erfuhr, ließ er von Alessandro Vitelli sofort die besten deutschen, spanischen und italienischen Infanterietruppen sammeln, die ihm zur Verfügung standen und ohne zu zögern gegen den Feind marschieren. Mit 700 ausgesuchten Infanteristen und einer Truppe von 100 Reitern, denen sich andere spanische Fußsoldaten unterwegs anschlossen, marschierte Vitelli gegen Prato. Im frühen Morgengrauen des 1. August 1537 startete er einen Überraschungsangriff auf die Vorhut der Exilanten nahe Montemurlo, einer alten Festung der Nerli, die in eine Villa umgebaut worden war.
Nachdem er die Vorhut in die Flucht geschlagen hatte, stürmte er Montemurlo, wohin sich Filippo Strozzi und einige seiner Kameraden geflüchtet hatten. Nach einigen Stunden verzweifelten Widerstands mussten sie vor der Überzahl kapitulieren. Der Hauptteil der Armee war wegen heftiger Regenfälle und schlechten Zustands der Wege in den Bergen aufgehalten worden, und als man dort von der Niederlage bei Montemurlo erfuhr, zog sich die Armee zurück. Alessandro Vitelli zog siegreich mit seinen Gefangenen in Florenz ein, und Cosimo konnte seinen ersten Triumph feiern.
Von den Gefangenen, die aus bedeutenden Familien stammten, wurden vier an aufeinanderfolgenden Tagen auf der Piazza enthauptet. Danach setzte der Herzog die Hinrichtungen zunächst aus. Dann wurden Filippo Strozzis Sohn und Neffen sowie Baccio Valori am 20. August 1537 im Hof des Bargello enthauptet. Nun war noch Filippo Strozzi übrig, der in der Fortezza da Basso gefangengehalten wurde. Er hatte zahlreiche Anhänger und genoss den Schutz des französischen Königs. Trotzdem suchte Cosimo nur einen glaubwürdigen Vorwand, um seinen Feind loszuwerden. Er ließ ihm den Prozess machen, aber trotz Folter bestritt Strozzi alle Anschuldigungen. Deshalb wurde er auch anschließend hinter Gittern gehalten.
Am 18. Dezember 1538 aber wurde er mit einem blutbefleckten Schwert an seiner Seite tot in der Gefängniszelle aufgefunden. Auf einem Zettel in seiner Zelle standen Vergils Worte exoriare aliquis nostris ex ossibus ultor (Ein Rächer soll aus unseren Knochen auferstehen). Man nahm an, dass er es vorgezogen hatte, Selbstmord zu begehen, statt dem Henker zum Opfer zu fallen. Dennoch meinten einige Historiker, dass Cosimo ihn habe ermorden lassen und das Verbrechen auf diese Weise habe verschleiern wollen.
Das Massaker des jungen Fürsten an seinen Gefangenen warf einen dauerhaften Schatten auf seine Herrschaft. Von da an war aber klar, dass er seine Pläne entschlossen und ohne Skrupel verfolgt. Im Jahre 1539 heiratete er die 17-jährige Eleonora von Toledo in San Lorenzo in Florenz. Anschließend übersiedelte er in den von ihm für sicherer gehaltenen Palazzo Vecchio. In ihm sah man die Inkarnation von Machiavellis Fürsten. Francesco Guicciardini, der einen gewissen Einfluss auf Cosimo ausübte, musste sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen und sich in seiner Villa in Arcetri seiner Geschichtsschreibung widmen. Dort starb er 1540, und sobald kam das Gerücht auf, dass der Herzog ihn habe vergiften lassen. Dies zeigt, wie man Cosimo inzwischen einschätzte. Während seiner Herrschaft gingen 140 Männer und 6 Frauen auf das Schafott, nicht gezählt jene, die im Ausland durch Cosimos Leute ermordet wurden.
Er machte die alten republikanischen Institutionen zu leeren Hüllen. Er erließ strenge Edikte gegen die Rebellen, insbesondere durch das Polverina genannte Gesetz (nach Jacopo Polverini, der es vorgeschlagen hatte). Nach diesem Gesetz konnte nicht nur der Besitz eines Verbannten, sondern auch der von dessen Erben konfisziert werden, selbst wenn er von ihnen selbst erworben worden war. Cosimo herrschte als unabhängiger Souverän eines Staates, wenn auch sein Reich eigentlich klein und schwach war. Als 1542 der Streit zwischen Karl V. und Franz I. wieder auflebte, schlug er sich sofort auf die Seite des Kaisers. Er musste verschiedenen europäischen Herrschern, insbesondere Karl V., erhebliche Kredite geben und die Botschafter mit Schmiergeldern bestechen. Daneben führte er Kriege für die Ausweitung seines Territoriums. Da weder sein geerbter Reichtum noch die konfiszierten Güter für all dies ausreichten, erpresste er sein Volk mit übermäßigen Steuern und begann damit seine Stellung allmählich zu schwächen.
Einen besonderen Groll hegte Cosimo gegen die benachbarten Republiken Siena und Lucca. Obwohl ersteres von Spaniern besetzt und letzteres klein und unbedeutend war, nahmen sich die mit dem neuen Regime unzufriedenen Florentiner die freien Institutionen der Republiken zum Vorbild. Francesco Burlamacchi, ein ehrgeiziger Patriot aus Lucca, hatte sogar den Plan, republikanische Regierungen in allen Städten der Toskana wiederzuerrichten. Mit der Hilfe des Kaisers gelang es Cosimo, ihn zum Tode verurteilen zu lassen.
Während Lucca als unbedeutender Staat keinen Ehrgeiz einer Rivalität mit Florenz entwickelte, war Siena ein alter Feind von Florenz und hatte den Florentiner Verbannten immer Schutz gewährt. Nun unterwarf es sich widerwillig der anwesenden spanischen Garnison, aber durch französische Versprechungen ermutigt, erhob es sich gegen die Besatzer und vertrieb 1552 die Spanier. Cosimo schrieb an den Kaiser und bat ihn um die Erlaubnis, Siena angreifen zu dürfen, sowie um militärische Unterstützung.
Da keine unmittelbare Antwort kam, täuschte er Verhandlungen mit Heinrich II. von Frankreich vor, woraufhin er ein Kontingent aus deutschen und spanischen Truppen erhielt. Siena wurde fünfzehn Monate lang belagert, bis die sich heroisch verteidigenden Einwohner, die von dem unter französischer Flagge kämpfenden Piero Strozzi unterstützt wurden, aus Mangel an Munition und wegen einer Hungersnot kapitulieren mussten. Die ehrenhaften Kapitulationsbedingungen wurden schamlos gebrochen. Durch die Belagerung und eine hohe Zahl von Flüchtlingen sank die Bevölkerung von vierzigtausend auf achttausend. Einige Republikaner zogen sich nach Montalcino zurück und hielten sich bis 1559 als Schattenrepublik Sienas (Repubblica di Siena riparata in Montalcino).