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Cornelis de Graeff

Holländischer Staatsmann, Bürgermeister und Regent von Amsterdam (1599–1664)

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Cornelis de Graeff, zu seinen Lebzeiten oftmals mit Polsbroek oder de heer van Polsbroek tituliert (* 15. Oktober 1599 in Amsterdam; † 4. Mai 1664 ebenda), war im Goldenen Zeitalter ein einflussreicher Regent und Bürgermeister von Amsterdam, Staatsmann sowie Diplomat von Holland und der Republik der Vereinigten Niederlande.

Er entstammte dem Geschlecht De Graeff, welches im Goldenen Zeitalter gemeinsam mit der verschwägerten Familie Bicker die politische Macht in Amsterdam, Holland und schließlich in der niederländischen Republik innehatte. Cornelis de Graeff war regierender Bürgermeister von Amsterdam, Mitglied der Generalstaaten sowie Präsident der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC). Er war eine der führenden Persönlichkeiten, die eine Beendigung des Achtzigjährigen Krieges zwischen den Vereinigten Niederlanden und dem Königreich Spanien anstrebten. Dieser vollzog sich 1648 beim Frieden von Münster. In der darauf folgenden, seitens De Graeff forcierten, Ersten Statthalterlosen Periode galt er gemeinsam mit seinem Neffen Johan de Witt als der führende republikanische Protagonist. Diese progressive Kooperation mit seinem Protegé, Ratspensionär De Witt, war eine wichtige politische Achse, die das politische System innerhalb der Republik ordnete. Bis zu seinem Tod im Jahre 1664 war De Graeff Amsterdams führender Politiker, dem damaligen republikanischen Zentrum der Republik. Er hatte aber nicht nur die Interessen dieser im Sinn, sondern auch die von Holland und den politischen Ausgleich mit den anderen Provinzen.

Cornelis de Graeff galt als ein umsichtiger und geschickter, liberal gesinnter Staatsmann und Diplomat, der auf den Ausgleich zwischen den religiösen und politischen Fraktionen bedacht war und bei der Bevölkerung in hohem Ansehen stand. Seine politische Haltung war charakteristisch für die seiner Familie: einerseits Libertin und staatsgesinnt, andererseits, wenn auch nur bedingt, loyal gegenüber dem Haus Oranien.

Nach seinem Tod führte sein jüngerer Bruder Andries de Graeff die Fraktion De Graeff und dessen Politik fort. Die Gebrüder waren eine der großen Kunstförderer ihrer Zeit gewesen.

Cornelis de Graeff führte die Titel eines Vrijheeren der Hohen Herrlichkeit von Zuid-Polsbroek, Schlossherren von Ilpenstein, Herren des Gutes Soestdijk sowie als Lehensträger der Stadt Amsterdam die eines Ambachtsherren von Sloten, Osdorp, Nieuwer-Amstel und Amstelveen.

Gesellschaftspolitischer Hintergrund

Im Laufe des Goldenen Zeitalters der Niederlande standen die Mitglieder der Familie De Graeff in harscher Kritik zum sich immer mehr ausbreitenden Einfluss des Hauses Oranien-Nassau. Gemeinsam mit den führenden republikanischen Staatsmännern, den Gebrüdern Bicker und den De Witt, waren sie für eine Aufhebung der Statthalterschaft, zumindest in der Provinz Holland. Weiters beanspruchten sie den Erhalt einer (ihrer) vollen Souveränität als Stadtregenten.

Cornelis war der erstgeborene Sohn des Amsterdamer Bürgermeisters und Regenten Jakob Dircksz de Graeff und Aeltje Boelens Loen, einer Ur-ur-Enkelin des bedeutenden Regenten und Bürgermeisters Andries Boelens (1455–1519). Er wuchs im Stadthaus ‘De Keyzershoedt’ in der Niezel auf. Wegen eines Unfalls in seiner Jugend war sein linker Arm nicht vollständig ausgewachsen. Jakob Dircksz de Graeff war von freidenkender, republikanischer Gesinnung, aber auch für seine Ruhmsüchtigkeit bekannt. Er war einer der führenden Remonstranten und staatsgesinnten Regenten, war aber trotzdem kein prinzipieller Anti-Orangist (Haus Oranien). Er hielt das Erbe seines Vaters Dirck Jansz Graeff, das diesen freundschaftlich mit Wilhelm dem Schweiger von Oranien verband, in Ehren. Die jungen De Graeffs wurden durch diese antagonistische Haltung ihres Vaters in politischen Fragestellungen beeinflusst. Cornelis de Graeff war als Erstgeborener der Haupterbe seines verstorbenen Vaters, von welchem er nebst der Hohen Herrlichkeit Zuid-Polsbroek, Gründen und Stadthäusern in Amsterdam die Ambachtsherrlichkeit von Sloten, Nieuwer-Amstel, Osdorp und Amstelveen als Amsterdamer Lehen erhielt.

