An diesem Tag

Conrad Mel

Deutscher reformierter Theologe, Pädagoge und Schriftsteller

Anúncio

Conrad Mel (* 14. August 1666 in Gudensberg; † 3. Mai 1733 in Bad Hersfeld) war ein reformierter Theologe, Pädagoge, Schriftsteller und Maschinenkonstrukteur des beginnenden 18. Jahrhunderts. Neben einer umfangreichen Predigtsammlung zeichnete er sich durch die Leitung des Hersfelder Gymnasiums und die dortige Einführung der Hallischen Pädagogik, die Gründung eines Waisenhauses nach hallischem Vorbild sowie die Konstruktion verschiedener Maschinen aus.

Conrad Mel war Sohn von Johannes Mel, Metropolitan der Stadt und Klasse Gudensberg, und dessen Frau Maria Jorenius, Tochter des Predigers Conrad Johrenius. Er besuchte seit 1676 das Gymnasium in Hersfeld und nahm 1681 das Studium der Theologie und orientalischen Sprachen an der lutherischen Universität Rinteln auf. Mel setzte 1685 sein Studium an der Universität in Bremen fort, wo er in Kontakt mit dem reformiert-pietistischen Theologen Theodor Undereyck kam. Dieser hatte von 1667 bis 1670 am Hof der Landgräfin Hedwig Sophie von Brandenburg in Kassel gewirkt und hatte zu einer Verbindung des niederländischen Pietismus mit dem reformierten Glaubensverständnis in der Landgrafschaft Hessen-Kassel beigetragen. Nach einem Sommersemester in Rinteln im Jahr 1688 setzte Mel sein Studium an der Universität in Groningen fort, wo er sich Johannes Braun, einem Schüler des Johannes Coccejus anschloss. In dieser Zeit nahm er an zahlreichen Konventikeln teil, in denen sich unter anderem der Schriftforschung gewidmet wurde.

1690 erhielt Mel den Ruf der Prinzessin Marie Amalie in eine geistliche Tätigkeit nach Mitau. Entgegen seiner geplanten Englandreise nahm er das Angebot an und wirkte dort bis 1692 als Hofprediger. In dieser Zeit lernte Mel das Leben am Hof in Hessen-Kassel kennen und wurde vom sozialen Engagement der Landgräfin beeinflusst, mit der er im Jahr 1709 das Waisenhaus in Bad Hersfeld gründete. Ab 1692 war Mel in der deutsch-reformierten Gemeinde in Memel angestellt. Dort heiratete er Anna Jursky, die Tochter des Vorgängers Paul Andreas Jursky. Aus dieser Ehe gingen acht Söhne und sechzehn Töchter hervor, wovon jedoch nur ein Sohn und drei Töchter den Vater überlebten.

Im Jahr 1697 wurde Mel als Hofprediger nach Königsberg an den Hof Kurfürst Friedrich III. berufen. Geprägt von der pietistischen Atmosphäre am preußischen Hof sowie den Kontakt zu Philipp Jakob Spener gründete Mel die collegia pietatis und die collegia philobiblica in Königsberg. Diese Versammlungen sollten den Gläubigen zur Erbauung dienen, indem sich über das christliche Leben ausgetauscht und Hilfe zur christlichen Lebensführung geleistet wurde.

Während seines Aufenthaltes in Königsberg entfaltete Mel seine Predigttätigkeit und veröffentlichte eine umfangreiche erbauliche Predigtsammlung, bei der er unter anderem auf Aspekte der Kasseler Kirchenordnung von 1539 und der Kasseler Agenda aus dem Jahr 1657 zurückgriff. Besondere Aufmerksamkeit schenkte Mel den Themen des Besucherdienstes, des Konfirmandenunterrichts sowie der presbyterialen Ordnung, bei denen er verschiedene innovative Impulse setzte.

Im Jahr 1701 erlebte er die Stiftung und Gründung (1703) des Königsberger Waisenhauses durch Friedrich I., auf deren Motive des sozialen Engagements und der religiösen Gesinnung er sich in seinem späteren Wirken häufig bezog.

Ein weiterer Schwerpunkt im Jahr 1701 war Mels wissenschaftlich-akademische Tätigkeit, wobei sein Interesse besonders den orientalischen Sprachen, der biblischen Archäologie und linguistischen Fragen, aber auch naturwissenschaftlichen Thematiken galt. Nach Einreichung seiner Dissertation im Jahr 1702 wurde Mel zum außerordentlichen Professor für Theologie an der Albertus-Universität in Königsberg ernannt.

In Königsberg entwickelte sich ein enger Kontakt zum Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz. In einer umfangreichen Korrespondenz tauschten sich Mel und Leibniz über die Thematik der Mission aus und entwickelten Pläne zur sogenannten „Heidenmission“. Diese kamen besonders in Mels Denkschrift Schauburg der Evangelischen Gesandtschaft, einem Manuskript von 1701, zum Ausdruck, die eschatologische wie ökumenische Motive aufweist. Leibniz schlug Mel infolgedessen zur Aufnahme in die Preußische Akademie der Wissenschaften vor, woraufhin er zum auswärtigen Mitglied ernannt wurde.