De Graeff heiratete 1633 Geertruid Overlander (1609–1634; auch Overlander van Purmerland), Tochter von Bürgermeister Volkert Overlander, eine Schwester von Maria Overlander van Purmerland, die Bürgermeister Frans Banning Cocq ehelichte. Als diese schon nach einem Jahr verstarb, verheiratete er sich 1635 mit seiner erst siebzehnjährigen Cousine Catharina Hooft, die ebenfalls eine Cousine seiner ersten Gattin Geertruid und darüber hinaus des Nationaldichters Pieter Corneliszoon Hooft war. Die damaligen Regentengeschlechter waren so eng miteinander verwandt, dass Pieter Corneliszoon Hooft einerseits der Onkel und andererseits der angeheiratete Cousin von Cornelis de Graeff war. Eine durch mehrere Ehen verwobene und politisch bedeutende Verwandtschaft hatten die De Graeff zur Bürgermeisterfamilie Bicker und hierbei vordergründig zu den Gebrüdern Andries Bicker, Cornelis Bicker und Johan Bicker. Auch an das Adelsgeschlecht der Van Hogendorps war er durch Heirat verbunden und Bürgermeister Johan Huydecoper van Maarsseveen war sein Großcousin. Das Ehepaar De Graeff-Hooft hatte zwei Söhne:

Pieter de Graeff (1638-1707), Vrijheer von Zuid-Polsbroek, Purmerland und Ilpendam, Regierungsmitglied von Amsterdam, vertrauter Ratsmann seines Schwagers Johan de Witt sowie einer der Leiter der Niederländischen Ostindien-Kompanie; ehelichte seine Cousine Jacoba Bicker

Jacob de Graeff (1642-1690), Vrijheer von Purmerland und Ilpendam, einer der Grundsteinleger des Amsterdamer Stadthaus Op de Dam, Schepen von Amsterdam; ehelichte Maria van der Does

Seitens Cornelis de Graeff ist die Aussage überliefert, dass die alten Amsterdamer keine Gewohnheit hatten, genealogische Aufzeichnungen über ihre Familien zu führen, und über die vorherigen Generation nicht mehr wussten als das, was sie von ihren Vätern und Großvätern gelernt haben. Die Daten seiner eigenen Familie in Amsterdam reichen nicht sehr weit zurück:

Und zunächst beginne ich mit der Familie der Graven, von der ich väterlicherseits abstamme. Dies ist eine Familie aus Amsterdam, die aus dem Haus 'de Keijser' stammt, das sich am Waeter befand (= jetzt Damrak Nr. 91). Dieses Haus zeigt den Eindruck seines gewölbten Aussehens, im Besitz von Jan Pieters de Graeff und dann von Dirck Jans de Graeff, der dieses Haus auch verkaufte. Auch mein Vater Jacob de Graeff und seine Brüder wurden hier geboren.

Die Familie De Graeff hat daher nie mit dem Alter ihrer eigenen Familie in Amsterdam geprahlt, aber die Gebrüder Cornelis und Andries de Graeff sahen sich zusammen mit ihren Cousins Andries und Cornelis Bicker als politische Erben der alten Regentenfamilie Boelens an, deren katholisch gebliebene Hauptlinie 1647 in männlicher Linie ausgestorben war. Sie hatten von ihren Boelens-Vorfahren die sehr bedeutsamen Vornamen „Andries“ und „Cornelis“ erhalten. Wie in einer echten Dynastie heirateten im 17. Jahrhundert häufig Mitglieder der Familien Bicker und De Graeff, um ihr politisches und wirtschaftliches Kapital zusammenzuhalten. Cornelis’ großer historischer Vorfahre war Andries Boelens (1455–1519), der einflussreichste mittelalterliche Bürgermeister der Stadt. Beide Familien, De Graeff und Bicker, stammen in weiblicher Linie von Boelens ab. Er durfte fünfzehn Mal das Bürgermeisteramt von Amsterdam bekleiden.

Cornelis de Graeffs Stammwappen [welches er von seinem Vater erhielt] ist geviert und gliedert sich wie folgt auf: in den Wappenfeldern 1 und 4 eine silberne Schaufel (Spaten) auf rotem Grund der Herren von Graben und in den Wappenfeldern 2 und 4 einen silbernen Falken auf blauem Grund. Der Ursprung des Falken liegt im Besitz des Landgutes Valckeveen (dem späteren Landsitz Valckenburg) in Gooiland.

De Graeffs persönliches Wappen zeigt in den Feldern 2 und 3 anstatt der Falken die silbernen Gänse auf blauem Grund sowie ein Herzschild. Die Gänse stehen für Purmerland, und sein Herzschild zeigt drei silberne Rauten auf rot, und steht für die Hohe Herrlichkeit Zuid-Polsbroek.

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