Im Jahr 1705 kehrte Mel in die calvinistische Landgrafschaft Hessen-Kassel zurück, wo er das Amt des Inspektors der Kirchen im Fürstentum Hersfeld und die Leitung des dortigen Gymnasiums (heutige Konrad-Duden-Schule) übernahm. Da ihm sein Amt als Inspektor der Kirchen nur wenig in Anspruch nahm, war es Mel in dieser Zeit möglich eine weitere umfangreiche Predigtsammlung und Erbauungsbücher zu verfassen, die unter anderem ins Niederländische übersetzte wurden. Als eines der populärsten Werke gilt das Andachtsbuch Die Lust der Heiligen an Jehova, das im Laufe des 18. Jahrhunderts etwa 20 Auflagen erlebte.

Als Mel im Jahr 1705 die Leitung des Hersfelder Gymnasiums übernahm, plante er diese zu einem Propädeutikum für zukünftige Theologen und Missionare auszubauen. Dies konnte zwar nicht realisiert werden, aber Mel gelang es stattdessen das vom Hallischen Pietisten August Hermann Francke entwickelte, sog. Hallesche Modell in den Schulunterricht des Hersfelder Gymnasiums einzuführen. Dies geschah wenige Jahre nachdem in Halle das Hallesche Waisenhaus durch Francke gegründet worden war. Die in enger Korrespondenz stehenden Theologen Francke und Mel, stimmten in der Überzeugung eines erlernbaren Glaubens im schulischen sowie im gemeindlichen Rahmen überein. In den Schulunterricht wurden fromme Übungen integriert, um auf die religiöse Einstellung von Schülern und Lehrern einzuwirken. Ebenso übte Mel Kritik an der Vernachlässigung der naturwissenschaftlichen Fächer und verschaffte der Realienkunde einen größeren Raum im Stundenplan. Daneben erhielten die klassischen Sprachen sowie die modernen Sprachen einen erhöhten Stellenwert. Er selbst unterrichtete Niederländisch und Englisch in den Anfängen sowie darüber hinaus Hebräisch, Logik, reine und angewandte Mathematik, Mechanik, Optik, Astronomie, deutsche Rechtschreibung und Grammatik.

Mels pädagogisches Programm stellte hohe Ansprüche an die Schüler, verbot jedoch jede Art von Zwang – diese Pädagogik brachte ihm teilweise Kritik unter der Hersfelder Bevölkerung und den Lehrern des Gymnasiums ein. Infolge dieser Veränderungen, besonders durch die Schwerpunktverlagerung auf naturwissenschaftliche Fächer, verbesserte sich aber der Ruf der Schule und es kamen vermehrt Studenten verschiedener Fachrichtungen nach Hersfeld. Diese neuartige Schulform fand Unterstützung durch die Landgrafenfamilie. Landgraf Karl stellte sowohl Geld als auch Personal für Mels Pläne zur Verfügung, und das obwohl die benachbarten Gymnasien in Kassel, Marburg und Waldeck Einspruch einlegten.

Im Jahr 1709 gründete Mel mit Unterstützung der Landgräfin Marie Amalie ein Waisenhaus in Bad Hersfeld. Im Hersfelder Waisenhaus sollten die Kinder und Jugendlichen auf spätere Berufe vorbereitet werden. Nachdem Mel bei der wöchentlichen Brotausgabe die geringe Bildung sowie die fehlende Gläubigkeit bei den Waisenkindern festgestellt hatte, entschied er sich Ihnen Schulunterricht zu erteilen, bei dem er sich erneut am Hallischen Vorbild orientierte. Es erhielten somit die unterprivilegierten Teile der Gesellschaft eine Lernchance und Zukunftsperspektive, womit die von der pietistischen Bewegung geforderte Praxis Pietatis ihre Umsetzung fand. Die neuartige Schulform fand Unterstützung durch die Landgrafenfamilie. Landgraf Karl stellte sowohl Geld als auch Personal für Mels Pläne zur Verfügung. Karls Gemahlin Marie Amalie unterstützte das Waisenhaus, indem sie ihm die jährliche Fruchteinnahme von 60 Zentnern Korn und eine große Summe Bargeld vermachte.

Unter Mels Einflussnahme kam es zur Einrichtung verschiedener diakonischer Hilfen, wie der Armenspeisung und dem sogenannten Stiftsbrot. Für seine Leistungen auf theologischem, pädagogischen und sozialem Gebiet erhielt er 1706 eine Ehrung durch die englische „Society for the Propagation of the Gospel in Foreign Parts“ sowie die theologische Ehren-Doktorwürde der Universität Frankfurt/Oder.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken